Goldfever lebt nicht mehr. Nachruf auf Ludger Beerbaums Hannoveraner Hengst

Goldfever – Springsportlegende verstorben

Springen
Goldfever auf dem Weg zum Sieg im Großen Preis von Aachen 2002 mit Ludger Beerbaum. Foto: toffi-images.de Goldfever auf dem Weg zum Sieg im Großen Preis von Aachen 2002 mit Ludger Beerbaum. Foto: toffi-images.de
Der Hengst Goldfever lebt nicht mehr. Mit 35 Jahren musste Ludger Beerbaum Abschied nehmen von dem Hannoveraner Hengst, mit dem er mehr als zehn Jahre die Welt bereist hat und der ihn über Olympia-Parcours und zu Championatsmedaillen getragen hat. Ein Nachruf.

Im Leben von Goldfever war nicht Ludger Beerbaum der erste wichtige Mann, sondern Sigurd Hochmuth. 1991 brachte in dessen Stall die Stute Gundula v. Galvano-Damhirsch ein Fuchsfohlen zur Welt: Goldfever. Grosso Z ist der Vater des Hannoveraners, der 1993 in der Niedersachsenhalle in Verden gekört wird und zu den besten Springhengsten seines Jahrgangs zählt. Einen Eindruck, den er auch bei der Hengstleistungsprüfung 1994 unterstreichen kann: Als fünftbester Springhengst der damals noch 100 Tage dauernden Überprüfung der Junghengste schließt er diesen ersten Karriereschritt in Leistungsklasse I ab, mit 122,63 Punkten.


Mit fünf Jahren der erste Turnierstart für Goldfever


Die Sportkarriere begann im Juni 1996 in Badenstedt. In dem Stadtteil von Hannover gab der Hannoveraner sein Debüt: Achter in einer Springpferdeprüfung Klasse A, Vierter in Springpferdeprüfung Klasse L. Man sieht: Der Grosso Z-Sohn war schon damals zu Höherem berufen. Nach Siegen bis Springpferdeprüfung Kl. M ging der Fuchshengst dann im Oktober einmal unter Michael Aabo. Anschließend nahm der damals bei Ludger Beerbaum angestellte Dirk Ahlmann, heute besser als Vater von Hannes und Pheline Ahlmann bekannt, im Sattel Platz. Der ritt ihn auch im Finale des Bundeschampionats 1997, wo das Paar Achte im Stechen eines hochkarätig besetzten Feldes wurde. Der heute als Springpferdevererber bekannte Landor S gewann mit Gerd Sosath, Marcus Ehning wurde mit der späteren Weltcupsiegerin (2002), Anka, Zweiter. Ahlmann ritt den Grosso Z-Sohn in der kommenden Saison auch in seinen ersten S-Springen. Entdeckt hatte Dietrich Schulze den Hengst auf einem ländlichen Turnier.


Ludger Beerbaum übernimmt Goldfever 1998


Ab dem Herbst 1998 wurde der Hengst dann zur „Chefsache“. Ludger Beerbaum ritt Goldfever das erste Mal bei den damals in der Bremer Stadthalle ausgetragenen „German Classics“. Drei Starts, drei Platzierungen – der Beginn einer Karriere, die die beiden in die ganze Welt führen sollte. Dass der erste Sieg ausgerechnet im Berliner Reit-Olympiastadion im Mai 1999 geschah, dürfte für die Besitzer, Madeleine Winter-Schulze und ihren Mann Dietrich, „Dieter“, ein besonderes Erlebnis gewesen sein. Auch wenn die beiden schon lange in der Wedemark nördlich von Hannover ihren Hof hatten, waren sie ihrer Heimat Berlin immer stark verbunden. „Mit Herz und Schnauze“ eben – für Dieter ist Goldfever übrigens stets nur „mein kleener Hooligan“.


 


Frühes Mannschaftsgold bei Olympia


Weitere zehn Jahre sollten Goldfever und Ludger Beerbaum in den Springarenen der Welt erfolgreich unterwegs sein. Seine größten Erfolge feierte das Duo in den Jahren zwischen 2000 und 2007. Im Jahr 2000 gab es bereits das erste Highlight: Mit der deutschen Equipe gewann der damals neun Jahre junge Grosso Z-Sohn Mannschaftsgold bei den Olympischen Spielen von Sydney.


Auch in den Folgejahren lief es rund für die zwei. Unter anderem konnten die beiden die schwersten Großen Preise der Welt, den im kanadischen Spruce Meadows und den in Aachen für sich entscheiden, beide im Jahr 2002. Wobei das Riesenbecker Dreamteam den Triumph in der Soers 2003 wiederholte. „Ludger macht’s nochmal“ titelte ein überregionales Fachmagazin damals.


Im selben Jahr fanden die Europameisterschaften in Donaueschingen statt. Es kommt zu einem rein deutschen Podium: Christian Ahlmann wird Europameister, Beerbaum und Goldfever gewinnen Einzelsilber vor Marcus Ehning und For Pleasure. Gemeinsam mit dem Vierten im Bunde, dem heutigen Bundestrainer Otto Becker und Cento, hatte zuvor Deutschland auch den Teamwettbewerb für sich entschieden. Das Olympiajahr 2004, an historischem Ort, in Athen, kann kommen.


Olympia 2004 und das Betamethason


Nach u.a. Platz sechs im Großen Preis von Aachen in diesem Jahr wird das Paar für Athen nominiert. Dort gewinnt Deutschland den Mannschaftswettbewerb. Doch dann der Schock für Team Germany: In der Dopingprobe von Goldfever wird Betamethason nachgewiesen. Das synthetisches Glukokortikoid (Cortison-Abkömmling) hat entzündungshemmende, antiallergische und immunsuppressive Wirkung – eine „verbotene Substanz“. Beerbaums Erfolge in Athen werden gestrichen, Deutschland verliert die Goldmedaille, landet auf dem Bronzerang. Immer wieder hat Ludger Beerbaum darauf hingewiesen, dass lediglich eine Scheuerstelle in der Fesselbeuge mit einer Salbe behandelt worden war, in der der besagte Wirkstoff enthalten war. Er kämpfte gegen die Disqualifikation an, klagte beim internationalen Sportgerichthof CAS (Court of Arbitration). Doch auch diese letzte Instanz entschied im September 2005 gegen Beerbaum. Unterm Strich war die Saison 2004 dennoch eine der erfolgreichsten in der gemeinsamen Karriere.


Nochmal aufs Podium bei der EM 2007


In den kommenden Jahren trug Goldfever noch einiges zu den mehr als 2,8 Millionen Euro bei, die das Paar in der Karriere gewonnen hat. Zu diesem Zeitpunkt ist der Grosso Z-Sohn längst mit dem FRH Signum im Namen als besonderer Werbeträger für seinen Hannoveraner Heimatverband ausgezeichnet. Und die beiden schafften es noch einmal in eine deutsche Championatsauswahl: Bei der Europameisterschaft in Mannheim gibt es Mannschaftssilber und Einzelbronze.


Dieter, „der kleene Hooligan“ und die Nerven


Für einen waren die Auftritte von Goldfever und Ludger Beerbaum stets eine besondere Herausforderung: Dieter Schulze war bekannt dafür, bei jedem Ritt „seiner“ Pferde mitzufiebern. Aber wenn Goldfever in die Bahn kam, stieg die Schulz’sche Fieberkurve so dramatisch an, dass Madeleine Winter-Schulzes Ehemann sich umdrehte. Er konnte es einfach nicht ertragen, zuzuschauen. Wenn dann der Jubel aufbrauste, Goldfever und Ludger im Ziel waren, und womöglich auch noch als Sieger auf die Ehrenrunde gebeten wurden, dann freute sich niemand mehr als Dieter Schulze. Wobei diesbezüglich seine Frau „Mado“ die härteste Konkurrentin darstellte.


2009 Abschied in Aachen


Ende Mai 2009 ging Goldfever mit Ludger Beerbaum in Hamburg Klein Flottbek seinen letzten Parcours. Da war er 18 Jahre alt und immer noch gut für eine Platzierung. Ein Champion geht eben stolz erhobenen Hauptes. Und ein Macho wie Goldfever es Zeit seines Lebens war, erst recht. Sein Abschied aus dem Sport wurde in Aachen zelebriert. „Let me entertain you“ schallte Robbie Williams über das Stadion der Soers. Das hatte sich Marie Johnson, lange Jahre Chefpflegerin von Ludger Beerbaum und immer an Goldfevers Seite, so gewünscht. Der Abschied war mehr als nur eine Kurzlaudatio und der obligatorische Korb voller Möhren. Goldfever wird von anderen Rentern aus den Beerbaum Stables abgeholt in der Soers, Ratina und Champion de Luze beispielsweise. Große Emotionen für einen vom Stockmaß her gar nicht mal so großen Hengst.


Zucht im Vordergrund für Aktivrentner Goldfever


Hatte der Deckeinsatz während des Sporteinsatzes pausiert, so konnte sich der Fuchshengst nun wieder vermehrt seinem Job als Vererber widmen. Seine größte Werbeträgerin war dabei stets in Rufnähe: Gotha, 2001 bei Jan Minners geboren, bescherte Ludger Berbaum nicht nur Starts bei den Weltcup-Finals 2010 und 2011, sondern auch Mannschaftsgold bei der EM in Madrid 2011. Später nahm die drahtige Stute unter Henrik von Eckermann an Europa- und Weltmeisterschaften teil.


Mehrere gekörte Söhne und etliche S-erfolgreiche Springpferde stehen für Goldfevers Erbe, züchterisch und sportlich.


5 Dinge über Goldfever, jenseits des Parcours


Webcam-Star


Als das Internet noch etwas war, das man erklären musste, war Goldfever das erste Pferd, das man via Webcam beim Tagesablauf begleiten konnte. „Und wenn er mal nicht in seiner Box war, dann haben die Leute angerufen und gefragt, was mit ihm los ist“, erinnert sich Susanne Strübel, Pressesprecherin der Beerbaum Stables gegenüber EQUI PAGES.


Isabell Werth …


…hat ihn auch geritten. Im Rahmen einer Showeinlage setzte sich Isabell Werth in den Sattel von Goldfever und ritt freudig strahlend Traversalen und fliegende Galoppwechsel. Luder Beerbaum durfte derweil Platz auf Apache, einem von Werths Dressurpferden und Madeleine Winter-Schulzes damaligen Lieblingspferd, nehmen. Angesichts der längeren Bügel gelang sein Strahlen nicht ganz so überzeugend wie das der Olympiasiegerin.


Isabell Werth und Goldfever, Foto: Beerbaum Stables

„Hengst des Jahres“


2010 zeichnete der Hannoveraner Verband Goldfever mit diesem Titel aus. Züchter Sigurd Hochmuth, Meerbeck, stand da als „Vater des Erfolgs“ noch einmal im Mittelpunkt. Züchterisch interessant: Die G-Linie (Goldfisch II) trifft man in der väterlichen und der mütterlichen Abstammung. Außerdem ist sein Großvater Goliath II Z ein mütterlicher Halbbruder zu Argentina Z v. Almé. Also der Stute, die die Olympiasiegerin Ratina Z fohlte.


Nach Frankreich, der Liebe wegen


Einige Zeit war Goldfever nach dem Ende seiner Sportkarriere in Frankreich als Deckhengst tätig. Seine Gene waren international begehrt.


Immer ein Macho


Noch mit mehr als 30 Jahren war sich Goldfever seiner Ausnahmeposition bewusst. Wer dachte, dass er jenseits der 30 mal etwas weniger forsch auftreten würde, sah sich getäuscht. Mit „motzig“ gewölbtem Hals wies er alle in die Schranken, die ihm nicht mir der ihm gebührenden Ehrerbietung begegneten.


Tod mit 35 Jahren


Goldfever (1992-2026) mit Ludger Beerbaum und Marie Johnson Goldfever (1992-2026) mit Ludger Beerbaum und Marie Johnson. Foto: Beerbaum Stables


„Natürlich sind wir heute alle sehr traurig, dass Goldfever nicht mehr unter uns ist – aber wir blicken auch alle mit großer Dankbarkeit und ein bisschen Stolz auf die Erfolge und die gemeinsame Zeit zurück“


Das sagt Ludger Beerbaum am 14. Januar 2026. In seinen Abschiedsworten schließt er ausdrücklich Marie Johnson und Petra Schmid, die sich bis zu Goldfevers letztem Tag um den Grandseigneur von Riesenbeck gekümmert hat, mit ein.


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