Großer Preis von Münster an Hans-Thorben Rüder, tragisches Unglück bei Katrin Eckermanns Casa Blue PS

Springen
Hans-Thorben Rüder. Foto: sportfotos-lafrentz.de Hans-Thorben Rüder. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Der Große Preis hätte der feierliche Schlusspunkt des traditionsreichen Agravis-Cups in der Halle Münsterland werden sollen und sah mit Hans-Thorben Rüder auch einen verdienten Sieger. Jubelstimmung wollte sich dennoch nicht einstellen. Aus gutem Grund.

Hans-Thorben Rüder und seine athletische 16-jährige Captain Fire-Tochter Courage waren gleich das zweite Paar im Stechen um den Großen Preis von Münster und legten eine starke 34,42 Sekunden-Runde ohne Fehler hin.


Rüder sah aus, als könnte er selbst nicht glauben, was er da gerade geschafft hatte, schüttelte den Kopf und klopfte seiner Stute immer wieder dankbar den Hals. „Thorbi, geht’s dir gut“, fragte Hallensprechen Carsten Sostmeier über Lautsprecher. „Mehr oder weniger“, signalisierte die Handbewegung von Rüder, der in der Halle Münsterland 2011 schon einmal den Großen Preis hatte gewinnen können, aber nach eigener Aussage schon fast nicht mehr dran geglaubt hatte, dass ihm das noch einmal gelingen würde.


Paula de Boer-Schwarz war als nächste dran mit ihrer My Miss Marple, hatte aber einen Abwurf und die Zeit hätte ebenfalls nicht gereicht.


Ein Riesenschreck


Dann Auftritt Katrin Eckermann mit der elfjährige Casallco-Tochter Casa Blue PS, die zum Kreis der Favoriten gehörten. Tatsächlich flog die Stute mühelos über den 1,55 Meter-Kurs. Doch nach Hindernis 5, einem Steilsprung in der Wendung zum Ausgang, landete sie so unglücklich, dass sie mit dem rechten Vorderbein nicht mehr auftreten konnte. Katrin Eckermann reagierte sofort und sprang aus dem Sattel, noch ehe Casa Blue zum Stehen gekommen war. Ein Schock. Für einen Moment hielt die Halle Münsterland den Atem an.


Das Tierärzteteam reagierte so schnell wie Eckermann aus dem Sattel gesprungen war. Die Helfer waren sofort zur Stelle. Die Stute konnte aus der Halle in den Vorraum geführt werden, wurde stabilisiert, medikamentös versorgt und für den Transport in die Klinik vorbereitet.


Derweil konnte Johannes Ehning, der bereits in der Bahn gewesen war, sein Stechen mit Classic Donna in Angriff nehmen und war nur drei Hundertstel Sekunden langsamer als Rüder. Er musste allerdings eine Weile Schritt reiten nach seinem Auftritt, denn im Vorraum hatte man die Trennwand des Notfallanhängers herausgenommen, um Casa Blue PS das Einsteigen zu erleichtern, und ehe die Stute abtransportiert werden konnte in Richtung Klinik, musste die Trennwand wieder arretieren werden, um dem Pferd den nötigen Halt während der Fahrt zu geben. Dementsprechend dauerte es etwas, bis Ehning die Halle verlassen und das Stechen fortgesetzt werden konnte.


Noch zweimal tief durchatmen


Das nächste Paar, das den Parcours in den Angriff nahm, waren Kathrin Müller und ihre Beauty Queen Z. Die beiden ließen mit einer stilistisch feinen Runde den Schreckmoment etwas in den Hintergrund rücken, blieben fehlerfrei und wurden am Ende Dritte. Man sah Müller allerdings im Gesicht an, dass das auch für die Reiter eine schlimme Situation war.


Ob es das Bewusstsein war, dass so ein Unfall immer und zu jeder Zeit passieren kann, oder ob die längere Pause zwischen Umlauf und Stechen der Grund war, jedenfalls war bei den beiden nachfolgenden Paaren der Wurm drin. Sowohl Gerrit Nieberg mit IB Queen als auch Philipp Schulze Topphoff mit Corny M erwischten jeweils eine Distanz so unglücklich, dass sie einen Sprung voll mitnahmen. Glücklicherweise ist nicht noch einmal etwas passiert.


Oliver Schulze Brüning, der Vorsitzende des Reiterverbands Münster, hätte bei der letzten Platzierung des Wochenendes etwas zum 100jährigen Bestehen des gastgebenden Verbandes und dem 100. Geburtstag der Halle Münsterland sagen sollen, wo im April 1926 das erste Reitturnier stattfand. Doch dafür war dies nicht der passende Augenblick, das war allen klar. Alles, was gesagt wurde, bezog sich auf das Unglück, das gerade geschehen war. Schulze Brüning war sichtlich mitgenommen, als er erklärte: „Ich kann an dieser Stelle noch nichts zu einer Diagnose sagen. Die Stute war ganz ruhig und wir haben alles, was möglich war, für sie getan. Aber so eine Situation, die lässt niemanden kalt …“


Wenn es ein Update gibt, werden wir dieses melden. Bis dahin heißt es Daumendrücken.


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