Steve Guerdat gewinnt Weltcup Springen von Helsinki

Last-Minute-Ticket für Guerdat, sensationelle Paula de Boer-Schwarz

Springen
Steve Guerdat und Iashin Sitte, Weltcup-Sieger in Helsinki 2026. Foto: FEI/Kim C Lundin Steve Guerdat und Iashin Sitte, Weltcup-Sieger in Helsinki 2026. Foto: FEI/Kim C Lundin
Nach einer schwierigen Saison löste Steve Guerdat mit einem Sieg bei der letzten Weltcup-Etappe in Helsinki das Ticket zum Finale. Aber aus deutscher Sicht sind die Heldinnen der Stunde heute zwei andere.

Nämlich Paula de Boer-Schwarz und ihre kongeniale OS-Stute My Miss Marple. Mit dieser zwölfjährigen Mylord Carthago-Tochter hat Paula de Boer-Schwarz – aktuell die Nummer 985 der Weltrangliste – schon bei manchen Gelegenheiten den Konkurrenten vorgemacht, wie’s geht. So auch heute.


Die beiden waren das erste Paar, das sich an dem von Brasiliens Guilherme Jorge entworfenen Parcours versuchte. Sie ließen die Jorges Aufgabe mit 13 Hindernisse, 16 Sprüngen wie ein Kinderspiel aussehen und galoppierten fehlerfrei über die Ziellinie. „Ich glaube, ich bin gerade der glücklichste Mensch der Welt“, strahlte sie nach dieser Runde übers ganze Gesicht.


Dass der Parcours alles andere als ein Kinderspiel war, zeigte sich dann im weiteren Verlauf der Prüfung. Am Ende waren es nur sieben Paare, die es ins Stechen geschafft hatten, neben Paula de Boer Schwarz unter anderem noch Größen wie die Franzosen Kevin Staut und Marc Dilasser sowie der dreifache Weltcup-Sieger Steve Guerdat.


Der Schweizer Dreifach-Olympiasieger hatte heute den zwölfjährigen Bamako de Muze-Sohn Iashin Sitte gesattelt, der auf den ersten Blick eher unscheinbar aussieht, der aber eine derart clevere Art hat, am Sprung gerade die Energie aufzuwenden, die er braucht und dabei schnell und wendig ist, dass er besonders für Stechen in der Halle geradezu gemacht zu sein scheint. Auf diese Weise war er schon im Januar in Leipzig siegreich gewesen.


Das Stechen


Da im Stechen die Reihenfolge aus dem Umlauf eingehalten wurde, mussten Paula de Boer-Schwarz und My Miss Marple als erste ran. Wieder zelebrierten die beiden ihre langjährige Partnerschaft mit einer fehlerfreien Runde. Aber dass die Zeit von 43,36 Sekunden schlagbar sein würde, war abzusehen.


Es dauerte dann auch nicht lange. Der Belgier Viktor Daem und seine Zirocco Blue-Tochter Kavaliers Blue – als Nummer 656 der Weltrangliste auch eher ein Paar mit Außenseiter-Status – waren zweites Paar im Stechen und unterboten die Zeit um eine knappe Sekunde. Bei 42,49 Sekunden stoppte die Uhr. Auch für die beiden schon in dem Moment ein Riesenerfolg.


Kevin Staut wollte es als dritter Starter wissen. Schon gestern wähnte er sich nach einem furiosen Auftritt im Stechen im Großen Preis auf der Siegerstraße, als Kenki Sato das scheinbar Unmögliche möglich machte und ihn doch noch hinter sich ließ. Heute hatte er die zehnjährige Vigo d’Arsouilles-Tochter Vida Loca Z gesattelt, die ihren Job in gerade mal 37,54 Sekunden erledigt hatte. Allerdings nahm sie unterwegs eine Stange mit. Aus der Traum vom Sieg für Staut.


Dann war es an Steve Guerdat, sein Glück mit Iashin Sitte zu versuchen. Der Fuchs könne guckig sein, erklärte Guerdat. Von daher sei der Sieg in Leipzig eine Art Aha-Erlebnis gewesen. Eine Wiederholung wäre ideal. Dann wäre Guerdat trotz des aufgrund seiner Rücken-OP verspäteten Saison-Einstiegs der Platz im Finale sicher. Er spielte seine ganze reiterliche Klasse aus, Iashin Sitte tat sein Übriges – fehlerfreie 38 Sekunden waren die neue Bestmarke.


Die konnte bis zum Schluss niemand mehr unterbieten – wenngleich die Norwegerin Oda Charlotte Lyngvaer mit ihrer zwölfjährigen Carrera VDL-Tochter Carabella vd Neyen Z ihnen bis auf vier Hundertstelsekunden gefährlich nahe kam. Sie reihte sich am Ende auf Platz zwei ein. Die beiden restlichen Paare, Marc Dilasser auf Arioso des Gevres und Giampiero Garofalo mit Querido van’t Ryutershof, hatten wie Staut jeweils einen Abwurf.


Damit stand Guerdat als Sieger fest. Lyngvaer wurde sensationell Zweite vor Viktor Daem und der deutschen Überraschung Paula de Boer-Schwarz.


Sie war nicht die einzige Deutsche im Geld. Dank flotter Vier-Fehler-Runden schafften es auch Patrick Stühlmeyer auf Baloutaire PS und der Neu-Riesenbecker Philipp Schulze Topphoff mit Carla NRW auf den Plätzen 12 und 13 in die Platzierung.


Guerdat – erstes Saisonziel erreicht


Zu gewinnen, ist immer schön – zu gewinnen, wenn es darauf ankommt, noch viel mehr. Steve Guerdat: „Wir haben die ganze Reise hierher gemacht, nur um die Punkte zu bekommen, die uns noch fürs Finale qualifiziert haben. Ich wollte es nicht vermasseln!“


Das ist ihm gelungen und damit hat er ein Saisonziel bereits erreicht. „Ich denke, jeder aus dem Sport oder der mich kennt, weiß dass ich eine besondere Beziehung zur Weltcup-Serie habe, besonders zum Finale. Als ich aufwuchs, war das ein Turnier von dem ich wusste, und das hat mich motiviert, eines Tages selbst Teil davon zu sein. Nun bin ich ein kleiner Teil der Geschichte des Weltcups und es motiviert mich noch immer sehr.“


Dreimal hat er den Titel bereits gewonnen. Da ist er aber nicht der einzige. Marcus Ehning, Meredith Michaels-Beerbaum, Rodrigo Pessoa, Hugo Simon – das Kunststück ist vor ihm schon anderen gelungen. Aber viermal hat bislang noch kein Reiter das Weltcup-Finale für sich entschieden. Guerdat könnte also Springsportgeschichte in Fort Worth schreiben.


Die Finalisten stehen fest


Doch da gibt es eine ganze Reihe Konkurrenten, die das gerne verhindern und selbst aufs oberste Treppchen springen würden. Helsinki war die letzte Weltcup-Etappe der Westeuropa-Liga. Guerdat ist als Neuntplatzierter sicher dabei.


Willem Greve führt das Ranking an vor Titelverteidiger Julien Epaillard und Daniel Deußer. Außer letzterem ist auch Richard Vogel als Siebter sicher qualifiziert – und auch Philipp Schulze Topphoff und Patrick Stühlmeyer haben auf den verfügbaren Plätzen ein kleines „Q“ für „qualified“ hinter ihren Namen stehen.


Die gesamte Liste finden Sie hier.


Die Ergebnisse aus Helsinki gibt es hier.


 


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