Geschäftsführer schmeißt hin, Springkomitee entlassen – wie eine U13 Kinderschutz-Regel den schwedischen Reitsport erschüttert

U13 Kontroverse Schweden: Wie Kinderschutzpolitik eine Verbandskrise auslöste

Der Turniersport in Schweden für Kinder unter 13 Jahren hat den Verband in eine Krise gestürzt. Foto: kimc.nu/Kim Lundin Der Turniersport in Schweden für Kinder unter 13 Jahren hat den Verband in eine Krise gestürzt. Foto: kimc.nu/Kim Lundin
Was als politische Entscheidung zum Kinderschutz U13 in Schweden begann, hat sich innerhalb weniger Wochen zu einem der schwerwiegendsten internen Konflikte im schwedischen Pferdesport entwickelt. Sogar das Springkomitee ist zurückgetreten. Der Geschäftsführer ebenso. EQUI PAGES Skandinavien-Korrespondentin Kim Lundin mit den Hintergründen.

Im Mittelpunkt des Streits steht eine neue Altersgrenze, die vom schwedischen Verband, Svenska Ridsportförbundet (SvRF) eingeführt wurde. Nach dieser Entscheidung dürfen Kinder unter 13 Jahren nicht mehr an Wettkämpfen auf Elite-Niveau teilnehmen – darunter fallen internationale Wettbewerbe, nationale Meisterschaften und Finals in landesweiten Serien. Der Verband argumentiert, dass die Regel dazu dienen soll, Kinder vor einer zu frühen Spezialisierung und übermäßigem Druck zu schützen und den schwedischen Pferdesport besser an die nationalen Richtlinien für Kindersport anzupassen, die der Dachverband des schwedischen Sports, Riksidrottsförbundet, bereits vor mehr als zehn Jahren herausgegeben hat.


Die Reaktionen waren alles andere als ruhig.


Lautstarke U13-Debatte, aber schmale Grundlage in Schweden


Der öffentliche Gegenwind war heftig, insbesondere in den sozialen Medien. Trainer, Elite-Reiter, Pony-Profis und Eltern von hochgradig wettbewerbsorientierten Kindern protestierten lautstark. Die Entscheidung stelle eine Bedrohung für die Talentförderung dar. Und für die internationale Wettbewerbsfähigkeit. Selbst Top-Athleten wie die Olympiamedaillengewinner Peder Fredricson und Henrik von Eckermann sowie weitere Kaderreiter äußerten frühzeitig ihre klare Meinung in einem offenen Brief. Ein Umstand der überraschend war, da sie sich selten öffentlich in Debatten über die Führung des Verbandes, einschließlich anderer hochbrisanter Themen, eingemischt haben wie beispielsweise Tierschutz oder Fälle von Tiermissbrauch.


Turniereinschränkung U13


Eine Petition, in der die Rücknahme der Entscheidung gefordert wird, hat etwas mehr als 2.100 Unterschriften gesammelt. In einem Verband mit rund 140.000 Mitgliedern ist dies keine Massenbewegung. Vielmehr handelt es sich um eine sehr lautstarke und einflussreiche Gruppe innerhalb des Sports – darunter Trainer, Pferdehändler und Familien, deren Kinder bereits auf professionellem Niveau reiten und die ein direktes finanzielles oder berufliches Interesse an Elite-Jugendwettbewerben haben.


Das macht ihre Bedenken nicht ungültig, aber es ist wichtig, um zu verstehen, was diesen Konflikt ausmacht. Bei der Debatte geht es nicht nur um die Basis auf der einen und die Verbandsführung auf der anderen Seite. Auch Wirtschaftlichkeit, Karrierewege und Status innerhalb des Sports sind Faktoren, die hier eine Rolle spielen.


Verbandsführung wackelt in kritischem Moment


Die Kontroverse entfaltete sich vor dem Hintergrund einer unerwarteten Instabilität an der Spitze des Reiterverbandes. Im November 2025 gab Johan Fyrberg, Generalsekretär und CEO des SvRF, bekannt, dass er Ende Juni 2026 zurücktreten wolle. Geplant sei ein geordneter Übergang, der Zeit für die Suche nach einem Nachfolger lassen sollte. Fyrberg erklärte, dass seiner Entscheidung keine finanziellen Gründe oder internationale Kontroversen zugrunde lägen. Er sprach von strategischen Differenzen: Er wolle keinen weiteren Strategieprozess leiten, der über den hinausgehe, für den er sich bei seiner Wahl verpflichtet habe.


Dieser Plan änderte sich jedoch schlagartig.


 


Da war noch alles in Ordnung: Der damalige Generalsekretär des schwedischen Reiterverbandes Johann Fryberg (Mitte) und Präsidentin Sandar Ruuda (rechts) bei einer Siegerehrung in Stockholm 2025. Foto: kimc.nu/Kim Lundin Da war noch alles in Ordnung: Der damalige Generalsekretär des schwedischen Reiterverbandes Johann Fryberg (Mitte) und Präsidentin Sandar Ruuda (rechts) bei einer Siegerehrung in Stockholm 2025. Foto: kimc.nu/Kim Lundin

Geschäftsführer schmeißt hin und geht


Am 14. Januar 2026, mitten in der eskalierenden Debatte um die Altersgrenze, gab der SvRF bekannt, dass Fyrberg zurücktreten werde. Und zwar mit sofortiger Wirkung. Eine detaillierte Erklärung wurde nicht gegeben. Die Suche nach einer Person, die Fyrberg nachfolgen könnte wurde auf Eis gelegt. Maria Guggenberger wurde zur Interims-Generalsekretärin ernannt.


Für Kritiker der Entscheidung bezüglich der 13 Jahre-Altersgrenze verstärkte Fyrbergs plötzliche Rücktritt den Eindruck, dass der Verband offensichtlich unter starkem Druck steht. Der Verband hingegen, wollte den Rückzug als pragmatischen Schritt verstanden wissen, um ein Vakuum in der Führungsspitze zu vermeiden – gerade angesichts der intensiven Diskussion.  Welcher Sichtweise man auch immer zustimmen mag, klar ist: Die Kontinuität an der Verbandsspitze war genau zu dem Zeitpunkt nicht mehr gegeben, als Klarheit und Vertrauen am dringendsten benötigt wurden.


Springkomitee in Schweden nach U13-Debatte entlassen


Bereits zwei Tage zuvor, am 12. Januar, hatte der Verbandsvorstand einen weiteren dramatischen Schritt unternommen: Das gesamte Springkomitee wurde mit sofortiger Wirkung entlassen. Was man wissen muss: Springreiten ist in Schweden wie im Rest der Welt die größte Disziplin im Pferdesport, und dem Komitee gehörten erfahrene Reiter, A-Level-Trainer, Richter und Parcoursdesigner an. Die offizielle Begründung lautete seitens des Verbandes, dass wiederholte Dialogversuche gescheitert seien und eine Zusammenarbeit nicht mehr möglich sei.


Springkomitee gegen U13-Regelung


Was die Entscheidung brisant machte, war, dass sich das Springreitkomitee offen von der U13-Politik distanziert hatte – nicht vom Grundsatz des Kindeswohls, sondern von der Art und Weise, wie die Entscheidung getroffen und kommuniziert worden war.


Der Verband räumte ein, dass die interne Positionierung hätte klarer sein können, bestand jedoch darauf, dass die Altersgrenze eine richtungsweisende politische Entscheidung sei, deren Einzelheiten der Umsetzung noch zur Diskussion stünden.


Beispiellose gemeinsame Reaktion


Am 15. Januar eskalierte der Konflikt weiter, als alle entlassenen Mitglieder des Springkomitees gemeinsam einen offenen Brief veröffentlichten. Eine solche Einstimmigkeit ist in der Geschichte des SvRF so gut wie beispiellos. Das Springkomitee war traditionell eines der intern umstrittensten Gremien des Verbandes, das oft von starken Persönlichkeiten und konkurrierenden Interessen geprägt war. Dass seine ehemaligen Mitglieder nun mit einer Stimme sprachen, war an sich schon bemerkenswert.


In dem Brief, der von den beiden großen schwedischen Pferdesportmedien Hippson und Tidningen Ridsport veröffentlicht wurde, wiesen die ehemaligen Ausschussmitglieder die Darstellung des Verbandes zurück, der Dialog sei gescheitert. Sie erklärten, dass sie sich nie mit dem Verbandsvorsitzenden oder dem Vorstand getroffen hätten, dass Vermittlungen weder angeboten noch abgelehnt worden seien. Vielmehr gebe es nur ein einziges dokumentiertes Treffen – mit Vertretern der Turniersport-Abteilung Anfang Januar.


Kompromiss liegt eigentlich vor


Nach Angaben des Ausschusses habe dieses Treffen zu einem Entwurf für einen praktikablen Kompromiss hinsichtlich der Regeln für die Altersklasse U13 in Schweden geführt, der von mehreren Mitgliedern der Turniersport-Abteilung unterstützt worden sei. Aus ihrer Sicht war die anschließende Ablehnung nicht das Ergebnis einer vermeintlichen Pattsituation, sondern der mangelnden Bereitschaft des Vorstands, Änderungen an einer bereits getroffenen Entscheidung zu akzeptieren.


Grundsätzlich stellte der Brief den Entscheidungsprozess selbst in Frage. Das Komitee argumentierte, dass die Altersgrenze nicht nur eine politische Vorgabe sei, sondern eine konkrete Regeländerung, verabschiedet ohne schriftliche Analyse, Folgenabschätzung oder dokumentierte Alternativen. Es sei in einem kleinen „inner circle“ entschieden worden. Expertenausschüsse seien bewusst ausgeschlossen worden. Die Kritik des Komitees: Nachträgliche Rechtfertigungen seien, aus Sicht des Springkomitees, als Planung präsentiert worden.


Klare Worte vom Springkomitee


Niklas Jonsson, bis Januar 2026 Vorsitzender des schwedischen Springkomitees. Foto: kimc.nu/Kim Lundin Niklas Jonsson, bis Januar 2026 Vorsitzender des schwedischen Springkomitees. Foto: kimc.nu/Kim Lundin


Der Ton des Schreibens war ungewöhnlich scharf. Es warnte vor einer Entwicklung hin zu einer zunehmend zentralisierten, von oben nach unten gerichteten Führung, bei der abweichende Fachmeinungen an den Rand gedrängt, statt integriert würden.


Es geht nicht mehr in erster Linie um Turnierstarts von Kindern, sondern darum, wie Macht innerhalb eines mitgliederbasierten Verbandes ausgeübt wird.


Die Vorsitzende des schwedischen Verbandes, Sandra Ruuda, hat seitdem argumentiert, dass diese Darstellung des Tatbestands mehrere sachliche Fehler enthielte. Sie lehnt es jedoch ab, Punkt für Punkt den Gegenbeweis anzutreten, und erklärte, dass gesamte Verfahren folge den gemeinsamen Werten und dem Verhaltenskodex des Verbandes.


Opposition an der Basis


Eine Reihe regionaler Reitsportverbände innerhalb des SvRF sollen formelle Briefe verschickt haben, in denen sie sowohl die U13-Entscheidung als auch das dahinterstehende Verfahren kritisieren. Stimmen aus den Regionen und Bezirken gehen sogar so weit, eine außerordentliche Generalversammlung zu fordern.


Obwohl regionale Meinungsverschiedenheiten an sich nichts Ungewöhnliches sind, kommt es auf den Zeitpunkt an. Innerhalb von nur vier Tagen kam es gleichzeitig auf Experten-, Fach- und regionaler Ebene zu Widerstand. Diese zeitliche Übereinstimmung verwandelte eine umstrittene Regel in eine umfassende Verbandskrise.


Warum Altersgrenzen nicht so einfach sind, wie sie klingen


Für internationale Beobachter mag die schwedische Debatte schwer nachzuvollziehen sein. Ein Großteil der Aufregung rührt daher, dass die Altersregelungen im Pferdesport ohnehin schon komplex und stark differenziert sind.



  • Auf internationaler Ebene erlaubt die Fédération Equestre Internationale (FEI) Reitern, je nach Disziplin und Klasse, in der Regel bis zum Alter von 16 Jahren auf Ponys anzutreten. Der Ponysport ist als eigenständige Hochleistungssportart anerkannt und nicht nur als Vorstufe für den Sport auf Großpferden.

  • Schweden war auf nationaler Ebene in der Vergangenheit toleranter als die FEI und erlaubte Reitern, bis zum Alter von 20 Jahren auf Ponys anzutreten, was durch strenge Ponygrößenkategorien und Regeln (s.u.) für die Reiterinnen/Pony-Paare ausgeglichen wurde. Dieses System hatte das Ziel, eine schrittweise Entwicklung zu ermöglichen und zu vermeiden, dass junge Reiter vorzeitig auf Pferde gesetzt werden.

  • Die Vielseitigkeit funktioniert in Schweden bereits nach einem differenzierten Altersmodell, das vor einigen Jahren entsprechend den Empfehlungen des Dachverbands Riksidrottsförbundet aus dem Jahr 2007 angepasst wurde: Reiter bis 13 Jahre treten in angepassten Klassen an, während diejenigen im Alter von 14 bis 20 Jahren eine separate Kategorie bilden. Diese Struktur besteht seit Jahren ohne größere Kontroversen und wird oft als Beispiel für eine altersgerechte Entwicklung angeführt.


Der aktuelle Konflikt dreht sich daher nicht darum, ob Kinder geschützt werden sollten. Es geht darum, wie Schutz definiert wird, wie schnell Regeln geändert werden und ob disziplinspezifische Realitäten berücksichtigt werden.


Geld wird nicht öffentlich diskutiert


Ein Thema, das in den vielen Debatten in sozialen Medien und anderswo fast völlig unberührt bleibt, ist die Tatsache, dass es auch um Geld geht. Mehrere Beobachter weisen darauf hin, dass für viele der lautstärksten und aktivsten Gegner ein Teil ihres Lebensunterhalts auf dem Spiel steht, wenn es um die Entscheidung für die Unter-13-Jährigen geht. Der Kauf und Verkauf von Ponys, das Training kleiner Kinder und die Unterstützung der Eltern bei der Suche nach dem „richtigen Partner” auf vier Beinen ist ein lukratives Geschäftsfeld. In einer Zeit, in der selbst kleine Ponys, schwedische B-Ponys, für 40.000 bis 100.000 Euro verkauft werden, wenn sie die richtige Einstellung, das richtige Alter und die richtigen Möglichkeiten mitbringen, steht viel auf dem Spiel.


Kinder werden Druck ausgesetzt


Die hohen Kosten für die Anschaffung eines Turnierponys setzen die Kinder unweigerlich unter Druck, gute Leistungen zu erbringen, um die Investition der Familie nicht zu entwerten. Die meisten Menschen würden wohl zustimmen, dass ein solcher Druck auf Kinder unter 13 Jahren nicht gerade ideal ist. Und was noch wichtiger ist: Die vorgeschlagenen Regeländerungen schließen Kinder unter 13 Jahren nicht generell von Turnierstarts aus, wohl aber in nationalen Ligen und Meisterschaften in dieser Altersklasse.


Sandra Ruuda: Reformorientierte Vorsitzende in einem gespaltenen Verband


Im Zentrum des Sturms steht Sandra Ruuda, seit Mai 2023 Vorsitzende des SvRF. Ruuda schrieb Geschichte als erste Frau an der Spitze des Verbandes in dessen 111-jähriger Geschichte. Ihr Hintergrund unterscheidet sich von dem vieler ihrer Vorgänger. Sie ist vor allem als geschäftsorientierte Führungskraft mit umfangreicher Erfahrung in den Bereichen Organisationsentwicklung und Führungsberatung bekannt. Früher leitete sie eine Reitschule und hatte gewählte Ämter auf Vereins-, Bezirks- und nationaler Ebene inne. Mit anderen Worten: Aus organisatorischer Sicht und auch was den Bereich „Good Governance“ anbelagt, entspricht Ruudas Hintergrund genau dem Anforderungsprofil einer Präsidentin. Sie ist weder ein Leichtgewicht, noch eine Opportunistin. Auch kein Emporkömmling, ganz im Gegenteil.


Ein Bild aus besseren Zeiten: Sandra Ruuda, Präsidentin des schwedischen Reiterverbandes und Generalsekretär Johan Fyrberg geben sich auf einer Gala die Ehre. Mittlerweile ist Fyrberg überraschend zurückgetreten. Foto: kimc.nu/Kim Lundin Ein Bild aus besseren Zeiten: Sandra Ruuda, Präsidentin des schwedischen Reiterverbandes und Generalsekretär Johan Fyrberg geben sich auf einer Gala die Ehre. Mittlerweile ist Fyrberg überraschend zurückgetreten. Foto: kimc.nu/Kim Lundin


Sie ist nach wie vor eng mit dem täglichen Reitsportleben verbunden, reitet regelmäßig und verbringt einen Großteil ihrer Zeit als „Pony-Elternteil” im Stall. Von Anfang an hat Ruuda Werte, wie Sicherheit und Tierwohl als Leitprinzipien betont, neben dem Ziel, die Führungsstrukturen zu modernisieren und Entscheidungsprozesse transparenter zu machen.


Verband beharrt auf Neuregelung


In einem am 14. Januar 2026 veröffentlichten Interview beschrieb Ruuda den sofortigen Rücktritt von Johan Fyrberg als unspektakulär und einvernehmlich und erklärte, dass Gespräche über seine Entlassung bereits weit vor Weihnachten stattgefunden hätten. Sie betonte, dass die Ernennung eines Interims-Generalsekretärs dazu diene, Kontinuität zu gewährleisten.


Auch hinsichtlich des Inhalts der Entscheidung für die Altersklasse unter 13 Jahren äußerte sie sich unmissverständlich und erklärte, dass sie weiterhin volles Vertrauen in die eingeschlagene Vorgehensweise habe, auch wenn sich die Debatte nun auf Fragen des Verfahrens verlagert habe.


Ruudas Führungsstil wird auch durch ihre internationale Rolle geprägt. Im Oktober 2025 wurde sie für vier Jahre in den Vorstand der Europäischen Reitsportföderation (EEF) gewählt. Die EEF arbeitet eng mit der FEI zusammen und spielt eine wichtige Rolle bei der Abstimmung der europäischen Verbände in Fragen der Governance und Entwicklungspolitik.


Befürworter sehen darin eine Stärkung des internationalen Einflusses Schwedens. Kritiker argumentieren, dass dadurch die Gefahr bestehe, externe Rahmenbedingungen gegenüber nationalen Gegebenheiten zu priorisieren. So oder so, Ruudas Führungsstil wird nun nicht nur im Inland, sondern auch in einem breiteren europäischen Kontext beurteilt.


Wenn man auf die vielen hitzigen Kontroversen und schwierigen Beziehungen ihres Amtsvorgängers Ulf Brömster zu den Medien zurückblickt, wird deutlich, dass die gegen ihn gerichtete Kritik im Vergleich zu den verbalen Angriffen, denen Ruuda online ausgesetzt ist, nur ein laues Lüftchen war.


Konflikt schwelt weiter


Die U13-Entscheidung wurde nicht zurückgenommen. Der Verband hält sie aus langfristiger Sicht für notwendig und richtig, um das Wohl der Kinder zu gewährleisten. Kritiker argumentieren, dass es dem Prozess an Transparenz, Analyse und Einbeziehung von Fachleuten mangelte und dass die Folgen nicht angemessen bewertet wurden.


Klar ist, dass es bei der Kontroverse mittlerweile um weit mehr als nur eine Altersgrenze geht. Sie hat Spannungen zwischen Fachkompetenz und Verbands-Autorität, zwischen symbolischer Politik und praktischer Umsetzung sowie zwischen Reformambitionen und institutionellem Vertrauen offenbart.


Für den schwedischen Pferdesport stellt sich nicht mehr nur die Frage, wie Kinder an Turnieren teilnehmen sollen, sondern auch, wie Entscheidungen, die die Zukunft des Sports prägen, getroffen, begründet und im Regelwerk verankert werden.


Diese Frage bleibt offen.




Pony-Sport und Altersregeln für Reiter in Schweden


Pony-Größenklassen (Schweden)


Schweden (SvRF) Pony-Größenklassen (A–D), gemessen am Widerrist:



  • Kategorie A: ≤ 107 cm

  • Kategorie B: > 107 cm bis ≤ 130 cm

  • Kategorie C: > 130 cm bis ≤ 140 cm

  • Kategorie D: > 140 cm bis ≤ 148 cm


FEI


Die FEI definiert ein Pony als maximal 148 cm ohne Hufeisen / 149 cm mit Hufeisen (abgerundet gemäß den FEI-Messregeln).


In Schweden durften Reiter bisher auf Ponys bis zu einem Alter von 20 Jahren an Wettkämpfen teilnehmen, sofern diese innerhalb der entsprechenden Ponygrößenkategorie blieben. Dies ist liberaler als die internationalen FEI-Regeln.


Offizielle Altersregeln – Schwedischer Reitsportverband (SvRF TR I 2025)


Mindestalter der Reiter


Reiter dürfen ab dem Kalenderjahr, in dem sie 8 Jahre alt werden, an Wettbewerben teilnehmen.


Reiterkategorien


SvRF definiert Alterskategorien, die für alle Disziplinen gelten (auf Kalenderjahrbasis):



  • Kinder: Reiter im Alter von 12 bis 14 Jahren

  • Junioren: bis 18 Jahre

  • Junge Reiter: 16 bis 21 Jahre

  • Senioren: ab 19 Jahren (Voltigieren ab 16 Jahren)

  • U25: 16–25 Jahre


Altersgrenzen für Ponyreiter


SvRF hat spezifische Altersgrenzen für Pony-Wettkampfkategorien (Kalenderjahresregel):



  • A- und B-Ponnyryttare (kleine/mittlere Ponys): bis einschließlich des Kalenderjahres, in dem der Reiter 13 Jahre alt wird (d. h. nach diesem Jahr sind die Reiter nicht mehr teilnahmeberechtigt).

  • C- und D-Ponnyryttare (große Ponys): bis einschließlich des Kalenderjahres, in dem der Reiter 20 Jahre alt wird.

  • Reiter, die diese Altersgrenzen für Ponys gerade überschritten haben, können unter bestimmten Regeln manchmal noch als „överårig” (überaltert) in Ponyklassen antreten.


Definitionen der Ponygröße


Ponys sind definiert als Pferde mit einer Größe von bis zu 148 cm mit Hufeisen, aber die in schwedischen Wettbewerben verwendete A-B-C-D-Klassifizierung folgt den Ponyregeln der SvRF.


Wie dies mit der Kontroverse um die Altersgrenze von 13 Jahren zusammenhängt


Nach den aktuellen TR-Regeln scheiden Reiter auf A- und B-Ponys nach dem Jahr, in dem sie 13 Jahre alt werden, automatisch aus den Ponyklassen aus. Reiter auf C- und D-Ponys können bis zum Alter von 20 Jahren auf nationaler Ebene antreten, sogar in höheren Klassen.


Die neue Elite-Wettkampfregel der SvRF geht über diese TR-Alterskategorien hinaus: Von 2027 bis 2029 dürfen Reiter unter 13 Jahren unabhängig von der Ponykategorie nicht an Elite-Turnieren, nationalen Meisterschaften oder landesweiten Serien teilnehmen. Wobei hier detaillierte Regeln für landesweite Serien auf niedrigerer Ebene noch diskutiert und festgelegt werden müssen.


Das bedeutet, dass es in der Debatte nicht nur um die Grundregeln geht, sondern darum, wie eine zusätzliche Altersgrenze von 13 Jahren für Elite-Turniere die bestehende Struktur überlagert – eine Maßnahme, die Springreiter besonders hart trifft, da Reiter derzeit schon weit vor ihrem 13. Lebensjahr auf hohem Niveau auf C-Ponys antreten können.


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