Grand Prix der Weltcup-Etappe der Dressurreiter von Amsterdam

Spannender Vormittag in Amsterdam

Dressur
Die Weltcup-Titelverteidiger Charlotte Fry und Glamourdale sind auf dem Weg zum Sieg in Amsterdam. Foto: FEI/Jon Stroud Die Weltcup-Titelverteidiger Charlotte Fry und Glamourdale sind auf dem Weg zum Sieg in Amsterdam. Foto: FEI/Jon Stroud
Charlotte Fry mit Glamourdale, Isabell Werth mit Wendy. Dazu der zweite Weltcup-Auftritt von Charlotte Dujardin und Alive and Kicking und das britische Dreamteam Becky Moody und Jagerbomb – schon die Teilnehmerliste der Weltcup-Etappe der Dressurreiter in Amsterdam verspricht spannenden Sport. Und den gab am Freitagvormittag im Grand Prix auch.

Spannender Dressurmorgen im Grand Prix von Amsterdam. Am Ende setzte sich das Weltcup-Titelverteidigerpaar, Charlotte Fry mit Glamourdale, knapp gegen Isabell Werth und Wendy durch. Über Rang drei freuten sich Becky Moody und Jagerbomb.


Hier unsere Eindrücke.


Charlotte Fry und Glamourdale


Charlotte Fry und Glamourdale hatten bereits 2025 die Weltcup-Etappe von Amsterdam für sich entschieden, ehe sie wenige Wochen später den Titel beim Finale in Basel holten. Bei ihrem heutigen Auftritt im Qualifikations-Grand Prix fingen sie gut an. Der nun 15-jährige Lord Leatherdale-Sohn präsentierte sich im ersten Teil der Trabtour losgelassener und leichter in der Anlehnung als man es schon von ihm gesehen hat. Ein Highlight waren die fließenden Traversalen. Das Halten war gut, das Rückwärtsrichten durchlässig, aber leider schief. In den Piaffen – besonders der zweiten – zeigte der Rappe sich verbessert, mit gesenkter Kruppe und recht aktiv abfußend, allerdings nicht immer im Gleichmaß. Im starken Schritt kam er zum Schreiten und dehnte sich auch, aber man hätte sich mehr Vor- und Übertritt gewünscht. Der versammelte Schritt gelang gut.


In der Galopptour spielte Glamourdale seine naturgegebenen Stärken aus, wurde allerdings zunehmend stark in der Anlehnung. Ein Highlight waren die Zick-Zack-Traversalen – sehr kontrolliert und dabei weit kreuzend, während der Hengst grundsätzlich in der Versammlung mehr Last aufnehmen und sich vom Gebiss abstoßen dürfte. In der letzten Passage vor dem Schlussgruß musste Fry recht deutliche Hilfen geben, um zu verhindern, dass Glamourdale die Aufgabe vor G beendete.


Alles in allem präsentierte der Hengst sich gegenüber Crozet wesentlich besser. Die Richter vergaben genau 80 Prozent. Die Bewertungen reichten von 76,522 Prozent (Rang eins) von der Finnin Maria Colliander bei H bis 83,043 Prozent von der Niederländerin Francis Verbeek-van Roy bei B. Mariette Sanders-van Gansewinkel bei E (79,783) und Susanne Baarup bei M (80,870) sahen die beiden jeweils auf Platz zwei.


Werth und Wendy


Sowohl die Niederländerin (80,0) als auch die Dänin (81,957) hätten Isabell Werth und Wendy vor dem Weltmeister-Duo gesehen. Maria Colliander hatte die beiden allerdings mit 74,783 Prozent „nur“ auf Rang drei. Aus Zuschauersicht muss man sagen: Die Bewertung von Maria Colliander spiegelte den Ritt deutlich realistischer wieder als die der Kollegen.


Isabell Werth hatte Wendy statt wie eigentlich geplant Quantaz mit nach Amsterdam genommen, weil ihr Bauchgefühl ihr gesagt hatte, dass sie beide mehr Turniererfahrung brauchen, um noch besser „in den Flow“ zu kommen. So Werths Statement auf Social Media. In Basel war die Stute im Grand Prix reichlich spannungsgeladen gewesen. Isabell Werth erklärte später, im Abreitezelt sei es windig gewesen. Daran kann es heute nicht gelegen haben, denn in Amsterdam liegt der Abreiteplatz ebenfalls in einer der Messehallen. Aber Spannung spielte auch heute eine Rolle bei den beiden.


Das begann schon in der Trabtour, wo die Stute sich in ansprechendem Seitenbild präsentierte, aber der Trabablauf nicht immer im Gleichmaß war, die Verstärkungen eilig und die Anlehnung fest blieb. Auch herrschte mitunter der Kandarenzügel vor. Gut gelangen die Traversalen, insbesondere die erste nach rechts.


In den Passagen blieb die Stute zwar stabil im Genick, doch Werth kam trotzdem nicht zum Loslassen. Wie stets fußte Wendy aktiv und lebhaft ab, doch man wünschte sich mehr Schwingen durch den Körper. Das gleiche galt für die Piaffen. Die Stute senkte die Kruppe und trat lebhaft diagonal im Takt. Aber auch hier hätte man sich eine losgelassenere Oberlinie gewünscht.


Sehr schön war der starke Schritt.


Im Galopp setzte sich das Problem mit der Spannung fort. Auch hier wünschte man sich den Galoppsprung von hinten nach vorne über den losgelassenen Rücken weiter durch- und „zu Ende“ gesprungen. So passieren den beiden immer wieder Fehler in den Serienwechseln. Heute waren nur die Einer betroffen. Doch selbst wenn die Diagonale ohne große Fehler gelingt wie heute in den Zweiern – es fehlte an Losgelassenheit und dadurch dem lässigen, sicheren Durchsprung, der diese Lektion ausmacht. Auch in den Pirouetten wünschte man sich mehr Lastaufnahme. Die Piaffe auf der Schlusslinie war sicherlich die beste der Prüfung.


Alles in allem eine Vorstellung, die vor allem Losgelassenheit vermissen ließ und die darunter litt, dass die Stute nicht zum Schwingen kam. Die Richter gaben trotzdem 79,131 Prozent.


Jagerbomb – der Gegenentwurf


Quasi der Gegenentwurf zu Wendy ist Becky Moodys Jagerbomb. Während man bei Wendy innerlich immer „Brrr“ und „Hoooh“ sagen will, kommt dieser Dante Weltino-Sohn zumindest äußerlich mit großer (Los)Gelassenheit daher. In der Piaffe-Passage-Tour beginnt man sogar, innerlich etwas zu schnalzen. Aber die Anlehnung ist stet und weich, der Takt sicher, das Abfußen gegeben. Ein Aber heute: Im Schritt kam der zwölfjährige KWPN-Wallach, der von Becky Moody selbst gezogen wurde, nicht wirklich zum Schreiten und hätte sich mehr an die Hand heran dehnen müssen. Außerdem sprang er in den ansonsten sehr gelungenen Einerwechseln einmal hinten nicht mit. Das war teuer, aber nicht alle Richter schienen es gesehen zu haben. Die Punkte, die er hier verlor, sammelte Jagerbomb mit tollen Pirouetten wieder ein.


Unter dem Strich eine sehr schöne Runde, die mit 77,239 Prozent bewertet wurde, dem bislang besten Ergebnis des Paares. Vier Richter hatten die beiden auf Rang drei. Lediglich Maria Colliander sah sie deutlich vor Isabell Werth mit 76,087 Prozent.


Zantana, das Überpferd


Spannung – das ist auch immer wieder das Thema bei der zwölfjährigen Oldenburger Zonik-Tochter Zantana von Marike van der Putten. Die beiden hatten bei der EM in Crozet ihr Championatsdebüt gegeben und sind nun bei ihrer zweiten Weltcup-Etappe nach Mechelen dabei. Die Stute verfügt über herausragende Bewegungen und alles Talent, was ein Dressurpferd nur haben kann. Aber auch sie ist nicht immer losgelassen im Ablauf, so dass es insbesondere in den Passagen immer wieder zu Spannungstritten kommt. Trotzdem  brachte das niederländische Duo die Prüfung ohne grobe Lektionsfehler zu Ende und konnte sich über eine neue persönliche Grand Prix-Bestleistung von 74,826 Prozent freuen. Damit wurden sie Vierte und waren bestes niederländisches Paar.


Alive and Kicking – der Name ist Programm


Ebenfalls zwölfjährig ist Charlotte Dujardins Westfalen-Stute Alive and Kicking, deren Vater All at Once am morgen noch Lara van Nek zum Sieg im U25-Grand Prix getragen hatte. Die Stute hatte in London ihr Weltcup-Debüt gegeben, ihr erster Auftritt auf großer Bühne. So ganz daran gewöhnt hat sie sich augenscheinlich noch nicht, denn auch heute wirkte sie noch reichlich „an“ und absolvierte alles wie in Eile. Zwar piaffiert und passagiert sie wie ein Metronom, aber für höhere Bewertungen fehlt es ihr noch an der Gelassenheit, die dann auch Erhabenheit ermöglicht. Im Galopp wünschte man sich die Kruppe gesenkter und dadurch die Bergauftendenz sicherer.


Gepunktet haben die beiden vor allem durch das exakte Reiten von Charlotte Dujardin, die genau weiß, wie sie ihre Pferde vorstellen muss, um keinen einzigen Punkt liegen zu lassen. 73,044 Prozent gab es heute, Platz fünf.


Weitere Platzierte


Damit ließen sie unter anderem das Weltcup-Finalsiegerpaar von 2024 hinter sich, Patrik Kittel mit Touchdown. Mit 73,022 wurden die beiden Schweden knapp geschlagen Sechste.


Dahinter platzierte sich das Siegerpaar aus Mechelen, Larissa Pauluis (BEL) mit dem toll piaffierenden Ampere-Sohn Flambeau, der allerdings immer wieder zu eng und zu hoch aufgerichtet daherkommt und dadurch nicht immer durch den Körper schwingt (72,50).


Ebenfalls noch im Geld waren die Niederländerin Thamar Zweistra und Luxuriouzz auf Platz acht (70,435).


Der einzige weitere Deutsche, Moritz Treffinger mit Fiderdance, erhielt genau 69 Prozent und wurde Zehnter.


Alle Ergebnisse finden Sie hier.


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