Hello Jefferson

Die Energie und mühelose Leichtigkeit, mit der Hello Jefferson unter Scott Brash durch schwierigste Kurse fliegt, begeistern immer wieder. Foto: sportfotos-lafrentz.de
- Name: Hello Jefferson
- Geschlecht: Männlich
- Jahrgang: 2009
- Rasse: BWP
- Vater: Cooper van de Heffinck
- Muttervater: Irco Mena
- Züchter: Bernard Mols
- Größte Erfolge: Mannschaftsolympiasieger 2024, Sieger im Großen Preis von Spruce Meadows 2025, Mannschaftsbronze WM 2022, Sieger im League of Nations Finale 2025
Je oller, je doller? Für Scott Brashs Hello Jefferson muss diese Weisheit umgeschrieben werden in „je oller, je toller“. Der quirlige Belgier war schon immer ein außergewöhnliches Pferd. Aber er hatte auch Glück, dass er auf seinem Weg die richtigen Reiter getroffen hat. Hello Jeffersons Geschichte zeigt, wie Einfühlungsvermögen und Geduld aus einem vermeintlichen Problempferd einen Star machen können.
Wurzeln aus Holstein, Schweden und Großbritannien
Hello Jeffersons Züchter Bernard Mols war auch als Springreiter erfolgreich. Von einem Trainingsaufenthalt ibei Malcolm Pyrah n England brachte er die Schimmelstute Hovis mit heim nach Belgien. Die vereinte in ihrem Pedigree mit Irco Mena einen selbst bis 1,60 Meter erfolgreichen Sohn des Irco Marco auf der Vater und eine niederländische Gelderländer Stute auf der Mutter-Seite. Letztere sind eigentlich bekannt für ihr gewaltiges Gangwerk. Die Ahnen von Hovis zeichneten sich jedoch schon früh durch ihre Springfreudigkeit aus. Wie Bernard Mols im Interview nach Hello Jeffersons Sieg in Spruce Meadows 2025 berichtete, erzählte Hovis‘ Züchter ihm, dass die Mutter in kaum einer Koppel zu halten war. Sie sprang über jeden Zaun, der nicht ausreichend hoch war, um sie abzuschrecken. Das waren wohl wenige.
Wille und Go waren es auch, die Hovis auszeichneten. Mit ihrem neuen Besitzer sprang sie in Belgien erfolgreich bis 1,50 Meter. Dann wollte er mit ihr züchten. Der Holsteiner Caretino-Sohn Cooper van de Heffinck erschien ihm ein geeigneter Partner. „Was Cooper van de Heffinck vor allem beigefügt hat, war Übersicht. Wo Hovis’ Mutter so viel Go hatte, dass sie alles auf einmal machen wollte, trug Cooper van de Heffinck die Fähigkeit bei, konzentriert zu bleiben und die Energie effektiv zu bündeln. Das zeigte sich besonders bei Hello Jefferson: Sein riesiger Wille wurde kombiniert mit der Übersicht, die von Cooper van de Heffinck kam, machten ihn wirklich besonders.“
Wobei es dauerte, bis aus Hello Jefferson Hello Jefferson wurde. Als er zur Welt kam, hieß er Jerenmias van het Hulstenhof und hatte sich schon als junges Pferd einen gewissen Ruf erworben. Keinen besonders positiven, wie seine ehemalige Besitzerin, die Belgierin Charlotte Philippe, einst im Interview verriet.
Der Wallach habe ca. 10 bis 15 Reiter vor ihr gehabt, ehe sie ihn unter ihre Fittiche nahm. Sie lernte Jerenmias van het Hulstenhof fünfjährig kennen. Ein Jahr zuvor war er angeritten worden. Selbst wenn sich ein geeigneter Reiter gefunden hätte, Bernard Mols hätte ihn nicht auf dem Turnier in Jungpferdeprüfungen zeigen wollen. Er sprang zu vorsichtig, und das schon über eine liegende Stange am Boden.
Doch angesichts des Temperaments dieses Pferdes und seines eigenen Kopfes konnte von Turnieren zunächst sowieso keine Rede sein. Aber seine Qualitäten waren offensichtlich und Charlotte Philippe mochte und kaufte ihn. Ein Glücksfall für Jerenmias.
Mit Geduld und Spucke
Im Umgang sei er lieb und artig gewesen, sagt Philippe. Aber unter dem Reiter habe es Tage gegeben, an denen sie scheinbar ohne Grund 15 Minuten in einer Ecke standen und nicht mehr herauskamen, weil ihr Zögling keinen Schritt mehr tun wollte. Dann habe ihre Mutter kommen und sie holen müssen.
Aber Charlotte Philippe ließ sich nicht abschrecken. Sie glaubte an dieses Pferd und als der Knoten schließlich geplatzt war, machten sie rasch Fortschritte. Achtjährig ging Jerenmias seine ersten 1,40-Springen, auch international. Bei einer solchen Gelegenheit wurde Scott Brash auf den Wallach aufmerksam. In Peelbergen sah er das Paar und sprach Charlotte Philippe an. Die zögerte.
„Er war mein Lieblingspferd und ist es heute noch“, sagte sie in der Rückschau im Interview mit dem französischen Magazin Grand Prix. Ihn wegzugeben, sei ihr schwergefallen. Schließlich rang sie sich doch dazu durch. „Ich wusste, dass er mit mir keine Chance haben würde an Fünf-Sterne-Turnieren teilzunehmen. Ja, ich wollte mein Pferd für mich behalten. Aber ich wollte ihm auch die Chance geben, nicht nur mein Star zu sein, sondern der Star des gesamten Publikums zu werden.“
Was für ein Glück für sie und für Jerenmias, dass es Scott Brash war, dem das Genie dieses eigentlich doch recht schlichten hellbraunen Wallachs ins Auge fiel.
Ein Genie mit Arbeitsethos
Wie alle Pferde von Scott Brash bzw. seinen Besitzern, Lord und Lady Harris und Lord und Lady Kirkham, erhielt auch Jerenmias den „Vornamen“ Hello. Zudem wurde aus Jerenmias Jefferson. Hello Jefferson war gerade neunjährig geworden. Es war das Jahr 2018 und die Zukunft lag rosig vor ihm.
Scott Brash erkannte rasch, was sein Neuzugang brauchte: „Er muss beschäftigt sein, immer etwas tun. Sein Gehirn schaltet nie ab. Er ist bereit, rauszugehen und zu arbeiten.“ Er ähnele einem Hochbegabten, so Brash. Eigenschaften, die viele als anstrengend bezeichnen würden, weiß der einzige Rolex Grand Slam-Gewinner zu schätzen. „Er ist sehr intelligent, vorsichtig und hat außerdem eine große Übersetzung. Er vereint die vielen Eigenschaften, die man bei Spitzenpferden sucht“, so Brash.
2020, gut zwei Jahre nachdem er ihn in den Stall bekommen hatte, war Brash sich sicher: „Das Beste kommt mit ihm noch.“ Wie recht er doch hatte.