Deutscher Doppelsieg im Großen Preis am Nationenpreis-Wochenende in Ocala, Florida
Derby-Sieger vor Olympiasieger im Großen Preis von Ocala
André Thieme und Paule S siegten im Großen Preis von Ocala. Foto: Andrew Ryback Photography Nur sieben Paare hatten das Stechen in dem von Alan Wade entworfenen Großen Preis von Ocala 2026 erreicht, darunter mit dem Derby-Siegerpaar André Thieme/Paule S und Olympiasieger Christian Kukuk auf Fantasia de Wy zwei Deutsche.
Bereits im Frühjahr 2025 hatte Christian Kukuk die elfjährige Selle Français-Stute Fantasia de Wy (v. Armitages Boy) mehrfach in Florida geritten und war mit ihr am gleichen Wochenende vor einem Jahr auch in Ocala gut platziert. Danach ging Fantasia mehrere Monate gar kein internationales Turnier mehr, ehe Kathrin Stolmeijer sie bei den „Ausbildungsturnieren“ in Bonheiden und Riesenbeck wieder zurück in den Sport brachte. Kukuk saß im Januar in Wellington wieder im Sattel. Das gestern war der dritte Fünf-Sterne-Grand Prix im Leben der Stute, im ersten hatte sie 16 Fehler, im zweiten acht und nun null – zweimal.
Das Stechen
Kukuk und Fantasia de Wy waren erstes Paar im Stechen und von Sprung eins an war klar: dem Ex-Riesenbecker ging es nicht darum, sein Pferd erst einmal Erfahrung sammeln zu lassen. Mit 42,14 legten sie eine Zeit vor, von der André Thieme später sagte: „Als ich Christian sah, wusste ich, das wird sehr schwer zu schlagen.“
Jedenfalls gelang es weder Natalie Dean (USA) auf Mr. Boombastic noch Sanne Thijssen (NED) mit Cupcake Z oder Aaron Vale (USA) im Sattel von Carissimo.
Dann waren Thieme und sein Derby-Sieger an der Reihe. Der zwölfjährige Perigueux-Sohn gab alles und es gelang: null Fehler, 41,85 Sekunden, neue Führung.
Das nachfolgende Paar Barbara Schneider/Canice schaffte es weder fehlerfrei ins Ziel noch war es auch nur ansatzweise ausreichend flott unterwegs, um den deutschen Doppelsieg zu verhindern.
Als letztes Paar hatte noch Frankreichs Nina Mallevaey – aktuell die beste Reiterin der Welt und Schülerin von Helena Stormanns – im Sattel von Nikka vd Bisschop die Chance, an die Spitze zu springen. Das EM-Duo von 2025 blieb fehlerfrei und war mit 42,49 Sekunden schnell, aber nicht schnell genug.
Drei Deutsche im Geld
Am Ende holte also André Thieme die 105.000 Euro Siegprämie. Kukuk wurde Zweiter, Mallevaey Dritte. Aaron Vale und Natalie Dean hielten auf den Plätzen vier und fünf die Flagge der Gastgeber hoch.
Unter den Platzierten waren auch ’s-Hertogenbosch-Sieger Richard Vogel und der neunjährige Westfalen-Hengst Abou-Chaker. Der Alaba-Sohn aus der Zucht von Otmar Eckermann ging vorher ja unter Sophie Hinners und wird seit Jahresbeginn von Vogel geritten. Vor zwei Wochen waren sie bereits einmal Achte in einem 5*-Grand Prix in Wellington mit zwei Abwürfen im Stechen. Gestern Abend in Ocala wurde es Rang zwölf nach einer flotten Vier-Fehler-Runde im Umlauf.
Zwischen Genie und Wahnsinn
André Thieme sagte später: „Ich wollte wirklich gewinnen. Ich war in jedem einzelnen Großen Preis dieses Jahr platziert und jedes Mal bin ich im Stechen nicht genug Risiko eingegangen. Ich dachte, okay, das ist die letzte Chance. Ich habe es riskiert und es hat geklappt.“
Dass sein Paule S ein Pferd ist, das alle Qualitäten für einen Sieg dieser Art mitbringt, steht für ihn außer Frage, aber:
„Vor ein paar Jahren dachte ich noch: Mal sehen, ob er endlich die nötige Ruhe hat, um im Sport erfolgreich zu sein. Er hatte immer die Kraft und die Technik. Er hat alles, was es braucht, um auf Fünf-Sterne-Niveau erfolgreich zu sein.“ Das Problem: „Er ist sehr, sehr temperamentvoll. Der Grat, dass er zu wild, zu heiß und zu stark wird, ist sehr schmal. Er hat Energie für fünf Pferde. Aber jetzt hat er so viele Fünf-Sterne-Nationenpreise gewonnen und war rund um den Globus erfolgreich. Das ist nicht sein erster großer Erfolg. Von daher hat er es bewiesen. Ich freue mich sehr für ihn.“
Ausblick
Auf dem Papier sind die Deutschen spätestens seit gestern Abend die Favoriten auf den Sieg im Nationenpreis am Samstagabend. Aber da werden die Karten neu gemischt mit neuen Pferden und neuen Herausforderungen. Die kommen unter anderem von den Gastgebern. Natalie Dean und Aaron Vale haben gestern ebenfalls demonstriert, dass sie in Topform sind. Sie sind zusammen mit Laura Kraut und Lillie Keenan Titelverteidiger. Außerdem sind Belgien, Brasilien, Frankreich, Großbritannien, Irland, Italien, die Niederlande und die Schweiz in Ocala im Einsatz.
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