WM Aachen: Deutschlands Voltigierer beenden die WM mit sieben Medaillen

WM der Voltigierer: Zum Abschluss Bronze im Pas de Deux, Gold im Nationenpreis – und zwei bewegende Abschiede

Sie kamen sahen und hörten gar nicht mehr auf zu siegen: die deutschen Voltigierer.
Foto: sportfotos-lafrentz.de Sie kamen sahen und hörten gar nicht mehr auf zu siegen: die deutschen Voltigierer. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Mit Bronze im Pas de Deux und Gold im Nationenpreis setzte das deutsche Voltigierteam am Sonntag in Aachen den Schlusspunkt unter eine außergewöhnliche Woche.

Den Auftakt des letzten WM-Tags im Voltigieren machte das Finale im Pas de Deux. Kimberly Hyks und Jannik Heiland, die am Vortag mit einem außerplanmäßigen Abgang von ihrem Pferd Crashkurs (Longe: Andrea Harwardt) noch Pech gehabt hatten, kämpften sich mit ihrer zweiten Kür zur Musik von Tsar B zurück in die Medaillenränge. Ein kleiner Fehler beim Abgang blieb der einzige Schönheitsfehler – die Endnote 8,589 für die zweite Kür ergab in der Gesamtwertung einen Endstand von 8,303 und damit Bronze. Vor ihnen platzierten sich die Europameister 2025, Rebecca Greggio und Davide Zanella aus Italien, mit 8,982 (Silber), sowie die frisch gebackenen Weltmeister Theo Gardies und Noely Thibaut aus Frankreich mit 9,039.


Hyks war nach der Entscheidung sichtlich bewegt: „Ich hätte mir das niemals träumen lassen, es ist wahrscheinlich der beste Moment meines Lebens. Wir haben so viel gekämpft und sind immer wieder aufgestanden. Dass wir dann hier stehen dürfen – vor so einem Publikum mit so einer Runde – und das irgendwie dann abrufen können, da haben wir oft selbst nicht dran geglaubt. Aber wir haben immer gesagt: weiterkämpfen, kämpfen für den Traum, an uns selbst glauben und niemals aufgeben.“


WM-Debüt mit Tiefen und Höhen: Lindhorst und Richert auf Platz sechs


Das zweite deutsche Paar, Philine Lindhorst und Cjell Aaron Richert mit Chagall (Longe: Andrea Lindhorst), erlebte eine WM-Premiere mit Auf und Abs. Nach einem unfreiwilligen Abgang in der ersten Kür zeigten die beiden Hamburger im zweiten Durchgang eine fehlerfreie Vorstellung und landeten am Ende auf Platz sechs. „Der Druck war kleiner als in der ersten Runde – weil es nichts mehr zu verlieren gab“, sagte Lindhorst. Richert beschrieb die Erfahrung treffend: „Es hat exakt unsere gesamte Saison zum Saisonhöhepunkt nochmal durchgekaut. Nach der ersten Runde dachten wir, it’s over. Das ist crazy, in zwei Tagen nochmal drei Monate durchgelebt.“


Emotionale Abschiede: Kathrin Meyer und Capitain Claus


Im abschließenden Nationenpreis schöpfte Bundestrainer Kai Vorberg aus dem Vollen: Neben dem Gold-Team vom VV Köln-Dünnwald schickte er auch Weltmeisterin Alice Layher und Vizeweltmeisterin Kathrin Meyer ins Rennen. Beide Einzelvoltigiererinnen erzielten exakt 9,038 Punkte – bei acht Richtern und 38 einzelnen Noten.


Für Meyer war es ein emotionaler Abschied: Sie beendet nach Aachen ihre Karriere. „Hier mit so einem Team einlaufen zu dürfen und so einem Team hinter den Kulissen – das erleben zu dürfen, wie die einen durch dick und dünn tragen, alle Ups and Downs mitmachen und einen immer im richtigen Moment wieder aufbauen – das dürfen glaube ich nicht so viele Sportler erleben und da bin ich einfach nur dankbar für.“


Auch ihr langjähriger Begleiter Capitain Claus OLD (17) trat zum letzten Mal im Wettkampf an. Longenführerin Gesa Bührig: „Wir haben ihn seit neun Jahren und er hat uns wirklich sehr weit gebracht. Ich freue mich, dass ich ihn gesund und munter in Rente schicken darf.“


Kölner Kür setzt die Bestmarke – Gold im Nationenpreis


Das Highlight des Nationenpreises lieferte das Kölner Team: Auf Ecuador NRW, vorgestellt von Voltigiermeisterin Alexandra Knauf, begeisterte das Sextett mit einer Kür zu Rihannas „We Found Love“ – fließende Übergänge, turnerische Höchstleistungen, Bestnote 9,222. Das reichte zum Gesamtsieg vor Frankreich (8,996) und Italien (8,771). Damit stand auch das Gesamtergebnis des Nationenpreises fest: Deutschland gewann mit 9,103.


Teammitglied Gianna Ronca: „Aachen war der Hammer. We Found Love, es war geil! Wir als Gruppe haben Wahnsinns-Noten bekommen, unsere Einzel davor haben Wahnsinns-Noten bekommen – und dann müssen wir ein bisschen Glück haben. Und heute hatten wir den Funken Glück.“


Sieben Medaillen – erfolgreichste Voltigiernation der WM


Deutschland beendet die Voltigier-WM mit sieben Medaillen: dreimal Gold, einmal Silber, dreimal Bronze. Bundestrainer Vorberg fasste die Woche zusammen: „Das war eine Achterbahn der Gefühle. Wir haben jetzt den letzten Berg erklommen und konnten uns dann richtig schön nochmal bergab rollen lassen. Wir sind die erfolgreichste Nation beim Voltigieren – dass das dann wirklich klappt, ist heutzutage keine Selbstverständlichkeit.“


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