Nach Verbandskrise in Schweden: U13-Regelung zurückgezogen

Schwedens U13-Regel – Verband rudert zurück, „aber keine Kurskorrektur“

Neue Entwicklung im schwedischen Turniersport für Kinder U13. Foto: kimc.nu/Kim Lundin Neue Entwicklung im schwedischen Turniersport für Kinder U13. Foto: kimc.nu/Kim Lundin
Das Ziel, reitende Kinder in Schweden in der Altersklasse U13 vor zu viel Leistungsdruck zu verschonen, bleibt bestehen. Aber das Verfahren soll nach den Erschütterungen Mitte Januar neu aufgerollt werden. Das hat die Präsidentin des Schwedischen Reiterverbandes, Sandra Ruuda, heute mitgeteilt.

Der schwedische Reitsportverband hat seine kürzlich verabschiedete Regelung für bestimmte Turnierprüfungen für Kinder unter 13 Jahren zurückgezogen. Die strittige Entscheidung, Kinder unter 13 Jahren nicht mehr an gewissen Serien und Meisterschaften teilnehmen zu lassen, hatte den schwedischen Reitsportverband erschüttert. Der Generalsekretär war vorzeitig zurückgetreten, das gesamte Springkomitee entlassen worden. Die Entscheidung sei intern nicht ausreichend verankert gewesen und habe das Vertrauen innerhalb der Organisation untergraben, heißt es jetzt. Am Kinderschutz soll aber festgehalten werden.


Die Neufassung der U13-Regelung in Schweden wurde am 30. Januar offiziell zurückgenommen. In einer digitalen Pressekonferenz unter der Leitung der Verbandsvorsitzenden Sandra Ruuda und Pressesprecherin Matilda Hjertstrand nahm der Verband anschließend Stellung. Ruuda erklärte, dass der Vorstand „den Grad der Verankerung falsch eingeschätzt” habe, und bestätigte, dass nun eine neue Konsultationsphase mit Vereinen und Bezirken durchgeführt werde. Anschließend wolle man einen überarbeiteten Vorschlag vorlegen.


„Wir ziehen uns nicht aus der Arbeit im Bereich Kinder- und Jugendwettkämpfe zurück“, sagte Ruuda, „aber wir müssen einen Weg finden, Regeln richtig zu implementieren.“


Reset statt Politikumkehr bei Schwedens U13 Regelung


Während der gesamten Pressekonferenz betonten die Vertreter des Verbandes, dass die Arbeit an den Richtlinien für Kinderwettbewerbe fortgesetzt werde. Was sich ändere, sei der Weg, nicht das Ziel. Der Vorstand stellte diese Maßnahme als institutionelle Korrektur dar, die das Vertrauen in demokratische Verfahren wiederherstellen solle, und nicht als Rückzug von den Zielen des Kinderschutzes.


Ruuda gab außerdem bekannt, dass die gewählten Rechnungsprüfer des Verbandes gebeten wurden, den früheren Entscheidungsprozess „zu Lernzwecken“ zu überprüfen. Man kann das als Indiz lesen, dass intern daran gearbeitet wird, Mängel in der Führung zu analysieren, anstatt lediglich öffentliche Kritik zu entschärfen.


Demokratischer Druck und der Ruf nach einer außerordentlichen Versammlung


Eines der zentralen Themen, die während der Pressekonferenz angesprochen wurden, betraf die Forderungen aus Teilen des Sports, insbesondere von der sehr lautstarken Minderheitengruppe „Svensk Ponnysport“, nach einer außerordentlichen Generalversammlung. Auf die Frage, ob die erneute Konsultationsrunde diese Forderungen neutralisieren würde, antwortete die Vorsitzende, dass der Vorstand nicht aus Angst vor einer solchen Versammlung gehandelt habe.  Man begrüße eine solche Generalversammlung, wenn die Mitglieder sie für notwendig erachteten. Der Schwerpunkt liege darauf, sicherzustellen, dass „der demokratische Prozess seinen vollen Lauf nimmt”, auch wenn dies ein langsameres Tempo bedeute.


Der Ansatz des Verbandes ist es also, die Debatte von einer Konfrontation auf die Überprüfung des Verfahrens zu verlagern. Damit wird zwar die Unzufriedenheit anerkannt, aber die Kernabsicht der Politik nicht aufgegeben.


Führung unter Beobachtung


Eine weitere Frage bezog sich auf die persönlichen und institutionellen Folgen der Kontroverse was die Verbandsspitze anbelangt. Auf die Frage, ob sie angesichts der Intensität der Debatte noch das Vertrauen habe, im Amt zu bleiben, räumte Ruuda ein, dass die Zeit schwierig gewesen sei, erklärte aber, dass sie sich weiterhin ihrer Rolle verpflichtet fühle. Sie betonte, dass die Fortsetzung ihrer Präsidentschaft letztlich vom Vertrauen abhänge. „Es war hart“, gab sie zu und fügte hinzu, letztendlich sei das Vertrauen der Mitglieder entscheidend für jede gewählte Position.


Raues öffentliches Klima


Auf der Pressekonferenz wurde auch der Ton der Debatte selbst angesprochen. Auf die Frage, ob der Verband Drohungen oder unangemessenem Druck ausgesetzt gewesen sei, äußerte Ruuda ihre deutliche Enttäuschung über das Klima, in dem die Angelegenheit verhandelt worden sei. „Ich bin enttäuscht über den hitzigen Ton der Debatte“, sagte sie und merkte an, dass das Klima – insbesondere in den sozialen Medien – „nicht akzeptabel“ sei.


Sie führte die Kehrtwende zwar nicht auf Druck von außen zurück, doch ihre Äußerung unterstrich, inwieweit die Diskussion über interne Führungskreise hinaus in eine breitere, emotional aufgeladene öffentliche Region vorgedrungen war. In den sozialen Medien wurde Ruuda öffentlich als Hauptproblem angegriffen. Üble Gerüchte waren gestreut worden.


Spannungen wegen Transparenz bei U13 Regelung in Schweden


Ein weiterer Punkt betraf die schriftlichen Analysen und Folgenabschätzungen, die der ursprünglichen Entscheidung zugrunde lagen. Ruuda bestätigte die Existenz solcher Dokumente. Veröffentlicht werden sollen sie aber nicht, da die Organisation nicht an Gesetze zur Informationsveröffentlichung gebunden ist. „Es handelte sich um interne Arbeitsdokumente, die nie zur Publikation bestimmt waren.“ Gleichzeitig signalisierte Ruuda die Absicht, bei zukünftigen Entscheidungsprozessen „transparenter“ zu arbeiten – ein Balanceakt, der die Spannung zwischen internen Arbeitsdokumenten und der externen Erwartung in Sachen Transparenz verdeutlicht.


Was sich jetzt ändert


Die unmittelbare Folge des Rückzugs ist eine erweiterte Konsultationsphase, an der Bezirksorganisationen und Mitgliedsvereine beteiligt sind. Dabei soll die Terminologie – einschließlich der Definition von „Elite“ – voraussichtlich überarbeitet werden. Ein Zeitplan oder ein Ergebnis wurden nicht garantiert. Die Botschaft des Verbandes lautet, dass das Thema weiterhin aktuell ist, aber dass Schlussfolgerungen eher durch Dialog als durch Verordnungen zustande kommen werden.


Von der Regel zur Governance


Die Kontroverse hat damit größere Kreise gezogen. Was als Diskussion über Turnierregeln für Kinder begann, ist zur Debatte über die Mechanismen der Formulierung und Verabschiedung solcher Regeln verlagert. Der Verband hat die Frage der Schutzmaßnahmen im Jugendsport nicht aufgegeben, wohl aber die Annahme ad acta gelegt, dass diese Frage bereits geklärt sei.


Praktisch gesehen ist nicht mehr geplant, die U13-Regelung wie ursprünglich vorgesehen bis 2027 in Kraft zu setzen. Strukturell gesehen markiert diese Episode einen Übergang von einer direktiven Politikgestaltung zu einer ausgehandelten Reform. Eine Erinnerung daran, dass in mitgliederbasierten Sportorganisationen die Legitimität ebenso sehr davon abhängt, wie Entscheidungen getroffen werden, wie davon, was sie beinhalten.


Sandra Ruuda, Präsidentin des schwedischen Reiterverbandes in der digitalen Pressekonferenz. Foto: kimc.nu/Kim Lundin
Sandra Ruuda, Präsidentin des schwedischen Reiterverbandes in der digitalen Pressekonferenz. Foto: kimc.nu/Kim Lundin

Ähnliche Beiträge

Drama im schwedischen Reitsportverband, Teil drei: Neugestaltung der Führung
Drama im schwedischen Reitsportverband, Teil drei: Neugestaltung der Führung Zum Artikel
Ein Jahr FN-Initiative „100 Schulpferde plus“ – die Zwischenbilanz
Ein Jahr FN-Initiative „100 Schulpferde plus“ – die Zwischenbilanz Zum Artikel
Neue Lehrgänge, neue Trainer beim CHIO Aachen CAMPUS
Neue Lehrgänge, neue Trainer beim CHIO Aachen CAMPUS Zum Artikel
WP Wehrmann Publishing