Bella Rose

Eine Dame von Kopf bis Schweif: Isabell Werths Bella Rose. Foto: Toffi-images.de
- Geschlecht: Weiblich
- Jahrgang: 2004
- Rasse: Westfalen
- Vater: Belissimo M
- Muttervater: Cacir AA
- Züchter: ZG Strunk
- Größte Erfolge: Dreifache Weltmeisterin, Mannschaftsolympiasiegerin und Einzelsilbermedaillengewinnerin, dreifache Europameisterin
Nicht nur einen, sondern gleich mehrere emotionale Momente der Art wie in Aachen mit Satchmo erlebte Isabell Werth mit der Westfalen-Stute Bella Rose. Dreijährig zog die Belissimo M-Tochter bei ihr ein. Werth sah Bella Rose bei ihren Züchtern, der Familie Strunk in Bochum, an der Longe traben und war elektrisiert. Ihr erster Eindruck hat sie nicht getäuscht. In einem ihrer Bücher schreibt Werth, bis heute fehlten ihr die Worte, um das Gefühl zu beschreiben, das sie hatte, als sie Bella Rose das erste Mal geritten hat.
Bei der EQUITANA 2011 in Essen stellte Werth die damals Siebenjährige in einer Ausbildungsdemonstration vor. Im Sattel saß damals nicht sie selbst, sondern ihr Stallreiter Matthias Bouten, der Bella Rose dreijährig bei Familie Strunk sah und Isabell Werth den Tipp gegeben hat. Wer die Stute bei ihrem ersten großen Auftritt in Essen gesehen hat, wird zustimmen: Nicht nur Werth hatte dieses Wow-Gefühl, als sie Bella Rose zum ersten Mal erlebte. Ja, man muss hier von einem Erlebnis sprechen. Was für ein Pferd! Was für Bewegungsmöglichkeiten! Aber auch: Was für ein Temperament!
A Star is born Teil I
Nur drei Jahre später war die Stute im Grand Prix-Sport angekommen. Mit zehn Jahren leuchtete ihr Stern hell am Firmament. Sie wurde für die Weltreiterspiele in Caen nominiert. Mit 81,529 Prozent musste sie im Grand Prix nur dem damals unschlagbaren Olympiasieger Valegro den Vortritt lassen und wurde Zweite noch vor Deutschlands Toppaar der vorigen Jahre, Damon Hill und Helen Langehanenberg. Bella Rose hatte damit den Löwenanteil am deutschen Mannschaftsgold. Doch dann folgte die Ernüchterung. Vor dem Special zog Werth die Stute zurück. Sie habe eine Huflederhautentzündung, hieß es. Tatsächlich war sie im Herbst in Stuttgart wieder am Start, gewann Grand Prix und Kür. Doch dies sollte für lange Zeit das letzte Turnier sein, das die Stute ging.
Abgeschrieben
Im Winter fing sie wieder an zu lahmen. Es wurde ein „Knochendefekt“ diagnostiziert. Werth hat nie gesagt, dass die Stute nicht mehr in den Sport zurückkehren würde. Doch die meisten hatten die wunderschöne Fuchsstute wohl dennoch bereits abgeschrieben. Isabell Werth aber glaubte unverbrüchlich daran, dass ihre Bella eines Tages ins Viereck zurückkehren würde. Und tatsächlich, 2018 war es so weit. Auf dem Schindlhof in Fritzens war sie wieder da. Sie gewann und ihre Reiterin weinte. Es war nicht das erste und auch nicht das letzte Mal, dass Bella Rose mit ihrem Eifer ihr die Tränen in die Augen getrieben hat.
Comeback bei der WM
Wenige Monate später standen die Weltreiterspiele in Tryon, USA, auf dem Plan. Deutschlands Ziel: das zwölfte WM-Mannschaftsgold. Isabell Werth hätte mit der Mannschaftsolympiasiegerin Weihegold eine sichere Bank im Stall gehabt. „Weihe“ lieferte stets genauso zuverlässig ab wie ihre Reiterin. Doch Werth wollte unbedingt Bella Rose in Tryon reiten. Das gab viel Gerede – würde die Stute halten? Sie hat doch kaum Turniererfahrung! Und wäre es für die Mannschaft nicht besser, auf die bewährte Weihegold zu setzen? Bella Rose gab die Antworten auf ihre Art: 84,829 Prozent im WM-Grand Prix von Tryon, der Titel für Team Germany. Und dann auch noch 86,246 Prozent im Grand Prix Special, der Titel für Bella Rose. „Dieser Ritt geht in die Geschichte ein, weil er eine Geschichte hat“, brachte Jan Tönjes es damals auf den Punkt. Es ist die Geschichte einer Reiterin, die unverbrüchlich an ihr Pferd geglaubt hat, wo andere längst aufgegeben hätten, und die dafür reich beschenkt wurde. Im Jahr darauf mit dreifachem EM-Gold. 2021 mit Mannschaftsgold und Einzelsilber bei den Olympischen Spielen in Tokio. Das war das letzte große Turnier der Stute.
Beim CHIO Aachen verabschiedete Werth Bella Rose in den Ruhestand – natürlich unter Tränen. „Ich kann Ihnen gar nicht sagen, was mir dieser Moment bedeutet“, bedankte sie sich damals unter Schluchzen beim gerührten Publikum im Dressurstadion, während Bella Rose im Hintergrund auf ihrer Kandare kaute. Danach gesellte sie sich zu Isabell Werths vielen anderen Rentnern auf die Weide.
Inzwischen hat sie schon zwei Fohlen, beide von Hengsten aus Werths Stall, Valdiviani und Majestic Taonga.