Weltcup der Springreiter in Göteborg
Greve und Grandorado gewinnen in Göteborg
Der erste 1,60 Sieg für Willem Greves Grandorado. Foto: GHS/Kim C. Lundin Acht der 36 Paare in der Weltcup-Etappe von Göteborg schafften es ins Stechen, darunter Daniel Deußer mit Otello de Guldenboom, der sich wunderte, dass es so viele Nuller über den von Peter Schumacher gebauten Kurs gab. „Der Parcours war schwierig, damit habe ich nicht gerechnet“, kommentierte Deußer im FEI Interview. Angesichts der bestechenden Form, die Otello am Freitag und in der Nullrunde im ersten Umlauf demonstriert hatte, war Deußer guter Dinge und voller Tatendrang in Bezug auf die Entscheidung. „Ich will etwas riskieren, das Ziel sind die Top drei“, so die aktuelle Nummer 30 der Weltrangliste. Aber mit dem Ziel stand er nicht alleine da. Der Reihe nach.
Das Stechen
Erstes Paar im Stechen waren der Norweger Johan-Sebastian Gulliksen und sein 14-jähriger KWPN-Wallach Harwich VDL v. Arezzo VDL. Vor allem mit diesem Pferd war Gulliksen in den letzten Wochen von Erfolg zu Erfolg gesprungen, war Siebter in Verona, Dritter in Basel jenseits des Weltcups noch weitere zwei Male Dritter in Hongkong. Heute fiel allerdings eine Stange im Stechen am Liverpool. Mit vier Fehlern in 41,79 Sekunden setzten sie einen ersten Maßstab.
Dreamteam der Niederlande
Das nächste Paar auf der Starterliste waren Kim Emmen und Imagine, die Sieger im Großen Preis von Basel und Siebten des Weltcups von Amsterdam. Das Olympiapaar gehört zu den beständigsten Größen im internationalen Springsport und das vollbesetzte Scandinavium erlebte in den nächsten 42,65 Sekunden, warum. Der 13-jährige Cassini Gold-Sohn schien die Wendungen schon zu erahnen, noch ehe seine Reiterin sie aktiv eingeleitet hatte, und er springt wie Pegasus. Dabei hat er allerdings eine Riesenübersetzung, die wendigeren Pferden mit höherer Frequenz im Galopp Chancen offen lässt. Doch vorerst übernahmen die beiden mit ihrer fehlerfreien Runde die Führung.
Untypischer Fehler
Nach Emmen und Imagine folgte ein weiteres niederländisches Paar, das eine noch viel beeindruckendere Erfolgsbilanz aufzuweisen hat: Harrie Smolders und der Holsteiner Monaco. Der Cassini II-Sohn wirkt mit seinen 17 Jahren aus, als sei er in der Form seines Lebens und so gingen die beiden auch die ersten Sprünge des Stechens an. Doch nach einem mächtigen Oxer im ersten Drittel versuchte Smolders eine besonders enge Wendung zum nächsten Steilsprung. Die Distanz passte überhaupt nicht – zu dicht für einen weiteren Galoppsprung, zu weit, um das Hindernis fehlerfrei überwinden zu können. Monaco sprang dennoch mutig los. Doch das konnte er nicht schaffen. Er nahm die Stange voll mit. Smolders reagierte blitzschnell und nahm ihn aus der Distanz heraus, ritt in Ruhe weiter, sortierte erst alles, bis er den Rest des Stechens fehlerfrei nach Hause brachte. Somit hatte er zudem Abwurf bewusst noch eine Verweigerung kassiert – aber das Vertrauen seines Pferdes behalten.
Mansur mit Weltcup-Newcomer
In bestechender Form reitet derzeit auch Yuri Mansur. Heute hatte er den elfjährigen Zangersheider Wallach Elano de Laubry Z gesattelt, einen kantigen Dunkelfuchs, den der in den Niederlanden beheimatete Brasilianer seit gut einem Jahr reitet und der unter ihm riesig wirkt. Das heute war das erste Weltcup-Springen für ihn und er hat die Feuertaufe mit Bravour bestanden: fehlerfrei, aber mit 44,13 Sekunden langsamer als Emmen.
Ausgerechnet der letzte …
Dann war Daniel Deußer an der Reihe. Er hatte es ja angekündigt, heute wollte er einen raushauen. Das tat er auch. Acht der neun Sprünge im Stechen gelangen wie aus dem Lehrbuch. Auf den letzten Steilsprung zu machte Deußer seinen Otello noch einmal schnell, nahm in dann noch mal kurz auf, damit er nicht flach wurde. Doch so vorsichtig und geschickt der Tobago Z-Sohn an allen anderen Hindernissen war, diesmal nahm er mit der Hinterhand die oberste Stange voll mit. Otello bockte, als würde er sich selbst ärgern, Deußer drehte sich um und sah die Bescherung. Die verständliche Enttäuschung stand ihm ins Gesicht geschrieben, denn die Zeit von 40,24 Sekunden wäre kaum zu schlagen gewesen. Nein, sie war nicht zu schlagen, schneller war keiner.
Nummer zwei in Gelb
Yuri Mansur hatte nach seinem Stechen gerade genug Zeit, um den Ritt seines Mitarbeiters und Kollegen Eiken Sato zu verfolgen. Der Japaner reitet ja seit einem guten halben Jahr für Mansur und ist seither hoch erfolgreich unterwegs. Auch in Göteborg war er mehrfach vorne platziert und hatte da schon gesagt, dass es sein Ziel an diesem Wochenende ist, Punkte fürs Weltcup-Finale zu sammeln. Das ist ihm gelungen. Mit dem 15-jährigen OS-Wallach Chadellano v. Chacco Blue war er sogar noch ein bisschen schneller als sein Chef: 43,46 Sekunden. Damit wurde er am Ende Vierter des heutigen Tages und ist nun Nummer zwölf im Weltcup Ranking der Westeuropa-Liga. Da nur noch eine Etappe vor dem Finale in Fort Worth kommt, dürfte er sein erstes Saisonziel, die Qualifikation für Texas, in der Tasche haben, wenn nicht noch ganz viel schief geht.
Sensationelle Indiana
Die Zuschauer jubelten, Sato bedankte sich lächelnd und winkend. Doch das war noch gar nichts gegen die Welle der Begeisterung, die durchs Skandinavium wogte, als das nächste Paar die Arena betrat: die Mannschaftsolympiasiegerinnen und -weltmeisterinnen Malin Baryard-Johnsson und Indiana. 18 Jahre alt ist diese Kashmir van Schuttershof-Tochter nun und seit Jahren eines der erfolgreichsten Pferde Schwedens. Eine echte Bank, genau wie ihre Reiterin. Sie wurden mit Sprechchören in Empfang genommen. Aber Baryard-Johnsson hatte ihr Gameface aufgesetzt und Indiana auch. Die beiden kennen sich so gut und das sieht man bei jedem (Galopp-)Sprung. Ihnen gelang die Wendung perfekt an der Smolders und Monaco gescheitert waren. Bis zum letzten Hindernis sah es so aus, als könnten die beiden Kim Emmen und Imagine schlagen. Doch 0,25 Sekunden fehlten. Die Zuschauer waren dennoch aus dem Häuschen.
Es war die 77. Nullrunde für Indiana über 1,60 Meter. Unglaublich? „Wenn man das Glück hat, ein solches Pferd zu haben, ist nichts unmöglich“, so Malin Baryard-Johnsson.
Greve the Great
Als letztes Paar betraten schließlich Willem Greve und sein 15-jähriger Eldorado van de Zeshoek-Sohn Grandorado die Arena. Sie legten los. Gleich am zweiten Hindernis, einem mächtigen Oxer, klapperte es deutlich. Doch das Glück war mit den Tüchtigen und den Rest des Parcours brachten die beiden fehlerfrei und souverän ins Ziel. Und schnell. Am Ende konnten sie Kim Emmen und Imagine noch 0,46 Sekunden abnehmen. Die Halle tobte, Greve deutete mit dem Zeigefinger gen Himmel. Ja, der Neumünster-Champion hatte erneut geliefert. Er war letzter Starter und stand damit als Sieger fest.
Obwohl er schon unzählige Nationenpreise fehlerfrei überwunden hat, war dies für Grandorado der erste Sieg über 1,60 Meter, während es der dritte Weltcup-Saisonsieg nach Verona und Stuttgart mit Pretty Woman van’t Paradijs für seinen Reiter war. Greve freute sich vor allem für seinen Hengst.
„Seit zehn Jahren sind wir nun ein Team und unsere Partnerschaft wird noch immer besser und besser. Dass er seiner Erfolgsliste nun diesen Sieg hinzufügen kann, macht mich glücklich“, so der Niederländer, der nun die Qual der Wahl hat, welches seiner Toppferde er mit zum Finale nimmt. In die Karten wollte er sich in dieser Hinsicht noch nicht schauen lassen.
Die weiteren Platzierten und mehr aus Göteborg
Kim Emmen musste sich mit Rang zwei zufrieden geben. Malin Baryard-Johnsson und Indiana wurden Dritte, gefolgt von Eiken Sato und Yuri Mansur. Daniel Deußer war mit dem schnellsten Vier-Fehler-Ritt Sechster vor Gulliksen und Smolders.
Für den Rest der Deutschen lief es nicht ganz so gut wie für Deußer im Weltcup. Patrik Stühlmeyer auf Baloutaire PS, Philipp Schulze Topphoff mit Carla und Sandra Auffarth mit Quirici H kamen jeweils mit acht Strafpunkten aus dem Parcours. 20 wurden es für Johanna Beckmann und Emelie van de Mirania Stam. Kleiner großer Trost: In den Rahmenspringen gab es noch diverse Schleifen.
Gestern Mittag sicherte sich Sandra Auffarth auf dem selbstgezogenen Comme il faut-Sohn Comcador den dritten Platz in einem 1,50 Meter-Zeitspringen, in dem Patrick Stühlmeyer auf Chaccothargo und Daniel Deußer mit Bingo Ste Hermelle zudem Achte und Neunte wurden.
Und ehe es heute um Weltcup-Punkte ging, war ein 1,45 Meter-Zeitspringen die erste Prüfung des Tages, in der Auffarth und Comcador erneut fehlerfrei auf den dritten Platz sprangen. Philipp Schulze Topphoff ritt Vivantas auf Rang fünf und auf dem elften Platz gab es ein Wiedersehen mit Daniel Deußers Killer Queen. Für die nun 16-jährige Aachen-Siegerin war dies heute der erste CSI seit August letzten Jahres und sie sprang entspannt und fehlerfrei ins Geld.
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