Hale Bob OLD

Die Ohren gespitzt, alle Sinne auf Empfang – so kannte man Hale Bob OLD aka "Bobby" mit Ingrid Klimke im Gelände. Foto: Toffi-images.de
- Name: Hale Bob OLD
- Geschlecht: Männlich
- Jahrgang: 2004
- Rasse: Oldenburger
- Vater: Helikon xx
- Muttervater: Noble Champion
- Züchter: Dr. Rolf Lueck
- Größte Erfolge: Zweifacher Einzeleuropameister 2017 und 2019, Sieger CCI4* Pau 2014, Zweiter in Badminton 2015, Mannschaftssilber Olympische Spiele 2016, Einzelbronze WM 2018, Mannschaftseuropameister 2015, EM-Silber mit der Mannschaft 2021
Hale Bob OLD, Ingrid Klimkes Olympia-Silbermedaillengewinner, zweifacher Einzel- und Mannschaftseuropameister, WM-Dritter und Fünf-Sterne-Sieger – dieses Pferd ist das beste Beispiel dafür, warum auch aus der Liebe auf den zweiten Blick eine glückliche Beziehung werden kann, und warum die Dressur fürs Pferd da ist und nicht umgekehrt.
Liebe auf den ersten Blick? Eher nicht.
Als Ingrid Klimke den Oldenburger Helikon xx-Sohn Hale Bob fünfjährig unter den Sattel bekam, hatte der erste Erfahrungen im Springparcours gesammelt, war aber noch nie eine Geländeprüfung gegangen und im Viereck war noch Luft nach oben, um es vorsichtig zu formulieren. „Er sah aus wie ein Ire mit großem Kopf und dünnem Hals“, beschrieb Ingrid Klimke einst im Clip My Horse Interview ihren ersten Eindruck von dem Braunen. Aber er konnte sehr gut springen, war ehrgeizig, mutig und brachte den nötigen Schuss Vollblut mit, um im Gelände bestehen zu können.
Was die Dressurarbeit angeht – sicherlich war das Potenzial hier begrenzt. Aber schließlich hatte die Reitmeisterin auch aus dem Fast-Vollblüter Butts Abraxxas ein „Unter-20-Minuspunkte-Vielseitigkeits-Dressurpferd“ gemacht. So nahm Klimke sich „Bobbys“ Ausbildung an.
Als Youngster sei er zu reiten gewesen „wie eine Bahnschwelle“, sagte Klimke einmal in einem Interview. Paul Stecken riet ihr, ihn ganz viel auf gebogenen Linien zu reiten, Volten, Achten, und immer wieder auch über Cavaletti. Später hat sie die Bewegungen über die Entwicklung der Tragkraft verbessern können. Auch an der Hand. Wilfried Gehrmann hat die Pferde von Ingrid Klimke früher häufig auch vom Boden aus gearbeitet. Und wie Klimke im Interview mit dem St.GEORG berichtete, war das Piaffieren an den langen Leinen der Moment, in dem Bobby verstanden hat, „wo die Hinterbeine überhaupt hingehören“. Auch den Galopp habe sie durch Pirouetten verbessern können. Dressurarbeit in dem Sinne, wie sie sein sollte.
Doch auch wenn ihm Springen und Gelände eher lagen als Dressur, machte Bobby es seiner Reiterin auch hier anfangs nicht leicht. Seine Begeisterung fürs Gelände, die ihm von Start bis Ziel bei jedem einzelnen Ritt deutlich ins Gesicht geschrieben stand, führte dazu, dass er zu Beginn seiner Karriere immer ein ganzes Stück schneller sein wollte als seine Reiterin. Anders gesagt: Er war im Gelände nicht zu halten. Er ging einfach durch. Bei den Weltmeisterschaften der jungen Vielseitigkeitspferde in Lion d’Angers 2011 habe sie ernsthaft in Erwägung gezogen, einfach abzuspringen, sagt Klimke. Aber da sei Bobby bereits so schnell gewesen, dass sie sich das auch nicht mehr traute. Sie wollte ihn schon verkaufen, aber die Bundestrainer Hans Melzer und Chris Bartle wie auch ihr Team rieten ihr, noch zu warten. Sie probierte es mit einer Aufziehtrense fürs Gelände, kombiniert mit konsequentem Anhalten nach jedem Hindernis, um ihn gar nicht erst ins Rennen kommen zu lassen. Das wirkte. Ingrid Klimke gewann Kontrolle über ihren Heißsporn und Hale Bobs Karriere nahm Fahrt auf.
Vom Durchgeher zum Fünf-Sterne-Sieger
Neunjährig ging der Wallach seine ersten Vier-Sterne-Prüfungen (was damals noch Drei-Sterne-Prüfungen waren). Zehnjährig gelang der Durchbruch. Im Herbst 2014 schenkte Hale Bob seiner Reiterin in Pau ihren ersten Fünf-Sterne-Sieg (damals CCI4*). Im Stall wurde das hässliche Entlein zu „Super-Bobby“. Das steht bis heute an seiner Box. Spätestens mit dem Sieg in Pau hatte er sich aus dem Schatten der in allen drei Disziplinen großartigen Escada gelöst. Während deren Karriere verletzungsbedingt früher als gedacht endete, war Bobby immer zur Stelle.
2015 begannen er und Ingrid Klimke die Saison mit einem fantastischen zweiten Platz in Badminton, und Bobby gab sein Championatsdebüt bei der EM in Blair Castle, wo sie Gold mit der Mannschaft holten und Rang fünf in der Einzelwertung belegten.
2016 hatten sie bei den Olympischen Spielen in Rio einen ärgerlichen Vorbeiläufer am zweiten Wasserkomplex, sicherten dem Team aber mit einer Nullrunde im Parcours die Silbermedaille.
2017 schenkte Bobby seiner Reiterin im polnischen Strzegom ihren ersten Einzeltitel: Europameisterin. Ein Erfolg, den sie zwei Jahre später sogar noch toppten. In Luhmühlen wurde es Doppelgold.
Aus Sicht der deutschen Mannschaft waren die Weltreiterspiele 2018 in Tryon ein ziemlicher Reinfall. Aber für Ingrid Klimke waren sie bis zum letzten Hindernis im Parcours ein Triumphzug. Hale Bob spielte mit den schwierigen Bedingungen im Gelände und lag vor dem Abschlussspringen in Führung. Als sie dann als letztes Paar in den Parcours mussten, war der Weltmeister-Titel zum Greifen nah. Bis zum letzten Sprung war das Gold in Reichweite. Doch hier passierte es, der Abwurf, den sie sich nicht hätten leisten dürfen. Aus dem möglichen Gold wurde Bronze. Schade, aber auch ein toller Erfolg!
Covid statt Tokio
2020 war Bobby 16 Jahre alt, aber noch topfit. Er wäre wohl gesetzt gewesen für die Olympischen Spiele in Tokio. Doch Corona machte allen sportlichen Plänen in diesem Jahr einen Strich durch die Rechnung. Das war vor allem für die Reiter mit Pferden, deren Karriere sich langsam dem Ende zuneigte, sehr unschön.
2021 stürzte Ingrid Klimke zu Beginn der Saison so schwer, dass sie für die Olympischen Spiele ausfiel. Aber rechtzeitig zur EM in Avenches war sie wieder fit und ihr treuer Bobby trug sie noch einmal zu Mannschaftssilber.
Karriereende
Im Frühjahr 2022 verletzte er sich bei der Generalprobe für die Weltmeisterschaft in Pratoni del Vivaro, dem Nationenpreisturnier an gleicher Stelle, auf einer Galoppstrecke im Gelände an der Sehne. Das war das Ende seiner sportlichen Karriere. Mit 18 Jahren ging „Bobby“ bzw. SAP Hale Bob OLD, wie er offiziell inzwischen hieß, in den verdienten Ruhestand. Er verbringt ihn bei Ingrid Klimke auf der Weide.