Samourai du Thot

Samourai du Thot und Julia Krajewski. Foto: sportfotos-lafrentz.de
- Geschlecht: Männlich
- Jahrgang: 2006
- Rasse: Selle Français
- Vater: Milor Landais
- Muttervater: Flipper d'Elle
- Züchter: Jean-François Noel
- Größte Erfolge: Sieg CCI5*-L Luhmühlen 2017, Rang drei 2016, zweimal Deutscher Meister
Wie Amande de B’Neville und Opgun Louvo von Sandra Auffarth fand auch Samourai du Thot über die Belgierin Myriam Meylemans seinen Weg aus Frankreich nach Deutschland. Mit seiner Abstammung hätte er auch Springpferd werden können. Sein Vater Milor Landais war selbst in 1,60 Meter-Springen erfolgreich. Wichtiger ist allerdings, dass die Großmutter zugleich Mutter des Weltcup-Finalsiegers von 2007 ist, Ideo du Thot. Dass Samourai du Thot („Sam“) auch ein ganz Großer werden würde, sah man ihm als junges Pferd auf den ersten Blick nicht an.
Klein (sehr), braun, unscheinbar – so kam der damals sechsjährige Samourai du Thot bei seinem ersten Auftritt in einer internationalen Vielseitigkeit 2012 in Bad Harzburg daher. Doch schon bei diesem ersten CIC1* Auftritt ließ er erahnen, was in ihm steckte, war null im Gelände wie auch im Parcours. Auch wenn er bei den beiden weiteren Prüfungen in dieser ersten Saison Verweigerungen hatte, drei Top drei-Platzierungen und ein Sieg im englischen Chatsworth im Folgejahr bestätigten, dass das Paar auf dem richtigen Weg war. So ging es in den nächsten Saisons weiter.
Die ersten großen Aufgaben
Dass Julia Krajewski „den kleinen Sam“, wie sie ihn in Anspielung auf Michael Jungs gleichnamige Legende nennt, als ihr „Herzenspferd“ bezeichnet, lag unter anderem daran, dass der Wallach alles, was er tat, mit Begeisterung anging. Er ging nicht brav auf den Transporter, er sprang hinauf, bereit für neue Abenteuer. Dazu war er blitzgescheit, ein Genie, wenn er bei sich war, sich wohl fühlte und alles passte. Nachdem die beiden 2015 in Wiesbeiden siegreich gewesen waren, in Strzegom Dritte im CCI3* (heute CCI4*-L) geworden waren und die Saison mit einem fünften Platz beim Nationenpreisturnier in Waregem (BEL) abgeschlossen hatten, folgten 2016 die ersten richtig großen Aufgaben. In Luhmühlen wollten Reiterin und Pferd ihre erste CCI4* (CCI5*-L) Prüfung bestreiten. Sam war bereit. Und wie.
Niemand, der diesen kleinen braunen Flitzer über den Geländekurs von Luhmühlen fliegen sah, wird das Bild je vergessen. Ihr „kleines Go-Cart“ nannte Julia Krajewski ihn, sehr passend. In der Heide war Sam in seinem Element. Die Vier-Sterne-Premiere (CCI5*-L) schloss er auf Rang drei ab und sicherte sich damit den Platz im Team für die Olympischen Spiele in Rio.
Rückschlag I
Hier lief es dann allerdings nicht wie gewünscht. Nach Verweigerungen schieden die beiden im Gelände aus. Das Team holte trotzdem noch Silber. Aber die Enttäuschung war groß. TV-Kommentator Carsten Sostmeier musste sich später bei Julia Krajewski für seine unschöne Wortwahl bei der Live-Übertragung entschuldigen. Eine bittere Olympia-Premiere für die damals 27-Jährige. Aber sie ließ sich nicht unterkriegen.
Nachdem sie die Saison 2016 noch mit einem mutmachenden Sieg im CIC2* von Strzegom beenden konnten, sammelten sie über den Winter neue Kraft und begannen die Saison 2017 mit vier zweiten Plätzen bei vier Starts. So vorbereitet reisten sie nach Luhmühlen, um hier erneut auf Fünf-Sterne-Niveau anzugreifen. Diesmal lief es noch besser als im Jahr zuvor: Sieg mit fehlerfreiem Gelände trotz eines Abwurfs im Parcours. Damit empfahlen sie sich für die EM, die in diesem Jahr im polnischen Strzegom stattfand, wo Sam sich ja schon bewiesen hatte.
Rückschlag II
Das Unternehmen EM Strzegom ließ sich gut an. Nach der Dressur lag das deutsche Team in Führung. Julia Krajewski und Samourai du Thot gingen als erstes Paar fürs Team auf die Geländestrecke. Sie kamen bis Hindernis 8. Schon bis dato sei Sam immer weggerutscht, wenn sie eine Wendung schneller als im Arbeitsgalopp nehmen wollte, erklärte Krajewski später. Der Boden war aufgeweicht und rutschig. Hindernis 8 war eine Kombination. Wieder glitt Sam aus und diesmal konnte er es nicht ausbalancieren. Es kam zu einem Vorbeiläufer an 8b. Doch die beiden kämpften weiter, kamen schlussendlich ohne weitere Hindersfehler mit nur 3,6 Zeitstrafpunkten ins Ziel. Das war schade, zumal Bettina Hoy und Sir Medicott nach einem Sturz ausschieden. Aber nach Spitzenrunden von Ingrid Klimke mit Hale Bob und Michael Jung mit Rocana lag das Team immer noch auf Silberkurs. Im Parcours machten sie den Erfolg dann perfekt. Ingrid Klimke wurde zudem Einzeleuropameisterin und Michael Jung gewann Silber. Also eigentlich alles gut.
Eigentlich. Denn bei der Medikationskontrolle wurde Samourai du Thot positiv auf die verbotene Substanz Firocoxib getestet, ein Schmerzmittel und Entzündungshemmer. Julia Krajewski schwor Stein und Bein (das tut sie übrigens bis heute), dass sie keine Ahnung hatte, wie das Mittel in den Körper ihres Pferdes gelangen konnte. Doch sie konnte ihre Unschuld nicht beweisen. So akzeptierte sie die Strafe der FEI, die mit einer Disqualifikation einherging. Ohne Krajewskis Ergebnis war die Mannschaft geplatzt. Das Team musste Silber zurückgeben. Doch das Leben musste weitergehen. Im Herbst kehrte das Paar noch einmal nach Strzegom zurück, um die Saison mit einem vierten Platz mit Dressurergebnis im CIC2* zu beenden.
Zweimal Deutsche Meister
Jeder Mensch und besonders jeder Sportler muss mit Niederlagen, Formtiefs und weniger guten Zeiten fertig werden. Doch bei Julia Krajewski waren es zwei herbe Rückschläge innerhalb kurzer Zeit, die noch dazu viel mediale Aufmerksamkeit auf sich zogen. Es sagt viel aus über sie, dass sie nicht unterkriegen ließ und weiterkämpfte – um sich 2018 in Luhmühlen mit Sam ihren ersten Deutschen Meister-Titel zu sichern. Dass es trotzdem nicht Sam war, mit dem sie für die Weltreiterspiele in Tryon nominiert wurde, sondern ihr aufstrebender Star Chipmunk, ebenfalls selbst ausgebildet, lag an den Ereignissen beim CHIO Aachen. Dort schied Sam im Gelände aus, während Chipmunk siegte.
Dass auch der dritte Championatseinsatz von Julia Krajewski in Tryon mit einer Enttäuschung endete, gehört nicht zur Geschichte von Sam. Oder irgendwie doch, denn die Arbeit mit ihren Pferden war es, an der Krajewski sich stets aufrichten konnte. Und mit Sam zu arbeiten, machte Spaß. Nach der Enttäuschung in Aachen gewann der Wallach sieben Prüfungen in Folge, darunter die Deutsche Meisterschaft 2019. Mission Titelverteidigung geglückt.
Corona und Karriereende
Das Turnierjahr 2020 war von der Corona-Pandemie geprägt. Bei den Turnieren, an denen Krajewski und Sam teilnehmen konnten, waren sie jedes Mal gut unterwegs. Mit einem CCI4*-L Sieg in Strzegom verabschiedeten sie sich in die Winterpause, die Augen auf das kommende Jahr gerichtet, in dem die Olympischen Spiele hoffentlich nachgeholt werden würden. So kam es. Aber nicht für Sam.
Über den Winter zog er sich eine bakterielle Infektion zu, die so schlimm wurde, dass ein Auge betroffen war. Es musste entfernt werden. Es gibt Pferde im Spitzensport, die auf einem Auge blind sind. Aber die sind meist seit jungen Jahren an diese Situation gewöhnt. Sam nur noch in kleinen Prüfungen zu reiten, darin sah seine Ausbilderin keinen Sinn. Aus der Hand geben wollte sie ihn schon gar nicht. So ging Sam verfrüht in Rente, die er nun genießt.
Auch wenn seine Karriere eher endete als erwartet, seine Turnierbilanz ist beeindruckend: 18 Siege bei 56 internationalen Starts, dazu 22 weitere Top fünf-Platzierungen. Diese Quote und Auftritte wie die in Luhmühlen sind es, mit denen der Wallach in Erinnerung bleibt.