Wahl FEI-Präsident: Kandidaten Mark Samuel, Sabrina Ibáñez und Jack Huang wollen Weltreiterverband führen

Der nächste FEI-Präsident: ein Springreiter und Stahlunternehmer, die Generalsekretärin oder der KI-Unternehmer im Sattel

Szene
Marc Samuel, Sabrina Ibáñez und Jack Huang werben sich um das Amt des FEI-Präsidenten. Marc Samuel, Sabrina Ibáñez und Jack Huang werben sich um das Amt des FEI-Präsidenten.
Drei Kandidaten, ein Amt: Mark Samuel aus Kanada, Sabrina Ibáñez aus El Salvador und Jack Huang aus Chinese Taipei wollen an die Spitze des Weltreitererbandes FEI. Wer sind die drei, die sich auf die Nachfolge des scheidenden Präsidenten, des Belgiers Ingmar de Vos, bewerben?

FEI Präsident – das war früher mal ein Posten, der im Hochadel vergeben wurde. Jemand pferdeaffines, der oder die bei offiziellen Anlässen repräsentierte. Das hat sich mit der Wahl von Prinzessin Haya von Jordanien 2006 geändert. Die damals 32-Jährige spielte eine aktivere Rolle. An ihrer Seite der damalige Generalsekretär, der Belgier Ingmar de Vos. Er wurde 2014 ihr Nachfolger auf dem Posten. Mit seiner Wahl trat ein Paradigmenwechsel ein. De Vos arbeitete Vollzeit, war kein Grüßonkel, sondern Vordenker. Nach drei Legislaturen endet seine Zeit als Präsident des Weltreiterverbandes. Im Dezember wird im chinesischen Jiangyin neu gewählt.


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Drei Namen für einen Chefsessel


Zwei Industrielle, der eine aus dem Stahlsektor, der andere der Informationstechnologie und die aktuelle FEI-Generalskretärin bewerben sich um den Job, Mark Samuel, Sabrina Ibáñez und Jack Huang haben die Schwerpunkte ihrer Präsidentschaft im Falle einer Wahl schon länger formuliert (ihre Programme sind unter den Links der Namen nachzulesen).


Die Kandidaten und die Kandidatin – Lebensläufe


Mark Samuel (CAN): Vom Sattel in die Chefetage



  • Alter und Nationalität: Jahrgang 1963, Kanadier.

  • Ausbildung: 1986 Abschluss am Harvard College, AB mit Auszeichnung (magna cum laude).

  • Erster Kontakt zu Pferden: Mit vier Jahren begann er zu reiten, mit fünf fiel er das erste Mal vom Pferd. Seine Familie besaß u.a. den Wallach Canadian Club, der mit Jim Day 1968 bei den Olympischen Spielen zu Mannschaftsgold im Springen für Kanada beitrug.

  • Reiterlicher Hintergrund: Ehemaliger Springreiter der kanadischen Nationalmannschaft, Ersatzmann bei den Weltreiterspielen 2002, Teilnehmer der Pan American Games 2003. Außerdem in Vollblutrennsport und -zucht sowie in der Sportpferdezucht aktiv.

  • Beruf: Mehr als 40 Jahre im Familienunternehmen Samuel, Son & Co. (Stahl), unter anderem als Vorstandsvorsitzender, CEO und Präsident

  • Sportpolitik: Zwölf Jahre Vorsitzender der FEI-Group-IV-Chair (Nordamerika, sieben Jahre FEI-Vizepräsident (letzte Amtszeit 2024 beendet). Er leitete zwei FEI-Arbeitsgruppen für Offizielle und gründete Jump Canada, dessen Chair er früher war.


Sabrina Ibáñez (El Salvador/Schweiz): FEI Insiderin



  • Alter und Nationalität: 61 Jahre (geboren am 1. Mai 1965), Salvadorianerin und Schweizerin. Nominiert von El Salvador.

  • Ausbildung: 1985 bis 1988 Studium Rundfunk und Film an der Boston University. 2001 bis 2002 Zertifikat in Soziologie, Politik und Management des Sports (Universitäten Lausanne, Leicester und Montpellier). 2026 Zertifikat in digitaler Marketingstrategie der Universität Lausanne.

  • Bezug zum Pferdesport: Seit 1991 bei der FEI. Hat bis zur Revolution in ihrem Heimatland geritten, bevorzugt im Springsattel ohne große Wettkämpfe bestritten zu haben.

  • Beruf: Seit Dezember 2014 FEI-Generalsekretärin, verantwortlich für die strategische Umsetzung, das Tagesgeschäft und ein Jahresbudget von rund 60 Millionen Schweizer Franken. Zuvor Director of Governance & Executive Affairs.

  • Weitere Ämter: Gründungspräsidentin der Association of Paralympic Sports Organisations (2017 bis 2025). Seit 2021 Chair der ASOIF Gender & Diversity Commission und Mitglied der WADA Signatory Expert Group.


Jack Huang (Taipeh): KI-CEO im Sattel



  • Alter und Nationalität: Jahrgang 1971. Nationalität: Chinese Taipei und die USA. Nominiert vom Chinese Taipei Equestrian Association.

  • Ausbildung: Wirtschaftswissenschaften an der University of Chicago, danach Postgraduiertenstudium an der London School of Economics.

  • Bezug zu Pferden: Springreiter und Pferdebesitzer.

  • Beruf: Manager im Technologiesektor, unter anderem Chairman des börsennotierten Unternehmens DLI Memory und CEO von Technologiefirmen.

  • FEI: Seit 2016 Vorsitzender der Regionalgruppe VIII (Südostasien und Ozeanien), seit 2019 FEI-Vizepräsident und Mitglied im Executive Board. Zuvor 2011 bis 2016 im Audit and Compliance Committee.

  • Nationale und regionale Erfahrung: 18 Jahre International Director des Chinese Taipei Equestrian Association. Was sie versprechen


Wie geht es weiter mit der FEI?


In Videokonferenzen der Vereinigung der internationalen Pferdejournalisten (IAEJ) haben die drei Kandidaten sich den Fragen der Journalisten gestellt.


Was alle sich vorgenommen haben: Den Weltverband effizienter und in Teilen auch transparenter zu gestalten. Einigkeit besteht auch darin, dass an einer Weiterentwicklung des Reitsports gearbeitet werden muss. „More flags“, also mehr Nationen sind das Hauptargument, das für den Verbleib des Reitsports im Kanon der Olympischen Spiele sprich. Dass der Zugang gerade junger Reiterinnen und Reiter und solchen, die aus reitsportlichen Schwellenländern stammen, wünschenswert aber auch eine Frage der Kosten ist, sehen ebenfalls alle Anwärter als eines der großen Themen.


Außerdem verstehen sie alle die wichtige Rolle, die Pflegerinnen und Pfleger spielen. Ihnen Schutz noch stärker als bislang zu gewährleisten, wenn sie Dinge sehen, die gegen das Pferdewohl sind, und diese mitteilen, sei eine wichtige Herausforderung. Schließlich riskiere ein Groom seine berufliche Zukunft und sei vielleicht doch leichter als Whistleblower identifizierbar als gewünscht.


Stahl und Spitzensport


Der Kanadier Mark Samuel setzt auf Pferdewohl. Eine Idee, gerade mit Blick auf die Global Champions Tour Etappe vor den Pyramiden in Kairo, wo parallel Pferde unter unfassbaren Zuständen ihr Leben fristen und im Tourismus unter Missachtung einfachster Standards eingesetzt werden, eine Herausforderung. Samuels Ansatz: Anteile des Sponsorengeldes Initiativen weltweit zugutekommen lassen, die sich fürs Pferdewohl engagieren.


Auch Gesundheitsvorsorge wird immer mehr zum Thema – die steigende Anzahl globalet Pferdetransporte und sich verbreitende Viren müssten berücksichtigt werden.


FEI soll schneller werden


Er sieht Defizite im FEI-System, das Missbrauch von Pferden im Sport meldet. Wobei er sich strikt gegen einen Generalverdacht stellt.


Projekte wie die Youth Olympics, bei denen Jugendliche, Stichwort Zugang zum Sport, auf Leihpferden an den Start gehen, befürwortet der Springreiter. „Local Heroes“ aufzubauen und Erfolge auch jenseits von Maximalabmessungen anzuerkennen und zu feiern, helfen seiner Einschätzung nach, den Sport weltweit nach vorn zu bringen.


Generell sei er in seinem Berufsleben immer sehr gut damit gefahren, sich gemeinsam auszutauschen und dann schnell agieren zu können. Ein kleiner Seitenhieb gegen die FEI, die aktuell von einigen Interessengruppen wie ein behäbiger Behördenapparat wahrgenommen wird. Auf Entscheidungen muss teilweise lange gewartet werden. Diese Prozesse verspricht der drahtige Kanadier beschleunigen zu wollen. Würde er gewählt, wolle er als Präsident erreichbar sein. Als „Vereinigung der (nationalen) Vereinigungen“ sollten die Stimmen der Föderationen wieder mehr Gehör finden.


Qualifizierung


Fortbildung ist ein weiterer zentraler Begriff für den Endsechziger, dem man sein Alter nicht ansieht. Richter und Offizielle müssten seiner Meinung nach noch umfangreicher geschult und ausgebildet werden. Eine Rotation von Richtern befürwortet er.


Klimawandel und Spitzensport


Dass Reitsport mehr ist als nur 1,60 Meter Parcours und VIP-Bereich, weiß er aus seiner Tätigkeit als Vorsitzender der Regional Group IV. Die beinhaltet nicht nur die sportlich dominierenden Nationen USA und Kanada, sondern auch die Karibikstaaten. Die durch den Klimawandel immer größer werdenden Herausforderungen seien da ein Thema. In seiner Arbeit, so Samuel, habe er unter anderem bei Hurrikans und anderen Extremwettersituationen den Pferdesportlern und allem, was daran hängt, schnell und pragmatisch helfen können.


Finanzen


Der Sport ist teuer, die wirtschaftliche Situation weltweit angespannt. Dennoch sieht Mark Samuel noch Wachstumspotenziale im Bereich der Sponsoren-Akquise. Samuel blickt optimistisch nach vorn. Die olympische Zukunft sieht er für den Reitsport, gerade nach den Zahlen der Spiele von Paris, nicht in Gefahr. Was seine persönlichen Finanzen anbelangt. Samuel hat in Aussicht gestellt, unentgeltlich tätig zu sein, aber von Lausanne, dem Standort der FEI, wo er eine Wohnung beziehen würde, full time zu arbeiten.


Mehr miteinander, bessere Kommunikation – das verspricht der Kanadier für den Fall seiner Wahl.


Generalsekretärin an die Spitze des Verbandes?


Sabrina Ibáñez ist FEI pur. Seit 25 Jahren steht sie in den Diensten der FEI. Sie hat sich hochgedient. Die Präsidentschaft wäre die Krönung ihrer Karriere. Ibáñez kennt alle Themen, alle Funktionäre, alle Strukturen, kann zu jeder Diskussion etwas beitragen und das in atemberaubender Geschwindigkeit.


Auch sie will Aus- und Fortbildung ausweiten, mit dem Ziel, idealerweise weniger Interventionen seitens der Stewards zu erzielen. Hier spricht die Pragmatikerin. Im besonderen Fokus hat sie die Trainer, als wichtigstes Bindeglied zwischen Sportler und allem, was der sportliche Wettkampf mit sich bringt. Hier sieht sie Defizite, Coaches müssten in Prozesse intensiver eingebunden werden. Ihr schwebt eine Registrierung vor. Tatsächlich gibt es keinerlei Zertifikate, die jemand vorlegen muss, wenn er als Trainer auf einer FEI-Veranstaltung akkreditiert werden möchte. In Sachen ethische Trainingskonzepte oder Kenntnis von Biomechanik und auch Anti-Doping-Programme (Eckpunkte aus dem Equine Welfare Action Plan) sei noch Luft nach oben, findet die aktuelle Generalsekretärin. Je enger der Reitsport mit der Wissenschaft zusammenarbeite, desto besser.


Global agieren


Als Weltverband weiß Ibáñez aus dem Tagesgeschäft um die Herausforderungen der zunehmenden Globalisierung des Reitsports. 45 Prozent aller internationalen Sportevents seien in den Jahren 2021 – 2025 wegen Extremwetterbedingungen ausgefallen. Darauf müsse der Reitsport sich besser vorbereiten, von Schlechtwetter bis Versicherungen. „Awareness and preparedness“, der Reitsport müsse sich dessen bewusst sein und vorbereitet sein. Auch da stimmt sie, wie an anderen Stellen auch, mit Mark Samuel überein, was Krankheiten bzw. Prophylaxe anbelangt. „Impfstoff muss vorhanden sein“, so ihr Credo. Und auch sie findet, dass Prozesse innerhalb der FEI schneller ablaufen sollten. KI-Nutzung, am Richtertisch und anderswo, zählen auch zu ihren Punkten.


Den Reitsport weltweit noch populärer zu machen, in Schwellenländern Vorbilder für die Jugend zu schaffen und diese zu feiern, zählt des weiteren zu ihren erklärten Zielen.


Am Ende gibt sie sich kämpferisch. Der Reitsport sei eben kein Nischensport, „we are a big sport!“


Jack Huang: KI soll helfen Ressourcen anders zu verteilen


Der Asiate aus Taipeh hat schon aufgrund seiner Biographie einen anderen Blick auf den Pferdesport. Wobei Pferde ihn immer begleitet haben. „Mein Vater ist noch mit 87 Jahren geritten, dann hat er es nur wegen seiner zunehmenden Erblindung aufgegeben“, erzählt der KI-Unternehmer, der in den USA und London studiert hat. (Noch) stärker als die beiden anderen Mitbewerber ums höchste Amt bei der FEI betont den Pferdewohl-Gedanken. „Das Pferd steht an erster Stelle. Immer!“


Das Know-How aus seinem beruflichen Umfeld in der KI-Branche will Jack Huang aktiv nutzen. Er ist sich sicher, dass KI viele Prozesse der FEI deutlich straffen könnte. Die dadurch entstehenden Ressourcen will er in Aus- und Fortbildung investieren. Der Equine Welfare Action Plan ist für ein zentraler Punkt für die Weiterentwicklung des Sports. Wissen, Austausch mit der Wissenschaft, die Identifizierung, an welcher Stelle beispielsweise unabhängige Tierärzte zum Einsatz kommen könnten, „Inhalte in Wissen übersetzen“, zählt der 1971 geborene Huang zu seinen Zielen. Was er mehrfach betont: Mehr Prozesse soll nicht zu einer weiteren Ebene in der Bürokratie werden. Im Gegenteil, er will die Arbeitskultur ändern. Hin zu schnelleren Entscheidungen und transparenterem Auftreten des Dachverbandes. Als Vize-Präsident der FEI, weiß er, wovon er spricht.


Geld für den Sport


Huang gibt sich optimistisch, dass man für den Reitsport noch deutlich mehr Gelder einwerben könnte. Nicht zuletzt in seiner Branche. Für Förderprogramme habe er selbst in Ozeanien und Asien immer wieder Finanziers gefunden. Wild Cards für Talente sieht er als ein mögliches Sprungbrett, sich im Spitzensport zu etablieren. In Sachen Kosten und auch was die Krankheitsproblematiken anbelangt, geht er mit seinem Mitbewerbern d’accord.


Und er weiß, wie sich das anfühlt: Sein Pferd könne er nicht in die Schweiz mitbringen, weil es kein Quarantäneregelungen zwischen Taipeh und Europa gibt. „Ist ein Pferd in Taipeh, muss es dort für immer bleiben.“


Eine weltumspannende Gemeinschaft


Er sieht einen Schwerpunkt darauf, eine große Community im Reitsport zu bilden. Die Programme für Schwellenländer sind ihm wichtig. Pferdewohl-Standards sollen für weniger finanzstarke Nationen über regionale Veterinärzentren, subventionierte Schulungen, digitale Rückverfolgbarkeit, unabhängige Kontrollen und vertrauliche Meldewege erreichbar werden. Und er möchte den Para-Sport ausbauen, 30 Prozent plus schweben ihm vor.


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