Steendieks Derrick – das S***-Dressurpony, das zweimal dem Tod von der Schippe gesprungen ist

Steendieks Derrick – über ein 1,45 Meter-Pony, das Grand Prix gewinnt

Feature 21.10.2026
Ann-Cathrin Rieg und Steendieks Derrick in der Intermédiaire II beim der Piaff-Förderpreis Station in Mannheim, wo sie einen starken sechsten Platz belegten. Dieses Jahr haben sie von 15 S***-Prüfungen neun gewonnen, waren zweimal Zweite, einmal Dritte, einmal Vierte und zweimal Top Ten platziert.
Foto: sportfotos-lafrentz.de Ann-Cathrin Rieg und Steendieks Derrick in der Intermédiaire II beim der Piaff-Förderpreis Station in Mannheim, wo sie einen starken sechsten Platz belegten. Dieses Jahr haben sie von 15 S***-Prüfungen neun gewonnen, waren zweimal Zweite, einmal Dritte, einmal Vierte und zweimal Top Ten platziert. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Nicht zum ersten Mal haben Ann-Cathrin Rieg und ihr zwölfjähriger Ponyhengst Steendieks Derrick Richter und Zuschauer gleichermaßen begeistert, als sie am vergangenen Wochenende auf Gut Ising das Finale der DERBY Stars von Morgen für sich entschieden. Ein Pony, das S*** gegen Großpferde gewinnt, ist ja schon eine Besonderheit. Noch viel besonderer ist allerdings die Geschichte dieses Ponys.

Seinen Namen verdankt Steendieks Derrick seiner Geburtsstätte, dem Gestüt Steendiek von Familie Böge in Schönhorst, Schleswig-Holstein. Dort, wo Derrick die ersten Jahre seines Lebens verbrachte, wuchs auch schon der Holsteiner Spitzenhengst Catoki auf. Aber Derricks Bestimmung war nicht der Parcours, er sollte einer fürs Viereck werden. Dafür war er gezüchtet worden.


Sein Vater, Steendieks Morgensterns Dalai, wurde nach bestem Dressurponyrezept gezogen mit den beiden Zuchtheroen des Ferienhof Stücker FS Don’t Worry und FS Champion de Luxe als Vater und Muttervater und auf der Mutterseite dem Stamm, der unter anderem auch die sport- wie zuchterprobten FS Pavarottie, Pan Tau und andere hervorgebracht hat.


Derricks Mutter Debby v. Donnertraum-Don Pedro vertritt keinen ganz so erfolgreichen Stamm. Aber spätestens seit dieser Saison kann Peter Böge weitere Nachzucht dieser Familie mit dem Prädikat „Derrick-Stamm“ bewerben. Wobei das eigentlich auch schon vorher der Fall war.


Derrick kam 2014 in einer Phase zur Welt, als bei Familie Böge noch jährlich 60 bis 70 Fohlen geboren wurden. Dass da etwas ganz Besonderes ins Stroh gefallen war, ahnte Peter Böge noch nicht. „Er war schon ein gutes Fohlen, aber so wie andere auch.“ Dass Derrick einmal eines der bekanntesten Ponys Deutschlands werden sollte, führt Böge eher auf seinen Werdegang zurück. „Es kommt ja auch immer darauf an, wohin sie kommen“, weiß der erfahrene Züchter. Und Derrick hatte das Glück, bei Ann-Cathrin Rieg zu landen.


Richtiges Pony, falscher Zeitpunkt


Ein „ganz Normaler“ war Derrick schon dreijährig nicht mehr. Vorgestellt von Heidi Elina Takala, schaffte er es unter die Top Ten im Bundeschampionatsfinale. Vierjährig ging er unter Wenke Kraus, gewann Reitpferdeprüfungen gegen Großpferde. Fünfjährig qualifizierte er sich erneut fürs Bundeschampionat, diesmal unter Sophie Henke, die ihn auf Rang acht im Finale ritt. Zu dem Zeitpunkt kannte Ann-Cathrin Rieg Derrick bereits.


„Wir waren 2019 auf der Suche nach einem drei-, höchstens vierjährigen Nachwuchspony mit Potenzial, das ich in den Reitponyprüfungen auf dem Bundeschampionat vorstellen, dann bis FEI ausbilden und verkaufen wollte“, berichtet die heute 26-Jährige. Ihre Suche führte sie in einen Ausbildungsstall in Neumünster, wo mehrere junge Ponys auf neue Besitzer warteten. Dazu gehörte auch Derrick. Ann-Cathrin ritt ihn zur Probe, obwohl er mit fünf Jahren eigentlich nicht ins Beuteschema passte. Peter Böge mag geglaubt haben, Derrick sei ein Pony wie alle anderen, Ann-Cathrin Rieg war vom ersten Augenblick im Sattel an klar, dass dieser junge Hengst anders war, besser. „Das Gefühl war direkt mega gut“, erinnert sie.


Aber sie wollte ja kein Pony für sich, sondern eines zum Ausbilden und weiterverkaufen – ähnlich, wie sie es bereits mit dem Europameister Daily Pleasure gemacht hat, der vierjährig zu ihr kam, von ihr gefördert wurde und später nicht nur einem Kind den Weg ins große Viereck geebnet hat. Dafür war Derrick mit fünf Jahren bereits zu alt. Also trat Familie Rieg unverrichteter Dinge den Heimweg an. Doch Derrick hatte sich ins Ann-Cathrins Kopf festgesetzt.


Schicksalsgemeinschaft


Ann-Cathrin Rieg und Steendieks Derrick beim iWest Cup in Stuttgart. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Ann-Cathrin Rieg und Steendieks Derrick beim iWest Cup 2023 in Stuttgart. Foto: sportfotos-lafrentz.de

Sie verfolgte seinen weiteren Werdegang auf ClipmyHorse, sah ihn beim Bundeschampionat, wusste, in diesem Pony steckt noch viel mehr. Ann-Cathrin Riegs Eltern konnte den Namen Derrick zu jener Zeit vermutlich nicht mehr hören. Ständig lag sie ihnen mit diesem Pony in den Ohren. Es sollte wohl so sein, dass die beiden einander finden, denn als Familie Rieg auf der Suche nach einem anderen Pony wieder auf Derrick traf, fiel die Entscheidung. Zum Jahreswechsel 2019/2020 zog Derrick um nach Baden-Württemberg.


Er und Ann-Cathrin konnten sich in Ruhe kennenlernen. Turnierdruck hatten sie nicht, denn coronabedingt war ohnehin alles gecancelt. Als sie dann wieder starten durften, nannte Ann-Cathrin eine Dressurpferdeprüfung Klasse L. Derrick gewann sie mit 8,0.


Das weckte Begehrlichkeiten, die ersten Kaufangebote trudelten ein, Interessenten probierten Derrick aus. Aber immer war etwas. Bei dem ersten Kunden hatte er sich vertreten. Als der zweite Termin anstand, könnte man auf die Idee kommen, Derrick einen Suizidversuch zu unterstellen, denn der Hengst brach sich auf bis heute ungeklärte Weise sechs Dornfortsätze. Nun ging es nicht mehr um die Frage verkaufen oder behalten, nun ging es um sein Leben.


Zurück auf Anfang


Derricks Verletzung war inoperabel. Sie musste von alleine ausheilen. Oder auch nicht, hopp oder Top. Fünf Monate Boxenruhe sagten die Tierärzte. Höchstens zum Putzen durfte er wenige Schritte rausgeführt werden. Der Unfall passierte im Juli. Einen Tag nach Weihnachten saß Ann-Cathrin Rieg erstmals wieder auf Derricks Rücken. Er hatte es geschafft, hatte nicht nur die Verletzung überstanden, sondern konnte auch wieder sportlich eingesetzt werden. „Das war mein schönstes Weihnachtsgeschenk“, so Ann-Cathrin Rieg.


Bis das Reitgefühl allerdings wieder das gleiche war wie vor dem Unfall dauerte es. „Ich war total unsicher. Er fühlte sich überhaupt nicht gut an. Immer wieder sind wir zum Tierarzt gefahren und haben ihn untersuchen lassen. Aber der Tierarzt sagte, es sei alles in Ordnung. Er müsse nur wieder Muskulatur aufbauen.


So arbeitete sie vorsichtig weiter. Ihr Tierarzt behielt Recht. Knapp ein Jahr nach dem Unfall ging Derrick wieder ein Turnier, wieder eine Dressurpferde L. Zwar war er bereits siebenjährig, aber aufgrund seiner mangelnden Turniererfahrung durfte er trotzdem starten. Er gewann die Prüfung mit 8,7. Sollte es Derricks Absicht gewesen sein, sich ein Bleiberecht auf Lebenszeit bei Familie Rieg zu sichern, nun hatte er es geschafft. „Mit dem Bruch wollte ihn ohnehin niemand mehr haben“, sagt Ann-Cathrin in der Rückschau.


Der Beginn einer außergewöhnlichen Karriere


Pirouetten wie ein Großer … Foto: sportfotos-lafrentz.de
Pirouetten wie ein Großer … Foto: sportfotos-lafrentz.de

Aber was sollte sie mit Derrick anfangen? Vom Alter her war sie längst aus der Ponyzeit herausgewachsen. Aber zierlich wie sie ist, passte sie von der Statur her nach wie vor gut zu Ponys, die sie ohnehin am liebsten reitet. Mit ihnen hatte sie ihre größten Erfolge, mit Großpferden immer Pech. Warum dann nicht, aus Derrick ein Pony fürs große Viereck machen? „Also dachte ich, ich bringe Derrick mal einen Wechsel bei …“ Hier zeigte sich, dass Derrick nicht nur supertalentiert, sondern auch superschlau ist. Was man ihm einmal beigebracht hatte, das saß.


Ann-Cathrin Rieg war mutig, nannte die erste Dressurpferdeprüfung Klasse M – und gewann. „Es war fast immer so, er lernte etwas Neues und war gleich vorn dabei. Irgendwann habe ich dann auch mal eine S probiert. In der ersten war er noch einen raus. Die zweite hat er gewonnen. Da sagte mein Papa zum ersten Mal: ,Mit dem bekommt sie ihr Goldenes Reitabzeichen‘.“ Ann-Cathrins Mutter war eher skeptisch. „Nee, das schafft sie nicht, nicht mit einem Pony“, habe sie gemeint. Derrick zeigte es Ann-Cathrins Mutter. Innerhalb eines Jahres konnte ihre Tochter sich das Goldene Abzeichen ans Revers ihres Fracks heften. Man kann sich vorstellen, dass Mutter Rieg seither noch einige Male an ihren Irrtum erinnert wurde. Denn bei S war ja noch lange nicht Schluss. „Derrick hat mir immer gesagt: Da geht noch was“, so Ann-Cathrin Rieg.


Derrick wird TV Star


Ihr Gefühl hat sie nicht getrogen. Sie förderte Derrick weiter, nannte die ersten Zwei-Sterne-Prüfungen, sammelte Schleifen in Prix St. Georges und Intermédiaire I, peilte den iWest-Cup bei den German Masters in Stuttgart an, der in Intermédiare I entschieden wird. Für sie als Baden-Württembergerin, die ganz in der Nähe zuhause ist, ist das Turnier in der Schleyerhalle nicht nur sportliches Highlight, sondern auch Heimspiel. Da will man dabei sein. Aber vorher musste man sich qualifizieren.


Das war schon schwieriger, denn zwei Wochen vor dem letzten Turnier, bei dem sie noch notwendige Punkte hätten sammeln können, zog sich Derrick ein Hufgeschwür zu. Ann-Cathrins Eltern erklärten sie für verrückt, als sie sagte, dass sie mit dem gerade genesenen Hengst die Qualifikation trotzdem reiten wollte. Wieder zeigte Derrick, geht nicht, gibt’s bei ihm nicht. Er löste das Ticket für die Schleyerhalle.


War das Intermédiaire-Pony bis dahin eine regionale Attraktion, machte der Auftritt in Stuttgart Derrick deutschlandweit bekannt. Die beiden hinterließen bleibenden Eindruck. Da war ein Pony, das die großen in Sachen Ausbildungskriterien, Qualität und Ausstrahlung in den Schatten stellte. Die beiden holten sensationell die silberne Schleife für Platz zwei.


Ein Pony, das sich in diesem renommierten Serienfinale unter die Top drei mischt – das war so außergewöhnlich, dass der SWR Derrick eine ganze Sendung widmete. Alle staunten über Derrick. Aber Ann-Cathrin wusste: „In Stuttgart hat er mir gezeigt, dass er noch ein bisschen mehr Sprit im Tank hat als S**.“


Ein Pony auf dem Weg zum Grand Prix


… und Piaffen auch. Foto: sportfotos-lafrentz.de
… und Piaffen auch. Foto: sportfotos-lafrentz.de

Also brachte sie ihrem Hengst über den Winter Einerwechsel bei, fuhr mit ihm zu Katrin Burger, um sich zeigen zu lassen, wie sie ihm an der Hand die Grundlagen für Piaffe und Passage beibringen kann. Das lernte Derrick schnell. Bis er die Hilfen unter dem Sattel verstanden hatte, dauerte es etwas länger. Ann-Cathrin gab ihm die Zeit, ließ eine Saison verstreichen, ehe sie die ersten S***-Prüfungen unter Turnierbedingungen anpeilte. Heute zählen Piaffe und Passage zu den Stärken der beiden.

2025 wagten sie sich an den Piaff-Förderpreis heran. Sie wurden für die Serie zugelassen und waren so erfolgreich, dass sie in den Bundeskader aufgenommen wurden. Derrick ist bis heute das erste Pony, dem das geglückt ist. Und er wird es vermutlich auch eine Weile bleiben.


Der DERBY Star von Morgen


Vergangenes Wochenende fand auf Gut Ising das Finale Süd der DERBY Stars von Morgen statt. Normalerweise war Ising immer die Halbfinalstation für alle Teilnehmer südlich von Frankfurt. Das Finale selbst fand dann im Januar in der Halle Münsterland statt. Aber da der Süden hier in den vergangenen Jahren witterungsbedingt stets unterrepräsentiert war, entschied man sich, zwei Finals auszutragen, eines für den Süden, eines für den Norden.


Sollte Bayerns Lokalmatador Franz Trischberger der Meinung gewesen sein, mit seiner Louisdor-Preis qualifizierten und hoch talentierten Kinshasa würde ihm dieses Jahr ein Durchmarsch in Ising gelingen, hatte er die Rechnung ohne die beiden Stars aus dem Ländle gemacht, Ann-Cathrin Rieg und Steenhofs Derrick. Christoph Hess war als Richter und Kommentator zugegen. Als Ann-Cathrin und Derrick ihre korrekte, frische und hoch elegante Prüfung beendet hatten und Ann-Cathrin ihren Hengst gar nicht genug loben konnte für seine großartige Mitarbeit, griff er zum Mikrophon. „Das macht Reiten aus – wirklich das Pferd als Freund oder als Freundin zu haben. Und das merkt man euch an. Das –finde ich – spürt man als Richter.“ Und als Zuschauer.


Ann-Cathrin hätte auch etwas sagen sollen, konnte sie aber kaum. „Ich sage immer, der hat ein Herz größer als das Universum und einen Kampfgeist wie ein Löwe, und das hat er glaube ich dieses Jahr allen bewiesen – und ich bin super dankbar dafür …“ Weiter kam sie nicht, denn da kamen ihr die Tränen. Es waren Tränen der Freude, aber wohl auch der Erleichterung, denn was weder Christoph Hess noch die Zuschauer wussten: Im März ist Derrick dem Tod zum zweiten Mal von der Schippe gesprungen.


Derricks drittes Leben


Auf dem Rückweg von einem Turnier scharrte er während der Fahrt im Transporter. Schon das kam Ann-Cathrin komisch vor. Als der Hengst sich dann in der Box hinlegte und nicht mehr aufstand, zögerte Familie Rieg nicht lange und brachte ihn sofort in die Tierklinik. Welch gute Entscheidung! Was zunächst wie eine normale Kolik aussah, entwickelte sich im Laufe der Nacht zum Notfall.


Um 2.30 Uhr klingelte das Ann-Cathrins Telefon, am anderen Ende die Klinik. Derrick hatte eine Thrombose, also ein Blutgerinnsel am Blinddarm, das für die Verstopfung verantwortlich ist. Eile war geboten, OP oder nicht? Natürlich OP. Glücklicherweise konnte das Gerinnsel entfernt und die Verstopfung gelöst werden, ohne dass Teile des Darms entfernt werden mussten. Derrick hatte es geschafft, wieder einmal.


Aber die Narbe brauchte Zeit zum Ausheilen. Also wurde Derrick – voll im Training und voller Saft und Kraft – wieder mal zur Pause gezwungen. Zehn bis elf Wochen sollte er nur im Schritt bewegt werden. Haha, können vor lachen. Nach acht Wochen, habe er angefangen seine Box zu zerlegen, berichtet Ann-Cathrin Rieg. Kontrolliert Schritt reiten, lautete deren Rat. Das ging noch viel weniger als Führen. Die Lösung war das Laufband. So eingestellt, dass es leicht bergan ging, joggte Derrick die letzten zwei dreimal täglich darauf. Danach war er wieder ganz der Alte.


Ausblick


Typisch: Derrick happy, Ann-Cathrin offenbar bereits hadernd, was sie beim nächsten Mal besser machen muss. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Typisch: Derrick happy, Ann-Cathrin offenbar bereits hadernd, was sie beim nächsten Mal besser machen muss. Typisch: Derrick happy, Ann-Cathrin offenbar bereits hadernd, was sie beim nächsten Mal besser machen muss. Foto: sportfotos-lafrentz.de

Das erste Pony im Bundeskader, S***-siegreich, Stars von Morgen, was soll da jetzt noch kommen? Was die sportlichen Ziele betrifft, peilt Ann-Cathrin Rieg für die kommende Saison die ersten Starts in Grand Prix de Dressage und Grand Prix Special an – vielleicht auch international. Aber auf lange Sicht sieht sie für ihren Hengst eine zweite Karriere. „Ich möchte, dass er irgendwann seine tollen Gene weitergeben kann. Ich habe ja gemerkt, wie schnell alles vorbei sein kann …“


Ann-Cathrin hat neben Derrick derzeit insgesamt fünf Pferde und Ponys in Ausbildung und Beritt. Die Familie konnte 2021 eine eigene Anlage mit elf Boxen pachten, die genug Weideflächen bietet, dass jedem Pferd bzw. Ponys zwei Ausläufe zur Verfügung stehen und gewechselt werden kann. Es gibt befestigte Paddocks und eine Führanlage, so dass die Pferde das ganze Jahr über ein abwechslungsreiches Tagesprogramm haben. Ann-Cathrin arbeitet neben ihrer Reiterei und dem Management der Reitanlage in der Holzbaufirma ihres Vaters im Büro. Nebenbei züchtet Familie Rieg auch, aber die Stuten sind in einem Zuchtbetrieb untergebracht, wo eine professionelle Betreuung gewährleistet ist.


Was das Training angeht, ist Ann-Cathrin weitgehend autodidaktisch unterwegs. Bis sie 15 war, hatte sie Unterricht bei Holger Schulze und dessen Lebensgefährtin hat ihre Ponys mitgeritten. Als die Beziehung ihrer Trainer endete, war Ann-Cathrin so weit, dass sie die Ausbildung der Ponys bis FEI Niveau selbst managen konnte. Seither hat sie nicht nur den bereits erwähnten Daily Pleasure herausgebracht, sondern noch zwei weitere Ponys, die später Euro gegangen sind: Ganymed, den sie als Fohlen gekauft haben, und Chilli Morning, den sie sechsjährig für Familie Schmitz-Heinen beim Bundeschampionat vorstellte.


Was ihre eigenen Träume angeht, stapelt sie tief: „Ich habe gute Junge im Stall und ich würde schon gerne mal WM junge Dressurpferde, Burg-Pokal oder Louisdor-Preis in Frankfurt reiten. Aber im Sport hängt so viel von Glück und finanziellen Mitteln ab, so weit will ich gar nicht denken. Das macht nur Druck.“


Und den macht sie sich schon selbst genug. „Ich bin ehrgeizig und perfektionistisch. Videos meiner Ritte gucke ich mir meistens direkt auf dem Heimweg an, wenn ich es noch im Hintern habe. Ich bin erwachsen und selbstkritisch genug, ich weiß, wann ich mir an die eigene Nase packen muss.“ Mit dem Prinzip ist sie weit gekommen. Man darf gespannt sein, wie weit es noch geht.


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