Springreiter Tom Schewe im Fast Track Verfahren wegen verbotener Medikation sanktioniert
Tom Schewes Congress Blue PS beim Weltcup-Turnier Bordeaux positiv getestet
Tom Schewe und Congress Blue PS in Bordeaux. Foto: FEI/Artiste-Associé Photographes Es war eine kleine Sensation als der 27 Jahre junge Tom Schewe mit dem neun Jahre jungen Congress Blue beim Weltcup-Turnier in Bordeaux auf Rang drei sprang. Doch die Platzierung sowie das damit verbundene Preisgeld und die Ranglistenpunkte wurden aberkannt. Bei der Dopingprobe nach dem Ritt wurde Congress Blue PS positiv auf die Substanz 3-Hydroxydetomidin getestet, ein Abbauprodukt des in der Veterinärmedizin üblichen Medikaments Detomidin, das als Sedativum (Beruhigungsmittel), Anästhetikum (Betäubungsmittel) und Analgetikum (Schmerzstiller) beispielsweise bei der Behandlung von Koliken eingesetzt wird.
Was ist Detomidin?
Bei der FEI fällt 3-Hydroxydetomidin in den Bereich Controlled Medication und wird mit einer Karenzzeit von 48 Stunden angegeben. Bei der FN wird das Medikament in Anhang I: Liste der Dopingsubstanzen und verbotenen Methoden (im Wettkampf verboten) geführt und mit sechs Tagen Karenzzeit angegeben.
Tom Schewe sagt: „Wir wissen nicht, wo es herkommt. Darum haben wir ja auch die Öffnung der B-Probe beantragt, die dann auch positiv war. Wir versorgen die Pferde nach bestem Wissen und Gewissen. Ich werde durchschnittlich einmal im Monat irgendwo getestet und habe mir nie etwas zuschulden kommen lassen. Der Tierarzt ist sich sicher, dass er dieses Pferd mit diesem Medikament im kurzfristigen Zeitraum vor dem Turnier nicht behandelt hat.“
Fast Track Verfahren
Da es sich bei 3-Hydroxydetomidin um eine Substanz aus dem Bereich der verbotenen Medikation handelt, also ein Medikament, das grundsätzlich zur Behandlung eingesetzt werden darf, aber nicht auf dem Turnier, stand Tom Schewe die Möglichkeit offen, das sogenannte „Fast Track“-Verfahren der FEI in Anspruch zu nehmen. Er akzeptiert eine Geldstrafe in Höhe von 1.500 Schweizer Franken, trägt die Kosten des Verfahrens, die inklusive Öffnung der B-Probe 2000 Franken betragen und wird dafür nicht gesperrt. Er verzichtet aber auch auf das Recht einer Anhörung vor dem FEI Tribunal.
Einen Prozess anzustrengen, erschien Schewe wenig sinnvoll, auch wenn weder er als Reiter noch der Tierarzt eine Erklärung für die positive Probe haben. „Wir haben überlegt, aber das kostet 20, 30, 40.000 Euro, dauert unter Umständen Jahre. Wir sind in der Beweispflicht. Da ist man in der Regel chancenlos und riskiert auch noch eine Sperre. Das Resultat wäre ja ohnehin gestrichen worden. Daher habe ich das jetzt notgedrungen so akzeptiert.“
Weil er sich seiner Unschuld so sicher war, beantragte er die Öffnung der B-Probe. Wäre die negativ gewesen, hätte die FEI das Verfahren einstellen müssen. Nun muss Schewe die Folgen tragen. „Mir mit es vor allem für das Pferd leid. Aber er ist so außergewöhnlich, ich bin sicher, dass wir noch viel von ihm hören werden!“
Zu den unterschiedlichen Warte- bzw. Karenzzeiten bei FEI und FN
Bereits im Zusammenhang mit dem Medikationsfall von Josch Löhden Anfang des Jahres stellte sich die Frage, wie es sein kann, dass der internationale Reiterverband FEI und die FN so unterschiedliche Zeiten angeben. Dies ist der Hintergrund.
Die FEI gibt die Ausscheidungszeit an. Um diese herauszufinden, wurde einer begrenzten Anzahl an Pferden das zu testende Medikament in therapeutisch wirksamer Dosis verabreicht und anschließend getestet, wie lange es dauerte, bis die Substanz nicht mehr nachweisbar war. Diese Angaben sind allerdings immer nur Richtwerte und repräsentieren nicht die gesamte Pferdepopulation, weil jeder Stoffwechsel individuell ist. Darauf weist die FEI auch explizit hin.
Die FN hingegen nimmt die Ausscheidungszeit und die individuellen Eigenschaften des zu verabreichenden Medikaments als Ausgangsbasis und addiert einen individuellen Sicherheitszuschlag, um auf die empfohlene Karenzzeit zu kommen und dem Reiter damit größtmögliche Sicherheit zu geben.