Tipps zur Ausbildung junger Springpferde
Das Willem Greve-Erfolgsrezept: Geduld, Konsequenz und Wiederholung
Willem Greve hatte sich zu Beginn der Gothenburg Horse Show Zeit für einen Lehrgang genommen, gesponsert vom Hyperion Stud. Es ging um die Ausbildung junger Springpferde. Foto: GHS/Kim C. Lundin Drei Reiter mit Nachwuchsspringpferden waren ins Skandinavium eingeladen worden: André Brandt mit Chaccuino v. Chacoon-Blue (5), Joanna Johansson auf Kiaciene v. Kintaro VDL (6) und Björn Svensson im Sattel von Magic Touch (7). Optisch hätten die drei Pferde nicht unterschiedlicher sein können – vom langbeinigen Schlaks über die noch wenig bemuskelte, aber hoch athletische und spannungsgeladene Powermaus hin zu der auf den ersten Blick eher gemütlichen Kandidatin, die aber auch ganz anders kann, wie sich zeigte. Ihnen gemein sind Talent und Sensibilität in unterschiedlicher Ausprägung.

Hier einige der prägnantesten Learnings aus dieser Trainingseinheit mit Willem Greve
Frage: Gibt es bestimmte Dressurlektionen, die aufs Springen vorbereiten?
Antwort(en): Jedes Pferd ist ein Individuum von seinem Wesen und seinen körperlichen Voraussetzungen her und muss als solches behandelt werden. Daher gibt es keine pauschalen Empfehlungen, aber einige Grundsätze. dazu gehört: Egal, worum es geht – Geduld, Konsequenz und Wiederholung führen zum Lernerfolg. Außerdem dies:
- Ein Pferd lernt, wenn es etwas gut gemacht hat und dafür belohnt wird.
- Pferde lernen durch Wiederholung.
- Ganz wichtig beim Springen: Geraderichtung. Das kann man an sehr kleinen Hindernissen üben, dass die Pferde in der Mitte des Sprungs bleiben, dass man links und rechts landen kann. Das sind die Basics. Wenn es später im Parcours Probleme gibt, löst man die in 99 Prozent der Fälle durch Arbeit an diesen Grundlagen.
Frage: Wie sollte man heiße Pferde dressurmäßig arbeiten?
Antwort(en):
- Die Pferde müssen lernen, das Bein zu akzeptieren
- Beim Leichttraben durch Einsitzen, das geringfügig langsamer ist als der Takt, Tempo rausnehmen. Nicht halten wollen, sondern nachgeben und mit flacher Wade treiben – keine kurzen Impulse, sondern das Pferd mit der Wade umschließen.
- Dann Übergänge reiten, innerhalb der Gangart und zwischen den Gangarten, Handwechsel, das Pferd beschäftigen.
Merke: Keine Angst haben, nachzugeben. Je mehr man zieht, desto heißer werden die Pferde. Kontrolle ist nicht rückwärts reiten. Kontrolle ist, wenn man vorwärts reitet und sein Pferd dabei nicht „verliert“, sondern an den Hilfen behält.
Frage: Was tun, wenn das Pferd beim Springen heiß wird?
Antwort:
- Warten! Ruhe reinbringen! Nicht einfach geschehen lassen, sondern mit ruhigem Sitz Kontrolle gewinnen, dabei nicht schwer einsitzen, aber das Pferd umschließen. Im Parcours nicht nur halten, sondern versuchen, zum Nachgeben zu kommen und das Pferd zwischen den Sprüngen immer wieder zum Durchatmen und entspannen kommen zu lassen.
Tipp: Auf die Atmung achten!
„Wenn sie rhythmisch atmen, sind sie entspannt, losgelassen und bereit zu lernen.“
Frage: Was tun, wenn das Pferd nicht vorwärts gehen will und klemmt?
Antwort:
- Ausreiten in der Gruppe und im Galopp in der Herde die Gehlust wecken.
Frage: Was tun, wenn das Pferd sich nicht gut auf gebogenen Linien arbeiten lässt?
Lösung:
- Nicht den Hals herumziehen! Der Hals soll vor der Schulter bleiben. Das Pferd soll sich um den inneren Schenkel biegen und an den äußeren Zügel herantreten. Es ist wichtiger, was hinter dem Sattel passiert, als was vor dem Sattel passiert.
Frage: Wie kann man die Vorhandtechnik verbessern?
Antwort:
- Durch eine deutliche Grundlinie, die die Pferde davon abhält, zu dicht an den Sprung zu kommen und sie dazu bringt, mit der Schulter „zurückzuspringen“.
Frage: Wie oft sollte man zuhause hoch springen?
Antwort:
- Das kommt drauf an – junge Pferde sollten zuhause die Höhe mehrfach gesprungen sein, die sie auf dem Turnier erwartet. Bei älteren Pferden, die alles können, geht es zuhause nur darum, sie fit und motiviert zu halten.
Frage: Gibt es einen ultimativen Tipp fürs Stechen?
„Nicht zu viel nachdenken!“

Wer ist eigentlich Willem Greve?
Der niederländische Springreiter Willem Greve hat das Weltcup-Finale in Texas fest im Visier. Nach drei Etappensiegen in einer Saison reist er als Führender des Westeuropa-Rankings nach Fort Worth. Wer ist der Mann, der derzeit in aller Munde ist? Um es kurz zu machen: ein Pferdemann wie schon sein Vater, Jan Greve.
Als Willem Greve seine ersten Europameisterschaften ritt, war er zwölf Jahre jung. Vom Pony- bis ins Junge Reiter-Alter fand keine Nachwuchs-EM ohne ihn statt und er gewann zwei Silber- und zwei Bronzemedaillen mit dem Oranje-Team. Man kann sagen, die Reiterei ist ihm in die Wiege gelegt.
Sein Vater ist der Tierarzt Jan Greve, Leiter der Tierklinik und Hengststation De Watermolen mit eigener Zucht und Aufzucht. Greve Senior war der Entdecker von Hengsten wie Voltaire und Guidam. Watermill Scandic von Patrik Kittel kam hier zur Welt. Er hat nicht nur Spring- und Dressurpferde gezüchtet, als Teamtierarzt für die niederländischen Nationalmannschaften hat er Spring-, Vielseitigkeits- und Dressurcracks betreut – bis er sich mit dem damaligen Nationaltrainer Sjef Janssen wegen dessen Trainingsmethoden überwarf und von seinem Posten zurücktrat. In einem Interview im australischen The Horse Magazine von 2018 sagte Jan Greve:
„Ein Dressurreiter wünscht sich ein Pferd, das nicht mitdenkt. Er will ein Pferd, das gehorsam ist und jeden Tag dieselbe einstudierte Routine gelassen absolviert. Jede Bewegung ist kontrolliert, selbst die des Reiters. Wenn man ein Pferd hat, das trotz dieser Disziplin frisch und fröhlich bleibt, dann hat man den Titel geholt.“
Greve sieht sich selbst in erster Linie als Pferdemann und erst danach als Tierarzt. Sein Sohn denkt für seinen Job als Springreiter genauso.
Spaß an der Ausbildung junger Pferde

Willem Greve hat bei großen Ausbildern wie Henk Nooren und Jeroen Dubbeldam gelernt. Er lebt vor allem von Ausbildung und Verkauf von Pferden, inzwischen nicht mehr zuhause, sondern auf einer eigenen Anlage in Markelo. Wie er einst im Interview mit seinem Sponsor Roelofsen sagte: „Ich muss nicht jedes Wochenende bei einem großen Turnier starten. An etwas mit einem Pferd zu arbeiten, junge Pferde auszubilden und alles, was dazugehört, das macht mir Spaß. Man versucht, ein Pferd auszubilden, und wenn man dann wie mit Carambole oder Grandorado selbst Spitzensport mit einem solchen Pferd reiten kann, gibt das unglaublich viel Befriedigung. Aber auch, wenn man ein Pferd während seiner Entwicklung verkauft und die Kunden damit erfolgreich sind und zufrieden, dann gibt mir das ebenso viel Freude.“
So wie es es jetzt auch bei dem von ihm ausgebildeten Highway TN mit Lillie Keenan ist.
Carambole – „Simply the Best“

Seinen internationalen Durchbruch hatte Willem Greve mit dem Hengst Carambole, einem Holsteiner, wie er im Buche steht – typvoll, maskulin, athletisch, drei sehr guten Grundgangarten, perfekter Manier am Sprung und unendlichem Vermögen. Dazu war er rittig und um seinen Charakter zu erkennen, musste man ihm nur in die Augen schauen. Zur Welt kam der Cassini I-Sohn bei Jens Ritters in Krumstedt.
Wie die meisten seiner Pferde hat Greve Carambole selbst ausgebildet und bestritt mit dem damals neunjährigen Hengst bei den Europameisterschaften 2013 in Herning sein erstes Championat. Die beiden gewannen die Großen Preise von Knokke, Drachten, Hardelot und Wierden. 2021 trugen sie maßgeblich zum niederländischen Sieg im Nationenpreis-Finale von Barcelona bei. Zwei Jahre später wurde Carambole nach über zehn Jahren in der Weltspitze offiziell aus dem Sport verabschiedet. Er konnte seine Rente nicht lange genießen. Im Sommer 2025 brach er sich ein Bein und musste eingeschläfert werden. Ein schlimmer Verlust.
Willem Greve schrieb zur Nachricht von Caramboles Tod: „Ich verdanke dir alles. Du warst mein bester Partner von allen. Ich weiß jeden einzelnen Moment zu schätzen. Vielen Dank, mein Freund, dass du Menschen zusammengebracht hast und mich zu einem besseren Pferdemensch und Reiter gemacht hast! Du wirst für immer ‚Simply the Best‘ sein.“
Die Qual der Wahl

Parallel hatte Greve sich längst andere Pferde aufgebaut. Mit dem einstigen KWPN-Körsieger Grandorado gewann Greve gestern das Weltcup-Springen in Göteborg. Dass er ihn für sich behalten konnte, verdankte er unter anderem der Kooperation mit dem Team Nijhof, für das er auch den inzwischen an Lillie Keenan verleasten ’s-Hertogenbosch- und Leipzig-Sieger Highway TN ausgebildet und vorgestellt hat. An seiner EM-Partnerin von 2025, Pretty Woman van’t Paradijs, hält er selbst Anteile.
Ob er in Fort Worth Pretty Woman oder Grandorado reitet, muss er noch entscheiden. „Eigentlich war Pretty Woman meine erste Wahl. Aber Grandorado ist ebenfalls super in Form, von daher werden wir sehen.“
Zumal die Planung ja auch das nächste große Ziel diese Saison einkalkulieren muss, die WM in Aachen.


