Donnerhall

Donnerhall und Karin Rehbein 1997 im Biebricher Schlosspark. Foto: Toffi-images.de
- Name: Donnerhall
- Geschlecht: Männlich
- Jahrgang: 1981
- Rasse: Oldenburger
- Vater: Donnerwetter
- Muttervater: Markus
- Züchter: Otto Gärtner
- Größte Erfolge: Mannschafts-Weltmeister 1994 und 1998, EM Bronze 1997, Mannschafts-Europameister 1997, 120 Siege auf Grand Prix Niveau
Donnerhall ist der Inbegriff eines Hengstes, der sowohl sportlich als auch züchterisch alles erreicht hat, was zu erreichen ist. Mannschaftswelt- und Europameister, Einzel-Bronze mit Karin Rehbein, erfolgreich im Weltcup dazu DLG-Siegerhengst und vieles mehr. Vater mehrerer Pferde, die es an die Spitze der Weltrangliste geschafft haben.
Ein gutes Pferd hat keine Farbe?!
Donnerhall – farblich voll daneben. Als im Mai 1981 bei Züchter Otto Gärtner in Travenhorst die Oldenburger Stute Ninette vom Hannoveraner Hengst Donnerwetter fohlte, war Gärtner zunächst enttäuscht. Aus der Anpaarung zweier Rappen kam ein Dunkelfuchs zur Welt. Dass diese Farbe eines DER Markenzeichen des Hengstes werden sollte, neben der Veranlagung für Piaffe und Passage, Galopp und Rittigkeit, konnte damals niemand ahnen.
Wie sich das für Legenden gehört, war der Auftakt holperig. Durch Zufall, ein erster Käufer hatte das Fohlen einfach nicht abgeholt, wechselte Donnerhall als Fohlen in den Besitz von Otto Schulte-Frohlinde auf den Grönwohlhof, dem Domizil östlich von Hamburg, das der Berliner Unternehmer in den 1970er Jahren hatte errichten lassen. Der Hengst wuchs heran, wurde gekört. Kaufinteressenten gab es nicht, sodass er wieder nach Hause fuhr und in die Ausbildung von Karin und Herbert Rehbein kam. Ein Glücksfall für Sport und Zucht.
Alte Werte in Donnerhalls Abstammung
Züchterisch war Donnerhall damals nicht das Modernste, was der Markt zu bieten hatte. Seine Mutter Ninette hatte den Halbblüter Markus v. Manolete xx zum Vater. Großmutter Negola, geboren 1966, war noch eine Oldenburgerin vom alten Schlag – Rappe, zwei weiße Hinterfesseln, breite Brust, leichtfuttrig mit viel Rumpftiefe. Meilenweit vom modernen Sportpferd entfernt. Immerhin führte sie über ihren Vater Carnot das Blut des Anglonormannen Condor, dem ersten Veredler, der in der Oldenburger Zucht (neben Lupus xx) eingesetzt wurde.
Donnerhall selbst konnte seine Ahnen nicht verleugnen, beispielsweise in seiner relativ geraden und nicht zu langen Kruppe. Aber er konnte traben. Und wie! Schon als junges Pferd begeisterte er an der Hand von Ingo Pape. Der war damals Auszubildender auf dem Grönwohldhof und ist heute einer der führenden Hengsthalter Deutschlands.
Der erste, der Sport und Zucht in sich vereinte
Für den heutigen Weg eines Hengstes ist der sportliche Einsatz beinahe so selbstverständlich wie die regelmäßigen Tupferproben. In den 1980er Jahren war es aber Donnerhall, der im Dressursektor (im Springen waren in Frankreich, Benelux und auch in Holstein – Ramiro, Caletto II … – die Deckhengste diesbezüglich den Viereckskünstlern mehr als nur einen Schritt voraus) als erster bewies, dass eine Sport- und eine Zuchtkarriere durchaus Hand in Hand gehen kann.
Donnerhalls Erbe
Diesen Weg sind auch viele seiner Söhne gegangen. De Niro (1993-2017) beispielsweise, lange Zeit die Nummer eins unter den Dressurpferde-Vererbern in der Weltrangliste der World Breeding Federation for Sport Horses (WBFSH). Ferner der Mannschafts-Weltmeister und Weltcup-Sieger Damon Hill (2000-2024), der die Silbermedaille im Team bei den Olympischen Spielen von London 2012 gewann. Oder Don Schufro, 2008 bei Olympia in Hongkong Bronzemedaillengewinner für Dänemark im Mannschaftswettbewerb und u.a. Vater von Weihegold.
Eines von insgesamt nur drei Fohlen des ersten Jahrgangs von Donnerhall war Don Primero (1995-2012), später Bundeschampion und vor allem als Vater des Jungpferde-Weltmeisters Dimaggio (geb. 1995) nachhaltig in der internationalen Dressurpferdezucht verankert.
Zu den züchterisch und sportlich erfolgreichen Enkeln Donnerhalls zählt u.a. Desperados v. De Niro (2001-2020), der unter Kristina Bröring-Sprehe die Nummer eins der Weltrangliste und lange Jahre fester Bestandteil des zumeist siegreichen deutschen Dressurkaders war.
Die Übermacht von Donnerhalls Dressurvererbung zeigte sich vor allem in den 2010er Jahren. Bei den Olympischen Spielen von London 2012 gingen alle Pferde im deutschen Team (Damon Hill/Helen Langehanenberg, Diva Royal/Dorothe Schneider, Desperados /Kristina Bröring-Sprehe, Dablino/Anabel Balkenhol) auf Donnerhall zurück.
Doch nicht nur im deutschen Dressurteam ist das Blut des Donnerhall fest verankert: Die Dänen hatten mit Digby/Prinzessin Nathalie zu Sayn-Wittgenstein, Don Schufro/Andreas Helgstrand und Donnperignon/Anna Kasprzak drei direkte Donnerhall-Söhne in ihrem Championatsequipen.
Über De Niro wird das großartige Genpotenzial vor allem über Danone (2000-2021) und dessen Söhne Destano (geb. 2007), einem Hannoveraner, der an zwei Olympischen Spielen teilnahm, sowie Dante Weltino der Dressurreiterei der Zukunft gesichert.
Der 2007 geborene Oldenburger Dante Weltino blickt auf drei Olympia-Nominierungen zurück. Sein Sohn Jagerbomb konkurrierte unter der Britin Becky Moody im Olympia Kürfinale 2024 in Paris mit seinem Erzeuger und gewann Bronze mit Team GB.
Destano wiederum zeugte den Oldenburger Denoix, Vierter im Grand Prix Special der EM 2025 unter Katharina Hemmer und das am zweitbesten bewertete Pferd der deutschen Mannschaft, die die Goldmedaille gewann.
5 Fakten über Donnerhall
- Falsche Farbe – Züchter Otto Gärtner war bei der Geburt des Dunkelfuchses enttäuscht, weil er sich einen Rappen erhofft hatte.
- Wegbereiter – unter Karin Rehbein hat Donnerhall bei Welt- und Europameisterschaften Medaillen gewonnen. In Sachen Sporterfolge bei parallelem Zuchteinsatz war Donnerhall im Dressurbereich ein Pionier.
- Papas Bester – sein Sohn De Niro war selbst ein internationaler Grand Prix-Sieger und lange die Nummer eins der Weltrangliste der besten Dressurpferdevererber. Auch züchterisch der wohl bedeutendste Donnerhall-Sohn.
- Olympiamedaille und Olympiavater – Don Schufro gewann mit der dänischen Equipe bei den Olympischen Spielen in Hongkong 2008 die Bronzemedaille, seine Tochter Weihegold errang acht Jahre später bei den Spielen in Rio de Janeiro unter Isabell Werth Mannschaftsgold und Einzelsilber.
- WFFS – posthum wurde festgestellt, dass Donnerhall den Gendefekt Warmblood Fragile Foal Syndrom in sich trug und an einige gekörte Söhne weitergegeben hat. Paart man zwei Eltern an, die beide WFFS tragen, besteht eine 25-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass das zu erwartende Fohlen Symptome zeigt.
Donnerhall – in vielen Mutterstämmen fest verankert
Donnerhall hat Siegerstuten in vielen Populationen gezeugt. Seine Söhne, Enkel und weitere Nachfahren standen ihm diesbezüglich in nichts nach. So beeinflussen die Gene des Oldenburgers beispielsweise auch andere populäre Deckhengsten, die teilweise selbst schon als Linienbegründer gelten. Einige Beispiele.
Der Niederländer Vitalis hat eine Mutter, die von D-Day (v. Donnerschwee) abstammt. Fürstenball führt Donnerhall väterlicherseits in vierter und mütterlicherseits in zweiter Generation. Der Oldenburger For Romance führt ihn dreimal. Die Liste ließe sich ewig fortführen.
D wie Donnerhall – D wie Dressur
Auch im Sport ist Donnerhall nach wie vor nicht wegzudenken. Zonik Plus (Justin Verboomen/BEL) führt Donnerhall zweimal. Freestyle (Cathrine Dufour/DEN) wurde von einer Donnerhall-Tochter gefohlt. Wendy (Isabell Werth) weist väterlicherseits Don Schufro auf. Auch Bordeaux, Vater der Teammedaillen-Pferde Bluetooth und Fame (Olympia 2024, EM 2025), kann auf Donnerhall als Urgroßvater verweisen.
Als Donnerhall im Januar 2012 an einer Darmvergiftung starb, genoss er bereits Kultstatus. Gleich zwei lebensgroße Bronzestatuen wurden von ihm zu Lebzeiten angefertigt. Eine steht in der Fußgängerzone in Oldenburg, einen knappen Kilometer entfernt von der Weser-Ems-Halle, jenem Ort, an dem er einst gekört, nicht aber ins Prämienlot seines Jahrgangs berufen wurde. Auch das ein Teil der Geschichte dieser Legende.
Medienstar
Donnerhall ist so berühmt, dass Bücher über ihn geschrieben und Filme mit ihm gedreht wurden. Das Buch kann über Amazon bestellt werden: Buch über Donnerhall
Und wer sich einen Eindruck verschaffen möchte, wie der Starvererber unter dem Sattel ging und wie er „privat“ war, dem sei der Film über ihn ans Herz gelegt.