Olympische Spiele in Berlin wird es nicht geben geben – zumindest bis 2048 nicht
Berlin zieht Olympiabewerbung zurück
Olympische Ringe in Berlin statt in Paris? Das war der Traum, der nun geplatzt ist. Aber zwei Kandidaten um die deutsche Olympiabewerbung sind noch im Rennen.
Foto: Sportfotos-lafrentz.de „Heute ist ein trauriger Tag für Berlin. Die Olympischen und Paralympischen Spiele wären eine riesige Chance für Berlin, für Ostdeutschland und kommende Generationen gewesen“, sagte Wegner. Er sprach davon, dass „der Stecker gezogen“ worden sei, und ergänzte, er sei „noch nie so ungern zu einer Pressekonferenz gegangen“. Sportsenatorin Iris Spranger (SPD) bezeichnete den Tag als den „schlimmsten Morgen“, den sie vor einer Pressekonferenz erlebt habe. So berichtet unter anderem die Sportschau.
Zu den politischen Hintergründen
Berlins Olympia-Beauftragter Kaweh Niroomand nannte als Grund für den Rückzug fehlende politische Stabilität: „Was die Verbände von uns verlangt haben, konnten wir nicht liefern – nämlich politische Stabilität.“ Man habe zudem vermeiden wollen, in Baden-Baden mit einer nur einstelligen Stimmenzahl aus dem Rennen zu gehen.
Hintergrund ist die Berliner Abgeordnetenhauswahl, bei der die bisherige CDU/SPD-Koalition, die die Bewerbung getragen hatte, ihre Mehrheit verlor. Als wahrscheinliche neue Regierende Bürgermeisterin gilt Elif Eralp von der Linken, die die Olympia-Bewerbung ebenso ablehnt wie die Grünen – beide verweisen auf andere finanzielle Prioritäten. Anders als bei den Bewerbungen Münchens und Nordrhein-Westfalens war die Berliner Bewerbung nicht durch einen Bürgerentscheid legitimiert. Das Abgeordnetenhaus hatte ihr nur unter der vorherigen CDU/SPD-Koalition zugestimmt, während Gegner ein Volksbegehren gegen die Bewerbung anstrebten.
Die begrabene Idee
Berlin war mit dem Konzept „Berlin+“ angetreten, einer gemeinsamen Bewerbung mit Brandenburg, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern für die Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044. In der DOSB-Bewertung hatte Berlin laut Tagesspiegel zuletzt mit 74,6 von 100 Punkten („gut“) deutlich schlechter abgeschnitten als die Mitbewerber München (87 Punkte, „sehr gut“) und Köln-Rhein-Ruhr (85 Punkte, „sehr gut“). Finanzsenator Stefan Evers (CDU), der im Rennen um die Spitzenkandidatur gegen Eralp unterlegen war, und Bob Hanning, Manager des Handball-Bundesligisten Füchse Berlin, äußerten sich bedauernd über den Rückzug.
Der DOSB entscheidet nun voraussichtlich am Samstag in Baden-Baden zwischen den verbliebenen Bewerbern München und Köln-Rhein-Ruhr über die deutsche Olympia-Kandidatur.
Olympischer Pferdesport in München oder Köln/Rhein-Ruhr – die Pläne
Würde Deutschland den Zuschlag für die Austragung der Olympischen Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 bekommen, könnte der Pferdesport auf vorhandene und bewährte Infrastruktur setzen. Das sind die Pläne.
München
Austragungsort wäre die Olympia-Reitanlage München-Riem – dieselbe Anlage, die bereits 1972 als Unterbringungsort für die Pferde und Austragungsstätte diente. Sie umfasst rund 27 Hektar, ist von altem Baumbestand, verschlungenen Wegen und Hügeln geprägt und heute regelmäßig Schauplatz nationaler und internationaler Turniere, unter anderem der „Pferd International“ mit jährlich über 70.000 Besuchern. Laut Bewerbungskonzept sollen in Riem alle drei olympischen Disziplinen ausgetragen werden: Dressur (rund 12.000 Plätze), Springen (rund 20.000 Plätze) und Vielseitigkeit (rund 20.000 Plätze), dazu die Para-Dressur bei den Paralympics. Der Bayerische Reit- und Fahrverband, der auf der Anlage ansässig ist, sowie weitere Verbandsvertreter waren in die Konzeption eingebunden.
Köln/Rhein-Ruhr (Bewerbung KölnRheinRuhr)
Hier ist Aachen mit dem Sportpark Soers als Austragungsort für den Pferdesport vorgesehen – ergänzt durch den Tivoli für Fußball. Zu Aachen muss man Pferdesportfreunden nicht viel erklären. Nicht umsonst trägt der jährliche CHIO Aachen den Beinamen „Weltfest des Pferdesports“. Dass man hier auch Championat kann, haben die Aachener vielfach bewiesen, zuletzt bei der Weltmeisterschaft 2026.
Schon mit der bestehenden Infrastruktur ist es den Aachenern gelungen, die WM 2026 zu einem Sportevent zu machen, das seinesgleichen suchte und das die WM von 2006 sogar noch toppen konnte. Doch in den kommenden Jahren soll noch einmal aufgerüstet und der lange geplante Bau einer neuen Mehrzweckhalle in Angriff genommen werden. Dafür hat das Land NRW gerade eine Finanzspritze von 28 Millionen Euro zugesagt.
Am 17. September 2026 übergab NRW-Staatssekretärin Andrea Milz den Förderbescheid über 28 Millionen Euro für den Neubau einer modernen Mehrzweck-Reithalle im Sportpark Soers an Birgit Rosenberg und Philip Erbers vom Vorstand des Aachen-Laurensberger Rennvereins (ALRV) – dem Ausrichter des CHIO Aachen. Die Gesamtkosten des Projekts liegen bei rund 48 Millionen Euro. Die Differenz zur Landesförderung trägt der ALRV als Eigenanteil. Gebaut werden soll zwischen 2027 und 2029. Die Mittel stammen aus der Strukturwandelförderung des Rheinischen Reviers (Investitionsgesetz Kohleregionen). Das Land will damit den Pferdesport in der Region stärken und einen Impuls für den Strukturwandel setzen.
Eingebettet ist die Reithalle laut Pressemitteilung der Stadt Aachen in das größere Projekt „Sportpark Soers“, das der Aachener Stadtrat bereits im September 2024 einstimmig auf den Weg gebracht hat: Insgesamt waren dem Land 40 Millionen Euro Fördermittel für die Standortentwicklung zugesagt, die je zur Hälfte an die Stadt Aachen (für Abriss des ehemaligen Polizeipräsidiums und Bau einer Multifunktionssporthalle für Volleyball/Handball/Basketball) und an den ALRV fließen sollten. Die Reitsporthalle selbst ist zudem Teil eines Gesamtkonzepts, das auch Nachwuchsförderung, Parasport und Stallungen umfasst.