Koen Vereecke holt das Championat von Neumünster nach Belgien

Championat mit belgischem Evergreen und Holsteiner Nachwuchs an der Spitze

Springen
Koen Vereecke und Quinoa de la Liniere, Sieger im Championat von Neumünster 2026. Foto: sportfotos-lafrentz.de Koen Vereecke und Quinoa de la Liniere, Sieger im Championat von Neumünster 2026. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Koen Vereecke sorgte im Championat von Neumünster für den dritten belgischen Sieg des Tages und ließ dabei zwei Holsteiner Talente hinter sich.

Im Sattel der zehnjährigen BWP-Stute Quinoa De La Liniere legte Koen Vereecke in fehlerfreien 34,12 Sekunden eine unschlagbare Zeit hin. Hannes Ahlmann hätte als letzter Starter im Stechen auf dem neun Jahre jungen Madness die Chance gehabt, den Sieg doch noch im Lande zu halten. Aber es sollte nicht sein. Bei 34,66 Sekunden stoppte die Uhr.


Eine kleine Sensation war Rang drei (0/35,72) der 19 Jahre jungen Tomma Thiesen von der Insel Fehmarn. Schon im Normalparcours hatte sie mit ihrer Nullrunde im Sattel ihres ebenfalls erst neunjährigen Holsteiner Diarado-Sohns Django Riff die Holstenhalle zum Beben gebracht. Als sie als erste Reiterin im Stechen fehlerfrei blieb und auch noch schnell war, hörte man den Jubel der Menge wahrscheinlich bis zur Autobahn.


Championat „mitgenommen“


Koen Vereeckes Reiseroute im Februar mit Quinoa de la Liniere (v. Moskito van het Hellehof) sieht so aus: Hongkong – Neumünster – Göteborg. „Neumünster lag auf dem halben Weg von Zuhause“, erklärte Vereecke. „Quinoa soll nächste Woche in Göteborg gehen (beim Weltcup-Turnier, Anm. d. Red.). Das hier ist eine gute Vorbereitung“, so der 56-jährige Belgier, der seit 1999 einen eigenen Stall betreibt und seine Heimat bei der EM in Mailand 2023 und bei den Nationenpreis Finals 2022/23 vertreten hat.


Für ihn ist 2026 sportliche Premiere in Neumünster – „vor 30 Jahren war ich schon mal hier zur Körung“. Sein VR Classics Debüt hat ihn gelehrt: Mit den Holsteiner Nachwuchsreitern ist zu rechnen. „Ich sah die Runde von Tomma und dachte, hui, das ist schnell!“ Doch am Ende war er mit seiner ganzen Erfahrung noch ein bisschen schneller. Vielleicht auch weil Quinoa von den Holsteiner Zuschauern so beflügelt war. „Das hier ist wirklich ein besonderes Publikum und ich denke, die Pferde merken das auch“, so der Belgier.


Madness – einer für die Zukunft


Als Hannes Ahlmann mit seinem fantastisch springenden Kannan-Sohn Madness 0,54 Sekunden hinter Vereecke und Quinoa ins Ziel flog, war der erste Gedanke wohl eher so etwas wie „Mist, fast hätte es gereicht!“ Jedenfalls ließen seine Gestik und Mimik darauf schließen. Aber im nächsten Moment klopfte er seinem Hengst schon dankbar den Hals.  Auch später war von Enttäuschung keine Rede mehr. „Ich bin unheimlich stolz auf Madness! Er ist erst neun Jahre alt. Ich habe heute versucht, ihn einen Schritt weiterzuführen und war schon im Umlauf begeistert, wie er dort gesprungen ist.“


In der Tat ließ der bunte Dunkelfuchs – da ist er ganz der Muttervater Emerald van’t Ruytershof – sich von dem Spektakel um ihn herum überhaupt nicht irritieren. Aber ein Stechen ist noch einmal etwas anderes und allzu viele Runden gegen die Uhr ist der zweifache Finalist der Weltmeisterschaften der jungen Springpferde noch nicht gesprungen. Deshalb habe er heute eigentlich auch gar nicht so angreifen wollen, meinte Ahlmann. „Vielleicht habe ich es dadurch heute von 1 auf 2 verloren. Aber dann bin ich super in den Flow gekommen und konnte richtig angreifen!“


Seiner Einschätzung nach war dies definitiv nicht die letzte Chance auf einen Sieg mit Madness. Er setzt große Hoffnungen in den KWPN-Hengst aus Holsteiner Mutterstamm. Morgen im Großen Preis wird er trotzdem auf sein Toppferd Tokyo setzen, mit der er bereits gestern das 1,50 Meter-Zeitspringen gewinnen konnte.


Der Teenie von der Insel


Für die 19 Jahre junge Tomma Thiesen ist 2026 das erste Mal, dass sie in Neumünster bei den „Großen“ mitreitet. Sie hat 2025 ihr Abitur gemacht und als Bereiterin im Stall Köhlbrandt angeheuert, ist ihrer Heimatinsel Fehmarn also treu geblieben.


Schon die fehlerfreie Runde im Umlauf war nicht nur für die Zuschauer, sondern auch für sie selbst ein Grund zum Jubeln. Dass es im Stechen auch so läuft, kam auch für sie selbst überraschend. „Das war alles ein bisschen verrückt. Es ist das erste Mal für das Pferd und mich, dass wie über diese Höhe (1,55 Meter, Anm. d. Red.) einen Großen Preis geritten sind, und ich war einfach nur begeistert, wie er gesprungen ist!“


Zumal es für ihren Schimmel „nicht ganz einfach sei, in so einer Atmosphäre bei sich zu bleiben“, wie sie sagte. Trotzdem, „das Stechen sind wir so angegangen, als ob wir nicht so viel zu verlieren hätten“, beschrieb Thiesen. Ein Erfolgsrezept. Antwort auf die Frage, ob der heutige dritte Platz ihr bislang größter sportlicher Erfolg sei: „Das kann man glaube ich so sagen.“


Damit hat Tomma sich im ersten Anlauf für den Großen Preis qualifiziert. Welches Pferd sie dort reitet? „Da muss ich noch mal meinen Chef fragen“, lachte sie. Daran hatte wohl noch gar keiner gedacht, dass sie morgen Nachmittag beim springsportlichen Highlight des Wochenendes die Holstenhalle noch einmal aufmischen könnte.


Alle Ergebnisse finden Sie hier.


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