Bornavirus beim Pferd: Symptome, Verlauf & Schutzmaßnahmen

Bornavirus beim Pferd: Warum die Erkrankung oft tödlich ist

Jessica von Bredow-Werndls Diallo BB fiel mutmaßlich dem Bornavirus zum Opfer. Foto: Sportfotos-lafrentz.de Jessica von Bredow-Werndls Diallo BB fiel mutmaßlich dem Bornavirus zum Opfer. Foto: Sportfotos-lafrentz.de
Am 6. Januar 2026 starb Jessica von Bredow-Werndls ganz große Nachwuchshoffnung Diallo plötzlich und unerwartet, mutmaßlich war das Bornavirus die Ursache. Was ist das für ein Virus, bei dem sich der Zustand eines Pferdes von heute auf morgen so drastisch verändert? Wie infizieren sich Pferde damit und welche Symptome sind typisch?

Das Bornavirus (BoDV-1) befällt beim Pferd Nervenzellen und löst im Rahmen einer Immunreaktion eine Gehirnentzündung aus. Wie es genau ins Pferd gelangt, ist noch nicht abschließend geklärt. Man geht davon aus, dass infizierte Spitzmäuse das Virus über Speichel, Urin oder Kot ausscheiden und Pferde es über die Schleimhäute im Maul und den Nüstern oder auch über kleine Wunden aufnehmen. Kontaminiertes Futter und Einstreu sind als Ursache denkbar. Vor allem Feldspitzmäuse (Crocidura leucodon) gelten als natürliches Reservoir für Bornaviren. Aber auch in anderen Spitzmausarten wurde das Virus schon gefunden, jedoch deutlich seltener.


Bornavirus beim Pferd: Inkubationszeit, Verlauf, Behandlung


Wenn sich Pferde mit dem Bornavirus infizieren, zeigen sie zunächst meist keine Symptome. Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit, beträgt in der Regel mehrere Wochen oder Monate. Das heißt, die Viren schlummern in dieser Zeit vollkommen unbemerkt im Pferd. Ein Krankheitsausbruch beginnt erst dann, wenn die Immunreaktion im zentralen Nervensystem einsetzt: Die Immunzellen erkennen virusbefallene Nervenzellen und lösen eine Gehirnentzündung (Enzephalitis) aus. Durch die Entzündung schwillt das Hirngewebe an. Nervenzellen können in der Folge ihre Signale nicht mehr richtig weiterleiten und ganze Steuerungsabläufe im Gehirn geraten durcheinander. Ab diesem Punkt kann sich der Zustand des Pferdes sehr schnell verschlechtern und zu schweren neurologischen Ausfällen führen, häufig innerhalb weniger Tage. Die neurologischen Schäden bilden sich in der Regel nicht zurück.


Es gibt derzeit keine zugelassenen Medikamente, die das Virus bekämpfen. In frühen, milden Verläufen kann zunächst beobachtet und symptomatisch behandelt werden – bei einem Großteil der klinisch erkrankten Pferde verschlechtert sich der Zustand jedoch innerhalb kurzer Zeit deutlich. Tierärzte raten in der Regel dazu, das Pferd von seinem Leiden zu erlösen, wenn es nicht mehr sicher stehen oder gehen kann, Schluckstörungen eine ausreichende Futter- oder Wasseraufnahme verhindern, es festliegt oder sich sein Zustand trotz symptomatischer Maßnahmen rasch weiter verschlechtert.


Symptome Bornavirus-Erkrankung


Typisch sind neurologische Auffälligkeiten, die mit leichten Verhaltensänderungen beginnen und schnell schlimmer werden:



  • Verhaltensveränderungen, Apathie

  • Schlechtere oder fehlende Reaktion auf Umweltreize

  • Abnormes Fressverhalten, Leerkauen, reduzierte Zungenmotorik

  • Schluckschwierigkeiten

  • Fieber

  • Ataxie

  • Koordinationsprobleme

  • Festliegen


Diagnose Bornavirus und Meldepflicht


Eine sichere Borna-Diagnose ist beim lebenden Pferd in der Regel nicht möglich: Ein Nachweis von Antikörpern gegen Bornaviren in Blut oder Liquor (Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit) liefert keine sicheren Ergebnisse und erlaubt nur eine Verdachtsdiagnose. In der Regel wird die Erkrankung anhand der Symptome klinisch vermutet und nach dem Tod bestätigt. Bei entsprechender klinischer Symptomatik und dem direkten Nachweis des Virus besteht eine Meldepflicht.


Bornavirus: einige Regionen sind besonders betroffen


Das Bornavirus kommt nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) in einigen Regionen Deutschlands endemisch vor. Das heißt, das Virus ist dort dauerhaft vorhanden und wird immer wieder nachgewiesen. Schwerpunkte liegen vor allem in Bayern (insbesondere Ober-, Mittel- und Unterfranken sowie der Oberpfalz), Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt; vereinzelt sind auch angrenzende Regionen in Baden-Württemberg und Brandenburg betroffen.


Das FLI erforscht Tierseuchen, Viren und Zoonosen, entwickelt Diagnostik- und Risikobewertungen und berät Bundesregierung sowie Behörden fachlich unabhängig. Bei Viruskrankheiten gilt das FLI als zentrale Referenz. Es liefert eine Übersicht über das Bornavirus und welche Regionen besonders betroffen sind.


Kann sich der Mensch beim Pferd anstecken?


Das ist sehr unwahrscheinlich. Eine Ansteckung des Menschen erfolgt nach aktuellem Kenntnisstand über Feldspitzmäuse bzw. deren Ausscheidungen, nicht über Pferde. Eine Infektion beim Menschen ist zudem selten. Es wird davon ausgegangen, dass prinzipiell jedes Säugetier für eine Infektion mit dem Bornavirus empfänglich ist. Pferde wie auch Schafe sind im Vergleich zu Menschen und anderen Tieren wie Hunden oder Katzen etwas häufiger betroffen, aber auch bei ihnen tritt die Erkrankung nur sehr selten auf. Menschen wie auch die anderen genannten Tiere sind Fehlwirte. Das bedeutet, sie scheiden das Virus nicht oder nur in sehr geringen Mengen aus, und gelten nicht als Überträger.


Die Feldspitzmaus gilt als Überträger des Bornavirus. Foto: Adobe Stock Die Feldspitzmaus gilt als Überträger des Bornavirus. Foto: Adobe Stock

Wie kann man vorbeugen? Gibt es eine Impfung gegen Bornavirus?


Eine Impfung gegen das Bornavirus gibt es nicht, auch keinen umfassenden Schutz davor. Man kann das Risiko etwas senken, indem man den Kontakt zu Spitzmäusen und deren Ausscheidungen minimiert.



  • Kraftfutter verschlossen lagern

  • Futterreste vom Boden entfernen

  • Auch Katzenfutter nicht offen herumstehen lassen

  • Mülltonnen verschließen

  • Keine Komposthaufen oder andere Schütthaufen neben dem Stall – sie locken Insekten und damit Spitzmäuse an

  • Tote Spitzmäuse nur mit Handschuhen anfassen und sie sicher entsorgen

  • Fundstelle reinigen und desinfizieren (Mittel sollte gegen behüllte Viren wirken)


Hinweis: Die Feldspitzmaus ist geschützt und darf nicht gezielt bekämpft werden. Es geht darum, sie von Stall und Futter fernzuhalten.  


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