Springreiterclub fordert neue Regeln für Springreiten bei Olympia

Springreiterclub möchte neue Olympia-Regeln, faire Kosten und ausgeschorene Ohren

Springen
Olympische Sommer Spiele in Paris 2024: das Stadion im Schlosspark von Versailles. Foto: sportfotos-lafrentz.de/Stefan Lafrentz Olympische Sommer Spiele in Paris 2024: das Stadion im Schlosspark von Versailles. Foto: sportfotos-lafrentz.de/Stefan Lafrentz
Der International Jumping Riders Club (IJRC) meldet sich kurz vorm Sports Forum des Weltreiterverbandes (FEI) zu Wort: Es geht um die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles. Konkret: um grundlegende Änderungen am aktuellen Format im Springreiten. Kernanliegen des Springreiterclubs ist die sportliche Fairness zwischen Team‑ und Einzelreitern. Die sei im aktuellen Regelwerk nicht gesichert. Außerdem möchte der IJRC das Ausscheren der Ohren wieder erlauben – aus „hygienischen Gründen“.

Nach der derzeitigen olympischen Regelung nehmen Einzelreiter, also solche, die nicht Teil einer Mannschaft sind, nicht an dem Springen für die Teamqualifikation teil. Das hat zur Folge, dass im Einzelwettbewerb Pferde starten, die noch keinen Parcours unter olympischen Bedingungen absolviert haben. Die Pferde der Teamreiter hingegen sind, je nach Ergebnis, bereits ein oder zwei Runden auf höchstem Niveau gesprungen. Aus Sicht des IJRC führt dieses System zu einem klaren Wettbewerbsvorteil für die Einzelstarter.


Springreiterclub sieht sportliches Ungleichgewicht im Springreiten bei Olympia


Um gleiche sportliche Bedingungen zu schaffen, schlägt der Springreiterclub vor, dass alle Einzelathleten bei Olympia im Springreiten verpflichtend mindestens eine Runde vor der Einzelentscheidung reiten müssen. Konkret soll dies über eine Teilnahme an der ersten Runde des Mannschaftsqualifikations-Wettbewerbs geschehen, die nach heutigem Reglement nur von den Teamreitern ausgetragen wird. Die Ergebnisse dieser Runde sollen gemeinsam mit der eigentlichen Einzelqualifikation für die Startplätze im Einzelfinale zählen – und so ein ausgewogeneres, transparenteres Ranking schaffen.


Beim FEI-Sports Forum in Lausanne sollte dieser Aspekt kommende Woche diskutiert werden, so die Forderung des Springreiterclubs (IJRC). Ergebnisse aus dem Sports Forum können bei der Vollversammlung der FEI, die traditionsgemäß in den letzten Monaten des Jahres stattfindet, diskutiert und gegebenenfalls als Regeländerung (wenn nationale Verbände Anträge eingebracht haben) abgestimmt werden.


Springreiterclub (IJRC) setzt auf Dialog mit FEI


Parallel zur inhaltlichen Kritik am Olympia‑Format hat der IJRC seine seit 2014 bestehende Absichtserklärung (Memorandum of Understanding, MOU) mit dem Weltreiterverband FEI erneuert. Die Vereinbarung sichert dem Club eine offizielle Rolle in allen Konsultationen zu künftigen Regeländerungen und bestätigt ihn erneut als einzige internationale Organisation, die die gemeinsamen Interessen der professionellen Springreiter vertritt.


So soll die Stimme der Athletinnen und Athleten fester Bestandteil des regulatorischen und strategischen Prozesses bleibt.


Zusatzkosten bei Turnieren: IJRC pocht auf klare Grenzen


Ein weiteres Schwerpunktthema des IJRC sind die stetig steigenden Zusatzkosten bei internationalen Turnieren. Seit Monaten drängt der Club darauf, dass obligatorische Gebühren – etwa für Mistentsorgung, Strom, Parken, „Fantasiekosten“, „Green Fee“ oder Mehrwertsteuer – einer gemeinsam mit verantwortlichen Institutionen (FEI, IJRC, AJO und E.O.) abgestimmten Liste entsprechen müssen.


Zwar wurde eine entsprechende Maßnahme von der FEI bereits beschlossen, ihr Inkrafttreten wurde jedoch vom ursprünglich vorgesehenen 1. Januar auf den 1. April 2026 verschoben – aus Rücksicht auf Bedenken einzelner Interessengruppen. Der Springreiterclub begrüßt grundsätzlich den erreichten Kompromiss, kritisiert aber die Verzögerung, weil sie die Kostenbelastung für Reiter und Veranstalter weiter in die Länge zieht.


Weitere Regelvorschläge: Nennungen, Tierwohl und Coaching


Neben Olympia und Kostentransparenz hat das IJRC der FEI zusätzliche Anpassungen vorgeschlagen, die auf dem FEI‑Sportforum und später auf der FEI‑Generalversammlung diskutiert werden sollen. So plädiert der Club in Artikel 117.2 der Allgemeinen FEI‑Regeln dafür, dass künftig die nationalen Verbände Athleten, also Reiterinnen und Reiter – und nicht wie bisher primär Reiter/Pferd-Kombinationen – für Championate und große Turniere nennen. Begründung: Die Nennungen erfolgen über ein Einladungssystem, in dem die sportliche Qualifikation der Reiter im Mittelpunkt stehen sollte.


Ausscheren der Ohren aus hygienischen Gründen wieder zulassen


Als Beitrag zum Tierwohl versteht der IJRC die Forderung nach einer praxisnäheren Auslegung der veterinärmedizinischen Bestimmungen zum Scheren der Ohrenhaare. Ein pauschales Verbot ist aus Sicht des Clubs zu restriktiv und stehe nicht im Einklang mit der täglichen Pferdehaltung. Korrekt durchgeführtes Scheren sei vielmehr wichtig für Hygiene und Gesundheitskontrolle, ohne dass es belastbare Hinweise gebe, dass es dem Wohlergehen des Pferdes schade. Der Vorschlag: weg vom starren Verbot, hin zu einem flexiblen, am tatsächlichen Wohl des Pferdes orientierten Ansatz.




Rechtslage in Deutschland zum Ausscheren der Ohren


In Deutschland wird Paragraf 6 des Tierschutzgesetzes als Verbot des Ausscherens der Ohrmuschel interpretiert: Im ersten Satz heißt es: „Verboten ist das vollständige oder teilweise Amputieren von Körperteilen oder das vollständige oder teilweise Entnehmen oder Zerstören von Organen oder Geweben eines Wirbeltieres.“ Der Passus über „Entnehmen oder Zerstören von Organen oder Geweben“ wird dabei als Grund verstanden, die Haare im Pferdeohr nicht zu entfernen, auch wenn es sich dabei nicht explizit um Tasthaare, wie sie rund um die Nüstern und im Bereich der Augen anzufinden sind, handelt.




Zukunft des Coachings


Während des „Dutch Masters“ in ‘s-Hertoigenbosch hatte der IJRC am 12. März eingeladen: Präsident François Mathy diskutierte beim „Future of Coaching Forum“ mit Trainerinnen, Trainern und Branchenexperten darüber, wie neue Tools das Training im Pferdesport verändern. Im Fokus standen Innovation, Wissensaustausch und die sich wandelnde Rolle der Coaches in einer sich rasant entwickelnden Sportlandschaft. Der IJRC bezeichnet dieses Unterfangen in einer Pressemitteilung als weiteren Baustein in der Strategie des Springreiterclubs, den olympischen Springreitsport moderner, fairer und nachhaltiger zu gestalten.


Die Webseite des IJRC


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