Willem Greve gewinnt Großen Preis von Neumünster 2026
Wer kann, der kann – Willem Greve siegt, Holsteiner Nachwuchs überzeugt
Starker Auftritt von "Vertretungsreiter" Willem Greve mit Candy Luck Z im Großen Preis von Neumünster. Foto: Sportfotos-lafrentz.de Angesichts dessen, dass Willem Greve bereits im ersten Umlauf der Schnellste war mit Candy Luck Z war er davon ausgegangen, dass er als letzter Reiter in die zweite Runde gegen die Uhr gehen dürfte. Als ihm klar wurde, dass die Reihenfolge so blieb wie im Normalparcours, mussten er und Candy Luck schnell umschalten vom Schritt-Bummel- in den Jump-and-Run-Modus. Kein Problem für die elfjährige Comme il faut-Tochter. Als drittes Paar lieferten die beiden ein Lehrstück, wie gutes Springreiten aussieht. Nach 34,07 Sekunden stoppte die Uhr. Es kamen zwar noch sieben weitere Paare, aber wer diesen Ritt gesehen hat, wusste: Das wird schwer für die Konkurrenz.
Internationales Treppchen im Großen Preis von Neumünster
So war es denn auch. Ein Paar nach dem anderen mühte sich vergeblich ab, dem Niederländer seinen ersten Sieg im Großen Preis der VR Classics streitig zu machen. Vorbei kam keiner. Am dichtesten dran waren der Schweizer Christoph Könemann und sein Carridam-Sohn Coredo mit 35,97 Sekunden. Könemann war das erste Mal in Neumünster und stellte fest, dass dies das ideale Turnier für seinen zehnjährigen Wallach ist, der vier- und fünfjährig Hannoveraner Springpferdechampion war und mit dem heutigen dritten Platz den bislang größten Erfolg seiner Karriere verbuchte: „Es ist toll, vor so einer Kulisse zu reiten und für mein Pferd ist es perfekt. Er braucht das Adrenalin, das beflügelt ihn.“
Rang drei war eine kleine Sensation, denn der 22 Jahre junge Kolumbianer Marco Peixoto Ferreira Filho, der sich vor vier Monaten im Süden der Niederlande selbstständig gemacht hat und davor mit Manuel Fernández Saro trainierte, ritt gestern im Championat das erste 1,55 Meter-Springen seines Lebens und das heute war der erste Große Preis auf diesem Niveau. Aber auf seinen 14-jährigen Zangersheider Wallach Everest v’t Hof v Eversem Z, einen Sohn von Christian Ahlmanns Epleaser, kann er sich verlassen. „Ich war froh, dass ich die Nerven behalten habe. Er fühlte sich superfit an und ich dachte, jetzt vermassel es bloß nicht!“
Hat er nicht gemacht, im Gegenteil. In 36,84 Sekunden lieferten die beiden eine blitzsaubere Performance ab.
Vertretungsreiter
Willem Greve war schon häufig in den Holstenhallen am Start, doch den Großen Preis konnte er bislang noch nie gewinnen. „Ich wurde hier schon von den Sanitätern herausgetragen und war schon Zweiter im Großen Preis, aber zum Sieg hatte es bislang nicht gereicht“, so der Niederländer, der auch perfekt Deutsch und Englisch spricht.
Er war nun längere Zeit nicht mehr in Neumünster, doch im Jubiläumsjahr des Holsten Hallen Events passte es gut in den Plan, denn anders also so viele Kollegen, die in Arabien, Florida etc. reiten, wollte er bis zum Weltcup-Finale in der Halle bleiben, und für die elfjährige Candy Luck Z bot Neumünster sich als Turnier an. Für sie ist der Weltcup kein Thema, denn sie ist gar nicht Greves Pferd. Er sitzt nur vertretungsweise im Sattel, weil ihre eigentliche Reiterin Alessandra Volpi (USA) sich verletzt hat. „Ich wurde gebeten, sie in Schuss zu halten“, so Greve. Besser könnte er den Auftrag wohl kaum erfüllen.
Holsteiner Nachwuchs begeistert
Die Stimmung in der gerappelt vollen Holstenhalle war schon im ersten Umlauf kurz vorm Überkochen. Kein Wunder, die Holsteiner Reiter haben abgeliefert, wie vielleicht nie zuvor. Sechs der zehn Paare im zweiten Umlauf sind im hohen Norden zuhause, vier davon aus der Generation U30: Romy Rosalie Tietje (20) auf Cascadino, Linn Hamann (27) mit Dumbo, Mathies Rüder (20) mit Carlesta und Johanna Beckmann (22) im Sattel von Queen Frieda. Ihre beiden Landsleute gehören hingegen der erfahrenen Garde an: der für sein Heimatland Schweden startende Rolf-Göran Bengtsson (SWE) auf Caillan und der Elmshorner Lars Bak Andersen mit Leviathan HS.
Am dichtesten dran an den Top drei waren Tietje und Cascadino, die 2025 die deutschen Farben bei den Europameisterschaften der Jungen Reiter vertreten haben. Mit einer weiteren fehlerfreien Runde im Stechen wurden sie Vierte. Direkt dahinter reihte sich Linn Hamann mit ihrem gewaltig springenden Diamant de Semilly-Sohn Dumbo ein, ebenfalls ohne Abwurf.
Bei Tietjes EM-Mannschaftskollegen Mathies Rüder war im Stechen eine Stange gefallen, Platz acht. Johanna Beckmann und Queen Frieda hatten ebenfalls einen Abwurf und waren ein wenig langsamer als der einstige Nachwuchseuropameister im Busch, Rang neun. Lars Bak Andersen wurde mit der langsamsten Nullrunde gegen die Uhr Siebter. Bengtsson kassierte gleich am ersten Sprung einen Fehler, ein weiterer Folgte, Platz zehn.
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