Geländetag bei der WM junge Vielseitigkeitspferde in Lion d'Angers mit drei deutschen Paaren in den Top Ten

Ann-Catrin Bierlein und ACSI Daisy Dynamite auf Medaillenkurs bei WM in Lion d’Angers

Das Geweih, der Lion d'Angers Signature-Sprung, der auch bei den Olympischen Spielen in Paris zum Einsatz kam. Hier fliegen Lara de Liedekerke-Meier und Tara van het Leliehof darüber.
Foto von 2025: FEI/PSV Das Geweih, der Lion d'Angers Signature-Sprung, der auch bei den Olympischen Spielen in Paris zum Einsatz kam. Hier fliegen Lara de Liedekerke-Meier und Tara van het Leliehof darüber. Foto von 2025: FEI/PSV
Schwer aber fair war das Gelände bei der WM der jungen Vielseitigkeitspferde in Lion d'Angers. Es zählte jede Sekunde, was für einige deutschen Paare von Vorteil, für andere teuer war.

Bei schönstem Herbstwetter ging es heute in den Cross der WM junge Vielseitigkeitspferde in Lion d’Angers für die knapp 100 sechs- und siebenjährigen Busch-Nachwuchskracher. Angefeuert wurden die Paare von über 30.000 Zuschauern, die neben den liebevoll gestalteten Sprüngen für eine würdige Championatsatmosphäre sorgten.


Daisy Dynamite macht ihrem Namen Ehre bei den Sechsjährigen


Geradezu beflügelt unterwegs waren dementsprechend Ann-Catrin Bierlein und ihre westfälische Schimmelstute ACSI Daisy Dynamite. Die frisch gebackene Mannschaftssilbermedaillengewinnerin der ersten Weltmeisterschaft der U25 Vielseitigkeitsreiter hat es geschafft, ihre Diacontinus-Tochter aus der Zucht ihres Großvaters Rolf Wilcken auf den Punkt fit zu machen für diese WM. Das sah man bereits gestern in der Dressur, wo sie sich mit 29,4 Minuspunkten den zweiten Platz gesichert hatten, und das sah man auch heute im Cross, wo sie ihr Dressurergebnis ins Ziel brachten. Eine mega Leistung dieses Paares, mit der sie weiter auf Silberkurs liegen. Und das bei dem erst dritten internationalen Turnier. Was das morgige Springen angeht – bislang hat Daisy Dynamite bei jedem CCI, den sie gegangen ist, mit ihrem Dressurergebnis beendet.


Niederländisches Underdog-Duo weiter an der Spitze


Auf Goldkurs liegt weiter die Überraschung aus den Niederlanden, der 60-jährige Amateur Patrick Verbakel mit seinem selbstgezogenen Passoa, die gestern mit 28 Minuspunkten die beste Dressur gezeigt hatten. Zwei Sekunden über der erlaubten Zeit kamen sie ins Ziel und haben damit nun 28,8 Minuspunkte auf dem Konto. Das reichte, um ihre Führung zu verteidigen. Aber einen Abwurf dürfen die beiden sich morgen im Springen nicht leisten.


Das gilt allerdings auch für Bierlein und ihre Schimmelstute, denn ihr sitzt Belgiens Starreiterin Lara de Liedekerke-Meier mit dem Hannoveraner Herald-Sohn Herakles im Nacken. Die beiden hatten eine 29,8 Minuspunkte-Dressur und so lautet auch ihr Zwischenergebnis nach dem heutigen Cross. Gestern war das noch Rang vier. Heute konnten sie sich damit auf den Bronzeplatz schieben. Wie es um Herakles‘ Umgang mit abwerfbaren Stangen bestellt ist? Bis Ende vergangenen Jahres war er noch als Springpferd unterwegs …


Alb-Duo ebenfalls unter Top Ten


Wie knapp es an der Spitze der WM der Sechsjährigen ist, lässt sich schon an der Tatsache ablesen, dass es gleich vier Paare gibt, die mit 31 Minuspunkten aus dem Dressurviereck kamen und die dieses Ergebnis heute auch alle ins Ziel des Geländes brachten. Über die Rangierung entscheidet dann die Nähe zur Optimalzeit. Dementsprechend half es Sven Lux und dem Marbacher Landbeschäler Berlioz, die zu den 31 Minuspunkte-Dressurpaaren gehören, nicht, dass sie heute im Gelände eines der schnellsten Paare des ganzen Starterfeldes waren. Michael Jungs Stallreiter der Trakehner Hengst v. Zauberdeyk liegen vor dem Springen auf Rang neun – aber immer noch weniger als einen Springfehler von der Spitze entfernt. Die Paare, für die das auch gilt, sind Kevin McNab (AUS) auf Monbeg Kobe, Anni Huovinen (FIN) im Sattel von Ucorona und Jack Pinkney (GBR) auf Barrington Candy Kid.


Zwischen den Medaillenanwärtern und den vier 31 Minuspunkte-Paaren liegen Caroline Powell (NZL) mit WLS Ravenscourt, die gestern noch zusammen mit Bierlein Zweite der Dressur war, heute aber drei Sekunden zu langsam ins Ziel kamen (30,6), Robin Godel (SUI) auf Kosmic d’Elbe und Jarno Verwimp (BEL) auf Diacontina C&T Z – wie Daisy Dynamite eine Diacontinus-Tochter – mit jeweils 30,9 Minuspunkten.


Dibo kurz vor Ziel ausgeschieden


Richtig Pech hatten dieses Wochenende Andreas Dibowski und sein Holsteiner Hengst Codero. Schon gestern in der Dressur blieben sie unter ihren Möglichkeiten. Heute im Gelände sah alles gut aus bis zur letzten Kombination, den „Schnecken“, zwei versetzten Hecken, bergab zu springen. Hier kam es zum Sturz. Codero war wohlauf und wurde weggeführt. Dibo brauchte etwas länger, um wieder auf die Beine zu kommen. Die Planen wurden aufgestellt, der Rettungswagen kam. Aber schließlich stand er wieder auf seinen Füßen, zog es dann aber doch vor, den Platz im Auto statt zu Fuß zu verlassen. Gute Besserung!


Siebenjährige – Tara weiter auf Titelkurs


Nicht nur bei den Sechs- auch bei den Siebenjährigen ist es ein harter Kampf um den Titel. Die Vorjahressieger Lara de Liedekerke-Meier und Tara van het Leliehof hatten ja bereits auf dem Viereck keinen Zweifel daran aufkommen lassen, dass auch dieses Jahr mit ihnen zu rechnen ist. Und das zeigten sie auch heute im Gelände, wo sie ihre Runde ohne Hindernis- und Zeitfehler beendeten und ihre Führung verteidigten.


Frankreichs Alexis Goury und sein Selle Français-Hengst Jeroboam Wal v. Vleut, die nach der Dressur mit 28,6 Minuspunkten ebenfalls auf Rang eins lagen, kamen heute zwei Sekunden über der erlaubten Zeit ins Ziel und fielen damit auf Rang drei zurück. Davon profitierte das britische Paar Hector Payne und Bueno, denn der Dante’s Junior-Sohn brachte sein Dressurergebnis von 29 Minuspunkten ins Ziel und kann damit morgen aus eigener Kraft Silber gewinnen.


Leuwer und Alf in Schlagdistanz


Mit einer fehlerfreien Runde hätten Ben Leuwer und der Hannoveraner Alaba-Sohn Alf sich von Rang sechs nach der Dressur auf Platz vier schieben können. Eigentlich sah die Runde des rationell galoppierenden und springenden Fuchses auch so aus, als müssten sie es locker in die Zeit schaffen. Aber drei Sekunden fehlten, die 1,2 Minuspunkte kosteten. Mit 31,5 Minuspunkten sind die beiden aber weiterhin Sechste und ebenfalls weniger als einen Springfehler von der Spitze entfernt.


Archie Wiesenflitzer top unterwegs


Riesig groß war die Freude auch bei Caro Hoffrichter als sie mit ihrem ebenfalls v. Alaba abstammenden, selbst gezogenen Archie CC ins Ziel galoppierte. Der wunderbare kleine Braune hatte auf alle Fragen, die der Kurs stellte, die Antwort – selbst, wenn es mal nicht ideal passte. 3,6 Zeitfehler warfen die beiden in der Zwischenwertung zwar auf Rang elf zurück (33,5), aber trotzdem, das war Teamwork vom Feinsten, wo Archie alles möglich machte.


Die weiteren deutschen Ergebnisse


Anna Siemer und Eliope hatten nicht den besten Tag im Viereck. Aber im Gelände war die estnische Trakehner Stute v. Chromas wieder in ihrem Element und galoppierte fehlerfrei ins Ziel. Fast fehlerfrei, denn sie war acht Sekunden zu langsam. Mit 39 Minuspunkten sind ie beiden nun 32. und haben damit immerhin drei Plätze gut gemacht.


Christin Schulz und der Hannoveraner D’Olympic-Sohn Heho Dennis beließen es ebenfalls bei Zeitfehlern, 6,4 an der Zahl, und liegen damit derzeit auf Platz 39 der 47 Paare, die noch in der Wertung sind.


Zu jenen fünf, die das nicht mehr sind, zählen auch Jule Wewer und Deena. Bis Sprung 18 kamen sie, dem „Dach“, einem Tiefsprung. Aber man hatte den Eindruck, dass Jule Wewer zu tun hatte, die Stute daran zu hindern, in ihrem Eifer einfach davon zu stürmen. Dementsprechend rollte Deena sich immer wieder ein. An Sprung 18 kam es zum Sturz, der aber für beide glücklicherweise völlig glimpflich ausging.


Inzwischen ha Jule Wewer auf ihrer Instagram-Seite beschrieben, wie es zu dem Sturz kam: „Sie wirkt deutlich routinierter, als man es in ihrem Alter erwarten würde. Es ist kaum zu glauben, dass ich ausgerechnet am „Panorama“-Sprung – dem spektakulärsten Hindernis in Lion – gestürzt bin; das lag an der Menschenmenge dort. Damit hatte ich nicht gerechnet. War es mein Fehler oder ein Moment der Unerfahrenheit bei einem noch jungen Pferd? Für die Zukunft spielt das keine Rolle. Wir haben großes Glück: Wir können mit einem rundum gesunden Pferd die Heimreise antreten, ohne dass sie durch den Vorfall verunsichert wurde. Aus ihrer Sicht war sie fehlerfrei; sie hat jede Aufgabe absolut richtig interpretiert. Für mich hat sie alles gegeben und einmal mehr bewiesen, dass sie ein Löwenherz besitzt.“


Alle Ergebnisse aus Lion d’Angers finden Sie hier.


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