Gigolo FRH

Isabell Werth und Gigolo bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney. Für Gigolo war es der dritte Auftritt unter olympischem Feuer und das letzte Turnier seiner unglaublichen Karriere. Foto: toffi-images.de
- Name: Gigolo FRH
- Geschlecht: Männlich
- Jahrgang: 1983
- Rasse: Hannoveraner
- Vater: Graditz
- Muttervater: Busoni xx
- Züchter: Horst Klussmann
- Größte Erfolge: Vier olympische Gold- sowie zwei Silbermedaillen, mehrfacher Welt- und Europameister, erfolgreichstes Dressurpferd aller Zeiten
Gigolo FRH gehört zu den „Schlüsselpferden“ in der Karriere von Isabell Werth. Er war das Pferd, mit dem sie den Durchbruch in den Spitzensport geschafft hat. Er war ihr erstes Olympiapferd. Er war das Pferd, das ihr ihre ersten Einzeltitel bescherte.
Kennengelernt haben die beiden sich 1989 im Stall von Dr. Uwe Schulten-Baumer Jun., also dem Sohn von Werths Mentor Dr. Uwe Schulten-Baumer Sen. Der Junior, von Beruf Arzt, hatte nicht mehr die Zeit, sich um all seine Pferde zu kümmern, wollte seinen Bestand verkleinern und der großrahmige Hannoveraner Dunkelfuchswallach gehörte zu den Kandidaten, von denen er sich trennen wollte. Ein Glück für Isabell Werth.
Überflieger
Gigolo hatte zwar einen solchen Namen, war allerdings optisch nicht gerade ein Blender und Frauenheld mit seinem recht großen Kopf an einem langen, dünnen Hals, bei dem der Unterhals auch noch ausgeprägter war als der Oberhals. Doch was ihm an Schönheit fehlte, machte Gigolo mit seiner Elastizität, seinem unendlichen Go und seiner unerschütterlichen Leistungsbereitschaft wett. Und mit seiner Intelligenz.
Als Werth Gigolo bekam, war er sechsjährig und hatte gerade fliegende Wechsel gelernt. Innerhalb eines Jahres lernte er das gesamte Grand Prix Programm. Als Gigolo siebenjährig war, wurden Werth und „der Doktor“ mit dem Otto-Lörke-Preis für die Ausbildung des besten Nachwuchs-Grand Prix-Pferdes ausgezeichnet. Und achtjährig ging das Wunderkind sein erstes Championat.
Erster Titel und Lehrstunde
Die Europameisterschaften 1991 in Donaueschingen waren Gigolos Championatspremiere. Sowohl er als auch seine damals Anfang 20-jährige Reiterin waren Newcomer, schlugen aber die Olympiasieger, Welt- und Europameister Nicole Uphoff und Rembrandt. Eine Sensation. Die Dressurwelt hatte zwei neue Stars.
Im Jahr darauf standen die Olympischen Spiele in Barcelona an, die ersten von Werth. Nun waren sie und Gigolo keine No Names mehr, sondern gehörten zu den Favoriten. Doch diesmal gelang es ihnen nicht, an den Titelverteidigern Uphoff und Rembrandt vorbeizuziehen. Neben Mannschaftsgold wurde es Silber in der Einzelwertung, die damals noch im Grand Prix Special entschieden wurde.
In ihrem Buch „Was für ein Mensch ist mein Pferd?“ schreibt Werth, dies sei für sie eine der wichtigsten Lektionen ihrer Karriere gewesen: dass man kämpfen muss, ohne zu verkrampfen. In Barcelona habe sie zu viel gewollt. Dadurch seien die Fehler zustande gekommen. Die Lektion hat gesessen. Wenn man eines über Isabell Werth sagen kann, dann, dass sie am besten ist, wenn sie herausgefordert wird und unter Druck steht.
Die Krone aller Goldmedaillen
Das konnte sie vier Jahre später in Atlanta unter Beweis stellen. Nun waren nicht mehr Nicole Uphoff und Rembrandt die großen Rivalen, sondern die Niederländerin Anky van Grunsven und ihr Oldenburger Wallach Bonfire. Bei diesen Olympischen Spielen gab es erstmals eine Kür. Die Vergabe der Einzelmedaillen ergab sich aus den Ergebnissen in Special und Kür. Nach dem Special hieß es noch: Vorteil van Grunsven. Doch in der Kür liefen Isabell Werth und Gigolo zu ganz großer Form auf und konnten ihre Rivalen klar hinter sich lassen – Gold! Es wurde der bislang einzige Einzeltitel für Werth bei Olympischen Spielen.
Vier Jahre später ging Gigolo in Sydney seine dritten (!) und letzten Olympischen Spiele, ja, sein letztes Turnier. Er krönte seine einzigartige lange Karriere noch einmal mit Mannschaftsgold und Einzelsilber. Später wurde er in der Stuttgarter Schleyer-Halle aus dem Sport verabschiedet. Bis heute ist er das erfolgreichste Dressurpferd aller Zeiten.
Rente mit Freunden
Nach seiner aktiven Laufbahn genoss Gigolo noch rund zehn Jahre lang seine Rente auf Werths Koppeln, zusammen mit den anderen Senioren des Stalls. Er starb mit 26 Jahren, kurz vor seiner Freundin Fabienne, die Isabell Werth 1992 ihren ersten Weltcup-Finalsieg geschenkt hatte.