Wie Mauke beim Pferd entsteht – Ursachen und Haltung
Feuchtigkeit, die die Haut in den Fesselbeugen aufquellen lässt ist die Ursache Nummer eins bei Mauke. Foto: Toffi-images.de Nässe gilt als klassischer Auslöser für Mauke, weshalb das Problem besonders häufig in den nassen Monaten von Herbst bis Frühjahr auftritt. Steht das Pferd viel im Matsch oder in feuchter Einstreu, quillt die Haut in den Fesselbeugen auf. Wird sie danach nicht ausreichend getrocknet, kann sie rissig werden. Es entstehen also kleinste Verletzungen, die ideale Eintrittspforten für Bakterien sind.
Durch das Eindringen von Keimen kommt es zunächst zu oberflächlichen Entzündungen, die sich unbehandelt in tiefere Hautschichten ausbreiten können. Dabei werden die Haarfollikel und das umliegende Bindegewebe geschädigt, was zu Krusten, Schmerzen und teils eitrigen Sekreten führt. Bleibt die Entzündung bestehen, reagiert das Gewebe mit Verdickung und vermehrter Hornbildung – ein typisches Bild der chronischen Mauke
Wie Haltung und Pflege das Risiko beeinflussen
- nasse Einstreu und matschige Weiden/Paddocks: nasse oder ammoniakhaltige Böden reizen die Haut, fördern Risse.
- Gamaschen und Bandagen: sie können Wärme und Feuchtigkeit einschließen – ideal für Keime, wenn sie nicht regelmäßig gereinigt und getrocknet werden.
- Scheren und Bürsten: zu kurzes Scheren oder harte Bürsten können die Hautoberfläche mechanisch schädigen.
- Waschen: Häufiges Waschen mit stark entfettenden Shampoos kann die natürliche Lipidschicht stören, die Haut austrocknen und anfälliger machen.
Die Faustregel: sauber, aber nicht überpflegt.
Warum tritt Mauke so oft an weißen Beinen auf?
Viele Pferdebesitzer bemerken, dass Mauke besonders oft an weißen Beinen auftritt. Eine Schweizer Studie der Universität Zürich mit 50 jungen Warmblütern bestätigte diesen Eindruck: Pferde mit heller, unpigmentierter Haut in den Fesselbeugen entwickelten signifikant häufiger Hautreizungen und Mauke. Helle Haut reagiert empfindlicher auf Feuchtigkeit und UV-Strahlung. Die natürliche Barriere wird leichter geschädigt, wodurch Keime einfacher eindringen können.
Auch Kaltblüter sind häufiger von Mauke betroffen als manch andere Rassen. Die Rasse an sich spielt dabei aber nur indirekt eine Rolle. Kaltblüter haben einen dichtem Behang, sodass Feuchtigkeit und Schmutz länger an den Fesselbeugen haften bleiben. Das begünstigt Mauke.
Warum eine gestörte Hautflora Mauke begünstigt
Die Haut des Pferdes ist kein steriles System, auf ihrer Oberfläche leben unzählige Mikroorganismen, die in einem empfindlichen Gleichgewicht stehen. Gerät dieses Mikrobiom aus der Balance, etwa durch anhaltende Nässe, häufiges Waschen oder zu scharfe Salben, verlieren die nützlichen Keime ihre Schutzfunktion. Dann haben krankmachende Bakterien leichtes Spiel.
Eine Schweizer Studie (Kaiser-Thom et al. 2021) konnte zeigen, dass die bakterielle Vielfalt an erkrankten Fesselbeugen deutlich geringer war als an gesunden Hautstellen. Eine weitere Untersuchung (Sangiorgio et al. 2021) fand zusätzlich heraus: Je stärker die Hautveränderungen und je häufiger antimikrobielle Mittel eingesetzt wurden, desto einseitiger wurde die mikrobielle Zusammensetzung.
Das stützt die Vermutung vieler Tierärzte, dass eine übertriebene oder zu „sterile“ Pflege der Hautflora mehr schaden als nützen kann – weil sie genau jene Mikroorganismen verdrängt, die eigentlich vor Mauke schützen.
Ist Mauke ansteckend?
Im Normalfall ist Mauke nicht direkt ansteckend. Allerdings kann ein Milbenbefall mehrere Pferde im selben Bestand betreffen und Mauke auslösen oder verschlimmern – besonders in der feucht-kalten Jahreszeit.
Ausnahmen sind hingegen ansteckende Erreger: In den Jahren 2021 bis 2022 kam es in Finnland zu einem großen Ausbruch von Hautentzündungen an den Fesseln vieler Pferde. Forschende fanden dabei ein neues Virus aus der Pockenfamilie, das vermutlich die Ursache war (Virtanen et al. 2023). Dieses Virus ähnelt Erregern, die beim Menschen Hautveränderungen auslösen können. In Einzelfällen traten zwar Hautreizungen bei Personen im Kontakt mit erkrankten Pferden auf, eine tatsächliche Ansteckung konnte aber nicht bestätigt werden.
In einer weiteren finnischen Untersuchung wurden bei Pferden mit Mauke bestimmte Bakterien gefunden, die zur gleichen Gruppe gehören wie die Erreger der Diphtherie (Grönthal et al. 2024). Diese Keime können grundsätzlich auch beim Menschen Krankheiten verursachen, in diesem Zusammenhang gab es jedoch keine nachgewiesenen Übertragungen.
Also: Mauke ist in der Regel nicht ansteckend. In seltenen Ausbruchs- oder Ko-Infektionsfällen kann eine infektiöse Komponente eine Rolle spielen und eine tierärztliche Abklärung ist dann ratsam.
Von Ausrüstung bis Zusatzfutter: Mauke vorbeugen
- Bodenpflege: Drainieren, Matschflächen meiden, trockene Rückzugsflächen schaffen
- Einstreu regelmäßig wechseln und nasse Stellen sofort entfernen
- Beine sorgfältig mit sauberem Handtuch abtrocknen nach Regen oder Waschen
- Ausrüstung (Gamaschen, Bandagen, Decken, Putzzeug) sauber halten
- Fütterung prüfen: Ein Mangel an Zink oder Biotin kann die Hautbarriere schwächen (dies gilt als potenzieller Faktor, nicht als alleinige Ursache)
Früherkennung bleibt essenziell: Kleine Rötungen oder feuchte Haut sollte man sofort beobachten, bevor sich Krusten bilden.


