Justin Verboomen und Zonik Plus siegen hauchdünn vor Lottie Fry und Glamourdale in ‘s-Hertogenbosch

Hertogenbosch: Kleine Patzer, großer Sport und Raphi Netz mit einer Superleistung Fünfter

Dressur
Knapper Sieg für Justin Verboomen (BEL) mit Zonik Plus in ‘s-Hertogenbosch. Foto: Dutch Masters/digishots Knapper Sieg für Justin Verboomen (BEL) mit Zonik Plus in ‘s-Hertogenbosch. Foto: Dutch Masters/digishots
Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Justin Verboomen (BEL) mit Zonik Plus und Charlotte Fry (GBR) mit Glamourdale in ‘s-Hertogenbosch. Raphael Netz und Diedonné lachende Fünfte in Weltklassefeld.

Der Weltranglistenerste, Justin Verboomen, zeigte seinen Europameister Zonik Plus das erste Mal in diesem Jahr. Seit dem Sieg in Frankfurt hatte der Hengst Pause gehabt. Der Rappe federte durch die Brabanthalle. In der Trabtraversale nach links mahnte Verboomen etwas mehr Fleiß des Hinterbeins an. Das Rückwärtsrichten hätte noch geschmeidiger ausfallen können.


Die erste Passage-Piaffe-Tour, wie von einem unhörbaren Metronom gesteuert, ließ die Wertnoten des Paars dann erstmals jenseits von 80 Prozent landen. Im versammelten Schritt „stapfte“ der Rheinländern im Vorderbein. Die zweite Piaffe gelang wie aus dem Lehrbuch.


Leichte Spannungen im Galopp


In den Zweierwechseln fehlte die letzte Souveränität und Losgelassenheit, Zick-Zack-Traversalen und 15 fliegende Galoppwechsel von Sprung zu Sprung hätten losgelassener und gerade sein dürfen. Aber die Linkspirouette war dann wieder eine Marke „Lehrvideo“. Auch die rechts gelang gut. Auf der letzten Linie lag das Paar aus Belgien noch hinter „Lottie“ Fry, die mit Weltmeister Glamourdale in Führung gegangen war. Doch mit der abschließenden Piaffe und den Punkten für fließende Übergänge machte Verboomen dann den Sack mit einem Endergebnis von 78,457 Prozent zu.


Fry: Drehwurm in der Pirouette


Die Britin Charlotte Fry und Glamourdale zählten zu den Favoriten im Kreis der 18 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Das Paar machte von Anfang an klar, dass sie nicht antraten, um hier unter „ferner liefen“ dabei zu sein. Schließlich ist die 30-Jährige längst in den Niederlanden eingemeindet, was die Reiterei anbelangt und die Sympathien seitens des Publikums.


Im starken Trab arbeitete der Rapphengst über die Oberlinie und fußte bis zu einer Hufbreite über (8,3). Eine Tendenz, dass das rechte Vorderbein höher ausschwingt als das linke, war teilweise zu erkennen. In der ersten Piaffe drohte „Glamy“ hinter die treibenden Hilfen zu kommen. Das ging zu Lasten des Fleißes. Die Kruppe senkte sich in dieser Lektion wenig.


Galopp von 9,7 bis 4,0


Nach einem taktsicheren Schitt in beiden Tempi, gelang die zweite Piaffe noch weniger fleißig. Der Rapphengst wich leicht aus, nur um dann in seiner Paradegrundgangart, dem Galopp mächtig Punkte abzusahnen – Zweierwechsel, Zick-Zack-Traversalen und natürlich der starke Galopp (9,7). Schon der Linkspirouette hätte man mehr Galoppsprung als bloßes Drehen gewünscht. Die nach rechts misslang dann total: In der Einleitung beidfüßig gestemmt, dann umgesprungen, eine Rückwärtstendenz hätte man auch erkennen können – teure Fehler, die am Ende den Sieg kosteten.


Die abschließende Piaffe war die mit Abstand am besten ausgeführte des Paars. Am Punkt zeigte der Rappe die Tritte, blieb vor den treibenden Hilfen und dadurch auch balancierter. 78,022 – Platz zwei.


Zantana S und Marieke van der Putten melden Ansprüche aufs Team an


Mechanik satt, Geschmeidigkeit ausbaufähig – die Zonik-Tochter Zantana RS2 ist ein Pferd, das reichlich Arbeitseifer mitbringt. Diese Dynamik hilft der im Gestüt Lewitz geborenen Rappstute. Manchmal stellt diese Energie aber auch ihre Reiterin, die Niederländerin Marieke van der Putten, vor die Aufgabe, die Lektionen nicht nur gehorsam, sondern auch mit einem gewissen lockeren Selbstverständnis zu präsentieren. Das begann schon bei der Trabverstärkung ohne nennenswerte Veränderung im Hals und damit kaum erkennbarer Rahmenerweiterung, auch wenn die Beine vorne wie hinten dynamisch flogen.


Hengstmutter in der Weltspitze


In den Lektionen der hohen Versammlung fühlt sich Zantana offenkundig wohl. Noten bis an die 80 Prozent gab es. Mitunter schlich sich in der Passage hinten unterschiedlich hohes Abfußen im Hinterbein ein. Die sichere Galopptour wurde von einem Fehler in der Rechtspirouette getrübt. Hier sprang die väterliche Halbschwester des Siegers um.


Zantana, dank Embryoransfer schon Mutter von drei gekörten Hengsten, darunter dem populären Debutant PS, landete mit 74,609 Prozent auf Rang drei.


Belgien drängt nach vorne


Larissa Pauluis‘ Wallach Flambeau hat einiges an Kilometern in der Weltcup-Saison gemacht. Ein Highlight der Vorstellung waren die Piaffen – rhythmisch mit deutlicher Lastaufnahme. Im starken Schritt hätte sich der Wallach deutlicher ans Gebiss herandehnen können. Trotzdem trat er aber taktischer über die Spuren der Vorderhufe. Höhepunkt des Auftritts der Sieger von Neumünster waren viele Galopplektionen wie die Serienwechseln. Die Pirouetten waren in Phasen eher gedreht als gesprungen. Was der Belgierin besser als vielen anderen gelang: die Unterscheidung von versammeltem Trab und Passage. Die letzte Piaffe hätte man sich etwas mehr auf der Stelle gewünscht. Das Paar, das gemeinsam schon zwei Olympische Spiele bestritten hat, erzielte 72,892 Prozent – Platz vier für Belgien.


Mon Dieu, Raphi!


Neben dem in Neumünster erfolgreichen Routinier Great Escape Camelot hat Raphael Nezt noch ein zweites Pferd für den Top-Sport, Dieudonné. Der äußerst gehfreudige Rappe besticht durch sein aktives Hinterbein. Netz hat ihn relativ spät zu sich bekommen, wie er im Interview gegenüber EQUI PAGES verraten hat, doch dann hat Dieudonné schnell und eifrig gelernt.


Der sensible Wallach, im Januar in Basel Dritter im Grand Prix, hielt in der ersten Trabverstärkung noch etwas die Luft an. Im zweiten starken Trab konnte Netz dann die Hand etwas mehr „aufmachen“. Der Dante Weltino-Sohn nutze den Raum, zog ans Gebiss heran (7,8).  Die erste Piaffe gelang noch nicht ganz im idealen Rhythmus, die Passage aber während der gesamten Prüfung sehr gleichmäßig. Gelang schon der starke Schritt gut, muss man hinter die Qualität des versammelten Schritts ein Ausrufezeichen setzen.


Ein Versehen an der kurzen Seite


Ein Schnitzer unterlief dem Paar im Galopp. An der kurzen Seite vorm starken Galopp fiel der Braune kurz aus. Die Note war dahin, deswegen zeigten die beiden den starken Galopp dann mit angezogener Handbremse. Die Konzentration war dann aber wieder vor der Zickzack-Traversalen wieder hergestellt.In den Einerwechseln müsste der Wallach noch gerader im Körper bleiben, sie waren nicht ganz spannungsfrei. Die Linkspirouette war ein weiteres Highlight. Die gute Pirouette nach rechts hätte ausbalancierter sein müssen, um an die 7,6 für die Linkspirouette heranzukommen.


Sehr schön abgesetzte erhabene Passage-Tritte gelangen auf der letzten Mittellinie, die Piaffe ähnlich den beiden zuvor gezeigten. Und ein glücklich strahlender Raphael Netz. In solch einem Teilnehmerfeld ist Dieudonné bislang noch nicht angetreten. Mit 72,826 Prozent, Platz fünf, ist der DSP-Wallach aus Baden-Württemberg aber endgültig im Oberhaus der Dressur angekommen.


Family Affair aus dem Münsterland dreht international auf


Hinter der Schweizerin Charlotta Rogerson wurde Dr. Svenja Kämper-Meyer mit dem „Familienprodukt“ Amanyara Siebte. Die große Überschrift über diesem Ritt: Feine Anlehnung, das Genick stets höchster Punkt! So soll es ein.


Das Paar punktete im starken Trab und mit einer mustergültigen Grußaufstellung. Die Piaffen waren phasenweise noch sehr im Vorwärts, dafür aber taktmäßig getreten.


Die Ampère-Tochter hat nicht den großzügigsten Galopp. Aber einen, der praktisch ist für präzise Galopplektionen. Gekonnt nutzte die Reiterin diese Kapazitäten. In den Zweierwechseln, genau wie den Zick-Zack-Traversalen und Einerwechseln. Bei denen dürfte der Schweif der Stute etwas weniger Einsatz zeigen. Super gelungen: die genauso zentrierte wie ausbalancierte Rechtspirouette.


70,848 Prozent, das war zu diesem Zeitpunkt Platz zwei in der laufenden Prüfung, standen auf der Anzeigetagel. Am Ende landete das Paar aus der Nähe von Münster auf Rang sieben.


Moritz Treffinger: Knoten in den „Einern“


Selbst das gute Halten und flüssige Rückwärtsrichten, neben einigen Höhepunkten in der Galopptour, konnte nicht davon ablenken, dass Moritz Treffinger und Cadeau Noir schon bessere Prüfungen abgeliefert haben als den heutigen Grand Prix in ‘s-Hertogenbosch. Eine erste Unstimmigkeit hatte es schon beim Einreiten gegeben. Das wirkte wohl noch in der richterlichen Erinnerung nach. Denn die flüssigen Trabtraversalen landete im Schnitt der Bewertungen auch noch knapp unter „ziemlich gut“, was eine 7,0 gewesen wäre.


Die Piaffe zeigte der Rapphengst auf der Stelle. Hakenbiegung wünschte man sich etwas mehr. Aber in allen drei geforderten Piaffen stimmte der Rhythmus und auch die Übergänge gelangen geschmeidig. Dass dem Christ-Sohn wohl doch die Atmosphäre. In den Brabanthallen etwas zu schaffen machte, zeigte sich dann im Schritt. Die Anlehnung war im starken Schritt unstet, wenngleich der Hannoveraner deutlich überfußte. Im versammelten Schritt war der Takt nicht immer lupenrein.


Höhen und Tiefen


Treffinger musste also punkten, wollte er in ‘s-Hertogenbosch noch „ins Geld reiten“. Zunächst sah es in der Galopptour so aus, als sollte ihm das gelingen. Bergauf, losgelassen und gerade gesprungene fliegende Galoppwechsel zu zwei Sprüngen (7,7) und eine gut aufgeteilte, gleichmäßig links und rechts der Mittellinie angelegte Zick-Zack-Traversale (7,7) ließen ihn im Notenspiegel wieder die 70 Prozent anpeilen. Ein totales Missverständnis in den Einerwechseln, bei denen kaum einer gelang, machten die Hoffnung dann aber zunichte.


Kämpfer Treffinger konzentrierte sich auf die folgenden Lektionen und nach einer gut ausgeführten Rechtspirouette brachte er die Prüfung ohne weitere Irritation ins Ziel. Mit 67,783 Prozent landete er auf Platz 13.


Die Belgierin Alexa Fairchild wurde nach dem Ritt disqualifiziert.


Alle Ergebnisse Grand Prix Dutch Masters 2026


Kleine Tour


Morgens war Treffinger bereits im Prix St. Georges mit Nachwuchspferd Vincero am Start. Zum Sieger der Prüfung, Maclaren, den Dinja van Liere vorstellte, hat Treffinger einen besonderen Bezug. Er reitet seinen Vater Morricone auf dem Gestüt Bonhomme, wo der U25-Europameister seit einigen Jahren als Bereiter tätig ist.


Ergebnisse Prix St. Georges Dutch Masters 2026


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