Qualifikation für die Finalqualifikation im Nürnberger Burg-Pokal von Schäftlarn an Raphael Netz und Glamourdoc
Weltmeister mit Weltmeister-Sohn gewinnt Quali für Burg-Pokal Quali auf dem Fichtenhof
Raphael Netz mit Glamourdoc in der Burg-Pokal Qualifikation in Balve, wo die beiden Dritte waren.
Foto: sportfotos-lafrentz.de Es war noch trocken, als das erste Paar das Viereck auf dem Fichtenhof in Schäftlarn zur Qualifikation für die sechste von acht Finalqualifikationen des Nürnberger Burg-Pokals 2026 betrat. Doch dann öffnete der Himmel seine Schleusen und ein gesunder Landregen setzte ein, um der Trockenheit der vergangenen Wochen im Süden Deutschlands ein Ende zu bereiten. Raphael Netz und Glamourdoc waren das erste Paar nach der Pause.
Dancing in the rain als musikalische Untermalung hätte gut gepasst. Den beiden gelang trotz der Bedingungen eine herrliche Prüfung mit sorgfältig herausgearbeiteten Highlights à la Mannschaftsweltmeister Netz, der jeden Punkt mitnahm, den er konnte, und das von der ersten bis zur letzten Grußaufstellung. Der achtjährige Westfale Glamourdoc, Sohn des Vierfach-Weltmeisters Glamourdale aus einer Mutter v. Millennium, machte es ihm nicht immer einfach. Er wieherte wiederholt nach seinen Freunden auf dem Abreiteplatz und beäugte jede Ecke. Aber Netz gab dem Rappen mit seiner ruhigen, präzisen Einwirkung alle Sicherheit und Konsequenz. So gelang den beiden ein Ritt mit vielen Highlights und ohne Patzer. Heike Kemmer bei H gab Netz für Sitz und Einwirkung eine 9,5. Recht hatte sie. Wie Netz Glamourdoc durch die Prüfung begleitete war einmal mehr großes Kino. 73,950 Prozent gab es dafür. Das bedeutete heute den Sieg.
Um es nach Frankfurt zu schaffen, müssten die beiden allerdings morgen ebenfalls gewonnen oder mit hoher Bewertung Zweite werden. Verdient hätte Netz es.
Aringer auf Angriff
Eine, die ebenfalls gerne nach Frankfurt möchte, ist Sina Aringer. Letztes Wochenende noch Bundeschampionatstitel mit Bonds in Gold bei den vierjährigen Hengsten in Warendorf, heute Burg-Pokal Quali-Zweite auf der achtjährigen Oldenburger Stute Dalma Sia Bellante v. Secret. Die beiden lieferten einen lockeren, selbstverständlichen Ritt, geprägt von taktsicherer Losgelassenheit und gutem Gleichgewicht. Man hätte sich manches noch schöner auf dem Hinterbein getragen vorstellen können, aber die Stute machte zu jeder Minute einen super zufriedenen Eindruck und war voller Arbeitseifer. Die Pirouetten, besonders die nach rechts, waren schon ausgereift, das Umstellen in den doppelten halben Traversalen geschmeidig, die Serienwechsel durchgesprungen. Der nach rechts klappt noch nicht ganz so locker wie der nach links. Aber 73,20 Prozent sprechen für sich – das war eine gelungene Runde.
Eine für die Zukunft
Rang drei sicherte sich Lena Haßmann mit der im Trab unglaublich schwungvollen und im Galopp unglaublich fleißigen achtjährigen Oldenburger Stute Vitafina Amour PS von Bellin OLD. Die Namenszusätze sagen es: PS steht für Paul Schockemöhle, auf dessen Gestüt Lewitz die Vitalis-Tochter geboren wurde, „von Bellin“ für die Besitzer das Gestüt von Bellin. Bei aller Bewegungsdynamik, die die Stute mitbringt, musste Lena Haßmann immer wieder aufpassen, dass der losgelassene Fluss nach vorne erhalten blieb. Das gelang ihr in den meisten Fällen. Im Schritt allerdings verhielt die Stute sich. Vermutlich der Grund dafür, dass der Viertakt nicht so klar war, wie er hätte sein sollen. Auch in der Rechtspirouette hatte Haßmann zu tun, die Stute vor sich zu halten, was ihr nach links noch hervorragend gelungen war. Sobald die Puzzleteile hier alle zusammenpassen dürften noch deutlich mehr drin sein als heute 72,780 Prozent.
Vierfach-Olympiasiegerin im Dauereinsatz
Von einem Sattel in den anderen musste heute Jessica von Bredow-Werndl steigen. Allein für den Nürnberger Burg-Pokal hatte sie schon zwei Pferde mitgebracht. Den Anfang machte der erst siebenjährige Hannoveraner Singleton v. Secret-Damsey, der seit rund zwei Jahren in Aubenhausen beheimatet ist. Auch Singleton vermisste hörbar seine Kollegen, behielt aber die Konzentration und lieferte eine recht schöne Prüfung mit noch ausbaufähigen Pirouetten nach rechts, sowohl im Schritt als auch im Galopp. Außerdem wollten die Serienwechsel noch nicht sicher gelingen. Mit 70 Prozent gehörten die beiden am Ende nicht zu den Platzierten. Aber da ist noch viel Luft nach oben.
Auch Jessis zweites Pferd in der Prüfung ist erst siebenjährig und aus der Hannoveraner Zucht: die Stute Feliciana BB v. Follow Him’s Schönweide aus einer Benicio-Mutter. Die Stute ist eine enge Verwandte zu Ferdinand BB, den Jessica von Bredow-Werndl ja seit Remonte-Tagen bis Grand Prix ausgebildet hat. Felicianas Mutter ist eine Halbschwester zu Ferdinand. Beide stammen aus der Zucht von Bernhard Sieverding und wie ihr Halbonkel ist auch Feliciana schon sehr jung nach Aubenhausen gekommen. Heute präsentierte sie sich mit Talent, aber auch noch sehr „grünen“ Momenten. Die ganze Galopptour war wenig versammelt und von Jessica von Bredow-Werndl sehr vorsichtig geritten. Die Stute machte keine groben Lektionsfehler, musste aber eben in den Pirouetten auch nicht wirklich Last aufnehmen, sich in den Traversalen kaum biegen und konnte die Serienwechsel quasi im Mittelgalopp angehen. Mit 72,220 Prozent wurden die beiden Vierte.
Stars von Morgen
Pünktlich zum zweiten Highlight des Samstags auf dem Fichtenhof, der Intermédiaire II für die Derby Stars von Morgen strahlte wieder die Sonne auf das Viereck. Hier setzten sich die Piaff-Förderpreis Sechsten von 2025, Ann-Cathrin Rieg und ihr herrlicher Reitpony-Hengst Steendiek’s Derrick, mit 72,410 Prozent gegen die Konkurrenz durch. Über Rang zwei konnte sich mit 72,110 Prozent Rudolf Widmann auf dem Rock Forever-Sohn Romantic Prinz freuen. An dritter Stelle reihten sich Carina Scholz und der elfjährige Hannoveraner Finest-Sohn Fideleo ein.
Ihr drittes Pferd am heutigen Tag ritt Jessica von Bredow-Werndl mit dem Hannoveraner Hengst Dancier Gold. Der ist als Dancier-Sohn zwar ein Halbbruder zu ihrem so tragisch gestorbenen Diallo, hat aber ansonsten nicht viel mit dem quirligen Wallach gemein. Wo Diallo beinahe zu viel Go hatte, lässt sich Dancier Gold eher etwas bitten. Die Trabtour gelang den beiden aber richtig gut, mit schönen Verstärkungen, ausdrucksvollen Passage-Momenten und Piaffen, die auf dem richtigen Weg sind. Im Schritt kam Dancier Gold dann aber schon nicht wirklich zum losgelassenen Schreiten und im Galopp verhielt er sich ebenfalls. So kam er in der Linkspirouette einmal ganz deutlich hinter die treibende Hilfe und fiel aus. Das war teuer. Die Rechtspirouette war etwas besser und die Serienwechsel gelangen ebenfalls. Alles in allem wurden es heute 70,220 Prozent und Rang vier für die beiden.
Grand Prix Special
Den Abschluss des Samstags auf dem Fichtenhof bildete Teil II der großen Tour, der Grand Prix Special. Hier gelang es den beiden Vierten der U25 DM, Fiona Serafina Lukas und Aragorn, die Grand Prix-Sieger Raphael Netz und Vita di Lusso hinter sich zu lassen. Besonders die erste Hälfte des Special mit den vielen Übergängen zwischen starkem Trab und Passagen gelang Fiona und ihrem Oldenburger Antango-Sohn gut. Ebenso die Schlusslektionen. Alles in allem kamen die beiden auf 71,80 Prozent.
Netz und Vita di Lusso, den er momentan vertretungsweise für seine Freundin Selina Söder reitet und eventuell auch dauerhaft übernimmt (das ist noch unklar, wie er gestern erklärte), waren trotzdem beinahe die ganze Aufgabe notenmäßig deutlich vorne. Aber ein paar dicke Patzer – in der Linkstraversale im Galopp, in den Einerwechseln und in der Piaffe auf der Schlusslinie – waren teuer. Mit 71,330 Prozent wurde es heute Rang zwei.
Alle Ergebnisse aus Schäftlarn finden Sie hier.