Wilhelm Rüscher-Konermann ist tot

Der Gründer der Hengststation Rüscher-Konermann lebt nicht mehr

Szene
So kannte man "den Chef" Wilhelm Rüscher-Konermann weit über Westfalens Grenzen hinaus … Foto: privat So kannte man "den Chef" Wilhelm Rüscher-Konermann weit über Westfalens Grenzen hinaus … Foto: privat
Am 5. Januar 2026 ist im Alter von 83 Jahren Wilhelm Rüscher-Konermann, Gründer und Seniorchef der gleichnamigen Hengststation, gestorben.

Die Meldung ist knapp gehalten: „Ruhe in Frieden“ steht über einem Foto von Wilhelm Rüscher-Konermann zu lesen. Dabei gibt es einiges zu sagen zu diesem Pferdemann, der schon als Kind die Idee hatte, den elterlichen Landwirtschaftsbetrieb zu einer Hengststation auszubauen. 1985 wurde sein Traum Wirklichkeit. Der Hengst Playboy v. Platon zog als erster Hengst auf der neu gegründeten Deckstelle ein. Drei Jahre später brachte Labrador das Landgraf I-Blut nach Westfalen. Wie begehrt Nachkommen des großen Holsteiners waren, machte sich in den Bedeckungszahlen bemerkbar. Binnen einer Decksaison wurden Labrador im Natursprung (!) 90 Stuten zugeführt.


Philosophie: Zucht und Sport


Der erste selbst gezogene Hengst, der die Station bereicherte, war der Frühlingsball-Ramiro-Sohn Feuertanz, der selbst mit Annette Rüscher-Konermann hoch erfolgreich im Sport lief und zudem mehrere S-Springpferde brachte.


Dass Feuerglanz neben seinen Aufgaben als Deckhengst auch im Sporteinsatz war, war kein Zufall. Noch etliche Rüscher-Konermann-Hengste haben sich selbst im Sport bewiesen, wie zum Beispiel Floresco NRW. Der wurde von Patrik Kittel in den internationalen Sport gebracht und nahm mit ihm 2008 bei den Olympischen Spielen teil. Später war er Lehrmeister für den Marokkaner Yessin Rahmouni. Dieser Florestan-Sohn war ein Beispiel für den Pferdeverstand von Wilhelm Rüscher-Konermann, denn der entdeckte ihn bereits als Absetzer bei Züchter Konrad Langhorst.


Den Grundstein für die Dressurbegeisterung hatte allerdings ein anderer Hengst gelegt, der bereits Grand Prix-erfolgreich war, als er seine Box als Beschäler in Greven bezog: der Trakehner Biotop v. Blesk, das letzte große Erfolgspferd von Dr. Reiner Klimke, ehe dieser viel zu früh verstarb.


Ein Hengst, der Dressurtalent mit Springgenen verband, war der Hannoveraner Lissaro van de Helle, ein Sohn des Lissabon, der 2006 Station bei Familie Rüscher-Konermann bezogen hatte. Lissaro war allerdings bereits ein Jahr zuvor im Stall von Jürgen Dittmer zur Welt gekommen. Er wurde Prämienhengst seiner Körung und stand den Züchtern ab 2008 über die Station Rüscher-Konermann zur Verfügung. Noch im gleichen Jahr machten er und der Stedinger-Sohn Schumacher den Namen Rüscher-Konermann weit über Westfalens Grenzen hinaus bekannt. Denn Tochter Claudia, inzwischen ebenso wie ihre Schwester Annette Pferdewirtschaftsmeisterin, stellte beide Hengste beim Bundeschampionat vor, wo Lissaro den ersten von drei Titeln auf den Warendorfer Vierecken holte und Schumacher gewann auch noch Silber. Es war das erste Mal, dass Claudia Rüscher-Konermann sich fürs Bundeschampionat hatte empfehlen können. Ein Einstand nach Maß!


Einen weiteren Bundeschampion hatte die Station mit dem Belissimo M-Sohn Baccardi, dessen Sohn Borghese MT jüngst im Nürnberger Burg-Pokal Finale begeisterte. Der jüngste Prominente der Station war der Glamourdale-Sohn Glamdale WP, der mit Stationsausbilderin Stefanie Ahlert fünfjährig Silber bei den Weltmeisterschaften der jungen Dressurpferde gewann und nun von Leonie Richter weiter ausgebildet wird.


Die nächste Generation


2015 wurde Wilhelm Rüscher-Konermann im Rahmen des Turniers der Sieger mit dem Ramzes-Preis für besondere Verdienste in der Pferdezucht ausgezeichnet. Die Schwestern Annette und Claudia Rüscher-Konermann führen das Erbe ihres Vaters fort.


 


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