Grand Prix Neumünster
Juliane Brunkhorst und Diamante Negro – das Beste kommt zum Schluss
Juliane Brunkhorst und Diamante Negro. Foto: sportfotos-lafrentz.de Mit 73,040 Prozent gewannen Juliane Brunkhorst und der zehnjährige DSP-Wallach Diamante Negro v. DeLorean den Grand Prix der nationalen Tour von Neumünster. Das einzige weitere Paar, das ebenfalls eine 7 vor dem Komma hatte, waren Nicole Wego-Engelmeyer und DiCaprio OLD mit 70,480 Prozent auf Rang zwei. Dritter wurde der Schleswig-Holsteiner Lokalmatador Felix Kneese im Sattel von San Simeon mit 69,240 Prozent.
Das Beste kommt zum Schluss
Nachdem sie 2024 Zweite im Nürnberger Burg-Pokal gewesen waren, hatten Juliane Brunkhorst und Diamante Negro im Louisdor-Preis Finale 2025 nicht ihren besten Tag und blieben deutlich unter ihren Möglichkeiten. Aber trotz der Fehler, mit denen die beiden schlussendlich Achte wurden, war klar: Das war nicht das, wozu dieses Pferd eigentlich in der Lage ist. Das sah man heute.
Nicht nur beim Endergebnis lag heute eine Welt zwischen Brunkhorst und dem Rest des Starterfeldes. Die Bewertung spiegelte wieder, wie viel näher das Paar Brunkhorst/Diamante Negro am Ideal der Leichtigkeit in der Dressur war als die Konkurrenz. Das bemerkenswerteste der Prüfung war die stete feine Anlehnung. Es klappten nicht alle Lektionen perfekt, aber in jeder Sekunde der Prüfung war der Wallach vor den treibenden Hilfen und sicher in der Selbsthaltung, so dass Brunkhorst wirklich nur das sprichwörtliche Zügelgewicht in der Hand hatte und das Genick stets der höchste Punkt blieb.
In der Trabtour federte das ganze Pferd. Diamante Negro bringt viel Talent für Piaffe und Passage und vor allem die Übergänge mit. Noch fehlt ihm die Kraft, um auf der Stelle zu piaffieren und er neigt auch noch zum Schwanken, aber das dürfte eine Frage der Zeit sein. Die Zweierwechsel waren losgelassen, durch den Körper und weit ins Bergauf gesprungen. Die Einerwechsel waren einen Hauch zögerlicher. Auffallend war unter anderem, dass es Brunkhorst sogar in den Zick-Zack-Traversalen gelang, den Wallach vor sich zu behalten und kein einziges Mal rückwärts einzuwirken. In den Pirouetten hätte man sich etwas mehr Lastaufnahme auf dem jeweils inneren Hinterbein gewünscht. Eine vermeintliche Kleinigkeit, die aber viel aussagt über Rückentätigkeit und Durchlässigkeit ist der Übergang vom Galopp in den versammelten Trab. Der klappte bei dem Paar geradezu beispielhaft.
Okay, wo Licht ist, ist auch Schatten und das war heute die Schritttour. Sowohl im starken als auch im versammelten Schritt bewegte sich Diamante Negro deutlich phasenverschoben.
Aber alles in allem eine Traumrunde! Das fand auch Juliane Brunkhorst selbst. „Ich freue mich wirklich sehr über den Ritt heute, die Prozente und natürlich den Sieg. Ich habe in der Vorbereitung ein paar Kleinigkeiten verändert, vor allem um die Balance in der Piaffe-Passage-Tour zu verbessern, speziell in der Piaffe. Heute hat er das gemacht wie ein Profi – mit so viel Sicherheit, Vertrauen und Leichtigkeit. Es war fast so, als würde er sagen: ,Lass mich mal machen, dann geht das schon.‘ Ich bin ganz, ganz stolz auf ihn. Gerade wenn man bedenkt, dass es erst sein dritter Grand Prix war.“
Noch eine „ziemlich gute“ Runde
Nicole Wego-Engelmeyer und der zwölfjährige Dimaggio-Sohn DiCaprio OLD haben deutlich mehr Erfahrung auf Grand Prix-Niveau als das Siegerpaar. Bereits seit 2024 sind sie im S***-Viereck unterwegs. Der Fuchs ist ein Vollbruder zum 2022er Bundeschampion der siebenjährigen Dressurpferde, Dos Amigos. DiCaprio ist ein Pferd mit viel Go, das einerseits Verstärkungen zeigte, die ihren Namen auch verdienen, das andererseits aber auch großes Talent für die versammelten Lektionen mitbringt und trotz einer tendenziell überbauten Hinterhand deutlich Last aufnimmt. Der viele Schwung, den DiCaprio OLD mitbringt, führte heute allerdings leider dazu, dass Nicole Wego-Engelmeyer immer etwas „auf der Bremse“ stehen musste und nicht recht zum Loslassen kam.
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