Heu in der Pferdefütterung: Menge, Qualität & Tipps für gesunde Pferde
Heu ist die Grundlage der Pferdefütterung in jedem Alter. Foto: Sportfotos-lafrentz.de Heu in der Pferdefütterung ist unverzichtbar, weil Pferde physiologisch darauf ausgelegt sind, über den Tag verteilt kontinuierlich Raufutter aufzunehmen. Dieses ständige Kauen sorgt für einen gesunden Zahnabrieb und regt die Produktion von Speichel an, welcher die Magensäure neutralisiert und so die Magenschleimhaut schützt. Zudem wird das natürliche Kaubedürfnis des Pferdes befriedigt. Die enthaltenen Inhaltsstoffe sorgen für ein gesundes Darmmikrobiom, verhindern Fehlgärungen und versorgen das Pferd langanhaltend mit Energie.
Fressen Pferde zu wenig qualitativ hochwertiges Heu, kann das zu Magengeschwüren, Koliken oder stereotypen Verhaltensweisen wie Koppen führen.

Wie viel Heu braucht ein Pferd täglich?
Die Heumenge richtet sich nach dem Körpergewicht des Pferdes. Nach GfE 2014 (Gesellschaft für Ernährung) liegt der tägliche Bedarf an Heu zwischen 1,5–2,0 kg je 100 kg Körpergewicht, abhängig von Aktivität, Körperkondition und Haltungsform. Ein 600-kg-Pferd benötigt somit 9 bis 12 kg täglich. Faktoren wie Alter, Arbeit und Gesundheitszustand können die Menge erhöhen oder reduzieren. Sportpferde oder Jungpferde im Wachstum haben einen höheren Bedarf, während Pferde mit Stoffwechselproblemen oft strenger kontrolliert gefüttert werden müssen.
Heu ad libitum?
Heu ad libitum bedeutet, dass Pferden unbegrenzt Heu zur Verfügung steht. Dies ist sinnvoll, um das natürliche Kaubedürfnis zu befriedigen, Verdauung und Darmgesundheit zu fördern und Stress bei Pferden zu reduzieren. Allerdings kann es auch zu Problemen führen, wenn Pferde dauerhaft Heu zur Verfügung haben und mehr Energie aufnehmen, als sie verbrauchen. Eine Studie zeigte, dass Pferde mit höherem Body Conditon Score (übergewichtig) offenbar ein verändertes Sättigungsverhalten besitzen als dünnere Pferde. Sie hören nicht automatisch auf zu fressen, selbst wenn sie genug Energie aufgenommen haben. Das widerspricht der verbreiteten Annahme, Pferde würden ihre Aufnahme bei ad-libitum-Fütterung selbst regulieren. Entscheidet man sich also dafür, seinem Pferd rund um die Uhr Heu zur Verfügung zu stellen, sollte man Gewicht und Kondition des Pferdes im Auge behalten. Außerdem sollte man bei Heu ad libitum auch den Heutyp berücksichtigen: spätes Schnittheu ist ad libitum oft weniger problematisch als früh geschnittenes, das zu energiereich sein kann.
In der Regel ungeeignet ist die ad libitum Fütterung für Pferde mit Stoffwechselproblemen wie EMS oder Insulinresistenz. Dies kann zu Blutzuckerspitzen, Übergewicht und weiteren gesundheitlichen Problemen führen. In solchen Fällen ist eine portionierte Fütterung mit analysiertem, zuckerarmem Heu empfehlenswert.
Warum ist Heu so wichtig für Pferde?
Heu ist zunächst einmal so wichtig, da die Verdauung des Pferdes auf rohfaserreiches Futter ausgelegt ist. Schon beim Kauen nutzt das Pferd seine Zähne gleichmäßig ab, und die langen Fasern regen die Speichelbildung an. Im weiteren Verdauungstrakt sorgt die Rohfaser für eine stabile Darmbewegung und ein ausgewogenes Darmmikrobiom. Heu liefert langanhaltend Energie und deckt den größten Teil an lebensnotwendigen Nährstoffen für Pferde ab. (Link auf weiteren Artikel)
Früher Schnitt (vor der Blüte) und später Schnitt (nach der Blüte)
Der frühe Schnitt, also die Ernte vor der vollen Blüte, liefert junges, blattreiches Heu mit hohem Protein- und Energiegehalt. Die Stängel sind weich, die Farbe hellgrün, der Geruch frisch, die Haptik zart. Dieses Heu eignet sich besonders für Sportpferde, wachsende Tiere oder laktierende Stuten, da es Energie und Eiweiß für Muskelaufbau und Regeneration liefert.
Der späte Schnitt, geerntet nach der Blüte, enthält mehr Rohfaser, weniger Proteine, dickere Stängel und eine festere Struktur. Farbe ist meist dunkler, Blattanteil geringer, Geschmack etwas herber. Es unterstützt ältere Pferde oder Tiere mit moderatem Energiebedarf, da es Kaubelastung und langsame Verdauung fördert.
Mehr Informationen zum Thema Schnittzeitpunkt finden Sie hier.
1. Schnitt und 2. Schnitt: welches Heu für welches Pferd?

Der 1. Schnitt erfolgt im Frühsommer (Ende Mai bis Anfang Juni) und liefert den größten Ertrag. Er ist strukturreicher, enthält mehr Rohfaser und sorgt für eine gute Kaubelastung und Sättigung. Je nach Erntezeitpunkt kann er auch noch ausreichend Eiweiß und Energie für Sportpferde liefern, sofern er früh geschnitten wurde.
Der 2. Schnitt entsteht im Spätsommer oder Herbst, wenn die Wiese nachgewachsen ist. Er ist blattreicher, weicher und leichter zu kauen, meist mit etwas höherem Eiweißgehalt, aber geringerer Struktur. Daher eignet er sich besonders für Pferde mit Zahnproblemen, Senioren oder Jungtiere, während leichtfuttrige Rassen ihn nur in kleinen Mengen erhalten sollten.
Wie erkenne ich gutes Heu?
Hochwertiges Heu ist hellgrün bis grünlich und riecht aromatisch. Die Struktur sollte weich genug sein, um leicht gekaut zu werden, gleichzeitig aber faserreich, um die Darmbewegung zu fördern. Muffiger Geruch, braune Stellen, sichtbarer Schimmel oder hoher Staubanteil sind Warnsignale, da sie die Gesundheit gefährden und Atemwegsprobleme auslösen können. Regelmäßige sensorische Kontrolle und Nährstoffanalysen sichern die Futterqualität und geben Sicherheit bei der Fütterung.
Heu richtig lagern
Nach dem Schnitt ist die Trocknung entscheidend: Ein schneller, gleichmäßiger Prozess verhindert Nährstoffverluste und Schimmelbildung. Die Lagerung sollte trocken, belüftet und vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt erfolgen. Regelmäßige Kontrolle von Feuchtigkeit, Geruch und Struktur ist notwendig.
Weitere Informationen zum Thema Heulagerung finden Sie hier.
Heu einweichen und bedampfen – Staub reduzieren, Nährstoffe erhalten
Das Einweichen von Heu reduziert Staub und wasserlösliche Stoffe, kann aber Mineralstoffe auswaschen. Basierend auf aktuellen wissenschaftlichen Veröffentlichungen und Praxisergebnissen lässt sich zusammenfassen, dass die optimale Einweichzeit für Heu bei 15 bis 30 Minuten in warmem Wasser oder maximal 60 Minuten in kaltem Wasser beträgt, um Staub und wasserlösliche Kohlenhydrate (WSC bzw. Zucker) zu reduzieren, ohne übermäßigen Nährstoffverlust oder bakterielle Kontamination zu riskieren.
Heu: Pferde-Lunge leidet unter schlechter Qualität
Pferde atmen ausschließlich durch die Nase ein, wodurch Staubpartikel aus Heu direkt in die Lunge gelangen können. Dies kann chronische Atemwegserkrankungen wie Equines Asthma oder akute Hustenanfälle verursachen. Heu einweichen reduziert Staubpartikel, während das Bedampfen von Heu zusätzlich Allergene und Mikroorganismen abtöten kann, dabei aber die Nährstoffverluste minimal hält.
Langfristig trägt die Verwendung staubarmer Heuformen dazu bei, die Lungenfunktion und das Wohlbefinden der Pferde zu erhalten, besonders bei Pferden, die regelmäßig in staubbelasteten Ställen oder bei Heu mit hoher Feinstaubbelastung leben.
FAQ – Antworten auf spezifische Fragen zur Heufütterung mit Quellenangaben
Kann ein Pferd zu viel Heu bekommen?
Ja, ein Pferd kann zu viel Heu bekommen, insbesondere wenn es zu energiereich oder zu proteinreich ist. Überschüssige Energie kann zu Übergewicht, Stoffwechselproblemen und Belastung der Gelenke führen. Pferde mit EMS oder Insulinresistenz sollten daher portioniert und auf die Gesamtenergiezufuhr abgestimmt gefüttert werden. Die Menge sollte täglich etwa 1,5 bis 2 kg Heu pro 100 kg Körpergewicht betragen, abhängig von Aktivität und Gesundheitszustand. Eine kontinuierliche Kontrolle von Gewicht und Kotkonsistenz hilft, Überfütterung zu vermeiden.
Woran erkennt man gutes Heu?
Gutes Heu ist grünlich, duftet frisch, enthält viele Blätter und hat feste, nicht brüchige Stängel. Es sollte frei von Schimmel, Feuchtigkeit und Fremdkörpern sein. Beim Durchkneten sollte es elastisch wirken und nicht staubig sein. Gute Lagerung und Erntezeitpunkt tragen wesentlich zur Qualität bei.
Wie erkenne ich Schimmel im Heu?
Schimmel zeigt sich durch weißen, grauen oder schwarzen Belag, muffigen Geruch und klumpige, feuchte Stellen. Auch eine Veränderung der Textur, wie brüchige oder klebrige Stängel, deutet auf Schimmel hin. Sicht- und Geruchskontrolle sollten regelmäßig durchgeführt werden. Pferde, die Schimmel fressen, entwickeln Atemwegs- oder Verdauungsprobleme. Bei Verdacht Heu nicht füttern und umgehend entfernen – und zwar nicht nur die Schimmelstellen, sondern den Ballen, da sich die (unsichtbaren) Sporen bereits im Heu verteilt haben. .
Wie hoch ist der Proteingehalt von Heu?
Der Proteingehalt hängt vom Schnittzeitpunkt und der Pflanzenart ab. Frühschnittheue können bis zu 9 bis 14 % Rohprotein enthalten, Spätschnittheue meist 8 bis 10 %. Leguminosen wie Luzerne oder Klee steigern den Proteingehalt deutlich. Eine Labormessung ist empfehlenswert, um die Versorgung individuell zu planen. Der Proteingehalt beeinflusst Wachstum, Muskelaufbau und Regeneration.
Wie messe ich Zucker im Heu?
Zuckergehalte werden im Labor durch Analysen auf ESC (ethanol-soluble carbohydrates) und NSC (non-structural carbohydrates) bestimmt. Diese Werte zeigen die Verfügbarkeit von leicht verdaulichen Kohlenhydraten, die für EMS- oder Insulin-resistente Pferde kritisch sind. Sensorische Einschätzungen liefern keine verlässlichen Werte. Die Messung ermöglicht gezielte Fütterung und Vermeidung von Blutzuckerspitzen. Sie sollte regelmäßig erfolgen, besonders bei wechselnden Heuschnitten.
Welche Heusorten sind für Pferde mit EMS geeignet?
Für Pferde mit EMS eignet sich spät geschnittenes Heu mit niedrigem Zucker- und Stärkegehalt. Einweichen kann den Zuckeranteil weiter reduzieren. Leguminosen sollten sparsam eingesetzt werden, da sie energiereicher sind. Analysen des ESC/NSC-Gehalts geben Sicherheit bei der Auswahl. Das Ziel ist, die Blutzuckerwerte stabil zu halten und Übergewicht zu vermeiden.
Ist Luzerneheu für Pferde geeignet?
Luzerneheu ist protein- und energiereich und eignet sich besonders für Sportpferde und in der Aufzucht. Für stoffwechselanfällige Pferde und solche mit wenig Arbeit kann es jedoch zu energiereich sein. Eine gezielte Mischung mit grasreichem Heu kann sinnvoll sein.
Ist bedampftes Heu besser für Pferde mit Asthma?
Ja, denn das Bedampfen reduziert Staub und Allergene im Heu – eine der Hauptursachen für Equines Asthma. Bedampfen verändert den Nährstoffgehalt nur minimal, wenn man es korrekt durchführt. Es sollte kurz vor der Fütterung erfolgen, um optimale Feuchtigkeit zu gewährleisten. Regelmäßige Kontrolle der Temperatur ist notwendig. Die Pferde zeigen oft verbesserte Atmung und reduzierte Hustenanfälle.
Wie lange muss man Heu einweichen/soaken?
Heu sollte typischerweise 30 bis 60 Minuten eingeweicht werden. Längeres Einweichen kann Mineralstoffe sowie lösliche Nährstoffe auswaschen und die Keimbildung steigt. Ziel ist, Staub und Zucker (bei stoffwechselanfälligen Pferden) zu reduzieren. Wasser sollte sauber und ausreichend sein, damit das Heu gleichmäßig durchfeuchtet wird. Nach dem Einweichen das Heu sofort verfüttern, um Schimmelbildung zu vermeiden.
Wie lagere ich Heu richtig?
Heu sollte trocken, belüftet, auf Paletten und vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt gelagert werden. Hohe Feuchtigkeit kann Schimmel fördern, extreme Hitze Nährstoffe abbauen. Regelmäßige Kontrolle von Geruch, Farbe und Konsistenz ist wichtig. Eine luftige Lagerung verhindert Hitzestau und Feuchtigkeitsansammlungen. Richtig gelagertes Heu behält länger Qualität und Nährstoffgehalt.
Was kostet gutes Heu pro Ballen / pro Tonne und wo finde ich aktuelle Preise?
Die Preise variieren je nach Qualität, Schnitt, Region und Lieferbedingungen. Aktuell liegen die Preise für gutes Heu etwa zwischen 6 bis 12 € pro 25 kg Ballen und 200–350 € pro Tonne (Agrarheute: https://www.agrarheute.com/). Preise schwanken stark regional und saisonal, daher lohnt ein regelmäßiger Marktvergleich. Beim Einkauf auf Qualität und Analysewerte achten. Die Kostenplanung sollte auch Transport und Lagerung berücksichtigen.
Heu als Ballen, lose oder im Heunetz?
Ballen erleichtern Lagerung und Transport, loses Heu ermöglicht flexible Portionierung, Heunetze verzögern die Aufnahme und verlängern Kauzeit. Die Wahl hängt von Haltung, Pferdetyp und Fütterungssystem ab. Kombinationen können individuell angepasst werden. Wichtig ist, dass das Heu sauber, trocken und staubarm bleibt. Fütterungssysteme sollten die natürliche Kaubelastung berücksichtigen.
Welches Heu für ältere Pferde mit Zahnproblemen?
Für ältere Pferde eignen sich weich geschnittenes Heu, Heucobs oder eingeweichtes Heu. Die Stängel sollten nicht zu hart sein, um Kaubelastung zu reduzieren. Eingeweichtes Heu kann zusätzlich Staub reduzieren und leichter schluckbar sein. Regelmäßige Kontrolle der Zahn- und Maulgesundheit ist wichtig. Eine angepasste Fütterung unterstützt Verdauung, Gewichtskontrolle und Wohlbefinden.


