Steve Guerdat gewinnt Weltcup-Springen in Leipzig
PARTNER PFERD 2026 – Guerdat macht’s nochmal!
Leipziger Jubel für die Sieger Steve Guerdat und Iashin Sitte. Foto: FEI/sportfotos-lafrentz.de Er kann’s einfach! Elf Paare hatten es ins Stechen um das Weltcup-Springen von Leipzig geschafft. Steve Guerdat war als erster dran mit seinem zwölfjährigen Bamako de Muze-Sohn Iashin Sitte. Da bleibt nicht viel Raum zum Taktieren. „Ich habe mein Ding gemacht“, resümierte er später. Was im Normalfall einfacher gesagt als getan ist, es sei denn man heißt Steve Guerdat. Und wenn man Steve Guerdat heißt, sagt man ganz bescheiden: „Ich kenne mein Pferd einfach sehr gut. Er hat nicht den größten Galoppsprung, aber er ist sehr rittig und ich weiß genau, wie ich Zeit einsparen kann.“ Genauso geschah es.
Guerdat ritt wie ein Guerdat reitet – unaufwändig, gefühlvoll, so dass man gerne Pferd bei ihm wäre. Und Iashin Sitte tat sein Bestes, um alles richtig zu machen. Das funktionierte zu 99 Prozent in diesem Stechen ganz hervorragend, auch wenn es das eine oder andere Mal klapperte. Lediglich zum Schlussoxer kamen die beiden nicht ganz ideal und Guerdat musste Iashins letzten Galoppsprung etwas verkürzen, um die Lage im Griff zu behalten. Dann waren sie im Ziel. Null Fehler, 42,21 Sekunden. Das waren die Eckdaten, an denen sich zehn weitere Paare nun abarbeiten sollten.
Jung-Wochenende
Es war das Jüngel-Wochenende in der Youngster-Tour, es war das Jung-Wochenende in der großen Tour. Denn auch wenn er bei den ganz wichtigen Entscheidungen nicht an der Spitze stand, so war Busch-Titan Michael Jung doch mehrfach ganz vorne dabei. Und mit dem neun Jahre jungen Zangersheider Wallach Heros Z (oder korrekterweise Fischerheros Z) v. Hotspot hat er ein Pferd mit allen Möglichkeiten für den Parcours unter dem Sattel. Schon vor dem Stechen hatte Jung gesagt, dass es ihnen allerdings noch ein wenig an Erfahrung auf diesem Niveau fehle. Das zeigte sich dann auch im Stechen. Zwar ließen die beiden in allen Distanzen einen Galoppsprung aus, aber als es über den Oxer zum Einsprung in eine Distanz recht weit wurde, gelang es Jung nicht, den Wallach rechtzeitig vor dem sich rasch nähernden „Sport im Osten“-Steilsprung so weit zu schließen, dass er auch hier fehlerfrei drüber gekommen wäre. So kamen die beiden bis auf drei Hundertstelsekunden an Guerdats Zeit heran, aber eben nicht fehlerfrei. Am Ende wurden sie damit Sechste. Ein Riesenerfolg!
Nochmal Platz zwei für Delestre
Frankreichs Simon Delestre hatte sich was vorgenommen. Letztes Jahr war er Zweiter im Weltcup-Springen von Leipzig hinter Willem Greve gewesen. Diesmal hätte er gerne gewonnen. Doch er wusste auch, für seinen zehn Jahre jungen President-Sohn Gatsby du Tillard war dies das erste Weltcup-Springen seines Lebens und sie sind erst seit einem halben Jahr ein Team. Zwar haben sie schon einige gute Platzierungen erzielen können, aber sie waren noch nie in einem 1,60 Meter-Stechen dabei. Trotzdem gab Delestre als letzter Starter gegen die Uhr wie immer alles. Die Runde sah schnell aus, und doch waren sie gut eine Sekunde langsamer als Guerdat und Iashin, die damit als Sieger feststanden. Delestre reckte trotzdem die Faust. Das war ein viel versprechendes Debüt gegen die Uhr! Und zweimal hintereinander Zweiter zu werden, ist ja auch nicht so ganz schlecht.
„Alles versucht“
Auch Gerrit Nieberg kann sich über die Bilanz seines PARTNER PFERD Wochenendes nicht beklagen nach Rang zwei im gestrigen Championat mit IB Queen und dem heutigen Abschneiden im Weltcup mit seinem Riesenbecker Global Champions Tour-Etappensieger Ping Pong van de Lentamel. Der Emerald-Sohn sprang super, allerdings zögerte er vor der Zweifachen Kombination mit dem Liverpool am Aussprung, wollte schon ausweichen und machte einen Galoppsprung zur Seite. Nieberg reagierte sofort, stellte ihn gerade, rahmte ihn ein und gab einen energischen Impuls, der Ping Pong sofort wieder Vertrauen gab und ihn nur so über die Zweifache fliegen ließ. Allerdings nahmen sie sich bei den Distanzen jeweils einen Galoppsprung mehr Zeit als Guerdat. In 44,54 Sekunden stoppte die Uhr. Das reichte für Rang drei. „Ich hab’s versucht“, konstatierte Nieberg nachdem das Ergebnis feststand. Enttäuscht war er aber nicht, ganz im Gegenteil. „Ich bin überglücklich! Hier in Leipzig ist immer eine ganz besondere Atmosphäre. Am liebsten würde ich jedes Jahr wiederkommen“, strahlte er.
Gulliksen auf dem Vormarsch
Hinter den besten drei konnte sich Johan-Sebastian Gulliksen als Vierter nach fehlerfreiem Ritt erneut über eine Top-Platzierung im Weltcup freuen, nachdem er bereits in Basel ganz vorne mit dabei gewesen war. Diesmal dürfte die Freude umso größer sein angesichts dessen, dass der Norweger mit dem zwölfjährigen Colestus-Sohn Colonello ein für ihn noch recht neues Pferd ritt. Erst im Oktober letzten Jahres hatten die beiden ihr erstes gemeinsames Turnier bestritten. In den Sport gebracht wurde der Wallach von seiner Besitzerin, der Britin Emma McGlynn. Letzte Saison stellte Peder Fredricson ihn vor, unter anderem in Hamburg und Aachen. Seit Colonello bei Gulliksen ist, hat er schon einige sehr gute Platzierungen verbucht, aber das heute ist mit Abstand der bislang größte Erfolg. Vielleicht hat die Heimat den Wallach beflügelt. Er ist ein Deutsches Sportpferd aus dem Zuchtgebiet Sachsen-Thüringen.
Die weiteren Platzierten
Einmal mehr haben die Deutschen Meister Mario Stevens und Starissa gezeigt, was für ein eingespieltes Team sie sind. Sie waren nicht die schnellsten, aber fehlerfrei. Damit belegten sie Rang fünf vor Michael Jung und Heros Z als schnellstem Vier-Fehler-Duo.
Ebenfalls einen Abwurf hatten nach einer ansonsten tollen Runde Philipp Schulze-Topphoff und seine 13-jährige Westfalen-Stute Carla v. Comme il faut. 44,06 Sekunden reichten für Platz sieben.
Damit ließen sie den Japaner Eiken Sato und Chadellano hinter sich, die bereits in der Qualifikation am Freitag den vierten Platz belegt hatten. Sato reitet inzwischen übrigens im zitronengelben Jackett von der Sorte, die man sonst nur an den Brasilianer Yuri Mansur kennt. Das hat seinen Grund, Sato hat den Stall Schockemöhle in Mühlen nämlich verlassen und ist bei Mansur in Belgien stationiert.
Zu den Vier-Fehler-Paaren zählten auch der Italiener Giacomo Casadei und seine 14-jährige Elvis ter Putte-Tochter Marbella du Chabli. Ein Riesenerfolg war die Qualifikation fürs Stechen für den Ungarn Tomás Mráz – Nummer 306 der Weltrangliste mit zweifacher EM-Erfahrung – und seinem OS-Hengst Viva Cent v. Vivant. Hier fielen dann allerdings zwei Stangen.
So erging es auch Max Kühner und seiner elfjährigen Count on me. Bereits im Vorfeld hatte der bei Starnberg beheimatete und für Österreich startende Global Champions Tour-Gesamtsieger von 2024 erklärt, man solle heute nicht zu viel von ihm erwarten. Tatsächlich fing seine Cascadello-Tochter toll an, doch dann verlor sie etwas die Übersicht und nahm zwei Stangen mit. Wohl eine Sache der Erfahrung, denn dies war ihr erstes Weltcup-Stechen.
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