FRH Butts Abraxxas

Generalprobe vor dem zweiten Olympiagold in Aachen: FRH Butts Abraxxas und Ingrid Klimke. Foto: Toffi-images.de
- Name: FRH Butts Abraxxas
- Geschlecht: Männlich
- Jahrgang: 1997
- Rasse: Hannoveraner
- Vater: Heraldik xx
- Muttervater: Kronenkranich xx
- Züchter: Friedrich Butt
- Größte Erfolge: Zweifacher Mannschaftsolympiasieger (2008 und 2012), Mannschaftseuropameister 2011, Deutscher Meister 2009, Rang zwei CCI4* (CCI5*-L) Luhmühlen 2010, Platz vier Burghley 2013
Es heißt, von jedem Pferd habe man etwas zu lernen, manchmal als Reiter, manchmal als Mensch, manchmal beides. Ingrid Klimke sagt, FRH Butts Abraxxas habe ihr beigebracht, dass man besser damit leben kann, wenn man lernt zu akzeptieren, was nicht zu ändern ist. Es war eine schmerzhafte Lektion für die Reitmeisterin. Bei „Braxxi“ musste sie lernen zu akzeptieren, dass bunte Stangen im Parcours ihm nicht das geringste bisschen Respekt abnötigten. So endete mancher mögliche Sieg in einer bitteren Enttäuschung. Doch in den Phasen davor war er Weltklasse.
Ein neues Pony im Stall Klimke
Als Ingrid Klimke Braxxi kennenlernte, war sie auf der Suche nach einem Nachfolger für ihren großartigen Sleep Late. Braxxi war schon rein abstammungsmäßig prädestiniert für die Vielseitigkeit. Und das nicht nur, weil er zu 99,8 Prozent Vollblut in seinen Adern führte, sondern vor allem, weil aus dem Stall und dem Stamm seines Züchters Friedrich Butt ein hoch erfolgreiches Vielseitigkeitspferd nach dem anderen hervorging. Braxxi machte da keine Ausnahme. Dass er mal ein Weltstar werden würde, sah man ihm als junges Pferd allerdings nicht an – Stockmaß im unteren 1,60 Meter-Bereich, Grundgangarten wie ein Vollblüter, Springen eher mittelgut. Aber im Gelände war er schon beim Ausprobieren eine Granate. Ingrid Klimke beschloss, dem Unternehmen Braxxi eine Chance zu geben. Wie gut für sie, wie gut für Deutschland.
Denn Braxxi war im Gelände ein Ankommer. Es heißt immer, die Einstellung der Pferde sei wichtiger als ihr Talent. Braxxi war der lebende Beweis. Klein von Statur, begrenzt im Vermögen, gelangen ihm Dinge, die andere Pferde gar nicht erst versuchen – zum Beispiel eine auf einen Galoppsprung gebaute Kombination im Wasserkomplex von Badminton In-Out zu springen. Es war nicht etwa so, dass Ingrid Klimke ihn so unpassend zum Absprung gebracht hätte, dass er keine andere Wahl hatte. Er tat es einfach. Was ihm an Körpergröße fehlte, machte er im Gelände durch Mut, Geschick und eisernen Willen doppelt und dreifach wett.
Erfolge
2007 ging er sein erstes von sechs Championaten in Folge. Ein einziges Mal kam er dabei nicht ins Ziel, das war 2009 bei der EM in Fontainebleau, wo aus Deutschland nur Michael Jung und Sam die Prüfung beenden konnten. Doch ansonsten war dieser kleine Hannoveraner nicht aufzuhalten. Ihre zwei olympischen Goldmedaillen verdankt Ingrid Klimke Braxxi, 2008 in Hongkong, wo die beiden zudem Fünfte in der Einzelwertung wurden, und 2012 in London.
Nach Hongkong stand ein Verkauf des Pferdes im Raum. Einmal mehr war es der Großzügigkeit von Madeleine Winter-Schulze zu verdanken, dass Ingrid Klimke und Braxxi ein Paar bleiben konnten.
Unvergesslicher Ritt in Burghley
2013, mit 16 Jahren, ging Braxxi seine letzte Saison im großen Sport. Er beendete seine Karriere mit einem Ausrufezeichen, als er die beiden schwierigsten Vielseitigkeiten der Welt beendete. In Badminton kam er mit nur 0,8 Zeitfehlern ins Ziel des Cross. In Burghley wurde er sogar Vierter der Gesamtwertung. Als er hier ins Ziel des Geländes kam, war für Ingrid Klimke klar, dass dies seine letzte große Prüfung sein sollte. Diese Geländerunde ist ihr besonders im Gedächtnis geblieben. Im FEI-Interview erzählte sie:
„Ich konnte nicht glauben, wie hoch die Hindernisse waren! Auf dieser Geländerunde, habe ich mich zweimal gefragt, ob ich nicht besser anhalten soll. Aber als wir ins Ziel kamen, war das so berührend! Ich habe Braxxi gesagt, dass dies unser letztes gemeinsames Turnier ist und dass er mir nicht mehr geben kann. Er ist über sich selbst hinausgewachsen, zeigte mehr Talent und mehr Vermögen, als er eigentlich hat. Ich hatte das nicht geplant, aber das war der Moment, in dem ich ihn in Rente geschickt habe.“
Die verbrachte er zunächst aktiv als Lehrmeister für Ingrid Klimkes ältere Tochter Greta, ehe er ganz auf die Weide ging. Mit 25 musste er wegen eines Herzleidens eingeschläfert werden. Wer Braxxi, „fast like a rabbit“ (O-Ton Bundestrainer Chris Bartle), erlebt hat, wird ihn nicht vergessen.