Zonik Plus und Justin Verboomen – bleibt ihnen das Totilas Schicksal erspart?
Zonik Plus – möge der Fluch des schwarzen Hengstes sich nicht wiederholen!
Zonik Plus und Justin Verboomen (BEL) auf dem Weg zur Goldmedaille bei der EM 2025, Foto: sportfotos-lafrentz.de Zonik Plus und Justin Verboomen, Aachen-Sieger, Europameister, Nummer eins der Welt, Superstars! Von der reinen Faktenlage betrachtet, hat die Geschichte das Zeug zum Déjà-vu: ein schwarzer Hengst, ein schlanker Reiter aus Benelux und ein kometenhafter Aufstieg in die Weltspitze. Diese Parallelen lassen sich unschwer zwischen dem „Wunderhengst“ der 2010er Jahre, Totilas, und dem wunderbaren Zonik Plus ziehen.
Und ansonsten?
Die Auftritte des Niederländers Edward Gal mit Totilas wurden von Richtern und Enthusiasten hochgerissener Vorderbeine gleichermaßen gefeiert. Sie stehen sinnbildlich für eine Phase in der Dressur, in der auf die guten Werte gepfiffen und dem Spektakulären stets der Vortritt gegenüber dem Reellen gewährt wurde. Eine dunkle Zeit. Es konnte einem schwarz vor Augen werden. Richtig reiten reicht? Von wegen. Für die Medaillenränge musste ganz anders zu Werke gegangen werden. Und wurde es auch, nationenübergreifend.
Das wurde auch nicht besser, als – für wie viele Millionen Euro auch immer – Totilas nach Deutschland wechselte. Immerhin hat Paul Schockemöhle mit dem Ankauf und dem züchterischen Einsatz von Totilas bewiesen, dass sein Instinkt als Pferdezüchter bei weitem nicht auf den Springsektor beschränkt ist.
Zonik Plus und Totilas – viel gemeinsam, und doch nicht
Schwarz, hübsch, gekört, und eine Mischung aus niederländischen und Trakehner Genen (die Trakehner Stute Karben v. Ibikus taucht übrigens bei Zonik Plus als Urururgroßmutter auf, bei Totilas ist es eine „Ur-Generation“ weniger, diese Info nur für Zucht-Nerds) – das ist es dann aber auch, was die beiden Hengste gemeinsam haben. Und natürlich die Goldmedaille und die Weltranglistenposition.
Aber die Vorstellungen der beiden Paare könnten unterschiedlicher nicht sein. Justin Verboomen, Sohn eines Reitlehrers und einer Ärztin, hat lange Jahre mit iberischen Pferden gearbeitet. Sein Reiten ist von Leichtigkeit und Harmonie, von kaum sichtbarer Hilfengebung und einem Sitz wie aus dem Lehrbuch geprägt. Sein Pferd geht unbeschlagen. Ein Novum in einem Sport, in dem es Pferde gibt, die gefühlt nahezu unter jedem Huf eine andere Hufeisenkontruktion tragen. Justin vertraut seinem Hengst, und Zonik Plus seinem Reiter. Der Rappe ist erst neun Jahre jung. Aber die beiden kennen sich bereits sieben Jahre. Ihre Bindung ist eng, ihre Zügelverbindung ist das niemals. Wie schön!
Ein echtes Team
Bei den Europameisterschaften 2025 in Crozet ging Zonik Plus den neunten Grand Prix seiner Karriere und schlug die versammelte Weltspitze. Ja, natürlich war das noch nicht perfekt. Irgend etwas ist immer – leichte Spannung, das Sprunggelenk in der Piaffe – aber der Weg ist das Ziel. Und der Weg führt in die richtige Richtung. Das hat der Auftritt in Frankfurt gezeigt. Mit Justin Verboomen stand das erste Mal seit 2017 wieder ein Mann auf dem Podium. Damals gewann Sönke Rothenberger Silber bei der EM in Göteborg. Verboomen gewann die erste „männliche“ Goldmedaille auf einem Championat seit Edward Gal 2010 in Kentucky Weltmeister wurde. Und der ritt damals, genau, Totilas, der anschließend verkauft wurde.
So bitter es klingen mag, schon beim Schlussgruß in Crozet und spätestens als die Kameras das ungläubige Staunen im Gesicht von Justin Verboomen einfingen, schoss mir nur ein Gedanke durch den Kopf: Wie viel ist dieses Pferd nun Wert? Sieben Millionen? Zehn Millionen? Oder noch mehr Euro? Sportlich kann der Rappe schon jetzt als potenzieller Anwärter auf den Olympiasieg 2028 gelten. Wenn er gesund bleibt. Und die züchterische Arithmetik errechnet beim Blick in die Abstammung einen beinahe noch höheren Zuchtwert als Totilas: Bei Zonik Plus finden sich vier Medaillengewinner bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften, drei Weltcup-Finalisten und neben Zack mit Don Schufro und dessen Erzeuger Donnerhall die führenden Blutlinien des internationalen Dressursports vereint in einem Pferd. Und das besticht nicht nur durch Leistung, sondern auch noch durch seine Schönheit.
Wie schön wäre es, wenn dieses wunderbare Paar nicht durch einen Millionen-Deal zerrissen würde. Schön für Zonik Plus. Für Justin Verboomen. Für die gesamte Dressur, die Paare wie dieses so dringend nötig hat.

