Früher oder später Schnitt, 1. oder 2. Schnitt – welches Heu eignet sich für mein Pferd?
Sport- und Zuchtpferde benötigen viel Energie und daher Heu aus einem frühen Schnitt. Foto: Sportfotos-lafrentz.de Was bedeutet „früher Schnitt“ beim Heu?
Von „frühem Schnitt“ spricht man, wenn das Gras vor oder zu Beginn der Blüte gemäht wird. In dieser Entwicklungsphase überwiegt der Blattanteil, die Stängel sind weich, die Zellwände noch nicht verholzt. Dadurch enthält das Heu mehr Eiweiß (Rohprotein) und Energie bei gleichzeitig geringerem Rohfaseranteil. Analysen zeigen Werte von etwa 9–14 % Rohprotein in der Trockensubstanz und 8,0–9,5 MJ Energie (ME) pro kg Trockenmasse. (Quellen: Arbeitskreis Pferd, ak-pferd.de; iWEST, iwest.de)
Dieses Heu eignet sich für Sportpferde, Jungpferde im Wachstum und laktierende Stuten, weil sie auf zusätzliche Energie und Eiweiß angewiesen sind. Freizeitpferde oder Ponys hingegen können mit frühem Schnitt zu energiereich gefüttert werden, was Übergewicht oder Stoffwechselprobleme begünstigt. (siehe auch Artikel „Welches Heu für welches Pferd“)
Welche Inhaltsstoffe hat spätes Schnittheu?
„Später Schnitt“ bedeutet, dass das Gras nach der Blüte geschnitten wird. Dann steigt der Anteil an Stängeln, die Zellwände werden fester, und der Rohfasergehalt nimmt deutlich zu. Dadurch sinken Eiweiß und Energie. Typische Werte liegen bei 6–9 % Rohprotein und 6,5–7,5 MJ ME pro kg TS. (ak-pferd.de)
Für leichtfuttrige Rassen, Ponys oder Pferde mit Stoffwechselproblemen (z. B. EMS oder Cushing) ist spätes Schnittheu besser geeignet. Denn mit fortschreitender Reife sinkt meist auch der Gehalt an wasserlöslichen Kohlenhydraten (Zucker). Später Schnitt ist daher oft günstiger für Pferde mit EMS oder Hufrehe-Risiko. Zudem verlängert es die Fresszeiten, sättigt, und der geringere Energiegehalt hilft, Übergewicht zu vermeiden.
Vergleich: Früher Schnitt vs. später Schnitt
| Früher Schnitt (vor/zu Blüte) | Später Schnitt (nach Blüte) | |
| Rohprotein | 9–14 % TS | 6–9 % TS |
| Rohfaser | 55–60 % TS | 65–70 % TS |
| Energie (MJ ME/kg TS) | 8,0–9,5 | 6,5–7,5 |
| Optik/Haptik | grün, blattreich, weich | gelblich, stängelig, grob |
(Quellen: Arbeitskreis Pferd; iWEST)
Die genannten Werte sind praxisorientierte Durchschnittswerte und können je nach Pflanzenbestand, Standort und Witterung um bis zu 20 % variieren. Denn die Nährstoffgehalte hängen neben dem Schnittzeitpunkt auch von Pflanzenarten, Düngung und Witterung ab – jede Wiese ist etwas anders.
Was ist der Unterschied zwischen 1. Schnitt und 2. Schnitt im Jahr?
Neben dem Zeitpunkt im Wachstumsstadium der Pflanzen spielt auch die Aufwuchsfolge im Jahresverlauf eine Rolle:
- 1. Schnitt: erste Mahd Ende Mai/Anfang Juni. Dieser Aufwuchs liefert den größten Ertrag. Das Heu ist strukturreicher, stängeliger und sättigt gut. Je nachdem, ob er früh oder spät erfolgt, ist er energie- und eiweißreicher oder rohfaserbetonter.
- 2. Schnitt: erfolgt im Spätsommer oder Herbst, wenn die Wiese nachgewachsen ist. Dieses Heu ist blattreicher, weicher, leichter zu kauen, enthält oft etwas mehr Eiweiß, aber weniger Struktur und Rohfaser. Für Pferde mit Zahnproblemen, Senioren oder Fohlen ist er besonders geeignet, für leichtfuttrige Tiere kann er zu gehaltvoll sein.
Für welche Pferde eignet sich welcher Schnitt?
Früher Schnitt (vor Blüte):
für Sportpferde, Jungpferde, laktierende Stuten → mehr Eiweiß und Energie.
Später Schnitt (nach Blüte):
für Freizeitpferde, Ponys, EMS- oder Cushing-Pferde → weniger Energie, mehr Rohfaser.
1. Schnitt (Frühsommer):
Basisheu für die meisten Pferde, liefert Struktur und Rohfaser; bei frühem Erntetermin auch nährstoffreich genug für Sportpferde.
2. Schnitt (Spätsommer/Herbst):
Ergänzung für Pferde mit Zahnproblemen, Senioren und Jungtiere; sollte bei robusten Rassen vorsichtig dosiert werden.
Tipp
Eine Laboranalyse liefert verlässliche Werte zu Energie, Eiweiß und Zucker im Heu – sinnvoll vor allem bei empfindlichen oder stoffwechselkranken Pferden.
Einen tieferen Einblick, welche Pferde welches Heu am besten vertragen, finden Sie hier.


