Donnerhall – im Sport Mannschaftswelt- und Europameister, als Zuchthengst ein Jahrhundertphänomen

Donnerhall – als Hengst Wegbereiter einer neuen Ära in der Dressur

Berühmte Hengste
Donnerhall und Karin Rehbein in der Pirouette vor dem Schloss in Wiesbaden. Foto: toffi-images.de Donnerhall und Karin Rehbein in der Pirouette vor dem Schloss in Wiesbaden. Foto: toffi-images.de
Donnerhall ist der Inbegriff eines Hengstes, der sowohl sportlich als auch züchterisch alles erreicht hat, was zu erreichen ist. Mannschaftswelt- und Europameister, Einzel-Bronze mit Karin Rehbein, erfolgreich im Weltcup dazu DLG-Siegerhengst und vieles mehr. Vater mehrerer Pferde, die es an die Spitze der Weltrangliste geschafft haben.

Donnerhall – farblich voll daneben. Als im Mai 1981 bei Züchter Otto Gärtner in Travenhorst die Oldenburger Stute Ninette vom Hannoveraner Hengst Donnerwetter fohlte, war Gärtner zunächst enttäuscht. Aus der Anpaarung zweier Rappen kam ein Dunkelfuchs zur Welt. Dass diese Farbe eines DER Markenzeichen des Hengstes werden sollte, neben der Veranlagung für Piaffe und Passage, Galopp und Rittigkeit, konnte damals niemand ahnen. Wie sich das für Legenden gehört, war der Auftakt holperig. Durch Zufall, ein erster Käufer hatte das Fohlen einfach nicht abgeholt, wechselte Donnerhall als Fohlen in den Besitz von Otto Schulte-Frohlinde auf den Grönwohlhof, dem Domizil östlich von Hamburg, das der Berliner Unternehmer in den 1970er Jahren hatte errichten lassen. Der Hengst wuchs heran, wurde gekört. Kaufinteresse gab es nicht, sodass er wieder nach Hause fuhr und in die Ausbildung von Karin und Herbert Rehbein kam. Ein Glücksfall für Sport und Zucht.


Alte Werte in Donnerhalls Abstammung


Züchterisch war Donnerhall damals nicht das Modernste, was der Markt zu bieten hatte. Seine Mutter Ninette hatte den Halbblüter Markus v. Manolete xx zum Vater, Großmutter Negola, geboren1966, war noch eine Oldenburgerin vom alten Schlag – Rappe, zwei weiße Hinterfesseln, breite Brust, leichtfuttrig mit viel Rumpftiefe. Eine Arbeitspferd, meilenweit vom modernen Sportpferd entfernt. Immerhin führte sie über ihren Vater Carnot das Blut des Anglonormannen Condor, dem ersten Veredler, der in der Oldenburger Zucht (neben Lupus xx) eingesetzt wurde.


Donnerhall selbst konnte seine Ahnen nicht verleugnen, beispielsweise in seiner relativ geraden und nicht zu langen Kruppe. Aber er konnte traben. Und wie! Schon als junges Pferd begeisterte er an der Hand von Ingo Pape. Der war damals Auszubildender auf dem Grönwohldhof und ist heute einer der führenden Hengsthalter Deutschlands.


Donnerhall im Standbild fünfjährig als Sieger der DLG Schau 1986. Donnerhall im Standbild fünfjährig als Sieger der DLG Schau 1986.

Der erste, der Sport und Zucht in sich vereinte


Für den heutigen Weg eines Hengstes ist der sportliche Einsatz beinahe so selbstverständlich wie die regelmäßigen Tupferproben. In den 1980er Jahren war es aber Donnerhall, der im Dressursektor (im Springen waren in Frankreich, Benelux und auch in Holstein (Ramiro, Caletto II…) die Deckhengste diesbezüglich den Viereckskünstlern mehr als nur einen Schritt voraus) als erster bewies, dass eine Sport- und eine Zuchtkarriere durchaus Hand in Hand gehen kann.


Diesen Weg sind auch viele seiner Söhne gegangen. De Niro (1993-2017) beispielsweise, lange Zeit die Nummer eins unter den Dressurpferde-Vererbern in der Weltrangliste der World Breeding Federation for Sport Horses (WBFSH), Mannschafts-Weltmeister, und Weltcup-Sieger Damon Hill (2000-2024), der die Silbermedaille im Team bei den Olympischen Spielen von London 2012 gewann oder Don Schufro, 2008 bei Olympia in Hongkong Bronzemedaillengewinner für Dänemark im Mannschaftswettbewerb und u.a. Vater von Weihegold. Eines von insgesamt nur drei Fohlen des ersten Jahrgangs von Donnerhall war Don Primero (1995-2012), später Bundeschampion und vor allem als Vater des Jungpferde-Weltmeisters Dimaggio (geb. 1995) nachhaltig in der internationalen Dressurpferdezucht verankert.


Zu den züchterisch und sportlich erfolgreichen Enkeln Donnerhalls zählt u.a. Desperados v. De Niro (2001-2020), der unter Kristina Bröring-Sprehe die Nummer eins der Weltrangliste und lange Jahre fester Bestandteil des zumeist siegreichen deutschen Dressurkaders war.


Die Übermacht von Donnerhalls Dressurvererbung zeigte sich vor allem in den 2010er Jahren. Bei den Olympischen Spielen von London 2012 gingen alle Pferde im deutschen Team (Damon Hill/Helen Langehanenberg, Diva Royal/Dorothe Schneider, Desperados /Kristina Bröring-Sprehe, Dablino/Anabel Balkenhol) auf Donnerhall zurück.


Doch nicht nur im deutschen Dressurteam ist das Donnerhall fest verankert: Die Dänen hatten mit Digby/Prinzessin Nathalie zu Sayn-Wittgenstein, Don Schufro/Andreas Helgstrand und Donnperignon/Anna Kasprzak drei direkte Donnerhall-Söhne in ihrem Championatsequipen. Über De Niro wird das großartige Genpotenzial vor allem über Danone (2000-2021) und dessen Söhne Destano (geb. 2007), einem Hannoveraner, der an zwei Olympischen Spielen teilnahm, sowie Dante Weltino der Dressurreiterei der Zukunft gesichert. Der 2007 geborene Oldenburger Dante Weltino blickt auf drei Olympia-Nominierungen zurück. Sein Sohn Jagerbomb konkurrierte unter der Britin Becky Moody im Olympia Kürfinale 2024 in Paris mit seinem Erzeuger und gewann Bronze mit Team GB. Destano wiederum zeugte den Oldenburger Denoix, Vierter im Grand Prix Special der EM 2025 unter Katharina Hemmer und das am zweitbesten bewertete Pferd der deutschen Mannschaft, die die Goldmedaille gewann.


Donnerhall – in vielen Mutterstämmen fest verankert


Donnerhall hat Siegerstuten in vielen Populationen gezeugt. Seine Söhne, Enkel und weitere Nachfahren standen ihm diesbezüglich in nichts nach. So finden die Gene des Oldenburgers beispielsweise auch in anderen populären Deckhengsten, die teilweise selbst schon als Linienbegründer gelten, ihren Niederschlag. Der Niederländer Vitalis hat eine Mutter, die von D-Day (v. Donnerschwee) abstammt. Fürstenball führt Donnerhall väterlicherseits in vierter und mütterlicherseits in zweiter Generation. Der Oldenburger For Romance führt ihn dreimal. Die Liste ließe sich ewig fortführen.


5 Fakten über Donnerhall


Falsche Farbe Sein Züchter Otto Gärtner war bei der Geburt des Dunkelfuchses enttäuscht, weil er sich einen Rappen erhofft hatte.


 


Wegbereiter Unter Karin Rehbein hat Donnerhall bei Welt- und Europameisterschaften Medaillen gewonnen. In Sachen Sporterfolge bei parallelem Zuchteinsatz war Donnerhall im Dressurbereich ein Pionier.


 


Papas Bester Sein Sohn De Niro war selbst ein internationaler Grand Prix-Sieger und lange die Nummer eins der Weltrangliste der besten Dressurpferdevererber. Auch züchterisch der wohl bedeutendste Donnerhall-Sohn.


 


Olympiamedaille und Olympiavater Don Schufro gewann mit der dänischen Equipe bei den Olympischen Spielen in Hongkong 2008 die Bronzemedaille, seine Tochter Weihegold errang acht Jahre später bei den Spielen in Rio de Janeiro unter Isabell Werth Mannschaftsgold und Einzelsilber.


 


Fakt 5 …fehlt noch…



Donnerhall – das Buch


Auf Initiative von Ulrike Gräfin Walderdorf, der Tochter des Donnerhall-Besitzers Otto Schulte-Frohlinde, erschien 2019 ein Buch, das man hier bestellen kann.


Film über Donnerhall https://www.youtube.com/watch?v=-lucSbdL9h0


Ohne Donnerhall kein Dressursport


Das gilt genauso für den Sport: Der 2025er Shooting Star, Europameister Zonik Plus (Justin Verboomen (BEL)), führt Donnerhall zweimal, Freestyle (Cathrine Dufour (DEN)) wurde von einer Donnerhall-Tochter gefohlt. Wendy (Isabell Werth (DE)) weist väterlicherseits Don Schufro auf. Auch Bordeaux, Vater der Teammedaillen-Pferde Bluetooth und Fame (Olympia 2024, EM 2025), kann auf Donnerhall als Urgroßvater verweisen.


Ende einer Legende


Als Donnerhall im Januar 2012 an einer Darmvergiftung starb, genoss er bereits Kultstatus. Gleich zwei lebensgroße Bronzestatuen wurden von ihm zu Lebzeiten angefertigt. Eine steht in der Fußgängerzone in Oldenburg, einen knappen Kilometer entfernt von der Weser-Ems-Halle, also jenem Ort, an dem er einst gekört, nicht aber prämiert wurde. Auch das ein Teil der Geschichte dieser Legende.


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