Heuqualität erkennen und beurteilen – worauf Pferdehalter achten müssen
Strukturreich, aber nicht zu hart, grün in der Farbe und ein Geruch nach Kräutern zeichnen gutes Heu aus. Gutes Grundfutter ist die Basis jeder Rationsberechnung. Die Leitlinien zur Beurteilung und Anwendung von Pferdefutter (FN, 2014) betonen: Nur wenn das Grundfutter einwandfrei ist, kann eine Ration als ausgewogen gelten. Minderwertiges Heu gefährdet langfristig die Gesundheit – ein Risiko, das sich mit etwas Wissen und Routine vermeiden lässt.
Woran erkennt man gutes Heu mit bloßem Auge und Nase?
Die Beurteilung von Heu beginnt mit den Sinnen: Farbe, Geruch und Struktur liefern zuverlässig erste Hinweise auf die Heuqualität. Gutes Heu ist gleichmäßig grünlich bis goldgelb, niemals grau oder bräunlich. Es riecht frisch, leicht aromatisch, aber nicht süßlich oder stechend. Schon geringe Geruchsabweichungen deuten auf Schimmelpilze oder beginnende Fehlgärungen hin.
Die LUFA Nord-West weist darauf hin, dass ein einfacher Geruchstest oft schneller Auffälligkeiten zeigt als die reine Sichtprüfung. Wer beim Öffnen eines Ballens einen dumpfen, feuchten Geruch wahrnimmt, sollte vorsichtig sein: In solchen Bereichen kann sich Schimmel bereits gebildet haben, auch wenn äußerlich nichts zu sehen ist.
Auch Staubentwicklung ist ein Warnsignal. Beim Aufschütteln darf keine feine Wolke aufsteigen. Staub entsteht entweder durch mechanische Bröckelverluste bei übertrocknetem Heu oder durch mikrobielle Zersetzung bei zu feuchtem Heu – beides beeinträchtigt die Futterhygiene.
Neben Farbe und Geruch sind Fremdbestandteile ein weiteres Kriterium. Steine, Erde, Metallstücke oder Giftpflanzen deuten auf unzureichende Feldhygiene hin. Solche Verunreinigungen können schon während des Mähens oder Schwadens in das Futter gelangen. Sie erhöhen nicht nur das Verletzungsrisiko, sondern mindern auch den Nährwert.
Welche Struktur sollte Heu für Pferde haben?
Die Struktur beschreibt die Mischung aus Stängeln, Blättern und Feinteilen. Sie beeinflusst, wie lange das Pferd kaut, wie viel Speichel gebildet wird und wie gut die Verdauung abläuft. Heu aus dem ersten Aufwuchs enthält meist mehr Stängel und Rohfaser und fördert durch die gröbere Struktur die Kaubewegung und Verdauung. Eigenschaften, die besonders für leichtfuttrige und stoffwechselempfindliche Pferden von Vorteil sind.
Der zweite Schnitt ist feiner und blattreicher. Er enthält meist etwas mehr Energie und Eiweiß, aber weniger Rohfaser. Solches Heu ist weich und leicht zu kauen – in der Regel ideal für ältere Pferde, Fohlen oder Tiere mit Zahnproblemen.
Warum ist eine Heuanalyse unverzichtbar?
Selbst erfahrene Pferdehalter können Eiweiß-, Zucker- oder Energiegehalte nicht zuverlässig einschätzen. Eine Laboranalyse ist der einzige Weg, den tatsächlichen Futterwert zu bestimmen. Labore wie die LUFA Bayern und LUFA Nord-West bieten standardisierte Analysen für Heu und Silage an.
Analysiert werden unter anderem Rohprotein, Energiegehalt, Rohfaseranteil, Zucker (ESC/NSC) und Mineralstoffe. Besonders wichtig ist der NSC-Wert. Liegt er über etwa zehn Prozent der Trockenmasse, steigt das Risiko für Hufrehe und Insulinresistenz, wie Untersuchungen gezeigt haben. Gerade für Pferde mit Stoffwechselproblemen oder geringer Bewegung ist dieser Wert entscheidend.
So nimmt man eine Heuprobe
Die Probennahme sollte sorgfältig erfolgen. Man nimmt aus mindestens zehn bis zwanzig Ballen Heu, schneidet dieses klein (ca. 10 Zentimeter Länge), mischt es und nimmt dann etwa 300 Gramm aus dieser Mischung. In einer Papiertüte verpackt schickt man es ans Labor. Nur so lässt sich die gesamte Lieferung repräsentativ bewerten. Es ist sinnvoll, solche Analysen regelmäßig zu wiederholen, insbesondere dann, wenn sich Schnitt oder Lagerbedingungen geändert haben.
Wie lagert man Heu richtig, damit die Qualität erhalten bleibt? Alle Infos dazu finden Sie hier.


