Life Time FRH gewinnt Nürnberger Burg-Pokal 2025

Vom unterschätzten Youngster zum Burg-Pokal Sieger

Dressur
Charlott-Maria Schürmann und Life Time FRH, Sieger im Nürnberger Burg-Pokal 2025. Foto: sportfotos-lafrentz.de Charlott-Maria Schürmann und Life Time FRH, Sieger im Nürnberger Burg-Pokal 2025. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Die "Vivaldis" haben sowohl den Nürnberger Burg-Pokal als auch den Louisdor-Preis 2025 dominiert. Im Burg-Pokal Finale war es vor allem Charlott-Maria Schürmanns achtjähriger Hannoveraner Hengst Life Time FRH, der auftrumpfte. Etwas, womit die wenigsten gerechnet hätten, als er vierjährig zu seiner Reiterin kam.

Als Charlott-Maria Schürmann und Life Time FRH Aufstellung zum Gruß der Richter im Finale des Nürnberger-Pokals nahmen, war offensichtlich: Diese beiden hatten sich etwas vorgenommen! Als Weltmeister des Vorjahres und deutlicher Sieger der Einlaufprüfung war der achtjährige Hannoveraner Livaldon-Sohn hoch gehandelter Favorit für den Burg-Pokal 2025, eine Rolle, der er gerecht wurde.


Von der ersten Grußaufstellung an lieferten Schürmann und Life Time eine akzentuierte Prüfung mit Höhepunkten. Die Verstärkungen waren maximal herausgeritten, in der Versammlung wurde der Trab erhabener und getragener, nicht spanniger. Der versammelte Schritt fiel ebenso taktrein aus wie der starke Schritt. Die Lektionen – halbe Pirouetten in Schritt und Galopp, Traversalverschiebungen, Serienwechsel – gelangen fast alle mit großer Sicherheit und Selbstverständlichkeit. Vielleicht hätte die Galopptour noch etwas getragener sein dürfen. Aber es war offensichtlich, dieses Pferd hat auf klassische Weise gelernt, mit seinem Körper umzugehen und sich auszubalancieren.


Diesen Eindruck konnte auch der kurze Moment nicht trüben, als Life Time sich bei der ganzen Parade zum Halten auf der Mittellinie vor dem Rückwärtsrichten – einem Charakteristikum dieser von Dr. Reiner Klimke entwickelten Nürnberger-Pokal Aufgabe – kurz erschreckte und dadurch die Parade zum Halten ebenso in Mitleidenschaft gezogen wurde wie das Rückwärtsrichten. „Da hat er sich kurz vor seinem eigenen Schatten erschrocken“, erklärte Schürmann später. Dass der Mitteltrab danach wieder von allen Richtern eine 8 erhielt, spricht für das, was Schürmann sagt: „Ich vertraue ihm zu 1000 Prozent!“


Chefrichterin Dr. Evi Eisenhardt, die Life Time nicht ganz so gut kennt, wie seine Reiterin, gab zu, dass sie kurz versucht war, hinter ihrem Tisch bei C in Deckung zu gehen. „Die hatten ganz schön Dampf drauf!“ Aber auch sie konnte sich der Energie und Harmonie, die die beiden ausstrahlten, nicht entziehen. Mit 76,521 Prozent wurde Life Time FRH Sieger des Nürnberger Burg-Pokals 2025. Auch wenn es ihm zu Anfang niemand zugetraut hätte, es war ein sehr geradliniger Weg, sagt seine Reiterin.


Charlott-Maria Schürmann und Life Time FRH auf den letzten Metern zum Sieg im Nürnberger Burg-Pokal 2025. Foto: sportfotos-lafrentz.de Charlott-Maria Schürmann und Life Time FRH auf den letzten Metern zum Sieg im Nürnberger Burg-Pokal 2025. Foto: sportfotos-lafrentz.de

Life Time FRH – der Klassenstreber


Charlott-Maria Schürmann und die Dunkelfuchs-Hengste, das ist ein Match. Das erste Pferd, mit dem die Niedersächsin internationale Medaillen gewann, war der Hannoveraner World Cup I-Sohn World of Dreams. Mit ihm wurde sie unter anderem Doppeleuropameisterin der Junioren. Dann fanden sie und ihre Familie den damals fünfjährigen Breitling W-Sohn Burlington. Mit ihm holte sie EM-Medaillen im Junge Reiter-Lager und triumphierte 2012 erstmals im Nürnberger Burg-Pokal Finale. Nun, 13 Jahre später, hat die 33-Jährige die Reiterei längst zu ihrem Beruf gemacht und eines der Pferde, das ihren beruflichen Weg kreuzte, war wieder ein Dunkelfuchshengst: Life Time.


Der war vierjährig, als er zu Charlott-Maria Schürmann kam. Sein Besitzer hatte zuvor ein anderes von ihr ausgebildetes Verkaufspferd ausprobiert und war so angetan von der soliden Ausbilung und dem Reitgefühl, dass er Schürmann sofort sagte, er hätte da noch ein anderes junges Pferd, das würde er ihr gerne in Ausbildung geben. Das war Life Time. Wie Schürmann heute in der Rückschau sagt: „Ich glaube, niemand hat damit gerechnet, dass dieses Pferd mal den Nürnberger Burg-Pokal gewinnt. Der war noch total Baby, ein Schlaks. Er trabte normal, hatte zwar viel Takt und Schwung. Es war alles da, aber es war halt nicht überspektakulär.“


Das ist aus Schürmanns Sicht aber auch gar nicht das entscheidende Kriterium für ein künftiges Spitzenpferd. Entscheidend sei das, was sich „zwischen den Ohren“ abspielt. Und auch in dieser Hinsicht gibt es Parallelen zwischen Schürmanns früherem Star Burlington und Life Time. „Dieses Mitmachen, diese Einstellung, das ist so identisch und ist für mich wichtig. Die letzte Qualität ist gar nicht entscheidend. Aber wenn sie mitmachen, gut zuhören und sich entwickeln wollen, ist das so viel mehr wert, als wenn wir überspektakuläre Pferde haben, die aber vielleicht noch zu sensibel sind oder damit überfordert sind.“


Life Time hingegen lasse sich durch nichts so schnell aus der Ruhe bringen. Fliegende Wechsel lernen? Wo andere Pferde sich aufregen und heiß werden, hatte Life Time nach drei Tagen verstanden, wo der Hase lang läuft.


Dreimal war der Hengst für Deutschland bei den Weltmeisterschaften der jungen Dressurpferde am Start. Fünfjährig machte er noch den Eindruck, als sei es für ihn ein Kraftakt, seinen statiösen Körper durch die schwierige FEI-Aufgabe zu lavieren. Immerhin kam er aber ins Finale. Das schaffte er auch sechsjährig und der Eindruck war schon besser. Als er 2024 siebenjährig in Ermelo ankam, hatte er das Ticket für das Nürnberger Burg-Pokal Finale schon in der Tasche und war ein richtiges Kraftpaket geworden. Er wurde überragender Weltmeister der siebenjährigen Dressurpferde und ließ dabei unter anderem den Vorjahressilbermedaillengewinner Vitalos mit Leonie Richter hinter sich sowie die supertalentierte Ex-Weltmeisterin der fünfjährigen Dressurpferde zwei Jahre zuvor, St. Paris. Aus dem Schlaks war ein Dressurpferd geworden, offiziell das beste siebenjährige Nachwuchspferd der Welt.


Das Burg-Pokal Finale 2024 ersparte Schürmann dem Hengst. Er hatte genug geleistet in dieser Saison. Er dankte es ihr, indem er sich 2025 gleich bei der ersten Burg-Pokal Qualifikation in Hagen in überragender Manier das Ticket für Frankfurt sicherte. Das traf sich hervorragend, denn es war zugleich die erste Saison für ihn im Deckeinsatz. Das Landgestüt Celle hatte ihn in Ankum aufgestellt. Schürmann trainierte ihn ab, fuhr zwar täglich nach Ankum, um ihn zu reiten, aber ohne viel von ihm zu fordern. Als er dann nach der Decksaison wieder zu ihr in den Stall zurückkehrte, ging es weiter. „Er ist einfach wahnsinnig schlau und vergisst nichts, ein richtiger Musterschüler“, sagt Schürmann. Als solcher hat er sich im Lehrbuch auch schon den Stoff für die höheren Klassen angeschaut. Piaffe und Passage? „Hat er richtig viel Talent für!“, strahlt Charlott-Maria Schürmann über das ganze Gesicht. Klingt, als würde man den nun neunjährigen Hengst auch 2026 in der Frankfurter Festhalle erleben …


Keinen Punkt liegen lassen, das war das Motto von Bianca Nowag-Aulenbrock und Vaida-Girl für das Burg-Pokal Finale 2025, und das hat bemerkenswert gut geklappt. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Keinen Punkt liegen lassen, das war das Motto von Bianca Nowag-Aulenbrock und Vaida-Girl für das Burg-Pokal Finale 2025, und das hat bemerkenswert gut geklappt. Foto: sportfotos-lafrentz.de

Aus dem Urlaub aufs Treppchen


Erst in letzter Minute erfuhr Bianca Nowag-Aulenbrock, dass sie mit der Oldenburger Stute Vaida-Girl OLD, einer Tochter des 2016er Burg-Pokal Siegers Vitalis, für das diesjährige Finale nachrücken kann. Da hatten sie und ihr Mann ihre Urlaubspläne längst in trockenen Tüchern – natürlich ohne Stornierungsoption. Die Tage in der Sonne wollten sie sich aber trotzdem nicht nehmen lassen, „sonst hätte ich jetzt einen Ehemann weniger“, war Nowag-Aulenbrock sich sicher. Also ging sie das Risiko ein, erst wenige Tage vor dem Finale in Frankfurt wieder in den Sattel ihrer Dunkelfuchsstute zu steigen. Vaida-Girl hat die Trainingspause nicht geschadet, im Gegenteil.


Bereits in der Einlaufprüfung sicherte sich das Paar mit einer sauberen Vorstellung Rang zwei (72,878). In Finale konnten sie sogar noch ein Schnippchen drauflegen: 73,780 Prozent, wieder Rang zwei.


Die in den Niederlanden gezogene Oldenburger Dunkelfuchsstute ist sicherlich nicht das Pferd, nach das sich auf dem Abreiteplatz jeder umdreht. Aber wie bei Sieger Life Time FRH stimmt auch bei ihr das, was zwischen den Ohren passiert. Auch sie sei nämlich superschlau, sagt ihre Reiterin. Superschlau und offenbar auch mit sich, der Welt und ihrem Job im Reinen, so der Eindruck, den die Stute vermittelte. Die Harmonie, die sie und ihre Reiterin als Paar ausstrahlten zusammen mit dem starken Prüfungsreiten von Nowag-Aulenbrock waren das Zünglein an der Waage. „Ich hatte Moni (Bundestrainerin Monica Theodorescu) in den Ohren, die mir noch gesagt hat ,Lass keine Punkte liegen, reit in die Ecken!'“ Gesagt, getan und Zweite geworden – trotz des Trainingsrückstandes. „Ja, da kommt man schon ein bisschen ins Grübeln, wenn es ohne Reiten besser geht als mit“, schmunzelte sie.


Noch kein ganzes Jahr ein Team


Erst Anfang des Jahres hatte Bianca Nowag-Aulenbrock den Beritt von Vaida-Girl übernommen. Ihre Grundausbildung von der Klasse L bis S hatte die Oldenburger Vitalis-Stedinger-Tochter von Marina Wilbers bekommen. Noch im Januar waren sie  in der Halle Münsterland am Start gewesen. Dann übernahm Nowag-Aulenbrock.


Marina Welbers hatte Vaida-Girl in die schwere Klasse gebracht. Mit Sabrina Schneider und Annika Rühl war die 2017 geborene Stute zuvor in Reit- und Dressurpferdeprüfungen erfolgreich gewesen, ehe sie zu Welbers wechselte. Die Ausbilderin aus dem Rheinland, eine Schülerin von Johann Hinnemann, qualifizierte die Stute fünfjährig fürs Bundeschampionat, wo sie im kleinen Finale Rang 22 belegten.


Ein Jahr später versuchten sie erstmals, sich eine Empfehlung für die WM junger Dressurpferde abzuholen, doch sie wurden nicht nominiert. Siebenjährig klappte es dann. Welbers und Vaida-Girl durften Deutschland bei der WM in Ermelo vertreten. Dort wurden sie allerdings im Finale abgeklingelt, weil die Richter der Ansicht waren, die Stute ginge nicht klar.


Nun geht Vaida-Girl ihren Weg erst einmal mit Bianca Nowag-Aulenbrock weiter, die ja zwei freie Boxen hat, nachdem ihre beiden internationalen Dressurpferde, Florine OLD und Queolito, jeweils eine neue Reiterin gefunden haben.


Schöner hätte Kira Laura Soddemann den achtjährigen Borghese MT kaum präsentieren können. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Schöner hätte Kira Laura Soddemann den achtjährigen Borghese MT kaum präsentieren können. Foto: sportfotos-lafrentz.de

Sternstunde von Borghese


Ähnlich jung ist die Partnerschaft zwischen Kira Laura Soddemann und dem Fuchs Borghese MT v. Baccardi, die das Burg-Pokal Finale 2025 mit einer Traumrunde eröffnet hatten. Ausgebildet worden war der neunjährige westfälische Wallach, seinerzeit Prämienhengst seiner Körung in Münster-Handorf, von Dorothee Schneider. Mit ihr hatte er seine ersten Prüfungen in der schweren Klasse bestritten. Seit Anfang 2025 sitzt Kira Laura Soddemann im Sattel des Ausnahmepferdes. Für sie war es der erste Auftritt in der Frankfurter Festhalle. Sie dürfte ihn in guter Erinnerung behalten.


Und das, obwohl – oder vielleicht auch gerade weil – sie in der Einlaufprüfung nur Zehnte gewesen waren. Da war die zweite Pirouette in die Hose gegangen. Soddemann wusste, woran es gelegen hat: „Wenn man etwas besonders schön machen möchte, geht es manchmal ganz schön schief!“ Viele andere hätten womöglich lamentiert, ausgerechnet im Finale als erstes Starterpaar in die Bahn zu müssen. Soddemann hingegen freute sich darüber. „Donnerstag bin ich rausgekommen und habe zu meinem Team gesagt, Mensch wie blöd, das können wir doch viel besser! Heute habe ich mich gefreut, als erste reiten zu dürfen und gesagt, so, jetzt machen wir das wie immer und ein bisschen auf Sicherheit!“


Der Plan ging voll auf. Den beiden gelang ein Ritt fast wie aus dem Lehrbuch. Das begann schon mit der Art, wie Borghese sich bewegt: taktrein, losgelassen in Balance und das mit kraftvollem Abdruck aus dem Hinterbein durch den Körper entwickelt. So war auch die Anlehnung fast während der ganzen Prüfung konstant weich, das Pferd stets vor den treibenden Hilfen. Der Ausdruck war zufrieden und positiv aufmerksam. Und dann klappten auch noch die Lektionen – geschmeidige Traversalverschiebungen im Trab und Verstärkungen in genau passendem Maß mit erkennbarer Rahmenerweiterung. Der Galopp steht dem Trab in nichts nach. Borghese zeigte energisch nach Bergauf durchgesprungene und schnurgerade Serienwechsel. D


Der Erfolg nach nicht mal einem Jahr Zeit zum Kennenlernen führt Soddemann bescheiden sowohl auf Borghese selbst als auch auf die Vorarbeit im Stall von Dorothee Schneider zurück: „Borghese ist ein sehr selbstsicheres Pferd und war sehr gut ausgebildet.“ Für den weiteren Werdegang ist nun die Warendorferin verantwortlich. Das Ziel ist klar. Sie verriet: „In der Vorbereitung haben wir schon weiter geübt.“ Könnte also sein, dass Borghese auch 2026 in der Festhalle zu sehen sein wird. Dann im Louisdor-Preis.


Ein "Gänsehautpferd": Juliane Brunkhorsts Bayside AK. Foto: sportfotos-lafrentz.de
Ein „Gänsehautpferd“: Juliane Brunkhorsts Bayside AK. Foto: sportfotos-lafrentz.de

Die weiteren Platzierten


Borja Carrascosas achtjähriger Hannoveraner Manolo FRH v. Morricone war ganz sicher eines der Pferde mit dem meisten Potenzial dieses Finales. Schritt, Trab, Galopp – alle drei Grundgangarten sind bei diesem Wallach weit überdurchschnittlich ausgeprägt. Dazu ist er wunderschön. Gerade das kam aber leider nicht immer so zur Geltung, wie es hätte sein können, weil Manolo besonders in den eigentlich beeindruckenden Verstärkungen eng im Hals blieb. Weitere Mankos, die die Gesamtnote drückten, waren der nicht ganz taktklare versammelte Schritt, ein versehentliches falsches Anspringen beim Übergang aus dem Schritt in den Galopp, noch recht große Pirouetten, schwankende Serienwechsel und eine verstolperte Parade aus dem Galopp zum Halten auf der letzten Mittellinie. Das beeinträchtigte auch das Rückwärtsrichten, das eilig geriet. Fazit: tolles Pferd, aber noch Hausaufgaben zu machen. Ergebnis: 73,171 Prozent, Rang vier.


Für Laura Strobel, frühere Auszubildende von Dorothee Schneider, inzwischen als Bereiterin auf Gut Vorwerk tätig, war es ebenfalls das erste Mal, dass sie ein Pferd für das Nürnberger Burg-Pokal Finale qualifizieren konnte. Und zwar nicht irgendein Pferd, sondern das erste, das sie alleine von der Remontezeit bis zur schweren Klasse ausgebildet hat: den achtjährigen Westfalen Alvarinho GV v. August der Starke aus der Zucht des Gestüts Vorwerk. Der Hengst ist gewissermaßen als Burg-Pokal Pferd zur Welt gekommen. Sein Vater war nicht nur selbst mit Victoria Max-Theurer, der Tochter von Gestütsinhaberin Elisabeth Max-Theurer, Grand Prix-erfolgreich. Er brachte auch deren Erfolgspferd Augustin, der siebenjährig den Nürnberger-Pokal gewann. Und die Mutter von Alvarinho ist eine Vertreterin derselben Stutenfamilie, die zwei Generationen zuvor auch Vicky Max-Theurers Championatsstute Blind Date hervorgebracht hatte, die 2009 das Burg-Pokal Finale anführte. Zum Sieg hat es für Alvarinho nicht ganz gereicht. Aber für einen tollen fünften Platz dieses Hengstes, der wie eine veredelte Version seines Halbbruders Augustin aussieht. 72,707 Prozent wurden es für den schicken Braunen. Für noch mehr Punkte hätte man sich die Bewegungen etwas fließender durch den Körper zur Hand hin gewünscht und die Anlehnung etwas konstanter und gleichmäßiger für mehr Leichtigkeit.


Beatrice Hoffrogge hat ihren ganz persönlichen Superhelden: Zuperman OLD v. Vincent Maranello. Der Oldenburger Hengst gehört ihr selbst. Weil er unverkäuflich ist, bezeichnet sie ihn als ihr „Hobbypferd“. Das bedeutet aber nicht, dass Zuperman nicht alle Voraussetzungen mitbrächte, um im großen Sport vorne mitzumischen. Das hat er bereits vor zwei Jahren bewiesen, als er Bronze bei den Weltmeisterschaften der jungen Dressurpferde gewann. Zuperman bewegt sich unheimlich kraftvoll aus dem Hinterbein, sowohl was Abdruck als auch was Schub anbelangt, aber auch in den Lektionen höchster Versammlung. Leider wirkte er in der Festhalle nicht immer ganz zufrieden in der Anlehnung, verwarf sich mehrfach deutlich und war unruhig im Maul. Mit 72 Prozent belegte das Paar aus Dorsten Rang sechs.


Dr. Reiner Klimke, der Erfinder der Burg-Pokal Aufgabe, wäre stolz gewesen auf seine Enkelin Greta Busacker! Die Tochter von Ingrid Klimke hatte sich auf Anhieb mit der achtjährigen Hannoveraner Stute Frieda NRW v. For Dance für dieses Finale qualifizieren können. Als Busacker Frieda sechsjährig durch die Vermittlung einer Freundin ihrer Mutter unter den Sattel bekam, war die Stute auf A Niveau platziert. Und das entsprach exakt ihrem Ausbildungsstand. Aber sie lernte schnell. In ihrer ersten gemeinsamen Saison stellte die ehemalige U21-Europameisterin der Vielseitigkeit die Stute in einer Dressurpferdeprüfung der Klasse L vor und gewann. Ein Jahr später holten sei in herrlicher Manier Silber beim Bundeschampionat der siebenjährigen Dressurpferde. Und achtjährig stand die Stute im Burg-Pokal Finale. Dreimal hatte Greta allein in dieser Saison schon den Stilpreis gewonnen. Und den gab es auch dieses Mal für einen harmonischen, ausdrucksstarken Ritt. Würden alle Reiter so fein mit der Kandare einwirken, hätten die Befürworter bessere Argumente. Dennoch hätte die Stute besonders im starken Schritt noch deutlicher zur Hand hinziehen dürfen. Was das Ergebnis jedoch am meisten beeinträchtigt hat, war das Durchparieren in der zweiten Galopppirouette, als Frieda ein dringendes Bedürfnis verspürte. Schade! So wurden es 71,903 Prozent und Platz sieben. Die Vielseitigkeit hat Greta übrigens nicht aufgegeben, wie sie später im Gespräch verriet. Ganz in der Tradition ihrer Mutter Ingrid Klimke, will sie auch weiterhin in beiden Disziplinen an den Start gehen, nur fehlt ihr für den Busch aktuell ein Spitzenpferd. Aber da seien einige viel versprechende Youngster, auf die sie große Hoffnungen setze, so Busacker.


Apropos Ingrid Klimke – eines der Pferde, mit dem die Reitmeisterin in der Dressur nachhaltig auf sich aufmerksam machen konnte, war der Rappe Dresden Mann, der aufgrund einer Verletzung vorzeitig aus dem Sport genommen werden musste. Beim diesjährigen Burg-Pokal Finale hatte er seinen Neffen geschickt: den neunjährigen Westfalen Dynoro v. Danone I. Die Mutter Dresden Doll ist eine Vollschwester zu Dresden Mann. Seit er vierjährig ist, wurde Dynoro von Jessica Süß ausgebildet. Mit dem Sieg in Mannheim hat er ihr ihren ersten Start in Frankfurt beschert, wo Süß den hochgewachsenen Wallach voller Dynamik und Harmonie präsentierte. Noch schöner wird es, wenn es ihr gelingt, seine Nase noch deutlicher vor die Senkrechte zu schieben. Leider passierte dem Paar ein Malheur in den Viererwechseln, das die Wertung drückte. So wurden es 71,512 Prozent und Rang acht.


Wer Pferde vom Typ elegante Ballerina mag, wird Juliane Brunkhorsts Bayside AK lieben! Die achtjährige dunkelbraune Hannoveraner Stute ist deutlich von den Genen des Linienbegründers Sandro Hit geprägt, der in ihrem Pedigree zweimal auftaucht, über Vater Bon Coeur, der eine Sandro Hit-Mutter hat, und über den Muttervater Sir Donnerhall v. Sandro Hit. Bayside AK war wie die zweitplatzierte Vaida-Girl als Nachrückerin ins Finale gekommen. Ihre Reiterin hatte schon vor dem Finale gesagt, wie aufregend die Atmosphäre in der Festhalle für die Stute ist. Das zeigte sich auch im Finale. Brunkhorst ließ die Stute beim Leichttraben noch einmal abspannen, ehe sie ihre Aufgabe begann. Die Leichtfüßigkeit und natürliche Kadenz dieser Stute beeindrucken. Aber man sah auch, dass Bayside es in der Festhalle tatsächlich so spannend fand, wie Brunkhorst es prophezeit hatte. Sie guckte mal hier, mal da, kam im Schritt nicht zu völligen Losgelassenheit, sprang im starken Trab einmal in den Galopp, fiel aber dennoch nicht vollkommen aus ihrer Rolle, was wohl dem Vertrauen zur Reiterin geschuldet war, die sie sehr feinfühlig durch die Aufgabe führte, ihr immer wieder den Hals anklopfte, um ihr Sicherheit zu geben und sie ein wenig zu beruhigen. Fazit dieses ersten Auftrittes in der Festhalle: ein Pferd mit allen Möglichkeiten, bei dem jedoch auch noch alles im Werden begriffen ist. Ergebnis: 69,390 Prozent und Rang neun.


Der Bundeschampion der sechsjährigen Dressurpferde von 2024 wurde Zehnter im Burg-Pokal Finale 2025: Be Sure FRH v. Benicio mit Leonie Richter im Sattel. Der Hannoveraner Hengst war mit seinen sieben Jahren der jüngste Teilnehmer dieses Finales. Für ihn und seine Ausbilderin war es Höhepunkt und Abschied zugleich, denn Be Sure gehört Helgstrand Dressage und Leonie Richter hat sich mit dem neuen Jahr selbstständig gemacht. Einige Pferde bleiben ihr, Be Sure gehört nicht dazu. Der Braune trabt mit ausdrucksvollem Vorderbein und Elastizität. Im Galopp hat er jedoch Probleme, losgelassen über den Rücken ins Bergauf zu springen. Die Tendenz ist zwar erkennbar, aber der Hengst springt nicht von hinten nach vorne über den losgelassenen Rücken. Das bereitet ihm in den Lektionen Probleme, besonders in den Pirouetten. Mit 69,195 Prozent belegten die beiden Rang zehn.


Einst Prämienhengst seiner Körung, hat der wunderschöne Dunkelfuchs Bon Courage FRH v. Bon Coeur aus der Zucht und im Besitz von Dr. Christina Feichtinger inzwischen in Thomas Schulze seinen Reiter gefunden. Schulze gehört zu jenen Reitern, die 2025 zum ersten Mal beim Burg-Pokal Finale dabei waren. Mit Bon Courage hat er ein Pferd mit allem Möglichkeiten. Aber bei aller Bewegungsdynamik hätte man sich bereits etwas mehr Versammlung und Bergauftendenz durch Lastaufnahme gewünscht. Teuer war vor allem die Schritttour. Zwar marschierte Bon Courage im starken Schritt mit viel Raumgriff los, aber das „gleichseitig, aber nicht gleichzeitig“ in der Fußfolge war nicht immer klar gegeben. In der Versammlung fußte er zeitweise deutlich kurz-lang. Das ist doppelt teuer, denn wie in allen Prüfungen zählt die Schrittnote zweifach. So wurden es 69,049 Prozent.


Dorothee Schneider hat mit dem achtjährigen Westfalen Voller Emotionen v. Vitalis ihr 23. Pferd in Frankfurt präsentiert. Sie hatte gewissermaßen die Schwangerschaftsvertretung für dessen Besitzerin Stella Charlott Roth übernommen. Das bot sich an, denn Roth hatte ja einst ihre Ausbildung zur Pferdewirtin bei Schneider absolviert und Dorothee Schneiders erstes Olympiapferd, die Stute Diva Royal, gehörte ebenfalls der Familie Roth. Nun ist Stellas und Thomas Bergers Sohn Piet Emil gesund auf der Welt, und in Kürze wird die Mama ihren „Vinz“ wieder selbst reiten. Der Abschiedsritt mit Schneider zeigte, dass die beiden sich noch nicht allzu lange kennen. Sie begannen voller Ausdruck, der Wallach mit sichtlich Freude bei der Arbeit. Doch dann schlichen sich kleine Fehler ein, wie ein kurzes Anspringen im starken Trab, ungeplante Serienwechsel vor der ersten Pirouette und ein zu frühes Umspringen mit anschließendem Hin- und Herwechseln nach dem starken Galopp über die Diagonale. So wurde es wirklich ein Ritt voller Emotionen mit Highlights, aber auch Oh-Wie-Schade-Momenten. 68,146 Prozent und Rang zwölf waren das Resultat.


Ähnliche Beiträge

Diallo von Jessica von Bredow-Werndl plötzlich verstorben
Diallo von Jessica von Bredow-Werndl plötzlich verstorben Zum Artikel
Neues Jahr, neuer Job, neue Pferde für Leonie Richter
Neues Jahr, neuer Job, neue Pferde für Leonie Richter Zum Artikel
Pauluis‘ erster Weltcup-Triumph, Verboomens neuer Star
Pauluis‘ erster Weltcup-Triumph, Verboomens neuer Star Zum Artikel
WP Wehrmann Publishing