Weihegold OLD

Weihegold, die Pi-/Pa-Maschine – mehr als 50 Mal hat die Stute Bewertungen von über 80 Prozent in ihrer Karriere erhalten, sechsmal sogar über 90 Prozent. Foto: sportfotos-lafrentz.de
- Name: Weihegold OLD
- Geschlecht: Weiblich
- Jahrgang: 2005
- Rasse: Oldenburger
- Vater: Don Schufro
- Muttervater: Sandro Hit
- Züchter: Inge Bastian
- Größte Erfolge: Mannschaftsgold und Einzelsilber Olympische Spiele 2016, vierfache Europameisterin, einmal EM-Silber, dreifache Weltcup-Siegerin
Die Oldenburger Stute Weihegold OLD ist eine lebende Legende, nicht nur wegen ihrer herausragenden sportlichen Leistungen, sondern auch wegen ihres züchterischen Vermächtnisses. In ihrer aktiven Zeit hat sie selbst das internationale Dressurgeschehen maßgeblich geprägt. In nicht allzu ferner Zukunft dürften es ihre Nachfahren sein, die hier mehr als nur ein Wort mitzureden haben. Die Geschichte eines außergewöhnlichen Pferdes.
Don Schufro musste es sein
Auf der Suche nach einem eigenen Pferd gelangte Christine Arns-Krogmann auch in den Stall der Familie Bastian in Bargteheide. Dort stand eine Jährlingsstute, abstammend von Don Schufro aus dem Weissena-Stamm. Sie habe schon immer eine Don Schufro-Stute für die Zucht haben wollen, verriet Arns-Krogmann einst im Interview und diese war perfekt. Vor allem, als sie sich dann in Bewegung setzte und Arns-Krogmann das Hinterbein der Rappstute in Aktion sah. Sie wollte sie haben. Unbedingt. Doch sie zu bekommen, gestaltete sich als nicht ganz einfach, denn die Familie Bastian wollte sie behalten, um mit ihr weiterzuzüchten. Schließlich wurde man sich jedoch handelseinig und Weihegold zog um.
Sie wuchs bei Christine Arns-Krogmann auf und die ritt sie selbst an. Das besondere Reitgefühl, das diese Stute vermittelt, sei bereits nach wenigen Malen im Sattel zu spüren gewesen, beschreibt Arns-Krogmann heute. Das war auch der Grund, warum sie sie von Anfang an auch sportlich fördern wollte.
Weihegold legte ihre Stutenleistungsprüfung mit überragenden Wertnoten ab (Rittigkeitsnote 10,0!) und erhielt eine Einladung zur Oldenburger Eliteschau in Rastede. Vor allem wegen ihrer SLP-Bewertungen stellte sie ihre Konkurrentinnen auf dem Brillantring in den Schatten. Der damalige Zuchtleiter Dr. Wolfgang Schulze-Schleppinghoff nannte sie stets als leuchtendes Beispiel dafür, dass man auch Zuchtpferde in erster Linie nach ihren Reiteigenschaften beurteilen müsse. Wie richtig er und seine Kollegen damals gehandelt haben, diese Rappstute zur Siegerin zu erklären, obwohl es andere gab, die mehr traben konnten, sollte sich in den kommenden Jahren noch zeigen. Für Christine Arns-Krogmann war Weihegold ohnehin die Nummer eins – ihre Entdeckung, ihr erstes eigenes Pferd, auf Anhieb eine Siegerstute.
Brillantring, Bundeschampionat, Burg-Pokal
Ihrem Erfolg in Rastede folgte die Nominierung fürs Bundeschampionat. Drei- und vierjährig vertrat Weihegold die Oldenburger Farben auf der Burandtwiese, vierjährig holte sie Bronze. Im Sattel saß damals Kira Wulferding, die der Stute eine solide Grundausbildung zukommen ließ und sie unter anderem auch fünfjährig bei den Weltmeisterschaften der jungen Dressurpferde auf Rang elf ritt.
Für die weiterführende Ausbildung sollte Weihegold allerdings in den Stall Hinnemann gehen. Dort war eine Bereiterin beschäftigt, Beatrice Buchwald, heute bekannt unter dem Nachnamen Hoffrogge. Sie hatte hier ihre Ausbildung absolviert und nahm die junge Weihegold unter ihre Fittiche.
Mit Familie Hinnemann vereinbarte Besitzerin Christine Arns-Krogmann, dass sie kein Berittgeld zu zahlen bräuchte, wenn die Hinnemanns ein Fohlen per Embryotransfer von Weihegold haben dürften. Gesagt, getan. Apache sollte der Vater sein. Das Fohlen kam zur Welt – und es entbrannte ein Streit, wer hier als Züchter eingetragen werden sollte. Das Ganze wurde schließlich vor Gericht zugunsten der Familie Hinnemann entschieden. Besagtes Stutfohlen erhielt den Namen Aweih und macht ihrer Mutter heute in jeder Hinsicht Ehre als S-Siegerin und Mutter des westfälischen Siegerhengstes 2021, Extra Gold v. Escolar. Aber das nur am Rande.
Sowohl Weihegold als auch Beatrice Hoffrogge hatten den Stall Hinnemann inzwischen verlassen und waren bei Isabell Werth eingezogen. Es dauerte nicht lange, da kannte ganz Dressur-Deutschland das Paar Hoffrogge/Weihegold. Als Weihegold achtjährig war, starteten sie beim Nürnberger Burg-Pokal Finale in Frankfurt und siegten. Im Jahr darauf waren die beiden erneut in der Frankfurter Festhalle dabei, nun im Louisdor-Preis Finale. Und wieder gab es kein Vorbeikommen an der Rappstute. Diesmal noch weniger, denn Piaffen, Passagen und Pirouetten waren die ganz große Stärke der kraftvollen Stute mit dem fantastischen Hinterbein.
Reiterwechsel
Isabell Werth hatte die Stute schon in Weihegolds Louisdor-Jahr 2014 einmal international im Grand Prix-Viereck vorgestellt, um ihr Sicherheit zu geben, denn sie und Beatrice Hoffrogge lernten ja gewissermaßen zusammen. Nach dem Sieg in Frankfurt hatten Weihegold und Hoffrogge 2015 ihre ersten internationalen Grand Prix-Auftritte mit guten Erfolgen.
2016 standen die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro an. Isabell Werth fehlte ein Olympiapferd. Ihre Superstute Bella Rose war noch immer verletzt. In Amsterdam stellte sie Weihegold in der Weltcup-Qualifikation vor – und gewann die Kür mit 83,450 Prozent vor dem deutschen Championatspaar der EM 2015, Jessica von Bredow-Werndl und Unee BB. Im Grand Prix waren sie hingegen „nur“ Achte. Dass sie auch Grand Prix für ganz vorne können, bewies das neue Paar kurz darauf in Neumünster, wo sie den Grand Prix mit über 80 Prozent gewannen. Das war eine Hausnummer, die sie für Olympia ins Gespräch brachte. So kam es, dass fortan Isabell Werth in Weihegolds Sattel saß und die Stute von Erfolg zu Erfolg führte.
In Rio ließen die beiden in der Mannschaftsentscheidung, dem Grand Prix Special, sogar Charlotte Dujardin und Valegro hinter sich und hatten somit den Löwenanteil am deutschen Mannschaftssieg. Hinzu kam kurz darauf noch Silber in der Einzelwertung.
2017 glänzten Weihegold und Werth bei den Europameisterschaften in Göteborg mit drei Goldmedaillen vor den Shooting Stars Sönke Rothenberger und Cosmo. Zuvor hatten sie bereits ihren ersten Sieg bei einem Weltcup-Finale geholt, dem in Omaha, USA.
Nach Übersee sollte es auch 2018 für die Weltreiterspiele gehen. Tryon in North Carolina hatte den Zuschlag für die Ausrichtung bekommen. Weihegold hatte gerade ihr zweites Weltcup-Finale gewonnen. Nun ging es um die Qualifikation für die WEG. Doch es geschah das, womit außer Isabell Werth schon kaum noch jemand gerechnet hatte: Bella Rose meldete sich zurück. Und Werth gab ihrem Herzenspferd den Vorzug gegenüber Weihegold. So kam diese nie dazu, WM-Luft zu schnuppern. Dafür holte sie 2019 ihren dritten Weltcup-Sieg in Folge und 2021 noch einmal Mannschaftsgold und Einzelsilber bei den Europameisterschaften in Hagen.
2022 ging Weihegold ihr letztes Weltcup-Finale in Leipzig und verabschiedete sich mit einem dritten Platz vor heimischem Publikum aus dem Turniersport. Ihren Ruhestand verbringt sie bei ihren Besitzern, der Familie Arns-Krogmann.
Verkauf?
Ein Pferd mit den Qualitäten einer Weihegold weckt Begehrlichkeiten. Dafür würden viele Menschen viel Geld ausgeben. So erhielten auch die Arns-Krogmanns Angebote, die der sechsköpfigen Familie ein sorgenfreies Leben ermöglicht hätten. Doch Christine Arns-Krogmann lehnte sie alle ab. Einmal war sie fast so weit nachzugeben, aber ihr Mann setzte sich mit Isabell Werth in Verbindung und deren treue Mäzenin Madeleine Winter-Schulze war das Zünglein an der Waage, das dafür sorgte, dass Werth die Stute weiter reiten und Weihegold ein Familienmitglied Arns-Krogmann bleiben konnte.
Christine Arns-Krogmann sagte einst im Interview: „Durch dieses Pferd hat sich bei uns privat viel verändert. Am Anfang haben wir gedacht, wir züchten vielleicht mit zwei Stuten. Nun haben wir einen eigenen Ausbildungsstall.“ Und in diesem stehen hauptsächlich Kinder und Kindeskinder von Weihegold, während die Grande Dame ihre Rente auf der Weide genießt.
Zweite Karriere
Nein, Weihegold war nicht das perfekte Dressurpferd – ihr Galopp war begrenzt, ihr starker Trab sowieso. Aber sie verfügte über ein kraftvoll abfußendes, aktives Hinterbein und einen unbegrenzten Leistungswillen. Sie war zuverlässig wie ein Uhrwerk. Weihegold hat immer geliefert, wo auch immer sie auftrat. Nie ließ sie sich ablenken, nie war sie schlecht drauf. Sie gab immer ihr Bestes. Diese Eigenschaften sind es, die sie auch in der Zucht so wertvoll machen und die sie nicht nur in die erste Generation zuverlässig weitergibt.
Schon in der aktiven Zeit bekam die Stute nach der Hallensaison regelmäßig einige Wochen Pause, um sie züchterisch per Embryotransfer zu nutzen. Bereits 2009 hatte sie drei ET-Fohlen, darunter den gekörten und im internationalen Grand Prix-Sport mit dem Australier Tristan Tucker erfolgreichen Sir Weihbach v. Sir Donnerhall.
2012 kam der Totilas-Sohn Total Hope OLD zur Welt, ebenfalls gekört. Nachdem er die ersten Jahre in Schweden verbracht hatte, nahm Isabel Freese die Ausbildung des Rappen mit den besonderen Eltern in die Hand, machte ihn zum Nürnberger Burg-Pokal- und Louisdor-Preis Sieger, ehe sie ihn in den internationalen Sport brachte. Sie wurden unter anderem Dritte im Weltcup-Finale 2025, waren 2024 starke Zehnte im Einzelfinale der Olympischen Spiele, vertraten Freeses Heimat Norwegen bei Welt- und Europameisterschaften.
Die beiden sind nicht die einzigen Weihegold-Söhne, die die Qualitäten ihrer Mutter geerbt haben. Im Stall Schmidt ist der San Amour-Sohn Special Gold PCH die große Zukunftshoffnung von Mannschaftseuropameisterin Katharina Hemmer. Sein Halbbruder Vitally PCH v. Vitalis machte mit nur sieben Jahren bereits im Nürnberger Burg-Pokal auf sich aufmerksam und zeigt im Training bereits ähnliches Piaffe- und Passage-Talent wie seine Geschwister.
Die Weihe-Dynastie
Die Weihegold-Töchter und inzwischen auch Enkelinnen tragen das Erbe ihrer Ahnin weiter. Viele von ihnen sind selbst im Viereck erfolgreich. Aber noch bekannter sind ihre Abkömmlinge wie der Vivaldi-Sohn Viva Gold aus der Weihronce v. For Romance I-Weihegold. Viva Gold steht bei Isabell Werth zur Ausbildung und hat sich gleich bei seinem ersten Turnierstart fürs Louisdor-Preis Finale empfohlen – vor allem dank überragender Piaffen und Passagen. Zudem hat er bereits hervorragende Nachzucht mit mehreren Siegerhengsten wie zum Beispiel Birkhof’s Viva Diamond, der unter Isabell Werths Stallreiterin Lisa Wernitznig die deutschen Farben bei den Weltmeisterschaften der jungen Dressurpferde 2025 vertrat und Platz sechs im Finale verlegte. Aus dem gleichen Jahrgang stammt noch ein weiterer prämierter Viva Gold-Sohn mit Namen Viva Vegas. Der Fuchs wurde bei der DSP-Körung, bei der Viva Diamond Siegerhengst war, teuerstes Auktionspferd und wechselte nach Dänemark. 2024 wurde er mit Mannschaftsweltmeisterin Nanna Skodborg Merrald Dänischer Champion der Vierjährigen und ist der meist genutzte Hengst des Landes.
Beim Bundeschampionat 2025 stellte Christine Arns-Krogmann mit Weihe’s Hope v. Dynamic Dream, einer Weihegold-Enkelin aus der Weihe’s Hope v. Sir Donnerhall die neue Bundeschampionesse der vierjährigen Stuten und Wallache. Diese Weihe’s Hope stellte mit L’Avenir v. Le Formidable zudem einen Prämienhengst bei der Oldenburger Körung 2023. Der im 2022 geborene Everglow Gold v. Escolar wurde 2025 Reservesieger der KWPN-Körung. Die vierjährige Weihkjenta v. Kjento ging 2024 auf dem Oldenburger Brillantring und wurde im selben Jahr Landeschampionesse der dreijährigen Stuten und Wallache.
Fürstin Weihe v. Fürst Romancier aus der Weihegold brachte aus der Anpaarung mit Damon Hill den in der kleinen Tour erfolgreichen Prämienhengst Damon Gold.
Weihcera Royal NG ist nicht nur selbst Prix St. Georges- und Intermédiaire I-erfolgreich, mit For Gold v. Franziskus lieferte sie zudem einen S-erfolgreichen gekörten Hengst, der fünfjährig Neunter im Finale der Weltmeisterschaften der jungen Dressurpferde mit Stefanie Viehoff-Wolf wurde und inzwischen mit Clara Paschertz im internationalen Junioren-Sport erfolgreich ist.
Weihcine v. Fürst Heinrich brachte mit Dodo Weihgand v. Diamond Hit einen weiteren Oldenburger Prämienhengst sowie die S-platzierte Bundeschampionatsteilnehmerin Weihvirgin v. Vitalis und Weihglamour v. Glamourdale, die 2025 bei den Fünfjährigen auf dem Bundeschampionatsviereck dabei war.
Und so geht es weiter. So gut wie jede Tochter von Weihegold hat mindestens einen gekörten Sohn hervorgebracht, der meistens auch unter dem Sattel hielt, was seine Abstammung verspricht. Und wenn das Fohlen ein Stutfohlen war, brillierte dieses meist ebenfalls selbst im Sport und hat wiederum gekörte Söhne sowie viel versprechende Sportpferde gezeugt. Der Weissena-Stamm, der auch internationale 1,60 Meter-Springpferde wie den Furioso II-Sohn Heisman für die USA hervorgebracht hat, steht also dank Weihegold in voller Blüte.