Erster Fünf-Sterne-Start, erster Fünf-Sterne-Sieg für Richard Vogels Diatasio
Richard Vogel hat einen neuen Star – entdeckt bei Toto Jr.-Züchterin
Diatasio mit Marvin Jüngel bei den Weltmeisterschaften der jungen Springpferde 2026.
Foto: Archiv Sportfotos-lafrentz.de Diatasio ist ein achtjähriger OS-Wallach v. Diaron-Centadel. Er kam im Gestüt Lewitz bei Paul Schockemöhle zur Welt, hat aber anders als so viele andere Lewitzer Zuchtprodukte keinen Mutterstamm, der seitenlange Erfolgsgeschichten erzählt. Zwar gibt es in seiner Verwandtschaft einige S-Pferde, aber nicht solche, die als „Black Type“ herausgestellt werden würden. Das kann sich nun ändern, denn Diatasio hat offenbar das Zeug dazu, ein Black Type Pferd zu werden.
Liebe auf den ersten Klick
Als Diatasio gerade frisch angeritten war, bot das Gestüt Lewitz ihn über eine der Online-Auktionen zum Verkauf an. Judith Schmidt, erfolgreiche Züchterin aus Naumburg in Sachsen-Anhalt, die unter anderem Hans-Peter Minderhouds Olympia-Dressurpferd Toto Jr. gezogen hat, entdeckte den Wallach. „Wir sind Diaron-Fans und mir gefiel das Freispringen sehr gut“, sagt sie. Es gefiel ihr so gut, dass sie sich im Online-Bieterduell gegen Kenner aus Großbritannien, Spanien und Rumänien durchsetzte, die ebenfalls das Potenzial in den Braunen erkannten. Schließlich erhielt sie bei – recht bescheidenen, wie man heute weiß – 17.500 Euro den Zuschlag.
Zunächst gab Familie Schmidt den Youngster in die Hände von Alexander Rottmann in Westfalen. Der bildete Diatasio weiter aus und stellte ihn fünfjährig in den ersten Springpferdeprüfungen vor. „Er war schon damals auffällig, wie er sprang“, sagt Judith Schmidt. Aber Diatasio war kein Jedermann-Pferd. „Er hatte unheimlich viel Nerv und Geist. Das war nicht ganz einfach.“
Doch das ist letztlich ja genau das, was ein Spitzenpferd braucht. NRW und Sachsen-Anhalt – der Weg ist doch recht weit. Weil sie ihn lieber etwas mehr in ihrer Nähe haben wollten, entschieden die Schmidts sich, Diatasio in den Beritt von Manuel Prause nach Sachsen zu geben. Der baute ihn weiter auf, bis er reif war für die ersten S-Starts und den ersten internationalen Einsatz im Mai 2025 in Hohen Wieschendorf. Eine schicksalhafte Entscheidung für die weitere Karriere des Pferdes.
Liebe auf den ersten Blick
Denn in Hohen Wieschendorf war auch Richard Vogel am Start. Die Nummer eins der Welt ist auch Weltklasse im Entdecken von Weltpferden. Noch in Hohen Wieschendorf ritt Vogel Diatasio zur Probe und besiegelte den Kauf. Seither gehört der Wallach offiziell zwar noch noch der ZG Judith und Sönke Schmidt, aber eigentlich dem Team Vogel und Will Equestrian.
Die ersten Turniereinsätze hatte Diatasio dann mit einem Landsmann von Manuel Prause, mit dem zweifachen Derby-Sieger Marvin Jüngel, der eine ganze Zeitlang für das Team Vogel & Will geritten ist. Jüngel stellte Diatasio unter anderem bei den Weltmeisterschaften der jungen Springpferde vor, wo die beiden sich mit zwei Nullrunden souverän fürs Finale qualifizierten. Hier war dann der Tank etwas leer, zwei Abwürfe.
Danach hatte Diatasio erst einmal Pause bis Jüngel ihn dieses Jahr wieder mal mitnahm aufs Turnier und ihn beim Mannheimer Maimarktturnier direkt wieder in die Schleifenränge der Youngster Tour ritt. Es war das Abschiedsturnier für die beiden, denn ab Juni übernahm Richard Vogel selbst die Zügel.
Null-Fehler-Maschine
Seither ist kein Turnierwochenende vergangen, an dem Diatasio nicht wenigstens eine Prüfung gewonnen hätte. Alles in allem ist er seit Mai 2025 45 Parcours gegangen und war 31 mal null. Das einzige Mal wo er mehr als einen Abwurf hatte, war in Lanaken bei besagtem WM-Finale.
Die Sommermonate verbrachte der Braune in Amerika, wo Vogel ihn in Calgary erstmals zum Sieg in einem CSI2* Grand Prix ritt. Diesen Erfolg wiederholten sie Ende September in Greenwich. Dazwischen machten sie eine Stippvisite in Europa, um ein Springen der Youngster Tour beim CSI5* in Brüssel zu gewinnen.
5*-Feuertaufe
Gestern hatte der Wallach nun seine Feuertaufe in einem Fünf-Sterne-Springen, seinem ersten über 1,55 Meter-Springen mit Stechen bei der Major Show Jumping League in Tryon. Die Premiere war ein Volltreffer: Sieg mit der schnellsten Runde im Stechen gegen Nicholas Dello Joio auf Cornet’s Cambridge und Shane Sweetnam mit Pia Maria H sowie neun weitere Konkurrenzen, zu denen unter anderem auch die Sieger des Großen Preises von Monterrey gehörten, Rodrigo Pessoa und Prins van’t Eigenlo. Die Deutschen Meister, Christian Kukuk und Akarad Tivoli Z, verpassten das Stechen nach einem Abwurf im Normalparcours.
Judith Schmidt hat zwar keine Besitzansprüche mehr an ihrer Entdeckung Diatasio, aber stolz ist sie trotzdem. „Ich freue mich tierisch darüber, dass er bei so einem tollen Reiter gelandet ist und jetzt so erfolgreich ist. Ich habe immer an dieses Pferd geglaubt“, sagt sie. Und das gestern war ja vielleicht erst der Anfang.