Weltcup-Springen Bordeaux
Jessica Burke holt Sieg für Irland, Deußer und Schewe auf zwei und drei
Dreamteam: Jessica Burke und Good Star du Bary. Foto: Sportfotos-lafrentz.de Es war das erste Mal, dass der Franzose Yann Royant einen Weltcup-Parcours bauen durfte – und das in seiner Heimatstadt Bordeaux. Ja, er sei nervös gewesen, gab er später zu. Aber er hat seine Sache bestens gemacht, wie ihm von allen Seiten bestätigt wurde. Sein Parcours verlangte einen guten Vorwärtsrhythmus, sonst war die Zeit nicht zu schaffen, wie diverse Paare feststellen mussten. Hier hieß es: Wer zu viel zieht, verliert. So ging es beispielsweise Vorjahressieger Martin Fuchs mit Conner Jei.
Anders sah es aus beim Deutschen Vize-Meister Tom Schewe, der in Bordeaux sein Weltcup-Debüt gab, und mit dem erst neunjährigen Congress Blue PS sein Zweitpferd mit nach Bordeaux gebracht hatte, nachdem sein Toppferd Lorenzo ES sich im Training nicht hundertprozentig fit anfühlte, wie er berichtete. Schewe und Congress Blue gelang das, woran zuvor unter anderem ein Julien Epaillard mit Donatello d’Auge gescheitert war: Sie waren das erste fehlerfreie Paar des Abends. Bei einigen Hindernissen hatte der Wallach einen leichten Linksdrall, aber Schewe hielt ihn souverän in der Spur und der Congress-Sohn sprang mit beeindruckender Leichtigkeit fehlerfrei ins Ziel.
Bis Daniel Deußer auf seinem Tobago Z-Sohn Otello de Guldenboom in die Bahn kam waren Schewe und Congress Blue noch die einzigen mit weißer Weste. Aber Deußer lieferte eine Lehrstück in gutem Springreiten. Wie an der Schnur gezogen sah seine Runde im Sattel des zwölfjährigen belgischen Hengstes aus. Damit waren sie Paar Nummer zwei fürs Stechen.
Yuri Mansur gelang das gleiche mit seinem wunderbaren inzwischen 18-jährigen Hannoveraner Valentino-Sohn Vitiki. Und dann war da noch die Irin Jessica Burke auf dem französischen Rock’n Roll Semilly-Sohn Good Star du Bary, der aussieht wie ein Pony, aber springt wie ein Flummi. Der zehnjährige Schimmel war heute nicht nur ein Good Star, er war ein Superstar, feinfühlig von seiner Reiterin begleitet.
Das Stechen
In dieser Reihenfolge startete das Quartett ins Stechen, sprich, der 27-jährige Weltcup-Debütant Tom Schewe machte den Anfang. „Ich bin schon jetzt weiter gekommen, als ich gedacht hätte“, hatte er nach dem ersten Umlauf noch gesagt. Von daher lautete seine Devise im Stechen: „Ihm einen guten Ritt geben und gucken, wie weit wir kommen.“
ACDCs „Thunder“, das den beiden beim Einritt aus den Lautsprechern entgegenschallte, schien ungefähr dem zu entsprechen, was Congress Blue PS gerade fühlte. Er stieg halb, aber Schewe ließ sich gar nicht beeindrucken. Die ersten Hindernisse sahen gut aus, doch dann passierte das, was schon im ersten Umlauf deutlich wurde: Der Wallach drückte etwas nach links und die Stange fiel. Den Rest des Parcours brachten die beiden aber souverän zu Ende. Vier Fehler, 38 Sekunden, schlechtestenfalls wäre das Rang vier. Aber die Konkurrenz musste ja auch erstmal reiten.
Als nächstes waren Daniel Deußer und Otello de Guldenboom an der Reihe. Wieder war es ein Bilderbuchritt. Zumindest bis zur letzten Linie. „Am vorletzten war ich ein bisschen dicht, dadurch wurde es zum letzten zu weit“, resümierte Daniel Deußer später. Was die Zuschauer sahen, war dies: Daniel Deußer gab noch einmal alles auf der letzten Distanz, aber es wurde zu weit zum letzten Oxer und die Stange fiel. Doch die Zeit war sensationell: 35,72 Sekunden, neue Führung.
Dann Yuri Mansur und Vitiki. „Ich bin unglaublich froh, dieses Pferd hier reiten zu können nach allem, was er durchgemacht hat“, sagte der in Belgien beheimatete Brasilianer noch vor dem Stechen. „Er ist für uns mehr als ein Pferd, er ist ein Teil von mir, ein Teil von meiner Familie.“ Wer erlebt hat, wie sich der Hengst beim CHIO Aachen 2018 im Preis von Europa das Fesselgelenk brach und danach verfolgt hat, wie das ganze Team um das Leben dieses Pferdes gekämpft hat, versteht, was er meint. Nun ist Vitiki 18-jährig und fitter denn je, wie er auch heute wieder zeigte. Dennoch, auch bei ihnen fiel eine Stange. Mit 38,93 Sekunden reihten sie sich hinter Tom Schewe ein.
Nun hatte Jessica Burke es in der Hand. Sie hatte die beste Ausgangsposition musste „nur noch“ null reiten, um ihren ersten Fünf-Sterne-Sieg zu holen. Das gelang ihr und ihrem Good Star spielend. Mit der einzigen Doppelnull des Abends holten sie den Sieg nach Irland. „Der Besitzer feiert hier heute seinen Geburtstag, meine Freunde sind hier, ich bin einfach überwältigt“, sprudelte es aus ihr heraus, während sie die Freudentränen kaum zurückhalten konnte. Besonders glücklich war sie aber ihren Partner unter den Sattel. „Auf dem Abreiteplatz ist er total entspannt. Aber wenn er in den Parcours kommt und sieht die Zuschauer, wächst er über sich hinaus“, beschrieb sie. „Er ist das einzige Pferd, das ich auf diesem Niveau habe. Das ist mein erster Fünf-Sterne-Sieg, wir waren so oft dicht dran und nun hat es geklappt“, jubelte sie.
Daniel Deußer wurde Zweiter, Tom Schewe Dritter und Yuri Mansur reihte sich an vierter Stelle ein.
Ziel: Fort Worth
Mit diesen 20 Punkten für Platz eins hat sich Jessica Burke nun auf Rang sieben der Weltcup-Wertung vorgeschoben und damit ihr großes Ziel, das Weltcup-Finale in Fort Worth, so gut wie erreicht. Dorthin will auf Daniel Deußer, wie er versicherte. Er ist nun Fünfter hinter Richard Vogel und plant mit Othello für den Start in Texas.
Michael Jung konnte sich nach elf Punkten für den sechsten Platz in Leipzig heute immerhin fünf Zähler dazu verdienen, nachdem er seinen Fischerheros Z mit einem Bilderbuchritt, aber leider einem Spring- und einem Zeitfehler auf Rang zwölf platziert hatte. In der Gesamtwertung des Rankings müsste er allerdings noch einiges aufholen, um den Cut für die besten 18 Reiter aus der Westeuropa-Liga zu schaffen, die im Finale dabei sein dürfen.
Gute Chancen hat aus deutscher Sicht noch Philipp Schulze-Topphoff, der derzeit 17. ist.
Zwei Qualifikationen stehen noch aus: Göteborg (18.bis 22. Februar) und Helsinki (26. Februar bis 1. März). Das Finale findet vom 8. bis 12. April in Fort Worth statt.