Bohemian gewinnt CDI3* Grand Prix in Wellington
Olympia-Dressurpferd Bohemian meldet sich zurück auf der internationalen Bühne
Endel Ots mit Bohemian 2024 auf dem Schafhof. Foto: sportfotos-lafrentz.de Der von Heinrich Langwellpott gezogene Bordeaux-Sohn Bohemian war schon als junges Pferd eine auffällige Erscheinung. Als Sechsjährigen präsentierte Katrine Kraglund ihn bei den Weltmeisterschaften der jungen Dressurpferde. Er wurde dort letzter in der Qualifikation, schaffte es mit dem Sieg im kleinen Finale doch noch in die WM-Entscheidung und belegte Rang acht. Dass dieses Pferd fürs große Viereck gemacht ist, war schon damals klar zu erkennen.
Kraglund hatte bei der WM Bohemians eigentliche Reiterin, Cathrine Laudrup-Dufour, vertreten, weil die für die Olympischen Spiele in Rio nominiert worden war. Danach übernahm Laudrup-Dufour wieder die Ausbildung von „Bo“ und formte ihn zu einem Weltpferd mit Grand Prix-Ergebnissen Ü80 Prozent. Die Highlights der Karriere des Paares: Vierte in Einzel- und Mannschaftswertung bei den Olympischen Spielen in Tokio, Mannschaftsbronze sowie Einzelsilber und -bronze bei den Europameisterschaften 2021 in Hagen.
Olympia 2024?
Zu Beginn des Jahres 2023 wechselte Bohemian dann den Besitzer. Der Koreaner Dong Seon Kim, selbst Teilnehmer der Olympischen Spiele 2016 und 2021, investierte in den Dunkelfuchs. Es wäre eine mögliche Paarung für Paris 2024 gewesen. Doch dazu kam es nicht. Die Auftritte der beiden in Wellington verliefen mäßig erfolgreich. Ein Olympiastart war dann aber ohnehin kein Thema mehr, da Dong Seon Kim beschloss, sich künftig wieder verstärkt beruflich zu engagieren und seine Grand Prix-Pferde zu verkaufen.
Bohemian wurde dem in Dülmen ansässigen Schweden Patrik Kittel zum Reiten überlassen. Der stellte ihn mit deutlich mehr Erfolg vor als der Noch-Besitzer des Wallachs. Ende Oktober 2023 in Herning gewannen sie den Grand Prix Special mit knapp 76 Prozent. Dann wurde bekannt, dass Kim Bohemian und weitere Pferde seiner Galleria Sportpferde GmbH über eine Online-Auktion verkaufen wollte.
Verkauft in die USA
Das gab einen Aufschrei in den sozialen Medien und eine öffentlich ausgetragene Auseinandersetzung zwischen Kittel und der Galleria Sportpferde GmbH mit dem Vorwurf, dass man so ein Pferd nicht versteigert, auf der Kittel-Seite und Gegenvorwürfen, er hätte das Pferd ja selbst kaufen können etc. auf der anderen Seite.
Schlussendlich kam es gar nicht zu der Versteigerung. Stattdessen wurde Bohemian in die USA an den aufstrebenden Dressurstall Zen Elite Equestrian verkauft. Sein neuer Reiter sollte Endel Ots werden, der bis dato noch keine internationale Grand Prix-Erfahrung hatte. Die holte er mit Bohemian zügig nach.
Nachdem die beiden regelmäßig Ergebnisse von 70 Prozent und besser erzielt hatten, wurden sie unter anderem für den CDIO Aachen nominiert, wo sie die Plätze elf (71,435), zehn (72,064) und 14 (74,665) in Grand Prix, Special und Kür belegten. Das war das vorerst letzte Turnier von Bohemian. Der Wallach musste krankheitsbedingt pausieren, ist nun aber schon länger wieder voll im Training.
Rückkehr ins internationale Viereck
In den vergangenen Wochen waren Endel Ots und Bohemian bereits national in Wellington am Start gewesen. Heute stand nun der erste internationale Grand Prix auf dem Programm, der der CDI3* Tour. 13 Paare waren dabei. Ots und Bohemian gewannen die Prüfung mit 69,261 Prozent vor ihren Stall- und Teamkollegen Christian Simonson und dem Parzival-Vollbruder Fleau de Baian (69,065). Punkten konnte Bohemian ganz wie früher in den Piaffen. Teuer war ein Fehler in den Zweierwechseln. Aber er ist zurück und das mit einem Sieg – auch wenn das Ergebnis noch recht weit von den 74 Prozent entfernt ist, die die Paare der USA in Grand Prix und/oder Special innerhalb von zwölf Monaten mindestens zweimal erreicht haben müssen, um für den Championatskader infrage zu kommen.
Zwei deutsche Paare waren in Wellington ebenfalls am Start. Christoph Koschel belegte mit dem zehnjährigen Dante Weltino-Sohn Dante’s Peak Platz fünf (67,739). Die rheinische U25-Nachwuchsreiterin Emma Caecilia Lienert platzierte sich auf Windermere J’Obei in ihrem ersten CDI3* Grand Prix mit 67,543 Prozent direkt dahinter auf dem sechsten Platz. Lienert hat in dem 16-jährigen „Joey“ einen echten Lehrmeister. Ehe der Johnson-Sohn zu ihr kam, war er von der Neuseeländerin Melissa Galloway bis Grand Prix ausgebildet worden und nahm mit ihr an den Olympischen Spielen in Paris teil.
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