Donata von Preußen - ihr Herz schlug für die Vielseitigkeit, Holsteiner und Vollblüter
Donata von Preußen lebt nicht mehr
Donata von Preußen (1952-2026) Foto: toffi-images.de Großartig. Das ist ein großes Wort. Eines, mit dem mit Bedacht umzugehen ist. Für Donata von Preußen darf man dieses Wort nicht nur verwenden, man muss. Donata von Preußen, deren Vater Karl – deutscher Herrenmeister und Protektor des Johanniterordens – ein Enkel des letzten deutschen Kaisers, Wilhelm II., war, ist im Alter von 73 Jahren verstorben. Mit ihr geht eine Pferdejournalistin, die mit genauso viel Sachverstand wie Herz über Pferde geschrieben hat.
Donata von Preußen, ein Herz für die Vielseitigkeit
Donata schrieb über Sportler und über die Pferdezucht. Am liebsten über die Vielseitigkeit, das war ihr Metier. Hier kannte sie sich aus wie kaum eine Zweite. Ich weiß noch, wie sie mir vor etlichen Jahren, den Tipp gab, ich solle mir doch mal den „Schimmel von Malin“ ansehen. Die beiden seien aus ihrer Sicht ein Zukunftspaar. Die Erfolge von Quidditch und Malin Hotopp-Hansen sprechen für sich. Wieder einmal hatte Donata recht. So wie eigentlich immer. Wenn man einen solchen Tipp aus ihrem profunden Munde bekam, dann musste man eigentlich alles stehen und liegen lassen, um sich selbst ein Bild zu machen. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass es jemals eine Einschätzung von Donata gab, die ich nicht geteilt hätte. Sie liebte und lebte den Vielseitigkeitssport. Lange Jahre wohnte sie in einem Nachbarort von Luhmühlen. Ihre letzten Monate hat sie in Salzhausen verbracht.
Sie kannte Abstammungen aus Deutschland, hier vor allem Holstein, aus Großbritannien, USA und Australien … Man konnte sich mit ihr über Verwandtschaftsbeziehungen von Eventern stundenlang unterhalten. Auch was die zweibeinigen Athletinnen und Athleten anbelangt, war sie stets auf dem Laufenden. Ihr Netzwerk war so großartig, wie sie es selbst als Person war.
Im Sattel: deutsche Jugendmeisterschaften
Donata wusste, wovon sie sprach und worüber sie schrieb. Ihr Vater hatte in Holzminden, wo das Elternhaus stand, immer ein paar Pferde. Auf einem selbstgezogenen und, wie sie bescheiden sagte, „wohl auch selbst ausgebildeten“ Maigraf xx-Sohn ritt sie bis zu den Deutschen Jugendmeisterschaften Dressur. „Er wäre sicher auch ein gutes Vielseitigkeitspferd geworden“, erinnert sich Donata. Aber den Mut für den Busch, der fehlte ihr.
In allen Sätteln zuhause
Was nicht heißen soll, dass sie nicht Dinge ausprobiert hat. Eine Zeitlang arbeitete sie beim Direktorium für Vollblutzucht und Rennen, dem Dachverband des Galoppsports. Bei Trainerlegende Hein Bollow durfte sie im Training Vollblüter reiten, auch in Trainings-Galopps. Sie konnte von Polopferden schwärmen, von Jagden in Irland. In den USA verbrachte sie Zeit auf der Willow Run Farm in Cleveland, Ohio. Dorthin hatte sie den Trakehner Haiduck, den sie in Kranichstein ersteigert hatte, verkauft.
Donata war geradlinig, sie sprach nicht lange um den heißen Brei herum. Dabei war sie nie emotional, eher nüchtern, preußische Tugenden eben. Sie war reflektiert und interessiert, konnte auch mal höflich distanziert sein. Andererseits konnte sie sich auch begeistern. Sie konnte schwärmen. „Was für ein herrliches Pferd“ – im Wort herrlich, so wie sie es aussprach, lag in dem Moment alles: Kraft, Bewunderung für die Kreatur, Respekt für die Leistung von Reiter und Pferd, Passion.
International respektiert
Donata von Preußen hat von Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften berichtet. Aber auch vom Badminton, Burghley und den Bundeschampionaten. Barcelona 1992, Herbert Blöcker und Feine Dame, oder der Olympiasieg von Marius mit dem „Flying Dentist“ „Hinni“ Romeike in Hongkong 2008 – Highlights ihrer journalistischen Karriere mit Holsteiner Hintergrund. Auch Ritte von Cumano, Corradina oder Lambrasco bei den Weltmeisterschaften in Aachen 2006 bzw. Kentucky 2010 konnte sie Jahre später lebhaft nacherzählen.
Pferdezucht und -sport als Einheit gedacht
In den 1970er Jahren hatte sie ein Praktikum auf dem Klosterhof Medingen bei Eugen Wahler, dem Großvater von Vielseitigkeits-Mannschaftsweltmeister Christoph Wahler angetreten. Aus ein paar Wochen, die für das Reinschnuppern in Büro und Organisation gedacht waren, wurden einige Jahre. Burkhard Wahler kann sich gut daran erinnern, wie sein Vater Eugen und Donata von Preußen nach Feierabend gern noch einen Tee tranken, „oder auch mal ein Glas Sherry“ und sich über Pferde unterhielten. Stundenlang konnten solche Gespräche dauern.
Ein Geschenk für Holstein
Als Pferdesportjournalistin schrieb Donata von Preußen vier Jahre in der Redaktion für das Magazin St. Georg. In dieser Zeit habe ich Donata kennen- und schätzen gelernt. Ich war damals noch Student und verantwortete das Oldenburger Sportpferd redaktionell, die damalige Publikation des Oldenburger Verbandes. Donata war es, die mir damals den Tipp gab, auch einmal Fotograf Jacques Toffi nach Fotos zu fragen. Ein weiterer toller Tipp! Was für ein wertvoller Erstkontakt – „netzwerken“, das konnte Donata auf ihre eigene, zurückhaltende Art und Weise in einer Zeit, als es das Verb noch gar nicht gab.
Beruf und Familie trennen, auch das war Donata. Gerade noch konnten wir gemeinsam fachsimpeln, wie das Coffin wohl am idealsten anzureiten sei, dann fragte sie nach der Familie, den Kindern. Immer dann, wenn kein anderer es hören konnte. Mit einer gewissen Strenge konnte sie in diesen Momenten darauf hinweisen, dass ein Vater kleiner Kinder nicht an jedem Wochenende im Weltgeschehen herumgondeln muss. Danke, Donata!
Chefredakteurin im Land zwischen den Meeren
Auch für Springpferde schlug ihr Herz. Für den Holsteiner Verband hat sie lange Jahre die Pressearbeit verantwortet. Parallel versorgte sie das Land zwischen den Meeren monatlich mit einem Regionalmagazin für Pferdesport und -zucht, das Maßstäbe setzte. Ihr „Aufgalopp“, das Editorial auf Seite 3, war Pflichtlektüre. Von 1992-2017 war sie Chefredakteurin von „Pferd & Sport“. 2018 erhielt sie für ihr Engagement den „Meteor Preis“ und stand damit in einer Reihe mit Holsteiner Legenden aus Sport und Zucht. Diese Auszeichnung, die tatsächlich eine Würdigung ihres Lebenswerks war, hat ihr sehr viel bedeutet.
Gemeinsam mit Gabriele Pochhammer, Dr. Thomas Nissen und Joachim Tietz hat sie 2009 das Buch „Das Holsteiner Pferd“ veröffentlicht. Ein Standardwerk für alle, deren Herzen höherschlagen, wenn sie auf einer windigen Weide einer großrahmigen braunen Stute mit wenig Abzeichen und viel Hals gegenüberstehen oder in Aachen jubeln und dann noch wissen, was es mit Stamm 18B1 so alles auf sich hat.
Ein wacher Geist bis zuletzt
Donata von Preußen und ihre Gesundheit – das war ein Thema, das in ihren letzten Lebensjahren immer stärker in den Vordergrund rückte. Unwirsch konnte sie werden, wohl wissend, dass es keine Zipperlein waren, die sie immer wieder zu Krankenhausaufenthalten und Reha-Maßnahmen zwangen. Wenn man mit ihr telefonierte, dann bekam man ein kurzes Update, nur um dann ihren Wissenshunger zu stillen. Via Clipmyhorse war Donata überall dabei, wo sie so gerne live vor Ort gewesen wäre. Und ihr wacher Geist ließ sich von dem schwächer werdenden Körper nicht kleinkriegen. „Das ist doch derselbe Großvater wie …“, oder, „wart mal ab, wo die beiden in zwei Jahren stehen werden…“.
Diese Tipps und dieser großartige Mensch wird fehlen. Nicht nur mir persönlich. Sondern der gesamten Pferdewelt.
Danke, Donata!