Heu für Pferde mit EMS, Sportpferde, Senioren, Ponys & Co.

Senioren, Ponys, Sportpferde – die Fütterung muss für alle individuell angepasst werden. Foto: Jacques Toffi Senioren, Ponys, Sportpferde – die Fütterung muss für alle individuell angepasst werden. Foto: Jacques Toffi
Heu ist das wichtigste Grundfutter für Pferde. Welches Heu sich für welches Pferd eignet, hängt stark von den Inhaltsstoffen ab. Was man bei Pferden mit speziellen Bedürfnissen zu beachten muss.

Eiweiß, Energie, Rohfaser und vor allem Zucker (nicht-strukturelle Kohlenhydrate, NSC) entscheiden darüber, ob ein Pferd optimal versorgt ist oder gesundheitliche Risiken entstehen. Die falsche Dosierung kann Übergewicht, Hufrehe, Leistungseinbußen oder Verdauungsprobleme begünstigen.


Heu für Pferde mit EMS, Cushing oder Hufrehe-Risiko


Pferde mit Equinem Metabolischen Syndrom (EMS), Cushing (PPID) oder Insulinresistenz bzw. hohem Risiko für Hufrehe reagieren empfindlich auf Zucker. Entscheidend ist der Gehalt an NSC (nicht-strukturelle Kohlenhydrate). Studien empfehlen, Heu mit weniger als 10 bis 12 % NSC in der Trockenmasse einzusetzen, um Insulinspitzen und Hufrehe zu vermeiden.


Da der NSC-Gehalt stark von Standort, Pflanzenart und Schnittzeitpunkt abhängt, ist eine Heuanalyse unerlässlich. Zusätzlich können Halter den Zuckergehalt durch Einweichen senken. Studien (Longland et al. 2011) zeigten, dass 30 Minuten Einweichen die löslichen Zucker deutlich senken. Zu langes Wässern oder altes  Wasser kann die mikrobielle Belastung erhöhen. Bedampfen oder eine Kombi aus Wässern und Bedampfen reduziert Keime und Zuckergehalt (Moore-Colyer et al., 2014).


Gut geeignetes Heu für Pferde mit EMS oder Cushing ist spät geschnittenes Heu (nach der Blüte), da es tendenziell rohfaserreicher und energieärmer ist. 1,2 bis 1,5 kg Heu pro 100 kg Körpergewicht am Tag gelten als Richtwert. Zusätzlich können Halter auch Maßnahmen zur Fresszeitverlängerung einsetzen: Engmaschige Heunetze oder zeitgesteuerte Heuraufen verhindern, dass Pferde große Mengen in kurzer Zeit aufnehmen. So bleibt das Pferd länger beschäftigt und das Risiko von Übergewicht sinkt. Auch das Mischen von Heu mit Stroh ist möglich (siehe unten Abschnitt leichtfuttrige Pferde).


Heu für Sportpferde


Sportpferde haben einen höheren Bedarf an Eiweiß und Energie, der durch rohfaserreiches, spät geschnittenes Heu allein nicht gedeckt werden kann. Jansson & Lindberg (2012) zeigen, dass früh geschnittenes Heu mit einem Rohproteingehalt von 90 bis 110 g/kg TS und bis zu 9,5 MJ ME/kg TS besser geeignet ist, um die Grundversorgung von Leistungspferden sicherzustellen.


Neben der Nährstoffversorgung ist auch die Kontinuität der Raufutteraufnahme wichtig: Pferde mit regelmäßigem Zugang zu Raufutter haben ein deutlich geringeres Risiko für Magengeschwüre, wie Untersuchungen gezeigt haben. In der Praxis bedeutet das: Sportpferde profitieren von einer Kombination aus strukturbetontem Heu (zur Förderung der Kaubewegungen) und frühem Schnittheu (zur Energielieferung).


Heu für Senioren und Pferde mit Zahnproblemen


Ältere Pferde leiden häufig unter Zahnabnutzung oder fehlenden Zähnen. Grobes, stängeliges Heu können sie nicht mehr ausreichend kauen. Es besteht die Gefahr einer Schlundverstopfung oder dass der Senior nicht genügend Heu aufnehmen kann.


Heu für alte Pferde sollte daher vor allem aus weicherem, blattreicherem Heu aus dem 2. Schnitt bestehen (sofern der Zuckergehalt moderat ist)  oder zusätzlich eingeweichte Heucobs anzubieten, damit Senioren weiterhin genügend Raufutter aufnehmen können. Auch dazu gibt es Studien. Wichtig ist, dass auch ältere Pferde nicht auf Raufutter verzichten, da nur so eine gesunde Darmtätigkeit erhalten bleibt.


Heu für leichtfuttrige Pferde und Ponys


Ponys und robuste Rassen haben einen geringen Energiebedarf und neigen schnell zu Übergewicht. Zu energiereiches oder zuckerhaltiges Heu kann bei ihnen unmittelbar zu Hufrehe führen. Treiber et al. (2006) belegten, dass Ponys bei hoher Energie- und Zuckerversorgung ein deutlich erhöhtes Risiko für Hufrehe entwickeln. Für diese Tiere eignet sich vor allem ein später Schnitt mit hohem Rohfaser- und geringem Energiegehalt. Muss das Pferd abnehmen, sollte man das Vorgehen genau mit dem Tierarzt absprechen.


Studien weisen darauf hin, dass bei übergewichtigen Pferden eine Heureduktion zwar angezeigt ist, aber nicht abrupt erfolgen sollte. Vor der Menge sollte zuerst die Heuqualität angepasst und das Fressmanagement optimiert werden. Insbesondere eine zu starke rasche Restriktion kann Muskelabbau, negative Stoffwechselveränderungen oder Verhaltensprobleme begünstigen.


Um das Kaubedürfnis zu befriedigen, ohne zu viel Energie zuzuführen, sind Fressbremsen wie Heunetze sinnvoll. Sie verlängern die Fressdauer und verhindern hastiges Fressen. Zusätzlich können Halter strukturreiche, aber energiearme Raufutteralternativen nutzen. Besonders geeignet ist sauberes Stroh, das in kleinen Mengen beigemischt werden kann. Es verlängert die Fresszeiten, ohne die Energieaufnahme wesentlich zu steigern. Wichtig ist jedoch, dass Stroh hygienisch einwandfrei und nicht zu scharfkantig ist, um Koliken zu vermeiden. Pferde müssen aber langsam an einen höheren Strohanteil gewöhnt werden, um das Risiko einer Verstopfung zu reduzieren.


Das Heu/Stroh-Gemisch sollte nicht zu viel Stroh enthalten, das Verhältnis sollte maximal 2 Teile Heu zu 1 Teil Stroh betragen. Bei der Fütterung von Stroh muss man darauf achten, dass das Pferd sich ausreichend bewegt und stets unbegrenzt Zugang zu Wasser hat. Außerdem ist eine zusätzliche Versorgung mit Nährstoffen wie Aminosäuren erforderlich, da Stroh im Vergleich zu Heu und Heulage deutlich weniger Energie und Protein liefert.


Regelmäßige Gewichtskontrolle und Anpassung der Ration sind entscheidend.


WP Wehrmann Publishing