Equines Asthma – Ursachen, Symptome und Behandlung

Bewegung und Training – auch so, dass die Pferde ins Pusten kommen – ist essenziell, um Equinem Asthma vorzubeugen. Ist das Pferd bereits erkrankt, gilt das ebenfalls – allerdings so, wie in dem Maß, das der Tierarzt empfiehlt. Foto: Toffi-images.de Bewegung und Training – auch so, dass die Pferde ins Pusten kommen – ist essenziell, um Equinem Asthma vorzubeugen. Ist das Pferd bereits erkrankt, gilt das ebenfalls – allerdings so, wie in dem Maß, das der Tierarzt empfiehlt. Foto: Toffi-images.de
Equines Asthma gehört zu den häufigsten chronischen Atemwegserkrankungen beim Pferd. Früher sprach man von „Dämpfigkeit“ oder COBD, RAO (Recurrent Airway Obstruction) oder IAD (Inflammatory Airway Disease). Heute fasst man diese Krankheitsbilder unter dem Begriff Equines Asthma zusammen.

Equines Asthma ist nicht ansteckend, sondern entsteht durch eine überempfindliche Reaktion der Lunge auf Staub, Schimmelsporen oder Schadstoffe in der Atemluft. Die Folge: eine dauerhafte Entzündung der Atemwege, die mit Leistungseinbußen, teilweise mit Husten und in schweren Fällen mit Atemnot einhergeht.


Wie entsteht Equines Asthma?


Die Hauptursache für Equines Asthma ist Staub in Kombination mit organischen Partikeln, die das Immunsystem des Pferdes reizen. Diese Belastungen entstehen vor allem durch die Haltungsbedingungen im Stall. Typische Auslöser sind:



  • Staub aus Heu, Stroh oder vom Reitboden

  • Schimmelsporen in Futter und Einstreu

  • Ammoniak aus schlecht gemisteten Boxen

  • unzureichende Frischluftzufuhr

  • hohe Luftfeuchtigkeit und Wärme, die Keim- und Schimmelbildung fördern


Auch bei Offenstallpferden kann die Belastung hoch sein, wenn staubiges Heu gefüttert wird. Langfristig führen diese Reize zu einer dauerhaften Entzündung der Bronchien.


Milde und schwere Form: Equines Asthma, RAO und IAD


Lange Zeit hat man chronische Lungenprobleme in zwei Krankheitsbilder aufgeteilt: IAD (Inflammatory Airway Disease), die mildere Form, und RAO (Recurrent Airway Obstruction): die „klassische Dämpfigkeit“, also die schwere, chronische Form mit deutlicher Atemnot. Diese beiden Unterscheidungen gibt es noch, allerdings werden sie nicht wie früher als getrennte Krankheitsbilder gesehen, sondern man hat sie unter dem Oberbegriff Equines Asthma zusammengefasst.


Symptome – wie zeigt sich Equines Asthma?


Bei mildem Equinen Asthma sind die Bronchien noch nicht so stark verkrampft und verengt wie bei schwerem Equinen Asthma. Die Pferde bekommen in diesem Stadium noch besser Luft, sodass sie in der Regel in der Ruhe keine auffällig verstärkte Atmung zeigen und auch nicht unter akuter Atemnot leiden wie Pferde mit schwerem Asthma. Bei der milden Form kann es auch sein, dass betroffene Pferde kaum Husten, da sich der Schleim in tieferen Atemwegen ansammelt, wo Hustenrezeptoren weniger dicht vorkommen. Nur manchmal zeigt sich etwas Nasenausfluss. Typisch ist hingegen verminderte Leistung.


Häufige Symptome bei mildem Equinen Asthma:



  • gelegentliches Husten, vor allem zu Beginn des Trainings

  • Leistungseinbußen, schnellere Ermüdung

  • verlängerte Erholungsphase nach Belastung

  • teilweise Nasenausfluss (klar oder leicht schleimig)


Wird diese Form des Equinen Asthmas nicht behandelt, kann sie in die schwere Form übergehen. In diesem Stadium reagiert die Lunge sehr stark auf Staub, Pilzsporen etc.: Die Bronchien verengen sich, es bildet sich viel Sekret, sodass die Atmung deutlich erschwert wird. Der Luftwiderstand kann auf das bis zu 16-fache ansteigen! Das erklärt auch, warum bei schwerem Equinen Asthma die Atmung deutlich auffälliger wird und das Pferd auch eine Bauchatmung zeigt. Es muss mithilfe der Bauchmuskulatur die Luft aus der Lunge herausdrücken. Dabei zeigt sich die sogenannte „Dampfrinne“.


Häufige Symptome bei schwerem Equinen Asthma:



  • häufiger, teils anfallsartiger Husten (kann aber auch fehlen!)

  • deutlich erschwerte Atmung, insbesondere beim Ausatmen

  • erweiterte Nüstern beim Atmen

  • Flankenatmung, sichtbare Bauchpresse („Dampfrinne“)

  • Atemnot, auch in Ruhe

  • reduzierte Belastbarkeit bis zur Verweigerung von Arbeit


Equines Asthma ohne Husten – bei vielen Pferden der Fall!


Etwa 40 Prozent der Pferd mit Equinem Asthma haben keinen Husten, weshalb die Krankheit manchmal erst sehr spät erkannt wird! Aus diesem Grund sollte man verminderte Leistungsbereitschaft und auffälligere Atmung ernst nehmen.


Dass Pferde mit Equinem Asthma nicht husten, kann verschiedene Gründe haben. Zum einen ist der Hustenreflex nicht überall in den Atemwegen gleich stark ausgeprägt: Die oberen Atemwege (Kehlkopf, Luftröhre, größere Bronchien) sind reich an Hustenrezeptoren. Dort reagiert das Pferd empfindlich auf Schleim, Staub oder Fremdkörper. Schon kleine Mengen lösen oft Husten aus. Beim Equinen Asthma sammelt sich Schleim jedoch häufig in den tieferen Bereichen. Tiefere Bronchien besitzen deutlich weniger dieser Rezeptoren. Befindet sich der Schleim also weiter unten in den kleineren Atemwegen, wird der Hustenreflex nicht zuverlässig ausgelöst.


Dazu kommt, dass die chronische Entzündung die Empfindlichkeit der Nervenfasern zusätzlich verändert. So können selbst größere Schleimmengen „still“ bleiben – das Pferd hustet nicht, obwohl es Atemnot hat.


Deshalb gilt: Kein Husten bedeutet nicht, dass das Pferd gesund ist!


Wir wird Equines Asthma diagnostiziert


Ein Tierarzt hört zunächst Herz und Lunge ab und beurteilt die Atembewegungen. Für eine gesicherte Diagnose kommen moderne Verfahren wie die Bronchoskopie zum Einsatz. Dabei lassen sich die oberen Atemwege direkt einsehen und Proben entnehmen. Der Schweregrad und die Art des Equinen Asthmas können Tierärzte mithilfe einer Lungenspülprobe beurteilen: Bei der sogenannten bronchoalveolären Lavage (BAL) wird Flüssigkeit aus den tiefen Bereichen der Lunge gewonnen. Diese wird dann untersucht im Hinblick auf die Zusammensetzung der Immunzellen. Ergänzend können Röntgenaufnahmen, Ultraschall oder eine Blutgasanalyse helfen, das Ausmaß der Erkrankung zu beurteilen.


Equines Asthma: Behandlung


Das Wichtigste bei Equinem Asthma ist eine konsequente Haltungsoptimierung! Nur wenn man die Staubbelastung dauerhaft reduziert, können Medikamente langfristig wirken. Geeignete Maßnahmen sind staubarmes Einstreu, bedampftes oder gewässertes Heu, Heulage sowie eine Stallgestaltung mit viel Frischluft. Pferde sollten möglichst viel draußen sein, idealerweise in Paddock- oder Außenboxen.


Medikamentös kommen in der akuten Phase entzündungshemmende Präparate (Glukokortikoide) sowie Bronchodilatatoren zum Einsatz, die die verengten Atemwege erweitern. Schleimlösende Mittel können den Abtransport des Sekrets unterstützen. Wichtig zu wissen: Medikamente lindern die Symptome, ersetzen aber nicht die Haltungsanpassung.


Ergänzend kann das Pferd inhalieren. Pferdekliniken empfehlen, 15 bis 20 Minuten mit Kochsalzlösung oder speziellen Zusätzen zu inhalieren und das Pferd anschließend zu bewegen. So kann sich gelöster Schleim besser lösen und abtransportiert werden. Wichtig ist, dass die Inhaliermaske immer sauber und frei von altem Speichel oder Staub ist, um erneute Belastungen durch Keime zu verhindern.


Ist Equines Asthma heilbar?


Equines Asthma lässt sich in den meisten Fällen nicht vollständig heilen, aber sehr gut kontrollieren. Entscheidend ist, dass Pferdebesitzer die Haltung dauerhaft anpassen und aufmerksam auf kleinste Symptome achten. Frühzeitiges Eingreifen verhindert, dass die Lunge weiter Schaden nimmt.


FAQs Equines Asthma


Warum haben auch Offenstallpferde Equines Asthma?


Viel frische Luft und das rund um die Uhr – das ist erstmal ideal für die Atemwege des Pferdes. Viele Pferdebesitzer fragen sich daher, warum auch Offenstallpferde an Husten leiden. Das liegt meist am Raufutter! Staub und Schimmel sind Hauptursache für Lungenprobleme und gerade in Offenställen wird Heu in großen Raufen oder als große Rundballen gefüttert. Die Pferde atmen den Staub direkt ein. Vor allem, wenn sie den Kopf noch direkt ins Heu stecken. Hinzu kommt, dass in manchen Offenställen das Raufutter nicht so gut vor Regen geschützt ist: Es wird nass, Schimmelpilze siedeln sich an. Selbst wenn noch kein Schimmel zu sehe ist, können die Pilzsporen schon im Heu stecken und vom Pferd eingeatmet werden.


Warum ist bei meinem Pferd das Asthma im Sommer teilweise schlimmer als im Winter?


Das kann zwei Gründe haben: Zum einen wird die Lunge des Pferdes im Sommer bei heißen Temperaturen vermehrt belastet, denn ein Teil der Wärmeregulation findet über die Lunge statt. Bei Pferden mit Equinem Asthma ist die Lungenfunktion eingeschränkt. Betroffene Pferde sind bei Hitze besonders schlapp und zeigen eine auffälligere Atmung. Die Wärmeabgabe über die Lunge funktioniert nicht so gut, weshalb auch die Gefahr besteht, dass Pferde mit Equinem Asthma überhitzen. Hierauf sollte man im Sommer ein Auge haben und ausreichend Schatten und Wasser anbieten (was eigentlich auch für gesunde Pferde gelten sollte!)l


Der zweite Grund kann sein, dass das Pferd auf bestimmte Stoffe in der Umgebung, wie Gräser oder Pollen, allergisch reagiert (siehe Sommer-Asthma).


Was ist Sommer-Asthma beim Pferd?


„Sommer-Asthma“ beim Pferd ist eine Form des Equinen Asthmas, die saisonal auftritt – meistens in den warmen Monaten. Auslöser sind vor allem Pollen und andere Allergene in der Luft, die im Sommer vermehrt vorkommen. Pferde reagieren auf diese Partikel mit einer chronischen Entzündung der unteren Atemwege.


Im Gegensatz zum „Winter-Asthma“, das meist durch Stallstaub oder Schimmelpilzsporen in der Fütterung ausgelöst wird, hängt das Sommer-Asthma nicht mit Staub im Stall zusammen, sondern mit der Belastung durch Pollen und Sporen in der Außenluft.


Manche Kliniken und Tierärzte sprechen auch von „summer pasture associated recurrent airway obstruction“.


Bewegung bei Equinem Asthma: Darf ich noch reiten?


In den meisten Fällen ja – unter bestimmten Voraussetzungen. Bewegung ist sogar ein wichtiger Bestandteil der Therapie, denn nur so werden alle Lungenbereiche ausreichend belüftet. Das hilft, Sekret zu lösen, Entzündungen zu reduzieren und die Atemfunktion langfristig zu stabilisieren.


Allerdings muss man das Training an den Zustand des Pferdes anpassen. Pferde mit mildem Asthma (IAD) vertragen häufig normales Training, wenn sie ausreichend Zeit zur Regeneration erhalten und auf staubfreie Fütterung sowie staubarme Stallbedingungen geachtet wird. Bei schwerem Asthma (RAO) kann intensive Belastung Atemnot und Stress verstärken. In diesen Fällen sollten Bewegungseinheiten kurz, moderat und regelmäßig sein. Auf jeden Fall mit dem Tierarzt besprechen, wie man das Pferd bewegen sollte!


Wie hoch ist die Lebenserwartung bei Equinem Asthma


Bei mildem Equinen Asthma kaum verkürzt, da die Lunge nicht so schwer geschädigt ist. Bei schwerem Equinen Asthma können betroffene Pferde bei guter Behandlung (Haltungsoptimierung, Medikamente, Inhalation) viele Jahre leben, teilweise sogar normale Lebenserwartung erreichen. Allerdings gibt es meist Einschränkungen bei der Belastbarkeit.


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