Weltcup-Finale der Springreiter 2026, zweite Wertung

Farrington zum Zweiten mit perfektem Auftritt beim Weltcup-Finale 2026

Springen
Dreamteam: Kent Farrington und Greya. Foto: Archiv sportfotos-lafrentz.de Dreamteam: Kent Farrington und Greya. Foto: Archiv sportfotos-lafrentz.de
Kent Farrington hat in der zweiten Wertungsprüfung des Weltcup-Finales der Springreiter 2026 erneut eine Lehrstunde guten Springreitens gegeben. Die Bilanz aus deutscher Sicht fällt gemischt aus.

Tag zwei beim Weltcup-Finale der Springreiter 2026. Einer der im Vorfeld als Favorit gehandelt wurde, verzichtete auf den Start: Willem Greve, der einzige Niederländer. Er war als Führender der Westeuropa-Liga nach Fort Worth gereist. Doch nachdem sich seine Pretty Woman van’t Paradies gestern nicht in gewohnter Form präsentierte, beschloss er, sie in den weiteren Prüfungen gar nicht mehr einzusetzen.


Einfacher als gestern war der Parcours heute nicht, im Gegenteil. Wie bei einem Championat zu erwarten, hatten Parcourschef Anderson Lima (MEX) und sein Team den Teilnehmern der zweiten Wertungsprüfung im Weltcup-Finale der Springreiter 2026 einige Nüsse zu knacken gegeben.


Zwei zweifache Kombinationen und eine Dreifache mit einem mächtigen Oxer in der Mitte, dazu einige „Hingucker-Sprünge“ und ein Aufbau, der keinen Rhythmusverlust verzieh, führten zu zahlreichen Abwürfen und manchem Favoritensturz – zum Teil im wahrsten Sinne des Wortes wie bei Richard Vogel und Gangster Montdesir, die einen tollen Anfang erwischt hatten, aber keine Distanz auf den Oxer zur letzten Linie fanden. Vogel gab einen Impuls nach vorne, Gangster reagierte, hatte einen Abwurf, rettete sich über die zweifache Kombination, aber auf den letzten Oxer passte es überhaupt nicht mehr. Der Kannan-Sohn sprang eher durch statt über den Sprung, Vogel verlor die Balance und kam aus dem Sattel. Das war ein Schreck, aber beide Vogel und Gangster verließen den Parcours gesund und munter.


Diese letzte Linie war eine der Hauptfehlerquellen des ersten Umlaufs. Auch Patrick Stühlmeyer und Baloutaire PS hatten wieder am letzten Sprung einen Abwurf. Es sah allerdings so aus, als habe der Hengst sich schon vorher ins Eisen getreten und außerdem hatten sie einen Abwurf am Liverpool, wo der Rappe einmal ins Wasser schaute und kurz abgelenkt schien. Aus der Traum.


Daniel Deußers Otello de Guldenboom sprang auch heute überragend, aufmerksam, vorsichtig und kraftvoll. An dem mittleren Oxer der Dreifachen musste er sich mächtig strecken. Am Aussprung fehlte die Kraft beim Absprung. Der Hengst schnickte noch einmal mit der Hinterhand aus, um Höhe zu gewinnen, doch er streifte die Stange und die fiel. Kein Stechen für diese beiden.


Das Highlight aus deutscher Sicht waren René Dittmer und Cody. Souverän ist das Wort, das einem im ersten Umlauf der beiden sofort in den Sinn kam. Für den Mann aus Stade ist es das erste Weltcup-Finale und er präsentierte sich und sein Pferd in Topform. Mit einer ideal eingeteilten Runde qualifizierten sie sich als eines von nur sieben Paaren fürs Stechen.


Das Stechen


Hier trafen sie auf Favoriten und Überraschungen. Zu letzteren zählten die im Stall Hendrix beheimatete Norwegerin Oda Charlotte Lyngvaer und ihre zwölfjährige Carrera VDL-Tochter Carabella vd Neyen Z. Nach ihrer Nullrunde im ersten Umlauf sollte sie etwas über ihre Stute sagen – ging nicht. Da flossen sofort die Tränen der Rührung, sprechen nicht möglich. Aber reiten ging noch. Die beiden machten den Anfang im Stechen und lieferten erneut eine Nullrunde, die mit 35,95 Sekunden zudem ziemlich schnell war.


Die Freude währte allerdings nicht lange, denn als nächstes traten Japans Eiken Sato und ein bestens aufgelegter Chadellano JRA an. Der athletische Chacco-Blue Sohn flog nur so über den Parcours und erreichte das Ziel in 34,90 Sekunden. Neue Führung für das Duo aus dem Stall des Brasilianers Yuri Mansur.


Katie Dinan (USA) und die wunderbare Schimmelstute Out of the Blue gehörten ebenfalls zu den Überraschungen im Stechen und ließen die Herzen der US-Fans in der schätzungsweise knapp zur Hälfte gefüllten Dickies Arena höher schlagen, als sie als nächstes die Startlinie kreuzten. Im Normalparcours war der von Beat Mändli trainierten US-Reiterin eine wunderbare Runde gelungen. Fürs Stechen hatte sie sich vorher gar keinen Plan gemacht, verriet sie später. Vielleicht war das ihr Fehler, jedenfalls fielen zwei Stangen.


Dann hieß es Daumen drücken für René Dittmer und Cody. Den ersten Sprung erwischten sie perfekt und bereits in klarem Vorwärtsrhythmus. Am zweiten Sprung wurde der Cascadello-Sohn eine Nuance zu flach. Vier Strafpunkte in 36,06 Sekunden, am Ende Platz sechs.


Kevin Staut (FRA) reitet sein sage und schreibe 15. Weltcup-Finale und das vierte in Folge mit der 17-jährigen Toulon-Tochter Visconti du Telman. Nachdem sie sich im ersten Umlauf mit einer guten Portion Glück ins Stechen geklappert hatten, drehte die Stute hier auf: fehlerfrei, 35,79 Sekunden. Der vorläufig zweite Platz hinter Eiken Sato und vor Oda Charlotte Lyngvaer.


Nun kamen nur noch die großen zwei, Steve Guerdat (SUI) mit Iashin Sitte und Kent Farrington auf Greya. Beide hatten sich schon im Umlauf in absoluter Topform gezeigt. Konnte man Steve Guerdat gestern nach dem Zeitspringen trotz Nullrunde seine Unzufriedenheit mit seinem eigenen Reiten im Gesicht ablesen, strahlte er heute übers ganze Gesicht. Iashin ist bestens aufgelegt, zeigte das auch im Stechen, hatte aber ebenfalls einen Flüchtigkeitsfehler am zweiten Hindernis, ähnlich wie Dittmers Cody. Aber sie waren etwas schneller als das deutsche Duo und belegten schlussendlich Rang fünf.


Was würde nun der Führende Kent Farrington machen? Toulayna, die ihn gestern im Zeitspringen zum Sieg getragen hatte, hat ihren Job für dieses Wochenende gemacht. Für die Entscheidungen setzt Farrington auf die Colestus-Tochter Greya, die eine 63-prozentige Null-Fehler-Quote vorweisen kann, wie EQUI RATINGS ermittelt hat. Heute konnte die Stute ihre Quote noch ein bisschen aufpolieren.


„Sie hat einmal mehr gezeigt, wie unglaublich sie ist“, resümierte ein strahlender Kent Farrington nachdem die beiden in fehlerfreien 34,36 Sekunden zum Sieg geflogen waren. Aber es ist nicht nur diese super athletische und vorsichtige Stute, es ist auch ihr Reiter, der den Erfolg ausmacht, indem er ihr jede Distanz perfekt serviert und immer den richtigen Rhythmus findet. Es war eine Lehrstunde in gutem Springreiten. Getreu dem Motto „never change a winning team“ setzt Farrington auch im Finale am Sonntag auf Greya.


Eiken Sato wurde also Zweiter, gefolgt von Kevin Staut, Oda Charlotte Lyngvaer, Steve Guerdat, René Dittmer und Katie Dinan.


Zwischenstand – zwei Deutsche weiter unter den Top Ten


Mit zwei Siegen und ohne einen einzigen Abwurf liegt Kent Farrington klar in Führung im Gesamtklassement. Mit vier Strafpunkten Abstand folgt Steve Guerdat auf Rang zwei. Ein historischer vierter Sieg ist für ihn also nach wie vor im Bereich des Möglichen.


Das würde der drittplatzierte Kevin Staut gerne verhindern, denn trotz seines reichen Erfahrungsschatzes in Sachen Weltcup hat er noch nie einen Titel erringen können. Nun liegt er als Dritter mit sechs Fehlern ebenfalls in Reichweite des obersten Treppchens.


Gleichauf Vierte mit je sieben Strafpunkten sind Daniel Deußer und Eiken Sato, gefolgt von René Dittmer.


Komplettiert werden die Top Ten von Abdel Said (BEL) an sechster Stelle (8), dann Katie Dinan und Jacob Pope (der US-Debütant, der auch heute einen super Eindruck hinterließ, bis er sich am letzten Hindernis in der Distanz vertat und ein ähnliches Schicksal erlitt wie Richard Vogel mit dem Unterschied, dass er im Sattel blieb) mit ke 9 Strafpunkten sowie Aaron Vale und Lillie Keenan als viertem und fünften US-Paar auf den vorderen Plätzen mit je 10 Fehlern.


Trotz des Rumplers heute schaffte es auch Richard Vogel noch unter die besten 18 fürs Finale am Sonntag.


Alle Ergebnislisten, das Ranking sowie Zeiteinteilung und Starter finden Sie hier.


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