Portrait über Katharina Rhomberg, Österreichs derzeit erfolgreichste Springreiterin

Katharina Rhomberg – Österreichs WM-Hoffnung

Feature 25.06.2026
Ziemlich beste Freunde: Katharina Rhomberg und der "herzensguteste" Cuma.
Foto: sportfotos-lafrentz.de Ziemlich beste Freunde: Katharina Rhomberg und der "herzensguteste" Cuma. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Hugo Simon, Max Kühner – Reiter, die große Erfolge für Österreich im Springsport errungen haben. Aber beide sind gebürtige Deutsche. Anders Katharina Rhomberg, die sich seit diesem Jahr auch Fünf-Sterne-Siegerin nennen darf. Portrait einer Reiterin, die 2026 endgültig den Durchbruch geschafft hat – u.a. mit Hilfe ihres Schwiegervaters, der eigentlich nur Chancengleichheit herstellen wollte.

Katharina Rhomberg ist Österreichs derzeit beste Springreiterin. Nicht nur, weil sie Mitte Juni mit einem ihrer Nachwuchspferde zum ersten Mal Staatsmeisterin wurde. Sie reitet schon seit Jahren ganz vorne mit, national wie international. Bei den Europameisterschaften 2023 vollbrachten sie und ihre Mannschaftskollegen Historisches: Sie holten die erste Mannschaftsmedaille für Österreich im Springreiten und damit auch die Qualifikation für Olympia, wo sie 2024 als Mannschaft auftraten. 2025 hatte Rhomberg ihren dritten EM-Einsatz.


Sie hat also schon einiges erreicht, erlebt und gesehen im Springsport. Doch nie war sie erfolgreicher als derzeit. Jüngst feierte sie ihren ersten Sieg in einem Fünf-Sterne-Grand Prix. Wir haben mit der 33-Jährigen gesprochen und eine geerdete Persönlichkeit kennengelernt, die hart für ihren Erfolg arbeitet.


Heimatverein


Katharina Rhombergs Pferde stehen in dem Reitverein in Dornbirn, in dem sie einst vor vielen Jahren als Kind anfing zu reiten. Schon ihre Eltern hatten hier eine Stallgasse gepachtet und sie und ihr Bruder Christian – wie sie international erfolgreich im Springsattel – wuchsen mit Pferden auf. Unterrichtet wurden sie von ihren Eltern, ansonsten waren sie selbst dafür verantwortlich, dass es ihren Pferden gut ging. Füttern, putzen, misten kamen vor Reiten.


Dass Katharina Rhomberg heute zwei Stallgassen in ihrem Heimatverein besetzt, war allerdings keine ausgemachte Sache. Zwar träumte die heute 33-Jährige von einer Karriere als Profi, aber ihr war auch klar, dass das ein schwieriger Weg ist. „Ich habe zuerst die Matura gemacht und dann Betriebswirtschaftslehre studiert, um abgesichert zu sein. Nach dem Studium stand ich an dem Punkt, wo ich überlegt habe: Nehme ich jetzt einen normalen Job an, oder versuche ich, halbtags zu arbeiten und halbtags zu reiten?“


Dass das auf die Dauer nicht möglich ist, wenn man den Sport ambitioniert betreiben möchte, wurde ihr allerdings sehr schnell klar. „Ein normaler Job ist da einfach zu unflexibel. Ich kann die Turniere nicht so planen, wie ich es brauche.“


Also wagte sie mit 22 Jahren den Sprung ins kalte Wasser und konzentrierte sich voll auf die Reiterei. Aus heutiger Sicht der richtige Schritt – auch wenn ihr zwischendurch immer wieder Zweifel kamen.


Die richtigen Menschen auf dem Weg


„Es gab immer wieder Momente, in denen ich mich gefragt habe: Bin ich wirklich gut genug? Schaffe ich es an die Spitze? Solche Zweifel gehören dazu.“ Geholfen haben ihr in diesen Situationen die Menschen, die ihr am nächsten stehen. Rhomberg: „Ich würde sagen, ungefähr die Hälfte der Leute in meinem erweiterten Umfeld hat nicht wirklich an mich geglaubt. Die haben gesagt, du schaffst das nicht, bleib lieber im Ländle. Und die andere Hälfte hat mehr an mich geglaubt als ich selbst.“


Die letzteren sieht sie – zusammen mit dem Mentaltrainer, der sie seit fünf Jahren begleitet – als den entscheidenden Faktor an, der sie weitergebracht hat. Dazu zählt vor allem ihre Familie, aber besonders auch ihr Pferdebesitzer Gerhard Rauch. Der allerdings gewissermaßen ebenfalls zur Familie gehört, denn er ist sozusagen ihr Schwiegervater, auch wenn sie und ihr Freund nicht verheiratet sind.


Rauch hatte mit Pferden eigentlich nichts zu tun, aber war interessiert am Tun der Partnerin seines (Stief-)Sohnes und besuchte das Turnier des heimischen Stalls in Dornbirn. Rhomberg ritt und hatte einen Abwurf. Eine andere Reiterin hatte zwei Pferde am Start und gewann mit dem zweiten die Prüfung. „Er fand, das sei ja unfair, dass sie zwei Chancen hatte“, erzählt Katharina Rhomberg. „Ich erklärte, ich habe aber nur in Pferd, mit dem ich solche Prüfungen reiten kann. Er antwortete, dann kauft er mir jetzt noch ein Pferd.“


Gesagt, getan. Das ist acht Jahre her. Inzwischen gehören acht ihrer zehn Pferde Gerhard Rauch.


Prägende Trainer und Pferde


Reiterlich waren es drei Trainer, die Katharina Rhombergs Werdegang besonders geprägt haben: von ihrem 16. bis 22. Lebensjahr Susanne Behring, danach Kurt Gravemeier, seit ca. drei Jahren Thomas Balsiger, der Vater des Schweizer Springreiters Bryan Balsiger.


„Kurt Gravemeier hat mich in die höheren Klassen gebracht“, erinnert Katharina Rhomberg. „Unter ihm bin ich das erste Mal bei den Österreichischen Staatsmeisterschaften gestartet. Er hat immer sehr an mich geglaubt und mir die richtigen Pferde vermittelt.“ Vor allem ihre beiden Spitzenpferde Cuma und Colestus Cambridge. Wobei der ehemalige deutsche Bundestrainer sie bei beiden Pferden ein wenig zu ihrem Glück zwingen musste.


„Beide kamen von Markus Merschformann“, berichtet Rhomberg. „Als ich Cuma probegeritten bin, war er siebenjährig. Dass er viel Qualität hat, war klar. Aber er war ein Riesenpferd mit einem Riesengalopp. So etwas bin ich vorher noch nie geritten und ich sagte: Den kann ich nicht reiten! Aber Kurt hat mich überzeugt.“ Wofür sie heute höchst dankbar ist.


Mit dem heute 14-jährigen Comme il faut-Sohn gehörte sie zur besagten Bronzemannschaft der EM 2023. Auch die anderen beiden Europameisterschaften hat sie mit ihm bestritten, ebenso die Weltmeisterschaft 2022 in Herning. Jüngst waren die beiden doppelnull im Nationenpreis von St. Gallen und verhalfen ihrer Mannschaft damit als bestes Paar zu einem sensationellen zweiten Platz.


„Er ist das herzensguteste Pferd“, beschreibt Katharina Cuma. „Er hat mir in den ersten wirklich schweren Prüfungen unheimlich viel Sicherheit gegeben. Damals war ich reiterlich noch nicht so weit wie heute. Mit ihm habe ich von 1,45 über 1,50 Meter bis in die wirklich allerschwersten Springen alles erlebt. Er springt einfach über alles, hat ein unglaubliches Vermögen. Das hat mir sehr geholfen.“


Colestus Cambridge war dieses Jahr schon platziert in Aachen. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Colestus Cambridge war dieses Jahr schon platziert in Aachen. Foto: sportfotos-lafrentz.de

Colestus Cambridge, der Video-Kauf


Was sie bei Cuma gelernt hat, kam ihr bei der Ausbildung ihres zweiten Spitzenpferdes zugute, des elfjährigen Colestus Cambridge, der Rhombergs St. Gallen-Wochenende mit Rang zwei im Großen Preis die Krone aufsetzte. Auch er kam über die Merschformann-Gravemeier-Connection zu ihr.


„Er ist das einzige Pferd, das wir über Video gekauft und nicht ausprobiert haben“, berichtet Rhomberg. „Kurt Gravemeier war total begeistert von ihm. Er sagte, das sei ein Weltklassepferd. Ehrlich gesagt, auf dem Video sah man das nicht direkt, weil er über kleine Sprünge lässig drüberhüpfte. Ich war mir unsicher, ob er wirklich ein Toppferd ist. Aber Kurt war so überzeugt, dass er meinen Pferdebesitzer angerufen hat. Dann musste es schnell gehen, weil auch noch andere Interessenten an ihm dran waren. Wir haben dann gesagt, wenn er gesund ist, nehmen wir ihn.“


So kam Colestus Cambridge sechsjährig zu Katharina Rhomberg. Wie richtig Gravemeier mit seiner Einschätzung lag, merkte sie schon beim ersten Turnierstart. „Seine größte Stärke ist seine Einstellung. Wenn er auf dem Turnier ist und wenn er springen darf, blüht er auf. Das macht ihn glücklich, das spürt man sofort. Da ist dann eine ganz andere Lebensfreude spürbar.“ Zudem sei der Colestus-Sohn aus der Zucht von Udo Grochowski „unheimlich schlau“. „Man merkt richtig, wie er mitdenkt im Parcours“, beschreibt Katharina Rhomberg.


Mit Hänschen anfangen


Nicht nur die beiden, alle ihre Pferde sind recht jung zu ihr gekommen. Katharina Rhomberg sieht darin entscheidende Vorteile. „Abgesehen davon, dass man sie dann frühzeitig auf die eigene Art zu reiten einstellen kann, ist es doch so: Je mehr Zeit man miteinander verbringt, desto intensiver ist die Bindung. Sicher kann es einfacher sein, ein bereits fertig ausgebildetes Pferd zu kaufen. Aber ich bin überzeugt, Reiter und Pferd müssen sich zu 100 Prozent vertrauen, um erfolgreich zu sein. Im Stechen entscheiden Millisekunden. Je besser abgestimmt die Kommunikation da ist, desto größer die Erfolgschancen.“


Und noch etwas spielt hier für Rhomberg eine Rolle: Sie kann genau dosieren, wie viel mit den Pferden gemacht wird. „Die Grundausbildung ist das Wichtigste. Und wenn die Pferde sich noch so sehr anbieten, junge Pferde muss man langsam aufbauen und immer nur das verlangen, was sie körperlich und mental leisten können. Außerdem brauchen sie ausreichend Erholungspausen.“


Bauchgefühl und Teamgeist


Wann das der Fall ist, bestimmt in der Regel ihr eigenes Bauchgefühl. „Ich kenne meine Pferde, für denen einen ist weniger mehr, der andere braucht mehr Starts. Ein Plan ist gut und wichtig, aber man muss flexibel bleiben.“


Neben ihrem Bauchgefühl vertraut Katharina Rhomberg ihrem Team. „Ein guter Tierarzt, Hufschmied, Physio usw. sind essenziel. Wenn man das einmal gefunden hat, sollte man unbedingt daran festhalten – selbst, wenn es mal nicht so läuft. Dann muss man zusammen nach Lösungen suchen.“


Und an sich selbst arbeiten, weiß Rhomberg. „Eine Zeitlang hatte ich mit beiden Pferden (Cuma und Colestus) das Problem, dass sie nicht rittig genug waren für die ganz schwierigen, technischen Kurse. Deshalb habe ich mit Thomas Balsiger, Franke Sloothaak und dem Schweden Pether Markne dressurmäßig gerarbeitet. Das hat mir unglaublich geholfen im Parcours.“


So sehr, dass sie dieses Jahr in Versilia, Italien, mit Colestus Cambridge ihren ersten Fünf-Sterne-Grand Prix gewann. Ein großer Moment, der aus Rhombergs Sicht auch, aber nicht nur auf die Dressurarbeit zurückzuführen ist. „Ich habe mich in den letzten zwei, drei Jahren wirklich intensiv mit meiner mentalen und körperlichen Fitness auseinandergesetzt und meine Reiterei verbessert. Gleichzeitig haben sich meine Pferde entwickelt. Es war eigentlich ein kontinuierlicher Prozess und jetzt sind wir gleich weit und alles passt zusammen.“


Loslassen können


Der Sieg in Versilia, da sei ein Traum in Erfüllung gegangen, sagt Rhomberg. Aber ihre schönsten Momente im Sport sind nicht notwendigerweise die, bei denen eine Schleife im Spiel ist. „Neben dem reinen Erfolgsgefühl ist für mich auch einfach schön zu sehen, wie weit man mit den Pferden gekommen ist. Wenn man ein Pferd von jung auf kennt und diesen Weg gemeinsam geht – bis ganz nach oben – das ist etwas sehr Besonderes.”


Ein Pferd, mit dem zusammen sie diesen Weg gegangen ist, ist der Holsteiner Cardento-Sohn Cody. Sieben Jahre hatte sie den 15-jährigen Schimmel unter dem Sattel und war mit ihm von der Youngster Tour bis hin zum CSI5* im Einsatz. Doch nun hat sie ihn an eine Nachwuchsreiterin abgegeben, obwohl er nach wie vor topfit ist. “Mir ist das echt schwergefallen, aber ich habe gemerkt, dass er bei Springen über 1,45 Meter nicht mehr dieselbe Freude hat wie früher. Früher hat er jedes Hindernis angezogen und war mit Feuereifer dabei. Bei den kleinen Springen war das noch genauso. Aber je höher es wurde, umso mehr hatte ich das Gefühl, dass ihm die Freude fehlt. Und mir ist es wichtig, dass die Pferde Freude an dem haben, was sie tun. Nur dann rufen sie wirklich Top-Leistung ab.”


Sie hätte Cody natürlich auch behalten und in kleineren Prüfungen reiten können. Aber das erschien ihr dem Pferd gegenüber unfair. “So hat er mit Livia Schranz jetzt eine zwölfjährige Reiterin, die absolut für ihn lebt. Beim ersten Turnier hat das schon supergut funktioniert.”


Kann man so sagen. Das erste Turnier war gleich die Staatsmeisterschaft der Children. Nachdem die erste Prüfung mit Cody lief wie am Schnürchen und Livias eigentliches Pferd sich verletzt hat, sattelte sie Cody kurzerhand auch für die weiteren Wertungen – und wurde Meisterin. „Das war auch für mich wirklich schön anzusehen. Wenn man ein Pferd guten Gewissens abgeben kann, weil man weiß, dass es ihm gut geht, ist das genau das Richtige“, so Rhomberg.


Nah- und Fernziele


Man kann sagen, Katharina Rhomberg und ihre Pferde sind in der Form ihres Lebens, genau richtig für die WM in Aachen. „Offiziell ist die Nominierung noch nicht draußen, aber ich weiß, dass ich mit Cuma und Colestus auf der Liste stehe. Beide haben dieses Jahr schon gezeigt, dass sie in Top-Form sind.“


Die Form gilt es nun zu erhalten – wobei sie mit Colestus für die WM plant. Dafür hat Rhomberg einen ausgeklügelten Plan: „Zwei Turniere auf schönen Rasenplätzen in Samorin und Valkenswaard. Dann folgen zwei Wochen Pause und Vorbereitung und dann geht es zur WM“, skizziert sie den Weg. „Das Ziel ist, dass die Pferde mental und körperlich topfit sind und wir alle in der bestmöglichen Verfassung ankommen.“ Um dann die bestmögliche Performance abrufen zu können.


Viele ihrer Träume haben sich in den letzten Jahren bereits erfüllt. Aber einen großen Traum hat Katharina Rhomberg noch: „Mein eigener Stall, eine eigene Anlage, das wäre es. Und dann, mit mehreren Pferden konstant an der Spitze zu bleiben. Und wenn ich irgendwann auf diese Zeit zurückschaue und sagen kann, ich habe das alles selbst aufgebaut und erarbeitet, das wäre das Schönste!“


2024 waren Katharina Rhombach und Colestus Cambridge bei den Olympischen Spielen in Paris am Start. Nun peilen sie die WM in Aachen an. Foto: sportfotos-lafrentz.de
2024 waren Katharina Rhombach und Colestus Cambridge bei den Olympischen Spielen in Paris am Start. Nun peilen sie die WM in Aachen an. Foto: sportfotos-lafrentz.de

WP Wehrmann Publishing