Weltcup-Springen von Amsterdam an den Titelverteidiger

Epaillard siegt in Amsterdam, super Wochenende für Stühlmeyer

Springen
Der Meister in Action: Julien Epaillard und Donatello d'Auge. Foto: FEI/Leanjo de Koster Der Meister in Action: Julien Epaillard und Donatello d'Auge. Foto: FEI/Leanjo de Koster
Frankreichs amtierender Weltcup-Champion Julien Epaillard hat in Amsterdam einmal mehr ein Lehrstück in gutem Reiten gegeben – selbst als er im Großen Preis aufgab. Und Patrick Stühlmeyer hielt erfolgreich die deutschen Fahnen hoch.

Mit deutlichem Vorsprung wiederholte das Weltcup-Titelverteidigerpaar seinen Sieg von vor drei Jahren im Weltcup-Springen von Amsterdam. Als Julien Epaillard und Donatello d’Auge an der Reihe waren mit ihrer Runde gegen die Uhr lag ihre Landsfrau Penelope Leprevost auf dem zwölfjährigen Cardento-Sohn Ehning Flamingo mit 48,21 Sekunden in Führung. Dass das zu schlagen sein würde, war klar, aber dass Epaillard und sein 13-jähriger, von der Familie selbst gezogener Jarnac-Sohn ihnen mehr als acht Sekunden abnehmen würde, damit war dann wohl doch nicht zu rechnen. Und wie sie das taten!


Epaillard ritt im Schritt um die Hindernisse, klopfte Donatello noch einmal aufmunternd den Hals. Der schien ebenso konzentriert zu sein wie sein Reiter. Noch einmal Rückwärtsrichten am praktisch durchhängenden Zügel. Dann ging es los.


Donatello d’Auge springt nicht spektakulär, sondern rationell. Er verschenkt keinen Zentimeter in der Luft und damit auch keine Millisekunde an Zeit. Wenn er landet, galoppiert er praktisch schon wieder. Seine Galoppade hat nicht den größten Raumgriff, aber Epaillard kann den Wallach lenken wie ein Go Cart. Es war einmal mehr ein Lehrstück im Stechen Reiten. Bei 39,87 Sekunden stoppte die Uhr. An der Zeit bissen sich die nachfolgenden Konkurrenten die Zähne aus. Sie hatten nicht den Hauch einer Chance.


Am dichtesten dran waren der Schweizer Alain Jufer und sein langjähriger Erfolgspartner Dante MM. Der 15-jährige Diarado-Sohn kam fehlerfrei in 41,58 Sekunden ins Ziel. Rang drei holte ein weiteres Paar, das sich in und auswendig kennt: Stilist Niels Bruynseels aus Belgien auf Delux van’t T&L (42,71).


Das Epaillard-Geheimnis: Vertrauen


Wenn er null ist, ist Julien Epaillard in Stechen schwer zu schlagen. Fragt man ihn nach seinem Erfolgsrezept, ist die Antwort: „Vertrauen.“ Er vertraut seinen Pferden, vor allem aber vertrauen die ihm.


Beobachtet man den Franzosen auf dem Abreiteplatz, sieht man ihn nicht mit Schlaufzügeln herumhantieren. Ihm scheint es eigentlich ziemlich egal zu sein, wo das Pferd gerade seinen Kopf hält, Hauptsache es ist im Gleichgewicht, es lässt sich nach vorne schicken aufnehmen, links und rechts wenden. Das sind die Dinge, die er übt.


Und wenn es noch nicht so gut klappt, wie gestern Abend im Großen Preis mit dem ebenfalls v. Jarnac abstammenden zwölfjährigen Easy Up de Grandry, der mehrere Abwürfe im ersten Umlauf hatte und etwas überfordert wirkte, dann nimmt Epaillard Tempo heraus, sieht zu, dass er noch einen guten Sprung schafft, um dem Pferd ein gutes Gefühl zu geben, und lässt es dann gut sein. Kein Wunder, dass ein Richard Vogel ihn um Rat fragt, wenn es mal nicht so läuft und dann direkt wieder ganz vorne steht wie in Basel.


Stühlmeyer zweimal Vierter


Ein fantastisches Wochenende hatte Patrick Stühlmeyer. Gestern im Großen Preis saß er im Sattel des zwölfjährigen Veyron-Sohnes Conterno-Blue PS, den er seit 2025 unter dem Sattel hat. Der Wallach war von der Dänin Zascha Nygaard Lill bis 1,60 Meter vorgestellt worden, wurde dann nach Mexiko verkauft und hatte letztes Jahr verschiedene Reiter aus Mexiko, Argentinien und den USA, ehe er im Herbst zu Stühlmeyer kam. Die beiden zeigten gestern schon im Umlauf des Großen Preises, wie schönes Springreiten aussehen kann und belegten schlussendlich Rang vier.


Der Sieg blieb dank Frank Schuttert und seiner Cardento-Tochter Isis in den Niederlanden. Sie setzten sich im Stechen gegen den Neuseeländer Luke Dee auf dem OS-Wallach Gangster WW und Belgiens Mannschaftseuropameister und Global Champions-Tour Gesamtsieger Gilles Thomas durch. Thomas saß diesmal auf dem elfjährigen Zangersheider Colestus-Sohn Chuck Marienshof Z.


Für das Weltcup-Springen heute hatte Patrick Stühlmeyer wie schon in Leipzig auf den OS-Hengst Baloutaire PS gesetzt, mit dem er im Dezember Zweiter im Großen Preis von Frankfurt gewesen war. Die beiden sind noch nicht allzu lange ein Team. Stühlmeyer übernahm den Balou du Rouet-Sohn im vergangenen Jahr von seinem Kollegen Philip Rüping. Doch offenbar hatten sich da zwei gesucht und gefunden. Gleich das erste gemeinsame Springen endete mit einem Sieg. Neben dem erwähnten Erfolg in Frankfurt waren sie unter anderem auch Dritte im Weltcup-Springen von Mechelen. Heute wurde es Rang vier mit einer fehlerfreien Runde und zwei Zehntelsekunden Abstand auf den drittplatzierten Bruynseels.


Weltcup-Wertung


Mit dem heutigen Erfolg hat Patrick Stühlmeyer eine reelle Chance auf das Weltcup-Finale im April in Fort Worth, Texas. Er liegt nun mit 28 Punkten auf Rang 18 der Westeuropa-Liga. Die besten 18 Reiter dieser FEI-Region dürfen in Fort Worth an den Start gehen. Er wäre also geradeso dabei.


Angeführt wird das Ranking nun von Julien Epaillard mit 66 Punkten vor Willem Greve (NED) mit 61 und Richard Vogel mit 56 Zählern. Daniel Deußer ist Siebter mit 38 Punkten.


Alle Ergebnisse und Zwischenstände finden Sie hier.


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