Cian O'Connor wegen Dexamethason disqualifiziert

Kontrollierte Medikation: Cian O’Connor per Fast Track Verfahren sanktioniert

Springen
Cian O'Connor mit Pegasus in der Youngster Tour beim CHIO Aachen 2025. Foto: Sportfotos-lafrentz.de Cian O'Connor mit Pegasus in der Youngster Tour beim CHIO Aachen 2025. Foto: Sportfotos-lafrentz.de
Ende Dezember haben irische Tageszeitungen einen Fall von Kontrollierter Medikation öffentlich gemacht, der den Springreiter Cian O'Connor betrifft. Es ging um den Entzündungshemmer Dexamethason. Das Ganze wurde im Fast Track Verfahren entschieden. O'Connor sagt, ihn und sein Team treffe keine Schuld.

Der Fall liegt bereits drei Monate zurück. In der CSI2* Tour von San Miguel de Allende, Mexiko, ritt Cian O’Connor den heute neunjährigen Rheinländer Wallach Pegasus, einen Checkter-Sohn, der seine Karriere mit Manuel Feldmann und Tobias Kuhlage unter dem Namen „Checkmate“ begann. Cian O’Connor reitet den Schimmel seit Mitte 2025.


Bei der routinemäßigen Dopingkontrolle in San Miguel de Allende, wo Pegasus seinen ersten Einsatz in einem 1,45 Meter-Grand Prix hatte, wurde die Substanz Dexamethason gefunden, ein potenter Entzündungshemmer, der der Rubrik „Kontrollierte Medikation“ zuzuordnen ist. Darunter fallen Stoffe, die grundsätzlich bei der Behandlung von Pferden zum Einsatz kommen dürfen, aber nicht auf dem Turnier.


Wenn das Pferd zum ersten Mal positiv auf einen Stoff aus dieser Kategorie getestet wird, hat die „Person Responsible“ – der Reiter, also in diesem Fall Cian O’Connor – die Möglichkeit, das Fast Track Verfahren der FEI in Anspruch zu nehmen. In diesem Fall wird das Paar von dem Turnier, auf dem die positive Probe gezogen wurde, disqualifiziert und es muss eine Strafe gezahlt werden. Allerdings wird keine Sperre verhängt, weder für den Reiter noch für das Pferd.


Cian O’Connor hat diese Option gewählt. Das Pferd wurde von dem Turnier disqualifiziert und es fielen 1500 Schweizer Franken (knapp 1620 Euro) Strafe sowie 1000 Schweizer Franken (knapp 1100 Euro) Kostenerstattung an. Sollte das Pferd in den nächsten vier Jahren noch einmal positiv auf eine Substanz aus dem Bereich „Kontrollierte Medikation“ getestet werden, geht die Sache vor das FEI-Tribunal.


Statement O’Connor


Cian O’Connor sagt, er könne sich nicht erklären, wie die Substanz in den Körper des Pferdes gelangen konnte. Dem Irish Independent sagte er: „Ich habe gegenüber der FEI kategorisch erklärt, dass weder ich noch mein Team dem Pferd derartige Medikamente verabreicht haben.“


Eine potenzielle Ursache sieht er in äußeren Umständen: „In den letzten Monaten bin ich viel von Kontinent zu Kontinent gereist, um an verschiedenen Turnieren teilzunehmen. Dabei habe ich oft örtliche Futtermittel, Einstreu und Transporter benutzt, die nicht mir gehörten oder nicht meiner Kontrolle unterstanden.“


„Ich möchte noch einmal entschieden betonen, dass weder ich noch ein Mitglied meines Teams meinen Pferden während dieser Zeit solche Medikamente verabreicht haben.“


Wir haben bei O’Connors Karlswood-Team noch einmal nachgefragt, ob man inzwischen weiter sei in der Ursachenforschung und werden die Antwort an dieser Stelle ergänzen, sobald sie vorliegt.


Cian O’Connor, Reiter, Unternehmer, verhinderter Olympiasieger


Cian O’Connor ist seit Jahrzehnten eine Bank in der irischen Springsportszene. Bei vier Olympischen Spielen war er dabei, 2012 gewann er mit Blue Loyd in London Einzelbronze. Hinzu kommen vier Einsätze bei Weltmeisterschaften und sechs EM-Starts. 2017 gehörte er zum siegreichen Team bei der Europameisterschaft in Göteborg, wo er außerdem Bronze in der Einzelwertung holte.


Neben seiner eigenen Karriere trainiert Cian O’Connor auch andere Reiter, unter anderem die Wachman-Geschwister vom berühmten Rennstall und Galoppergestüt Coolmore, das inzwischen auch unter Coolmore Showjumping bekannt ist.


Sowohl für sich als auch für seine Schüler hat O’Connor in den vergangenen Jahren einige Pferde gekauft, auch aus Deutschland. So wechselte zum Beispiel nach der EM 2021 David Wills C Vier zu O’Connor und ging mit ihm bei der WM 2022. Danach wurde der Holsteiner Cardento-Sohn weiterverkauft an die für Israel startende Isabella Russekoff.


Von Maurice Tebbel hatte O’Connor im Herbst 2023 den OS-Hengst Chacco’s Light aus der Zucht von Ewald Brüggemann übernommen. Der war damals neunjährig und hatte schon beachtliche Erfolge mit Tebbel vorzuweisen, unter anderem einen Sieg im Nationenpreis von Brüssel. Als O’Connor den Chacco’s Son-Sohn in seinen Stall holte, wurde er umgetauft auf den Namen Fermoy nach einem irischen Ort, wo Coolmore Stud Niederlassungen hat. Auch wird Fermoy inzwischen als Wallach geführt. 2024 platzierte O’Connor sich mit ihm unter anderem in Rotterdam, Hickstead, Dublin und Calgary. 2025 ging der Wallach nur die halbe Saison, war platziert in Rom, aber seit Juni auf keinem Turnier mehr. Für 2026 ist er bei der FEI aktuell noch nicht fortgeschrieben.


Schon als Junior und Junger Reiter war Cian O’Connor hoch erfolgreich. Sein erstes Seniorenchampionat waren die Weltreiterspiele 2002 in Jerez, wo er mit Waterford Crystal am Start war. Das Team belegte Rang sieben. Bei der EM 2003 in Donaueschingen wurden sie Fünfte. 2004 wurden sie für die Olympischen Spielen in Athen nominiert und sprangen dort zum Sieg. Als Olympiasieger darf sich O’Connor dennoch nicht bezeichnen, denn der Titel wurde ihm aberkannt, nachdem Waterford Crystal – übrigens ein Holsteiner v. Landgraf I – bei der Dopingkontrolle positiv auf die verbotene Substanz Fluphenazin getestet worden war. Das ist ein Antipsychotikum, das in der Humanmedizin zur Behandlung von schizophrenen Störungen und ähnlichem verwendet wird.


Ähnliche Beiträge

Kim Emmen und Imagine NOP: Olympia, aber noch nie einen Großen Preis gewonnen – bis heute
Kim Emmen und Imagine NOP: Olympia, aber noch nie einen Großen Preis gewonnen – bis heute Zum Artikel
Descartes – Senkrechtstarter für die Nummer eins der Welt
Descartes – Senkrechtstarter für die Nummer eins der Welt Zum Artikel
Von Aufsteigern und Absteigern
Von Aufsteigern und Absteigern Zum Artikel
WP Wehrmann Publishing