Lillie Keenan und Kick On gewinnen Weltcup-Springen in Washington 2026
„Kick On“ für Lillie Keenans Weltcup-Saison in Washington, Dittmer Siebter
Lillie Keenan und Kick On, Sieger im Weltcup-Springen von Washington 2026.
Foto: FEI/Shannon Brinkman 22 Paare gingen im Umlauf an den Start, 13 davon kamen ins Stechen über den Kurs von Parcoursbauer Colm Quinn. Das versprach ein Rennen gegen die Uhr, und so kam es auch. Die Führung wechselte in der Anfangsphase mehrfach.
McLain Ward legte mit Jordan Molga M eine schnelle Nullrunde vor. Daniel Coyle unterbot diese Zeit mit Farrel um fast anderthalb Sekunden. Dann kam Keenan. Sie ritt ähnliche Linien wie Coyle, setzte aber auf Kick Ons Grundtempo. Das war die richtige Strategie – 36,69 Sekunden, neue Bestzeit. Obwohl Keenans Plan nicht ganz aufgegangen war, wie die selbstkritische US-Amazone eingestand: „Es gab ein paar Stellen, an denen ich weniger Galoppsprünge eingeplant hatte.“ Aber in solchen Momenten kann sie sich auf Kick Ons Grundschnelligkeit verlassen: „Obwohl er so viel Bascule hat, springt er sehr effizient. Er war immer bei mir, und ich habe die Zügel quasi nie angefasst. Ich glaube, das hat den Unterschied gemacht.“
Danach folgten noch sieben Paare. Keins davon blieb fehlerfrei und war schneller. Am nächsten kam Shane Sweetnam mit Pia Maria H.
Heimsieg mit Vorgeschichte
Für Keenan war es ein Sieg auf vertrautem Boden. Die 30-Jährige startet seit ihrem achten Lebensjahr bei der Washington International Horse Show. Mit 13 Jahren gewann sie dort als bis heute jüngste Reiterin das Equitation-Championat, später folgten Titel bei den Junioren. „Ich wollte diesen Weltcup immer gewinnen“, sagte sie. „Es ist das erste Mal, und es vor heimischem Publikum zu schaffen, freut mich besonders.“
Kick On reitet Keenan seit drei Saisons. Bei den Weltcup-Finals 2025 in Basel und im April 2026 in Fort Worth war das Paar bereits dabei, in Fort Worth unter den besten Zehn. „Zweimal waren wir im Weltcup-Finale nah am Podium“, sagte Keenan. „Hoffentlich bekommen wir in Göteborg noch eine Chance.“ Die 20 Punkte aus Washington bringen sie diesem Ziel jedenfalls schon mal ein gutes Stück näher.
Farrel: Das Comeback, an das niemand glaubte
Platz zwei ging an den Iren Daniel Coyle mit dem Cardento-Sohn Farrel in 37,13 Sekunden. Für den 16-jährigen Wallach, der dieses Jahr unter anderem schon in Spruce Meadows beendruckt hat, war es der erste Podiumsplatz in einem Weltcup-Springen seit 2020. Damals hatte er als Zehnjähriger in Ocala gewonnen. Noch im selben Jahr wurde eine Zyste im Kniegelenk festgestellt. Sie galt als Karriereende.
Besitzerin Ariel Grange ließ Farrel operieren. Eigentlich sollte er danach nur einen schmerzfreien Ruhestand genießen. Doch er kam zurück, besser denn je. „Ich dachte, wenn er wieder ein paar Zeitspringen gehen kann, wäre das ein Wunder“, sagte Coyle. „Dass er jetzt wieder an der Spitze mitspringt, ist unglaublich.“
Pia Maria H: Hallendebüt auf dem Podium
Dritter wurde Shane Sweetnam mit Pia Maria H in 38,09 Sekunden. Für die elfjährige Kasanova de la Pomme-Tochter war Washington das erste Weltcup-Springen und überhaupt der erste Start in der Halle. „Sie ist eine echte Kämpferin“, sagte Sweetnam. „Manchmal gegen dich, aber im Parcours für dich.“
Mit 32 Punkten übernahm Sweetnam nach drei Etappen die Führung in der Nordamerika-Liga. Dahinter folgen der Schweizer Beat Mändli mit 25 und McLain Ward mit 24 Punkten. Die nächste Etappe findet am 14. November in Toronto statt.
René Dittmer top unterwegs in Washington
Einziger Deutscher im Feld war René Dittmer, der wieder aus US-Tournee ist. Mit dem Holsteiner Cody v. Casall gehörte er zu den 13 Paaren im Stechen. Ein Abwurf kostete ihn dort die Chance auf eine vordere Platzierung, mit der drittschnellsten Vier-Fehler-Runde wurde er aber noch Zehnter. Schon am Donnerstag war das Paar im 1,55-m-Springen mit Stechen Dritter geworden, hinter Daniel Coyle mit Farrel und Mark Bluman (ISR) auf Landon de Nyze.
Alle Ergebnisse aus Washington finden Sie hier.